Geldschöpfungsmultiplikator – Theorie und Pr

Hallo zusammen,

ich befinde mich gerade in Klausurvorbereitungen zum Thema Geldtheorie und habe eine gewisse Unsicherheit bzgl. des Geldschöpfungsmultiplikators. In der Literatur wird die maximale Geld-/Kreditschöpfung meist über ein Periodenmodell dargestellt. Bspw. (Annahme: keine Bargeldhaltung, 2 % Mindestreserve, Einbankensystem, keine Berücksichtigung von Eigenkapitalvorschriften) bringt Kunde 1 1000 Euro in bar zu Bank A. Bank A räumt Kunde 1 ein Sichtguthaben ein und verleiht 980 Euro als Kredit weiter ein Kunde B (1000 Euro -2%). Kunde B überweist die Summe an Kunde C. Die Einlage von Kunde C wird von der Bank wiederum weiter als Kredit vergeben, und zwar 960,4 Euro an Kunde D (980 abzgl. der Mindestreserve). Am Ende komme ich dadurch auf die maximal geschöpfte Giralgeldmenge von 50.000 Euro. Didaktisch ist das Konzept sehr leicht verständlich. Die Frage die sich mir aufdrängt ist jedoch, ob in der Praxis eine maximale Geldschöpfung ebenfalls nur über eine solch lange „Periodisierung“, sprich unheimlich viele Überweisungsvorgänge, möglich ist?
Wäre es für Bank A nicht auch möglich mit der Einlage an Zentralbankgeld des Kunden 1 sofort die maximale Geldschöpfung in zwei Schritten durchzuführen. Könnte die Bank also dem Kunden 1 ein Sichtguthaben von 1000 Euro einräumen und einem zweiten Kunden einen Kredit in Höhe von 49.000 Euro geben. Die Mindestreserve würde mit 2 % ja genau dafür reichen? Ist meine Sichtweise richtig oder befinde ich mich auf dem Holzweg? Es wäre nett, wenn mich jemand aufklären könnte.

Hallo,

also ich würde sagen, dass dies nicht möglich ist.
Das hat nicht unbedingt etwas mit der Geldtheorie zu tun, sondern mit der ganz praktischen Frage, wo denn die Bank die 49.000€ hernehmen will. Oder noch plastischer: Wie sollte das in der Bilanz aussehen? 1.000€ Pasiva und 49.000€ Aktiva? Sie hat ja nun mal nur die 1.000€ und kann davon noch 980€ verleihen. In der Bilanz ständen dann 980€ Forderungen und 20€ Kassenbestand und auf der Passiva eben die 1.000€ Einlage.
Mindestreserve bedeutet nicht, dass die Bank nur über 2% der ausgeteilten Kreditsumme verfügen muss, sondern dass 2% der Einlagen als Barreserve gehalten werden müssen. Sie kann nur soviel verleihen, wie sie auch abzüglich der Mindestreserve hat.
Ich denke man kann daran auch ganz gut erkennen, dass das dieses Geldsystem relativ empfindlich reagieren kann, wie es ja die aktuelle Situation recht gut beweist.

MfG

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

In der Bilanz der Bank stünden nach meinem Beispiel auf der Aktivseite Forderungen gegenüber dem Kunden 2 im Wert von 49.000 Euro, auf der Passivseite Sichtguthaben in der Höhe von 49.000 Euro. Der Kredit wird also durch eine Forderung gegen sich selber dargestellt (was ja letzlich der Akt der Geldschöpfung ist). Bei der Zentralbank liegen weiterhin 1000 Euro an Sichtguthaben (Aktivseite). Die Sichteinlage des Kunden 1 beträgt 1000 Euro (Passivseite). Laut EZB müssen per Monatsdurchschnitt minimal 2% der gewährten Kredite bzw. Sichtguthaben bei der Zentralbank mit Geld unterlegt sein, das käme dann ja genau hin. Will der Kunde 2 seinen Kredit in bar abheben, so müsste sich die Bank bei der Zentralbank per Kredit mit Zentralbankgeld versorgen. Laut Wikipedia:

„Echte Geldschöpfung hingegen ist es, wenn die Menge des Buchgeldes zunimmt, indem bei einer Bank eingezahltes Bargeld (das sichtbar gemachtes Zentralbankgeld ist) das Zentralbankgeldguthaben dieser Geschäftsbank erhöht und je nach Mindestreservesatz zur Gewährung eines Vielfachen (bei einem Mindestreservesatz von 2 % des 50fachen) an Krediten verwendet wird. Dieser Vorgang wird als multiple Geldschöpfung bezeichnet.“

Hallo,

also ich würde sagen, dass dies nicht möglich ist.
Das hat nicht unbedingt etwas mit der Geldtheorie zu tun,
sondern mit der ganz praktischen Frage, wo denn die Bank die
49.000€ hernehmen will.

eine Ursache des aktuellen Problemchens ist, daß die Kreditinstitute eben nicht nur Geld verleihen, das ihnen als Einlagen zur Verfügung gestellt wird.

