Wie würde das in der Bilanz aussehen? Auf der Passivaseite
stehen lediglich 1.000€ Einlagen, auf der Aktivaseite 49.000€
Forderungen (wenn wir mal beim Beispiel bleiben).
Also erstmal, IANAE. Aber wäre es im Moment der Kreditaufnahme
von 49k nicht einfach so wie folgt?
Aktiva:
- 1.000 Euro bei Zentralbank (einbezahlt durch A)
Im Modellfall hatte A 1.000€ bei der Bank eingezahlt. Diese stehen dort, wie unten von dir richtig angegeben, in der Passiva. Die Bank ist lediglich verpflichtet 2% bei der Zentralbank zu hinterlegen. Also stehen hier nur 20€ Zentralbankguthaben.
Ja.
Passiva:
- 1.000 Euro Guthaben von A (z.B. auf Girokonto)
- 49.000 Euro auszbezahlter Kredit auf Bs Girokonto
Also wenn der Kredit ausbezahlt ist, kann er nicht in der Passiva stehen, der Kredit steht ja schon einmal in der Aktiva. Es stellt sich also weiterhin die Frage, wovon die 49.000€ ausgezahlt worden sein sollen. Dafür müßten Einlagen oder Eigenkapital in Höhe von 49.000€ vorhanden sein.
Das deckt sich
Eben nicht. Man stelle sich einmal kurz vor, die eigene Geldbörse sei eine Bank. Die 3,75€ die sich in der Geldbörse befinden sind die Einlage oder das Eigenkapital. Jetzt kommt jemand und möchte 5€ Kredit. Als Forderung könnte man jetzt ein Papier in die Geldbörse legen, auf dem sich X verpflichtet 5€ zurückzuzahlen. Aber wovon werden die 5€ ausgezahlt? Geht nicht, sind ja nur 3,75€ da. Also selbst wenn der Kreditnehmer die 5€ sofort wieder einzahlen wollte, geht das nicht, da er ja die 5€ nicht hat.
und die Geldschöpfung ist vollzogen. Auch die
Mindestreserve wird eingehalten. Wenn jetzt B sein Geld zu
einer anderen Bank befördern möchte, tritt lediglich ein
Liquiditätsproblem auf (zuwenig Zentralbankguthaben für den
Ausgleich zwischen den beteiligten Banken), kein bilanzielles.
Wenn B nur Geld an A überweisen möchte, passt alles.
Nein, funktioniert so nicht.
Lösung für Liquidität wäre z.B., den Kredit an B zu verbriefen
und die Papiere bei der Zentralbank als Sicherheit für einen
Kredit hinterlegen. Angenommen, das ginge zu 100%.
Ganz wichtig ist hier zum einen tatsächlich, dass das ginge, also die Zentralbank dies als zentralbankfähige Aktiva akzeptiert. Um aber einen ausgeteilten Kredit zu verbriefen, muss er ja erstmal ausgeteilt sein. Und das geht eben nicht. Damit ist der folgende Ansatz hinfällig.
Dann sähe die Bilanz so aus:
Aktiva:
- 50.000 Zentralbankguthaben
Nein, bei der Zentralbank hat man sich doch gerade 49.000€ geliehen. Warum sollte man dann 50.000€ Guthaben dort haben? Also entweder man hat dort ein Guthaben oder man nimmt das Geld und leiht es B. Beides, Guthaben bei der Zentralbank haben und dieses Geld gleichzeitig an B verleihen, geht nicht. Das sollte selbsterklärend sein.
- 49.000 Forderung an B
Passiva:
- 1.000 Girokonto A
- 49.000 Girokonto B
Das, was man B verleiht, ist eine Mittelverwendung und gehört somit auf die Aktiva.
- 49.000 Verbindlichkeit gegenüber Zentralbank
Na dann wären ja jetzt aus 1.000€ schon 99.000€ geworden. Im Modellrahmen hatten wir uns aber darauf verständigt, dass 50.000€ die maximal erzielbare Geldmenge sei. Das scheint mir schon ein recht starkes Indiz dafür zu sein, dass es also so, wie eben von dir beschrieben, nicht funktioniert.
Der Rest ist dann natürlich auch nicht richtig.
