Hallöchen,
- Eine Vase, die gekauft und dann zerstört wurde, hat ihren
Wert verloren. Das Geld hat jedoch auch hier den Besitzer
gewechselt. Der Verkäufer hatte keinen Verlust, sondern der
Käufer durch seine Tollpatschigkeit. Ich kann auch den
Vergleich zur jetzigen Finanzkrise nicht ziehen, da niemand
massenweise sein Eigentum zerstört hat. Die amerikanischen
Häuser stehen noch alle da und wurden gebaut.
es geht nicht um Geld, sondern um Werte und genau die sind vernichtet worden. Du sprichst vor allem über die Immobilien, aber die sind nicht Thema der Veranstaltung sondern lediglich ein Auslöser. Immobilien in den USA verlieren seit 2006 im Schnitt kräftig an Wert, während die Preise in den zehn Jahren zuvor immer gestiegen sind, zuletzt mit Jahresraten > 10%. Das Platzen dieser Blase hat erhebliche Auswirkungen, die sich vor allem in den Kapitalmärkten abspielen.
Im Zuge der Immobilienthematik in den USA kam es zu erheblich rückläufigen Wertentwicklungen bei vielen Anlageklassen, vor allem bei den Kreditderivaten, die mit verbrieften Immobilien- und Konsumentenkrediten im Zusammenhang standen. Diese Papiere sind derzeit praktisch wertlos und dieser Werteverfall hat riesige Löcher in die Bankbilanzen gerissen. Diese Werte sind weg, ohne daß davon nun irgendjemand etwas hat.
Wirtschaft und Reichtum ist kein Status Quo, sondern Reichtum
bedeutet Geldeinnahme pro Zeit.
Reichtum ist Vermögen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Was Du meinst, ist Einkommen bzw. Umsatz.
Amerika:
Die amerikanischen Häuslebauer haben mit einem bestimmten
Einkommen für die Zukunft gerechnet und gleichzeitig wurde
ihnen der Traum vom Eigenheim schmackhaft verkauft. Man hat
Verträge geschlossen, die risikoreich waren, weil die
Einkommensicherheit einerseits und die Zinssicherheit
andererseits nicht gegeben waren.
Was uninteressant war, weil die Häuserpreise kräftig stiegen und so absehbar erschien, daß die Immobilie immer wertvoll genug war, um den Kredit mehr als vollständig abzusichern. Das war ein Trugschluß.
Ich weiß nicht warum, ob die Häuslebauer ihren Job verloren
oder ob die Zinssätze stiegen oder beides, jedenfalls konnten
die Kreditverträge nicht eingehalten werden und die Häuser
mussten verkauft werden.
Die Häuser wurden teilweise zu 130% beliehen. Am Ende der Zinsbindung war der Wert nun auf einmal nicht nur auf den erwarteten Wert gestiegen sondern sogar gefallen. Erst dadurch wurde der Kredit ein problematischer: Die Kunden konnten die gestiegenen Zinsen nicht zahlen und die Sicherheiten waren nicht das wert, was man erwartet und einkalkuliert hatte. Bei der Verwertung der Häuser konnten die erwarteten Preise also nicht erzielt werden, dies führte zu weiter fallenden Preisen und – logischerweise – zu weniger Neubauten. Spätestens an der Stelle ist die Krise von den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergesprungen.
Aber auch innerhalb des Finanzsektors war es damit noch nicht getan. Aufgrund der reihenweise zusammenbrechenden Kreditinstituten in den USA und der undurchsichtigen Wertpapierkonstruktionen kam es im Finanzsektor zu einer Vertrauenskrise, die bis heute besteht. D.h. Kreditinstitute leihen sich derzeit untereinander kein Geld, was aber Voraussetzung für eine reibungslose Liquiditätsversorgung der ganzen Brache ist.
Bei einigen Häusern fällt es unter das einkalkulierte
Kreditrisiko der Bank. Nimmt das Angebot an Häusern jedoch zu,
fällt der Hauspreis und die Kredite können nicht beglichen
werden. Aber auch die Banken haben Kredite bei Sparern und bei
anderen Banken genommen. Ein Sparer, der ahnt, dass er sein
der Bank geliehenes Geld nicht zurückerhalten könnte, wird
versuchen Erster am Schalter zu sein und sein Geld abheben.
Die Bank gerät in Auszahlungsschwierigkeiten
Zahlungsschwierigkeiten aufgrund übereifriger Sparer hat es in zwei Fällen gegeben: Northern Rock und Washington Mutual. Dieses Szenario kann man also kaum verallgemeinern.
Unsere Autos werden nicht mehr importiert und stehen hier auf
Halde, weil der Montagebänder noch zu schnell laufen und der
Produktionsprozess erstmal an den langsameren Verkauf
angepasst werden muss. Die Folge ist konkret, dass
Zulieferungen erstmal nicht benötigt werden, dass Piloten für
die Just-in-Time-Zulieferung von Wagenteilen Zwangsurlaub
bekommen und in dieser Zeit nur ihr viel geringeres
Grundgehalt verdienen (kein Scherz), dass Sparer, die ihr Geld
im Ausland angelegt hatten, es u.U. nicht zurückerhalten.