Gruß
Christian

Hallo,

also ich würde sagen, dass dies nicht möglich ist.
Das hat nicht unbedingt etwas mit der Geldtheorie zu tun,
sondern mit der ganz praktischen Frage, wo denn die Bank die
49.000€ hernehmen will.

eine Ursache des aktuellen Problemchens ist, daß die
Kreditinstitute eben nicht nur Geld verleihen, das ihnen als
Einlagen zur Verfügung gestellt wird.

So genaue Kenntnisse habe ich da natürlich nicht. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass die Banken (zumindest hier bei uns) nur soviel Geld verleihen können, wie ihnen Andere als Einlagen zur Verfügung stellen. In der Realität gibt es ja nicht nur die Mindestreserve, sondern es müssen doch auch noch x% der verausgabten Kredite mit Eigenkapital hinterlegt sein. Davon, dass die Banken mehr Geld verleihen würden bzw. könnten als sie zur Verfügung haben (also Eigenkapital + Einlagen)kann demnach meiner Meinung keine Rede sein.

Wenn man natürlich einfach jemanden Geld leihen könnte, ohne selbst welches zu haben, würde mich in der Tat nichts mehr wundern.
Ich glaube aber nicht, dass dies die Wirklichkeit widerspiegelt. Das Problem ist doch eher, dass die Banken Geld verliehen haben, das ihnen nicht gehört UND dieses nun nicht zurückgezahlt werden kann. Na gut, das ist noch nicht das eigentliche Problem. Das Risiko des Nichtzurückzahlen eines Kredites besteht ja immer. Das eigentliche Problem sind wohl die zu geringen Sicherheiten bzw. die Ausgabe von Krediten an Leute, deren Ausfallwahrscheinlichkeit wesentlich höher war, als die Risikoprämie (Zinsen), die sie dafür hätten zahlen müssen.

Gruß
Christian

Gruß

In der Bilanz der Bank stünden nach meinem Beispiel auf der
Aktivseite Forderungen gegenüber dem Kunden 2 im Wert von
49.000 Euro, auf der Passivseite Sichtguthaben in der Höhe von
49.000 Euro. Der Kredit wird also durch eine Forderung gegen
sich selber dargestellt

Also entweder hat die Bank dem Kunden 2 einen Kredit eingeräumt, dann hat die Bank gegen diesen Kunden eine Forderung in der Bilanz stehen. Er kann dann zwar über diesen Kredit verfügen, aber dieser stellt nicht gleichzeitig eine Sichteinlage des Kunden und somit eine Forderung gegenüber der Bank bzw. eine Verbindlichkeit für diese dar. Die beiden Seiten einer Bilanz heben sich nicht gegenseitig auf. Die Passivseite stellt lediglich die Mittelherkunft dar und die Aktivseite die Mittelverwendung. Die Bilanzsumme ist ja auch nicht die Addition beider Seiten.

(was ja letzlich der Akt der Geldschöpfung ist).

Nein, der Akt der Giralgeldschöpfung kommt erst dann weiter in Gang, wenn der Kunde 2 das Geld „abhebt“ und auf ein anderes Konto einzahlt bzw. überweist und die Bank dann wiederum dieses Geld weiterverleiht usw. usf.

Bei der Zentralbank liegen weiterhin 1000
Euro an Sichtguthaben (Aktivseite). Die Sichteinlage des
Kunden 1 beträgt 1.000 Euro (Passivseite). Laut EZB müssen per
Monatsdurchschnitt minimal 2% der gewährten Kredite bzw.
Sichtguthaben bei der Zentralbank mit Geld unterlegt sein, das
käme dann ja genau hin.

O.K. im eingangs erwähnten Modell ging es um eine Mindestreserve von 2%. In meinen ersten Ausführungen habe ich diese als Barreserve betrachtet, da es sich um ein Ein-Banken-Modell ohne Zentralbank handelte. In der Tat wird jedoch mit Mindestreserve jener Betrag bezeichnet, den die Geschäftsbanken bei der Zentralbank als Sichtguthaben unterhalten müssen. Der Bilanzansatz wäre also richtig: 1.000€ Passiva (die Einlage des Kunden); Aktiva: 980€ Forderungen (Kredit an einen Kunden) sowie 20€ Forderung gegen die Zentralbank (Sichtguthaben bei eben dieser).

Will der Kunde 2 seinen Kredit in bar
abheben, so müsste sich die Bank bei der Zentralbank per
Kredit mit Zentralbankgeld versorgen.