Wenn dann B aus seinem geliehenen Geld eine Überweisung über
z.B. 20.000 Euro an eine fremde Bank tätigt, schaut es so aus:
Aktiva:
- 30.000 Zentralbankguthaben
- 49.000 Forderung an B
Passiva:
- 1.000 Girokonto A
- 29.000 Girokonto B
- 49.000 Verbindlichkeit Zentralbank
Es geht also immer prima auf, und das Zentralbankkonto ist
immer mit der Mindestreserve gedeckt, oder?
Nein.
Um aber bei der Ausgangsproblematik und damit insbesondere im
Modellrahmen zu bleiben, ist die Annahme, die Bank könne mit
1.000€ Einlage auch gleich 50.000€ Kredit ausgeben, nicht
möglich, da gem. der vorgegebenen Parameter mit 1.000€ Einlage
nur 980€ Kreditvergabe möglich sind.
Aber im Moment der Kreditvergabe entsteht ja auch eine Einlage
durch die Gegenbuchung zur Forderung… oder nicht?
Nein. Die Bank hat doch erstmal nur 980€ zur Verfügung. Wovon wollte sie die 49.000€ nehmen, damit sie B ausbezahlt bekommen könnte? Es findet bestenfalls ein Aktivtausch statt. Angenommen die 980€ liegen in bar vor. Dann stehen vor Kreditvergabe 980€ als Kassenbestand in der Bilanz. Nach Vergabe und Auszahlung stehen dann eben 980€ als Forderung in der Bilanz. Wenn jetzt B dieses Geld auf sein Girokonto einzahlt oder meinetwegen auf das Konto von Handwerksmeister M überweist, dann sieht die Bilanz folgendermaßen aus:
Aktiva
980,00€ Forderung gegen B
20,00€ Zentralbankguthaben (aus Einlage A)
19,60€ Zentralbankguthaben (aus Einlage M)
960,40€ Kassenbestand / Girokonto M
1.980€
Passiva
1.000€ Einlage A
980€ Einlage M
1.980€
Im ersten Schritt wurden also 980€ Giralgeld geschöpft. Und dieses Spiel kann man nun eine ganze Weile weiterdrehen bis am Ende:
Aktiva
49.000€ Forderungen
1.000€ Zentralbankguthaben
50.000€
Passiva
50.000€ Einlagen
50.000€
in der Bilanz stehen. Dann steht nichts mehr zur Verfügung, das noch verliehen werden könnte.
Kommen wir noch mal auf die Idee der Verpfändung der Kredite. Warum sollte man dies tun? Um Liquidität zu erlangen. Die 49.000€ sind ja nicht mehr als Papier und kein Kunde würde sie anstelle von Zentralbankgeld akzeptieren. Da die Einlagen jederzeit fällig sind, muss die Bank ja zumindest einen Bruchteil auch in umlaufender Währung zur Verfügung haben. Hierfür könnte sie sich nun solche bei der Zentralbank leihen. Dies ist aber an mindestens zwei Bedingungen geknüpft. 1. Die Zentralbank will überhaupt die Geldmenge erhöhen und zweitens sie akzeptiert die Kredite als Pfand. Nehmen wir mal 10% an. Dann erhält die Bank 5.000€ Zentralbankgeld und hat gleichzeitig 5.000€ Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank. Sie tauscht also die Kreditforderungen nicht gegen Bargeld, sondern sie dienen nur als Pfand für den Kredit. Diese Geldmengenvermehrung ist aber eben auch keine Giralgeldschöpfung mehr.
interessieren, ob ich mir das alles richtig vorstelle oder was
ich falsch mache.
Wahrscheinlich sollte man sich einfach mal voll auf die Modellannahmen einlassen und ausblenden, wie es in der Realität läuft bzw. vielmehr was man glaubt, wie es in der Realität liefe. Begriffe wie Eigenkapital, Fremdkapital, Bargeld, Girokonto usw. sollte man dafür ignorieren. Genau das ist ja Sinn eines Modells: die Beschränkung auf das Wesentliche.
Manchmal dauert es halt ein wenig länger, weil man permanent das Modell an der Realität mißt. Falls es tröstet: bei VWL tun sich besonders Viele schwer.
Grüße,
Sebastian
Grüße