Das erscheint mir etwas wirr: was haben Piloten mit Automobilzulieferern zu tun und welche Sparer haben Geld aus dem Ausland nicht zurückbekommen?
Das Geld ist nicht weg.
Nicht Geld ist weg, sondern Werte.
Wer hat die ganzen Milliarden, die den Banken jetzt fehlen?
Handwerker, sofern bezahlt. Die Bank selbst in Form ihrer
selbst gebauten Häuser, welche aufgrund des Überangebots an
Häusern einen geringeren Marktwert haben, als ihr
Entstehungspreis ist.
Die Werte, die vernichtet wurden, steckten nur teilweise direkt in Immobilien. Ein viel größerer Teil verschwand in stukturierten Anleiheprodukten, die mal mehr und mal weniger Bezug zu US-Immobilienkrediten hatten. D.h. Kredite wurden gekauft und mit Anleihen refinanziert. Dann gab es Gesellschaften, die diese Anleihen gekauft und wieder über Anleihen refinanziert haben. Diese Konstrukte haben massiv an Wert verloren.
Ich wäre es schon recht wagemutig zu behaupten, das Geld, das die Banken verloren haben, steckte nun in den US-Immobilen. Dafür waren die Transaktionen doch ein bißchen zu weit vom Immobilienmarkt entfernt.
Haben die die Handwerker der auf Pump gebauten Häuser in den
USA?
Ja, aber sie geben es jetzt nicht sofort wieder aus.
Oder haben die die Ex-Aktienbesitzer, die ihre Aktien noch zu
hohen Kursen verkauft haben?
Ja, aber sie geben das Geld jetzt nicht sofort wieder aus.
Oder sie haben das Geld wieder investiert, weil sie dachten, daß die Aktien schon tief genug gefallen wren und sich wieder erholen würden.
Nochmal zum Aktienhandel und Warenhandel: Eine 5tausend mal
verkaufte Aktie für 1000 Euro ergibt einen Aktienkurs von
1.000 Euro, genauso wie eine einmal getauschte Aktie von 1.000
Euro. Ein Warenhandel von 5tausend Betten für 1.000 Euro ist
ein Umsatz von 5.000 Euro für das Unternehmen. Dies einmal ist
ein Umsatz von 1.000 Euro. Die entscheidende Größe ist der
Umsatz, der Bettenkurs ist nur ein Indiz auf das Verhältnis
von Angebot/ Nachfrage.
Einen Kurs (wenn man von Tax-Kursen absieht) gibt es immer nur, wenn es einen Verkäufer und einen Käufer gibt. Der Kurs ist also nicht zwangsläufig ein Indiz für Angebot und Nachfrage sondern vielmehr für die Erwartungen bzgl. der zukünftigen Kurs- und Unternehmensentwicklung.
Nachfragen und Meinungen sind sehr Willkommen, weil es
wirklich -auch für mich- ein schwieriges und interessanten
Thema ist. Wie man auf Wirtschaftsflauten zu reagieren habe,
wird sehr kontrovers diskutiert und teilt sich in die Lager
nachfrageorientiert und angebotsorientiert. Beides ist sicher
richtig.
Ein Wirtschaftswachstum wird es nicht ohne ein stabilies Finanzsystem und wieder steigende Aktienkurse geben. Letztere sind insbesondere für die US-Volkswirtschaft enorm wichtig, weil daran der private Konsum hängt, und damit auf für die Weltwirtschaft. Solange die Kreditinsitute nicht über hinreichend Liquidität und Eigenkapital verfügen, wirds knifflig mit dem Aufschwung.
P.S.: Die wirtschaftliche Aufwärtsspirale nach der dt.
Wiedervereingung (Nachholender Konsum im Osten) wurde übrigens
rigide durch die Zinspolitik der dt. Bundesbank abgewürgt.
Weil sie die Inflation in Grenzen halten musste, hat sie die
Zinssätze tüchtig angehoben. Dafür wurde sie kräftig
gescholten, aber sie ist darum auch gesetzlich von der Politik
unabhängig und nur der Geldwertstabilität unterworfen.
Wenn dem Wachstum der Geldmenge auch ein entsprechendes Wachstum der Wirtschaft gegenüber gestanden hätte. Tatsächlich war es aber so, daß zwar die Löhne und Renten im Osten stiegen, während die Produktivität nicht in gleichem Maße stieg. Weil die Bundesregierung gleichzeitig ohne Ende Geld im Osten investierte (teilweise auch indirekt über Subventionen), kam es in der Folge zu einem erheblichen Anstieg des Preisniveaus in Deutschland, den die Bundesbank mit Zinserhöhungen bekämpfen mußte.
Gruß
Christian