Einen Kredit bei der Zentralbank bekäme die Geschäftsbank nur, wenn sie zentralbankfähige Aktiva (z.B. Gold, Devisen, diverse Wertpapiere)als Sichheit vorweisen könnte. Da aber im beschrieben Modellfall die Bank nur über die 1.000€ Einlage verfügt (und sei es nun in Gold) kann sie sich keine 49.000€ bei der Zentralbank leihen. Genaugenommen kann sie sich gar nichts mehr leihen, denn 980€ hat sie ja schon selbst weiterverliehen und 20€ liegen bei der Zentralbank. Und mehr hat die Bank nicht.

Laut Wikipedia: „Echte Geldschöpfung hingegen ist es, wenn die Menge :des Buchgeldes zunimmt, indem bei einer Bank eingezahltes Bargeld
(das sichtbar gemachtes Zentralbankgeld ist) das :Zentralbankgeldguthaben dieser Geschäftsbank erhöht und je
nach Mindestreservesatz zur Gewährung eines Vielfachen (bei
einem Mindestreservesatz von 2 % des 50fachen) an Krediten
verwendet wird. Dieser Vorgang wird als multiple Geldschöpfung
bezeichnet.“

Das ändert nichts daran. Mal abgesehen davon, was man von Wikipedia als zitierfähiger Quelle halten mag.

Gruß

El Buffo

eine Ursache des aktuellen Problemchens ist, daß die
Kreditinstitute eben nicht nur Geld verleihen, das ihnen als
Einlagen zur Verfügung gestellt wird.

So genaue Kenntnisse habe ich da natürlich nicht.

Merkt man gar nicht.

Ich bin
bisher davon ausgegangen, dass die Banken (zumindest hier bei
uns) nur soviel Geld verleihen können, wie ihnen Andere als
Einlagen zur Verfügung stellen.

Ich schlage vor, daß Du, bevor wir hier weitermachen, mal einen Blick in die Bilanz eines Kreditinstitutes wirfst. Alles andere wäre einigermaßen zwecklos.

C.

Ich schlage vor, daß Du, bevor wir hier weitermachen, mal
einen Blick in die Bilanz eines Kreditinstitutes wirfst. Alles
andere wäre einigermaßen zwecklos.

C.

Hab ich mal gemacht. Habe mich aber auf deutsche Banken beschränkt. Hab bei keiner gesehen, dass die ausgeteilten Kredite höher als die Passiva wären. Ich gehe natürlich davon aus, dass die Angaben stimmen.
Über die Werthaltigkeit einzelner Positionen ließe sich freilich vortrefflich streiten und genau dies ist wohl auch der Auslöser der aktuellen Krise. Keiner hat mehr Vertrauen in die Werthaltigkeit der gemachten Angaben.
Wenn Du ein konkretes Beispiel dafür hast, dass die Banken tatsächlich mehr verleihen könnten, als sie selber hätten (also Eigenkapital + Frempkapital), wäre ich dankbar.
Wie würde das in der Bilanz aussehen? Auf der Passivaseite stehen lediglich 1.000€ Einlagen, auf der Aktivaseite 49.000€ Forderungen (wenn wir mal beim Beispiel bleiben).
Unter was stehen die fehlenden 48.000€ auf der Passiva oder alternativ in der Aktiva? Wenn natürlich der Jahresfehlbetrag der größte Aktivposten ist, sollte dies schon ein Hinweis darauf sein, dass mit dem Unternehmen etwas nicht stimmt.

Können sich die Banken tatsächlich Geld bei der Zentralbank (oder bei anderen Banken) leihen ohne Sicherheiten zu hinterlegen? Und wie würde dies dann dort bilanziert also bewertet? Im Grunde genommen leihen sich die Banken doch auch gar kein Geld bei der Zentralbank, sondern versorgen sich hier lediglich mit Liquidität in dem sie eben sog. zentralbankfähige Aktiva an die Zentralbank verkaufen oder verpfänden.
Meine Kenntnisse diesbezüglich stammen zugegeben noch aus DM-Zeiten, aber ich glaube kaum, dass sich hier gravierende Veränderungen eegeben haben sollten.
Und wenn ich die aktuellen Probleme deutscher Kreditinstitute sehe, dann ist doch das Problem weniger das Kreditgeschäft, sondern der Erwerb sog. Subprimes und deren nun offenkundig gewordenen Werthaltigkeit.

