Hallo,
als geldpolitische Instrumente stehen der Zentralbank drei Möglichkeiten zur Verfügung: die Mindestreservepflicht, die Offenmarktpolitik und die Fazilitäten.
Nun sind Offenmarktpolitik und Spitzenrefinanzierungsfazilitäten doch nichts anderes als Kredite, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank aufnehmen. Die Laufzeit der Kredite beträgt aber nur zwischen einem Tag bei Spitzenrefinanzierungsfazilitäten und wenigen Wochen bei der Offenmarktpolitik.
Nun kommt ja alles Geld ursprünglich von der Zentralbank. Sie hat das Monopol zum Gelddrucken. Ist nun die gesamte Geldmenge, die bei den Geschäftsbanken eingelagert ist, sozusagen nur geliehenes Geld von der Zentralbank, oder verfügen die Geschäftsbanken auch über eigenes Geld, das sie nicht mehr den Zentralbanken zurückgeben müssen. Kann die Geschäftsbank der Zentralbank sozusagen Geld abkaufen und nicht nur leihen? Welche Gegenleistung muss eine Geschäftsbank der Zentralbank geben, um Geld abzukaufen (Geld kann es ja nicht sein, denn dann wäre es ein Nullsummenspiel)?
Vielen Dank
Martin Unterholzner
Hallo
du solltest dich von der Vorstellung lösen, dass alles Geld als Bargeld (also Scheine und Münzen) vorhanden ist. Das ist nur ein geringer Anteil.
Sehr sehr sehr viel Geld existiert nur als Zahl auf dem Kontoauszug - das sog. „Buchgeld“.
Und Buchgeld wird halt nicht nur bei der EZB geschaffen, sondern durch Buchungsvorgänge. Such mal in den Suchmaschinen unter „Geldschöpfung“, vielleicht findest du da was.
Auch die von der EZB herausgegebenen Kredite sind nur als Buchgeld vorhanden - es fährt niemand mehr mit dem Aktenköfferchen oder dem gepanzerten Wagen zur Bank, um dort das Geld abzuliefern.
Gegenleistung der Banken: die gleichen, die du deiner Bank geben musst, wenn du einen Kredit aufnimmst: Zinsen
Gruß
HaWeThie
Danke hawethie,
aber auch wenn mit Geld nicht nur Bargeld, sondern auch Buchgeld
gemeint ist und es auch noch die Geldschöpfungsmöglichkeiten der Banken gibt, verstehe ich immer noch nicht wie ein Einzelner Eigentümer von Bargeld sein kann, das er in seiner Brieftasche hat, wenn alles Bargeld nur von der Zentralbank geliehen ist und die Leihfristen nur einen Tag bis maximal wenige Monate dauern. Irgendwann wird es wohl so sein, dass das von der Zentralbank geliehene Bargeld fester Bestandteil des Wirtschaftskreislaufes ist und in diesem fix verbleibt und nicht alle Tage bzw. Monate der Zentralbank zurückgeben werden muss? Wenn man der Zentralbank Devisen oder Gold verkauft, dann bekommt man als Gegenzug einheimisches Geld, das man natürlich nicht mehr zurückgeben muss. Aber es muss doch noch andere Möglichkeiten geben, oder?
Danke
Martin
Hallo Martin,
gemeint ist und es auch noch die Geldschöpfungsmöglichkeiten
der Banken gibt, verstehe ich immer noch nicht wie ein
Einzelner Eigentümer von Bargeld sein kann, das er in seiner
Brieftasche hat, wenn alles Bargeld nur von der Zentralbank
geliehen ist
zwei Ansätze:
erstens hat sich ein Kreditinstitut das Geld geliehen und an Dich in Form einer Abhebung Deines Guthabens ausgezahlt. Das KI muß also zusehen, wie es das Geld an die Zentralbank zurückzahl und nicht Du.
zweitens haben die KI das Geld rein technisch gesehen nicht von der Zentralbank geliehen sondern es im Rahmen eines echten Wertpapierpensionsgeschäftes als Kaufpreiszahlung erhalten.
und die Leihfristen nur einen Tag bis maximal
wenige Monate dauern. Irgendwann wird es wohl so sein, dass
das von der Zentralbank geliehene Bargeld fester Bestandteil
des Wirtschaftskreislaufes ist und in diesem fix verbleibt und
nicht alle Tage bzw. Monate der Zentralbank zurückgeben werden
muss?
Die Geldmenge schwankt durchaus und derzeit heftig. Aber in der Tat bleibt ein Bodensatz immer in Umlauf, aber auch das ist nur zeitweise überlassen (durch besagte Wertpapierpensionsgeschäfte). Aber niemand hindert Dich daran, eine Immobilie durch einen Kontokorrentkredit zu finanzieren. Solange Du Dir sicher sein kannst, daß der in den nächsten 30 oder 40 Jahren immer wieder verlängert wird, ist das vollkommen problemlos und bei der EZB kann man sich eben sicher sein, daß die Wertpapierpensionsgeschäfte im erforderlichen Umfang wieder und wieder und wieder bereitgestellt werden.
Ich hoffe, daß es etwas klarer geworden ist.
Gruß
Christian
Danke: Grundprinzip verstanden
Danke für die Erklärungen,
nun glaube ich das Grundprinzip verstanden zu haben.
Wie immer schönste Grüße
Martin