Hallo Thomas,
ich möchte versuchen dir eine Antwort zu geben, mit der du weiterführend etwas anfangen kannst.
Zunächst einmal zu der Aussage, dass Wachstum nicht unbegrenzt mögich ist, denn das ist noch recht einfach: Die Weltwirtschaft kann ins Grenzenlose wachen! Aber wie kann man sich das vorstellen?
Es gibt was das angeht 2 Betrachtungsweisen, die man dazu heranziehen muss.
- Quantitatives Wachstum
Nehmen wir mal an, dass die Wirtschaft gewachsen ist, indem Abschleppdienste mehr unterwegs waren, oder indem Krankenhäuser mehr Leute eingestellt haben, weil es mehr Patienten gibt. Daran (!) ist die Wirtschaft gewachsen. Jetzt fragt man sich aber, warum war das denn so? Wie kam es dazu?
Die Antwort zu diesem Beispiel: In dem genannten Jahr hat es extrem viele Verkehrsunfälle gegeben (meinetwegen durch Unwetter, oder sonst was), was dazu führte das Abschleppdienste aufgrund von gestiegener Nachfrage mehr im Einsatz waren. Außerdem gab es mehr Verletzte, weswegen diese dann in Krankenhäuser mussten, die ebenfalls mehr zu tun hatten.
Wenn wir jetzt hier aber über das „quantitative“, also in Zahlen definierbare Wachstum sprechen, dann sehen wir, dass Krankenhäuser mehr Geld bewegen, die Abschleppdienste auch und natürlich die Versicherungen der KFZ-Fahrzeuge. Außer aber, dass dabei viel Geld umgesetzt worden ist, ist nicht passiert. Warum? Weil nichts verbessert wurde. Autos gingen kaputt, und wurden ersetzt. Hier ist also nicht wirklich was verbessert worden. Und die Opfer? Auch hier: Menschen wurden verletzt und im Krankenhaus wieder geheilt. Mehr ist auch hier nicht geschehen.
Die wichtige Erkenntnis dabei: es blieb alles so wie es vorher war. Nur Geld wurde reichlich bewegt. Daher quantitatives (wertmäßiges) Wachstum.
An zweiter Stelle haben wir das
- Qualitatives Wachstum.
Dieses zeichnet sich im Gegensatz zum ersten dahingehend aus, dass eine spürbare Verbesserung des Lebensstandarts erfolgt. In der Wirtschaftswissenschaft wird das auch unter der Rubrik „Wohlstand“ geführt.
Hier ist nicht nur Geld bewegt worden, sondern auch spürbar etwas an der Lebensqualität verbessert worden.
Kurzes Beispiel: Die Bundesregierung ordnet an, dass jedes Land sich Spezialboote kaufen soll, um sämtliche Flüsse so zu reinigen, dass man anschließend den Flussgrund sehen kann.
Hierbei wird jede Menge Geld umgesetzt, gleichzeitig ändert sich aber auch nachhaltig etwas, nämlich das die Umwelt gepflegt wird.
Daher der Begriff Qualitatives Wachstum.
Thomas: Auf die eine oder andere Weise: Wachstum ist immer möglich, nur unterscheidet man immer zwischen dem geldlichen und dem qualitativen. Und ein Limit haben wir nie erreicht und werden wir nie erreichen. Das wäre illusorisch. Wachstum gibt es immer!
Nun zu deinen Fragen:
- Gewissermaßen hat er recht, ja. Aber nur bedingt, denn so ist das nicht ganz richtig. Die Staaten der EU sind dazu verpflichtet 4 wirtschaftswissenschaftliche Bestandteile in Einklang zu bringen:
- Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum
- Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
- Geldwertstabilität und
- Vollbeschäftigung.
Leider verhalten diese Ziele sich zumeist konfliktär. Das heißt, eine gleichzeitige Erreichung aller Ziele ist nicht mögich.
Dieser Referent da hat insofern recht, dass nur bei angemessenen Wirtschaftswachstum eine Geldwertstabilität erhalten werden kann. Wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst, dann stagniert sie (bleibt gleich) und kann im folgenden dann auch degenerieren (zusammenschrumpfen). Folglich ereilt uns als Konsequenz auch eine Deflation, einhergehend mit dem Zusammenbruch eines gesunden Arbeitsmarktes.
Der Haken kommt jedoch an der Stelle, wenn die Wirtschaft zu sehr wächst, denn dann entsteht eine Geldentwertung (Inflation), was nun auch wieder schlecht ist.
WEIL das so ist, akzeptiert man in der Wirtschaftswissenschaft insgesamt eine stetige Inflation von bis zu 2% per Gesetz. Inflationen oberhalb von 2% werden innerhalt der EU als zu hoch angesehen.
Bei dieser moderaten Inflationsrate besteht die Möglichkeit nahezu die Vollbeschäftigung des Volkes zu erreichen.
Das sollte zunächst dafür reichen
Zu deiner 2. Frage.
Nö! Seit jahrhunderten streiten die Menschen und Wisschenschaftler darüber, welches Geldsystem wohl das Beste wäre und jeder ist von seiner Meinung überzeugt. Letzten Endes muss man sagen, dass jeder an einem gewissen Punkt recht hat. Ich möchte dieses Thema nicht zu eingehend anschneiden, da das ein riesen Block für sich ist. Nur ganz kurz angerissen: Milton Friedman z.B. war ein Verfechter der Geldpolitik. Seiner Lehre nach ist durch die passive Steuerung der Zentralbanken die Möglichkeit nachhaltig gegeben die Wirtschaft in einem angemessenen Rahmen laufen zu lassen. Recht hat er, der Gute. Dummerweise wird sein System jedoch in dem Moment versagen, wo die wirtschaftlichen Impulse Ausreißer nach oben oder unten machen, so dass sich die Wirtschaft mit allein diesem System vernichten würde. Das zu erklären wäre jetzt ein Kapitel für sich alleine. Es soll nur ein grobes Beispiel dafür sein, dass es keine absolute Lösung gibt.
Betrachtet man den Kapitalismus, den Kommunismus, die Geldpolitiker, die Fiskalpolitiker, den Sozialstaat, die Zentralverwaltungswirtschaft, die Planwirtschaft, Keynesianische Theorien, oder geldpolitische Betrachtungen: Alle funktionieren, mit ein paar Ausnahmen inbegriffen. Daher sollte jedes Land für sich überlegen mit welcher Wirtschaftsform es umgehen möchte und wie man dieses bestmöglich einsetzt. Ein definitives Ergebnis wie 1+1=2 gibt es hierbei nicht. Also: Die Mischung machts… und eine gesunde Portion Verständnis über wirtschaftswissenschaftliche Theorien und Ansätze, um das alles im Rahmen zu halten.
Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen. Sorry, dass es so viel geworden ist, aber das sind auch extrem umfassende Themen.
Wenn du jedoch konkrete Fragen hast, die sich kurz und prägnant beantworten lassen, kannst du gern nochmal nachfragen. Ich werde gern versuchen dir zu helfen.
Viele Grüße,
Christian
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