Um aber bei der Ausgangsproblematik und damit insbesondere im Modellrahmen zu bleiben, ist die Annahme, die Bank könne mit 1.000€ Einlage auch gleich 50.000€ Kredit ausgeben, nicht möglich, da gem. der vorgegebenen Parameter mit 1.000€ Einlage nur 980€ Kreditvergabe möglich sind. Die maximalen 50.000€ sind nur möglich, wenn der Empfänger der 980€ diese wiedrum auf ein Konto einzahlt usw. usf.
MfG

Wie würde das in der Bilanz aussehen? Auf der Passivaseite
stehen lediglich 1.000€ Einlagen, auf der Aktivaseite 49.000€
Forderungen (wenn wir mal beim Beispiel bleiben).

Also erstmal, IANAE. Aber wäre es im Moment der Kreditaufnahme von 49k nicht einfach so wie folgt?

Aktiva:

  • 1.000 Euro bei Zentralbank (einbezahlt durch A)
  • Forderung 49.000 gegen B
    Passiva:
  • 1.000 Euro Guthaben von A (z.B. auf Girokonto)
  • 49.000 Euro auszbezahlter Kredit auf Bs Girokonto

Das deckt sich und die Geldschöpfung ist vollzogen. Auch die Mindestreserve wird eingehalten. Wenn jetzt B sein Geld zu einer anderen Bank befördern möchte, tritt lediglich ein Liquiditätsproblem auf (zuwenig Zentralbankguthaben für den Ausgleich zwischen den beteiligten Banken), kein bilanzielles. Wenn B nur Geld an A überweisen möchte, passt alles.

Lösung für Liquidität wäre z.B., den Kredit an B zu verbriefen und die Papiere bei der Zentralbank als Sicherheit für einen Kredit hinterlegen. Angenommen, das ginge zu 100%. Dann sähe die Bilanz so aus:

Aktiva:

  • 50.000 Zentralbankguthaben
  • 49.000 Forderung an B
    Passiva:
  • 1.000 Girokonto A
  • 49.000 Girokonto B
  • 49.000 Verbindlichkeit gegenüber Zentralbank

Wenn dann B aus seinem geliehenen Geld eine Überweisung über z.B. 20.000 Euro an eine fremde Bank tätigt, schaut es so aus:

Aktiva:

  • 30.000 Zentralbankguthaben
  • 49.000 Forderung an B
    Passiva:
  • 1.000 Girokonto A
  • 29.000 Girokonto B
  • 49.000 Verbindlichkeit Zentralbank

Es geht also immer prima auf, und das Zentralbankkonto ist immer mit der Mindestreserve gedeckt, oder?

Um aber bei der Ausgangsproblematik und damit insbesondere im
Modellrahmen zu bleiben, ist die Annahme, die Bank könne mit
1.000€ Einlage auch gleich 50.000€ Kredit ausgeben, nicht
möglich, da gem. der vorgegebenen Parameter mit 1.000€ Einlage
nur 980€ Kreditvergabe möglich sind.

Aber im Moment der Kreditvergabe entsteht ja auch eine Einlage durch die Gegenbuchung zur Forderung… oder nicht? Würde mich interessieren, ob ich mir das alles richtig vorstelle oder was ich falsch mache.

Grüße,
Sebastian

Hallo ElBuffo,

wenn man sich mal Basel II anschaut, so ist doch die Forderung an die Banken, dass sie alle Kreditpositionen gewichten (rating). Diese (Kreditpositionen summiert plus ein gewisses Marktrisiko * 12,5) * 8% ist das Eigenkapital mit dem die Banken ihre Kredite hinterlegen müssen.
Dadurch erkennst du, dass sie bedeutend weniger EK haben müssen als Kapital das sie verleihen können.
Nun ist es so, dass vor der der Finanzkriese man den Ratingagenturen geglaubt hat und dass man viele Kredite einfach für ausfallsicher gehalten hat.
Die Banken haben sich gegenseitig Geld geliehen ohne groß auf Sicherheiten zu bestehen.

In der Bilanz sieht dass einfach so aus:
Aktiva
Forderungen 1000
Passiva
Eigenkapital 80
Fremdkapital 920
(Werte stimmen nur sehr vereinfacht mit Basel II überein)

Ich sehe nicht wo da das Problem sein soll.
Und funktionieren tut das ganze auch, du musst eben nur schauen, dass du billiger Geld leihen kannst als dass du Zinsen für dein verliehen Kapital bekommst.
Wenn man nun mal EurIBOR/LIBOR mit Zinsen vergleichst, die du für einen Kredit zahlst siehst du dass dann auch.

Gruss
Pascal

Wenn Du ein konkretes Beispiel dafür hast, dass die Banken
tatsächlich mehr verleihen könnten, als sie selber hätten
(also Eigenkapital + Frempkapital), wäre ich dankbar.

Mehr als Fremd- und Eigenkapital kann man in der Tat nicht verleihen. Allerdings verwendest Du das Wort Fremdkapital jetzt zum ersten mal. Vorher war die Rede von Einlagen und zwischendurch auch mal von Eigenkapital, daher mein bisheriger Widerspruch.

Gruß
Christian

Hallo ElBuffo,

wenn man sich mal Basel II anschaut, so ist doch die Forderung
an die Banken, dass sie alle Kreditpositionen gewichten
(rating). Diese (Kreditpositionen summiert plus ein gewisses
Marktrisiko * 12,5) * 8% ist das Eigenkapital mit dem die
Banken ihre Kredite hinterlegen müssen.
Dadurch erkennst du, dass sie bedeutend weniger EK haben
müssen als Kapital das sie verleihen können.

Ich hatte auch explizit darauf hingewiesen, dass die Banken nicht mehr Geld verleihen können, als an Eigenkapital UND Fremdkapital vorhanden sind. Um die Eigenkapitalquote ging es nicht. Wenn Du darauf hinweisen möchtest, dass die Banken mehr Geld verleihen als sie selber in Form von Eigenkapital haben, gebe ich dir vollkommen recht. Dies war schon immer so und stellt kein Problem dar.

Nun ist es so, dass vor der der Finanzkriese man den
Ratingagenturen geglaubt hat und dass man viele Kredite
einfach für ausfallsicher gehalten hat.
Die Banken haben sich gegenseitig Geld geliehen ohne groß auf
Sicherheiten zu bestehen.

Genau. Ich glaube, ich hatte auf die Zweifel an der Werthaltigkeit einiger Positionen hingewiesen und damit natürlich die Bewertung der Forderungen gemeint.

In der Bilanz sieht dass einfach so aus:
Aktiva
Forderungen 1000
Passiva
Eigenkapital 80
Fremdkapital 920
(Werte stimmen nur sehr vereinfacht mit Basel II überein)

Ich sehe nicht wo da das Problem sein soll.

Was anderes habe ich auch nicht gesagt. Irgendjemand hatte hier aber behauptet/vermutet, dass mit 1.000€ Passiva (im Modell wurde nicht mal Eigenkapital berücksichtigt) 50.000€ Kredit ausgereicht werden könnten. Das geht aber eben nicht.

Und funktionieren tut das ganze auch, du musst eben nur
schauen, dass du billiger Geld leihen kannst als dass du
Zinsen für dein verliehen Kapital bekommst.
Wenn man nun mal EurIBOR/LIBOR mit Zinsen vergleichst, die du
für einen Kredit zahlst siehst du dass dann auch.

So ist es.

Gruss
Pascal

Was anderes habe ich auch nicht gesagt. Irgendjemand hatte
hier aber behauptet/vermutet, dass mit 1.000€ Passiva (im
Modell wurde nicht mal Eigenkapital berücksichtigt) 50.000€
Kredit ausgereicht werden könnten. Das geht aber eben nicht.

Warum denn nicht? Im Moment der Kreditvergabe entstehen doch auch Passiva – nämlich die gewährte Kreditsumme als sofort fälliges Guthaben des Kreditnehmers (und als gleich hoher Aktivposten entsteht die nicht sofort fällige Kreditrückzahlung).

Grüße,
Sebastian

Wie würde das in der Bilanz aussehen? Auf der Passivaseite
stehen lediglich 1.000€ Einlagen, auf der Aktivaseite 49.000€
Forderungen (wenn wir mal beim Beispiel bleiben).

Also erstmal, IANAE. Aber wäre es im Moment der Kreditaufnahme
von 49k nicht einfach so wie folgt?

Aktiva:

  • 1.000 Euro bei Zentralbank (einbezahlt durch A)

Im Modellfall hatte A 1.000€ bei der Bank eingezahlt. Diese stehen dort, wie unten von dir richtig angegeben, in der Passiva. Die Bank ist lediglich verpflichtet 2% bei der Zentralbank zu hinterlegen. Also stehen hier nur 20€ Zentralbankguthaben.

  • Forderung 49.000 gegen B

Ja.

Passiva:

  • 1.000 Euro Guthaben von A (z.B. auf Girokonto)
  • 49.000 Euro auszbezahlter Kredit auf Bs Girokonto

Also wenn der Kredit ausbezahlt ist, kann er nicht in der Passiva stehen, der Kredit steht ja schon einmal in der Aktiva. Es stellt sich also weiterhin die Frage, wovon die 49.000€ ausgezahlt worden sein sollen. Dafür müßten Einlagen oder Eigenkapital in Höhe von 49.000€ vorhanden sein.

Das deckt sich

Eben nicht. Man stelle sich einmal kurz vor, die eigene Geldbörse sei eine Bank. Die 3,75€ die sich in der Geldbörse befinden sind die Einlage oder das Eigenkapital. Jetzt kommt jemand und möchte 5€ Kredit. Als Forderung könnte man jetzt ein Papier in die Geldbörse legen, auf dem sich X verpflichtet 5€ zurückzuzahlen. Aber wovon werden die 5€ ausgezahlt? Geht nicht, sind ja nur 3,75€ da. Also selbst wenn der Kreditnehmer die 5€ sofort wieder einzahlen wollte, geht das nicht, da er ja die 5€ nicht hat.

und die Geldschöpfung ist vollzogen. Auch die
Mindestreserve wird eingehalten. Wenn jetzt B sein Geld zu
einer anderen Bank befördern möchte, tritt lediglich ein
Liquiditätsproblem auf (zuwenig Zentralbankguthaben für den
Ausgleich zwischen den beteiligten Banken), kein bilanzielles.
Wenn B nur Geld an A überweisen möchte, passt alles.

Nein, funktioniert so nicht.

Lösung für Liquidität wäre z.B., den Kredit an B zu verbriefen
und die Papiere bei der Zentralbank als Sicherheit für einen
Kredit hinterlegen. Angenommen, das ginge zu 100%.

Ganz wichtig ist hier zum einen tatsächlich, dass das ginge, also die Zentralbank dies als zentralbankfähige Aktiva akzeptiert. Um aber einen ausgeteilten Kredit zu verbriefen, muss er ja erstmal ausgeteilt sein. Und das geht eben nicht. Damit ist der folgende Ansatz hinfällig.

Dann sähe die Bilanz so aus:

Aktiva:

  • 50.000 Zentralbankguthaben

Nein, bei der Zentralbank hat man sich doch gerade 49.000€ geliehen. Warum sollte man dann 50.000€ Guthaben dort haben? Also entweder man hat dort ein Guthaben oder man nimmt das Geld und leiht es B. Beides, Guthaben bei der Zentralbank haben und dieses Geld gleichzeitig an B verleihen, geht nicht. Das sollte selbsterklärend sein.

  • 49.000 Forderung an B
    Passiva:
  • 1.000 Girokonto A
  • 49.000 Girokonto B

Das, was man B verleiht, ist eine Mittelverwendung und gehört somit auf die Aktiva.

  • 49.000 Verbindlichkeit gegenüber Zentralbank

Na dann wären ja jetzt aus 1.000€ schon 99.000€ geworden. Im Modellrahmen hatten wir uns aber darauf verständigt, dass 50.000€ die maximal erzielbare Geldmenge sei. Das scheint mir schon ein recht starkes Indiz dafür zu sein, dass es also so, wie eben von dir beschrieben, nicht funktioniert.
Der Rest ist dann natürlich auch nicht richtig.

Wenn dann B aus seinem geliehenen Geld eine Überweisung über
z.B. 20.000 Euro an eine fremde Bank tätigt, schaut es so aus:

Aktiva:

  • 30.000 Zentralbankguthaben
  • 49.000 Forderung an B
    Passiva:
  • 1.000 Girokonto A
  • 29.000 Girokonto B
  • 49.000 Verbindlichkeit Zentralbank

Es geht also immer prima auf, und das Zentralbankkonto ist
immer mit der Mindestreserve gedeckt, oder?

Nein.

Um aber bei der Ausgangsproblematik und damit insbesondere im
Modellrahmen zu bleiben, ist die Annahme, die Bank könne mit
1.000€ Einlage auch gleich 50.000€ Kredit ausgeben, nicht
möglich, da gem. der vorgegebenen Parameter mit 1.000€ Einlage
nur 980€ Kreditvergabe möglich sind.

Aber im Moment der Kreditvergabe entsteht ja auch eine Einlage
durch die Gegenbuchung zur Forderung… oder nicht?

Nein. Die Bank hat doch erstmal nur 980€ zur Verfügung. Wovon wollte sie die 49.000€ nehmen, damit sie B ausbezahlt bekommen könnte? Es findet bestenfalls ein Aktivtausch statt. Angenommen die 980€ liegen in bar vor. Dann stehen vor Kreditvergabe 980€ als Kassenbestand in der Bilanz. Nach Vergabe und Auszahlung stehen dann eben 980€ als Forderung in der Bilanz. Wenn jetzt B dieses Geld auf sein Girokonto einzahlt oder meinetwegen auf das Konto von Handwerksmeister M überweist, dann sieht die Bilanz folgendermaßen aus:
Aktiva
980,00€ Forderung gegen B
20,00€ Zentralbankguthaben (aus Einlage A)
19,60€ Zentralbankguthaben (aus Einlage M)
960,40€ Kassenbestand / Girokonto M
1.980€

Passiva
1.000€ Einlage A
980€ Einlage M
1.980€
Im ersten Schritt wurden also 980€ Giralgeld geschöpft. Und dieses Spiel kann man nun eine ganze Weile weiterdrehen bis am Ende:

Aktiva
49.000€ Forderungen
1.000€ Zentralbankguthaben
50.000€

Passiva
50.000€ Einlagen
50.000€

in der Bilanz stehen. Dann steht nichts mehr zur Verfügung, das noch verliehen werden könnte.
Kommen wir noch mal auf die Idee der Verpfändung der Kredite. Warum sollte man dies tun? Um Liquidität zu erlangen. Die 49.000€ sind ja nicht mehr als Papier und kein Kunde würde sie anstelle von Zentralbankgeld akzeptieren. Da die Einlagen jederzeit fällig sind, muss die Bank ja zumindest einen Bruchteil auch in umlaufender Währung zur Verfügung haben. Hierfür könnte sie sich nun solche bei der Zentralbank leihen. Dies ist aber an mindestens zwei Bedingungen geknüpft. 1. Die Zentralbank will überhaupt die Geldmenge erhöhen und zweitens sie akzeptiert die Kredite als Pfand. Nehmen wir mal 10% an. Dann erhält die Bank 5.000€ Zentralbankgeld und hat gleichzeitig 5.000€ Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank. Sie tauscht also die Kreditforderungen nicht gegen Bargeld, sondern sie dienen nur als Pfand für den Kredit. Diese Geldmengenvermehrung ist aber eben auch keine Giralgeldschöpfung mehr.

interessieren, ob ich mir das alles richtig vorstelle oder was
ich falsch mache.

Wahrscheinlich sollte man sich einfach mal voll auf die Modellannahmen einlassen und ausblenden, wie es in der Realität läuft bzw. vielmehr was man glaubt, wie es in der Realität liefe. Begriffe wie Eigenkapital, Fremdkapital, Bargeld, Girokonto usw. sollte man dafür ignorieren. Genau das ist ja Sinn eines Modells: die Beschränkung auf das Wesentliche.
Manchmal dauert es halt ein wenig länger, weil man permanent das Modell an der Realität mißt. Falls es tröstet: bei VWL tun sich besonders Viele schwer.

Grüße,
Sebastian

Grüße

Hallo ElBuffo,

ich habe das Problem immer noch nicht ganz verstanden. Lassen wir der Einfachheit halber doch mal das Bargeld außen vor, ok? Ein Kredit wird ja ohnehin kaum in bar ausgezahlt, sondern auf ein Konto gutgeschrieben. Wenn wir auf Giralgeldebene bleiben, wird es weniger komplex. Sagen wir also, es gibt lediglich Giralgeld, statt Kasse besitzt die Bank Zentralbankguthaben (beides wird ja von der Zentralbank 1:1 konvertiert). Bleiben wir also in deinem Beispiel. A hat 1000 Euro einbezahlt, und B ist pleite, würde aber gerne die Leistungen des Handwerkers M in Anspruch nehmen.
A, B und M haben ihr Konto bei der gleichen Bank. Dann funktioniert es doch wie folgt:

Anfangszustand:
Aktiva:
1000 Euro Zentralbankguthaben (statt Bargeld - ohnehin äquivalent)
Passiva:
1000 Euro Giro A
0 Euro Giro B
0 Euro Giro M

Krediterteilung durch Gutschrift auf Girokonto:
Aktiva:
1000 Euro Zentralbankguthaben
49000 Euro Forderung an B
Passiva:
1000 Euro Giro A
49000 Euro Giro B
0 Euro Giro M

Bezahlung der Handwerkerrechnung:
1000 Euro Zentralbankguthaben
49000 Euro Forderung an B
Passiva:
1000 Euro Giro A
0 Euro Giro B
49000 Giro M

Zur Geldschöpfung ist also nicht mehr als die Mindestreserve in „Bargeld“ bzw. Zentralbankguthaben notwendig, oder? Das „es ist ja nicht so viel Geld da“-Problem tritt ja nur auf, sobald man Barauszahlungen oder Überweisungen an Fremdbanken ins Spiel bringt. Und damit wäre es doch ein reines Liquiditätsproblem.

Viele Grüße,
Sebastian

Hallo ElBuffo,

ich habe das Problem immer noch nicht ganz verstanden. Lassen
wir der Einfachheit halber doch mal das Bargeld außen vor, ok?
Ein Kredit wird ja ohnehin kaum in bar ausgezahlt, sondern auf
ein Konto gutgeschrieben. Wenn wir auf Giralgeldebene bleiben,
wird es weniger komplex. Sagen wir also, es gibt lediglich
Giralgeld, statt Kasse besitzt die Bank Zentralbankguthaben
(beides wird ja von der Zentralbank 1:1 konvertiert). Bleiben
wir also in deinem Beispiel. A hat 1000 Euro einbezahlt, und B
ist pleite, würde aber gerne die Leistungen des Handwerkers M
in Anspruch nehmen.
A, B und M haben ihr Konto bei der gleichen Bank. Dann
funktioniert es doch wie folgt:

O.K. Ich würde nur gerne einmal von einem Guthaben bei der Zentralbank sprechen wollen und einmal von Zentralbankgeld. Sonst wird´s zu unübersichtlich.

Anfangszustand:
Aktiva:
1000 Euro Zentralbankguthaben (statt Bargeld - ohnehin
äquivalent)

gem. meiner vorgeschlagenen Definition:
20€ Zentralbankguthaben (2% Mindestreserve der Einlagen)
980€ Zentralbankgeld

Passiva:
1000 Euro Giro A
0 Euro Giro B
0 Euro Giro M

Krediterteilung durch Gutschrift auf Girokonto:
Aktiva:
1000 Euro Zentralbankguthaben
49000 Euro Forderung an B
Passiva:
1000 Euro Giro A
49000 Euro Giro B
0 Euro Giro M

Bezahlung der Handwerkerrechnung:
1000 Euro Zentralbankguthaben
49000 Euro Forderung an B
Passiva:
1000 Euro Giro A
0 Euro Giro B
49000 Giro M

Zur Geldschöpfung ist also nicht mehr als die Mindestreserve
in „Bargeld“ bzw. Zentralbankguthaben notwendig, oder? Das „es
ist ja nicht so viel Geld da“-Problem tritt ja nur auf, sobald
man Barauszahlungen oder Überweisungen an Fremdbanken ins
Spiel bringt. Und damit wäre es doch ein reines
Liquiditätsproblem.

Hier möchte ich auch noch daraufhinweisen, dass es durchaus verschieden Möglichkeiten gibt, Geld zu schöpfen. Wir sprechen hier aber über die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken. Möglicherweise besteht bei dir auch eine falsche Vorstellung vom Begriff Zentralbankguthaben. Mindestreserve heißt, dass (im Modellfall) 2% der Einlagen bei der Zentralbank als Guthaben unterhalten werden müssen, (sie dienen nicht der Hinterlegung der Kredite). Dieser Betrag steht der Geschäftsbank also von Anfang an nicht wirklich zur Verfügung. Die Geschäftsbank kann jetzt nur maximal 980€ verleihen. Mehr steht ihr einfach nicht zur Verfügung. Und sie kann sich auch nix bei der Zentralbank borgen.
Wenn die Bank 49.000€ verleihen wollte = Mittelverwendung = Aktiva, dann müßte sie diese schon haben = Mittelherkunft = Passiva.
Ich verweise hier auch nocheinmal auf das Beispiel mit der Geldbörse:
Ich nehme mal Bargeld, weil es anschaulicher ist.
Geldbörse = Bank
In der Geldbörse befinden sich 1.000€. In der Bilanz stünden dann:
Aktiva
1.000€ Zentralbankgeld (Mindestreserve bleibt mal außer Betracht)

Passiva
1.000€ Einlage (in Zentralbankgeld)

Jetzt möchte ich jemanden 49.000€ Kredit geben. Wie soll das bei 1.000€ Passiva gehen? Wie kann ich dem Kreditnehmer 49.000€ geben, damit er sie gleich wieder einzahlen könnte?
Wenn das ginge, könnten die Geschäftsbanken ja beliebig viel Geld schöpfen, indem sie Kredit in unbegrenzter Höhe ausgeben. Zumindest hier bei uns geht das nicht.
Ich denke, wenn man sich das ganze mit Bargeld vorstellt, kann man es besser nachvollziehen.
Ich weiß nicht, wie ich es noch anschaulicher darstellen könnte.

Ihr Liquiditätsproblem können die Geschäftsbanken nur durch einen Aktivtausch beheben. Sie verkaufen also diverse Aktivposten, hier die Forderungen an die Zentralbank und diese gewährt dafür in dieser Höhe Sichtguthaben bei der Zentralbank. Dieses wird dann von jederman als Zahlungsmittel akzeptiert. Mehr verleihen kann die Bank dadurch nicht, da sich die Passiva ja nicht erhöht haben. Mehr verleihen können sie erst, wenn irgendjemand weitere Einlagen leistet.

Der einzige der sich sein Geld selber machen kann, ist der Staat. Der könnte dann im Geldbörsenbeispiel tatsächlich 49.000€ selber basteln, sie dem Kreditnehmer geben und der könnte sie dann auch wieder einzahlen. Unmittelbare Folge wäre natürlich eine galoppierende Inflation. Also wird er dies mehr oder weniger wohl dosiert machen. Den Geschäftsbanken ist dies nicht möglich. Und das ist frei nach Wowereit auch gut so.

Viele Grüße,
Sebastian

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