Geldverbrennung

Hallo,

im Zuge der Finanzkrise lese ich immer wieder davon, dass Geld verbrannt wurde. Dies ist ja nur eine Methapher dafür, dass plötzlich etwas nicht mehr den Wert hat (an der Börse) den es vorher hatte … wie kann man also in diesem Zusammenhang von der Verbrennung bzw. der Vernichtung von Milliarden an Euros und Dollars reden, wo doch sicher immer noch die gleiche Menge Geldes im Umlauf ist.

Meine Frage:
Wer hat die ganzen Milliarden, die den Banken jetzt fehlen?
Haben die die Handwerker der auf Pump gebauten Häuser in den USA?
Oder haben die die Ex-Aktienbesitzer, die ihre Aktien noch zu hohen Kursen verkauft haben?
Sprich, wer schwelgt gerade heimlich im Luxus der Milliarden, die an anderer Stelle fehlen?

Da ich in den letzten Tagen wirklich kaum was zur Lösung dieser Frage finden konnte, hoffe ich, dass mir das hier einer erklären kann.

Habt vielen Dank
Konrad

Hallo,

es werden/wurden momentan Buchwerte innerhalb von Vermögen vernichtet.
Einfaches Beispiel:
Die wenigsten Anteile eines Unternehmens sind tatsächlich auf dem Markt. Der Rest wird innerhalb von langfristigem Anlagevermögen gehalten.
Gibt es jetzt 100 Mio Anteilsscheine (=Aktien) für ein Unternehmen, dann sind vielleicht 5 Mio im Handel, den Rest halten langfristige Anteilseigner (z.B. die Staatsfonds) oder Fonds, die lt. Anlagestrategie gezwungen sind, bestimmte Aktien zu halten (z.B. Fonds, die bestimmten Indizes folgen). Diese 5% der sich auf dem Markt befindlichen Aktien bestimmten den Preis (=Aktienkurs) durch das Spiel von Angebot und Nachfrage.

So, jetzt betrachten wir einen Kleinaktionär, der 100 Aktien irgendwann 2001 gekauft hat, bei einem Kurs von 30 €. Er hat also 3000€ ausgegeben. Das Gesamtunternehmen hätte zu dieser Zeit einen Wert von 3 Mrd. € gehabt.

Sagen wir weiterhin, dass zum 1.3.08 diesen Jahres die Nachfrage tendenziell größer war als das Angebot, so dass ein rel. hoher Kurs festgestellt wurde (z.B. 100€). Dann wäre das Unternehmen also in Summe 10 Mrd. wert. Jemand, der also 100 Aktien besitzt, hätte das Gefühl, plötzlich 10.000€ zu besitzen.

So, und jetzt geht die Nachfrage aufgrund eines Gerüchtes schlagartig zurück und schon kracht der Kurs plötzlich um 50% runter. Das Unternehmen würde schlagartig nur noch 5 Mrd. wert sein, der Kleinaktionär hätte nur noch 5.000€ in seinem Depot liegen.

Jetzt kann man natürlich toll schreiben, dass ein Wert von 5 Mrd. vernichtet worden ist. Nur: Ist er das wirklich? Der Kleinaktionär könnte immer noch seine 100 Aktien für 2.000€ mehr verkaufen, als er 2001 bezahlt hat. Also für denjenigen nicht wirklich dramatisch, oder?

Blöd ist die Situation nur für diejenigen, die am 1.3. die Aktien gekauft haben. Die Käufer haben tatsächlich Geld verloren, wenn sie jetzt verkaufen. Das sind aber eigentlich nur rel. wenige … Alles andere sind virtuelle „Buchungen“ über Vermögen, das so eigentlich nie existiert hat.

Was die Situation blöd macht, ist die Tatsache, dass viele auf dem Markt mit ihrem/dem virtuellen Vermögen rechnen. Das sind Banken, die Aktienanteile als Sicherheit für Kredite nehmen. Plötzlich ist der Kredit nicht mehr gesichert.
Und wenn Du für Aktien Immobilien einsetzt, beobachtest Du ein ähnliches Schema, was in Amerika schief gelaufen ist.

Das ganze wurde dann noch durch Papiere verstärkt, mit denen auf Kurse bzw. Preise gewettet wurde, und schon ist die Katastrophe da, wenn ein Dominostein umkippt. Plötzlich müssen die institutionellen Anteilseigner kurzfrstig ihre Positionen in der Bilanz wertberichtigen. Und schlagartig fehlen Mrd. in der Bilanz, ohne dass ein Cent ausgegeben worden wäre.
Alles wie gesagt sehr virtuell, aber trotzdem sehr ernst.

Grüße
Jürgen

Hallo,

Wer hat die ganzen Milliarden, die den Banken jetzt fehlen?

niemand, die Werte sind einfach weg. Mein Lieblingsvergleich: wenn Du eine Vase fallenläßt, ist sie kaputt, der Wert ist vernichtet und niemand hat dabei gewonnen.

Gruß
Christian

Sagen wir weiterhin, dass zum 1.3.08 diesen Jahres die
Nachfrage tendenziell größer war als das Angebot, so dass ein
rel. hoher Kurs festgestellt wurde (z.B. 100€). Dann wäre das
Unternehmen also in Summe 10 Mrd. wert. Jemand, der also 100
Aktien besitzt, hätte das Gefühl, plötzlich 10.000€ zu
besitzen.

Danke für die ausführliche Erklärung!
Gerade dieser letzte Satz war es, der mir fehlte - das „gefühlte Vermögen“. Und das man auf Basis eines gefühlten Vermögens Kredite vergibt, die man eigentlich gar nicht gesichert hat.

Blöd ist die Situation nur für diejenigen, die am 1.3. die
Aktien gekauft haben. Die Käufer haben tatsächlich Geld
verloren, wenn sie jetzt verkaufen.

Ja … aber deren Geld ging ja beim Kauf direkt an die damaligen Verkäufer, die den Reibach gemacht haben, sag ich mir immer :smile:

Vielen Dank nochmals.

niemand, die Werte sind einfach weg. Mein Lieblingsvergleich:
wenn Du eine Vase fallenläßt, ist sie kaputt, der Wert ist
vernichtet und niemand hat dabei gewonnen.

Das scheint mir wenig schlüssig.
Ein Bündel Geldscheine, die ich von einer auf Kredit Bank bekommen habe, zerstör ich ja physisch nicht. Ich kauf mir Sachen, womit das Geld wer anderes hat und sich ein schönes Leben macht.

Das mit dem „gefühlten Vermögen“ passt da eher … wenn ich mir vorstelle, die Vase sei 20.000€ wert und sie ist in Wirklichkeit nur 10€ wert und ich lass die dann auch noch fallen, dann sind eigentlich nur 10€ vernichtet aber ich kann behaupten, es seien 20.000€ gewesen, wenn alle anderen auch daran glauben.

Das mit dem „gefühlten Vermögen“ passt da eher … wenn ich
mir vorstelle, die Vase sei 20.000€ wert und sie ist in
Wirklichkeit nur 10€ wert und ich lass die dann auch noch
fallen, dann sind eigentlich nur 10€ vernichtet aber ich kann
behaupten, es seien 20.000€ gewesen, wenn alle anderen auch
daran glauben.

Die Vase hast Du für 20.000 gekauft, weil Du davon ausgingst, daß sie in absehbarer Zeit 25.000 wert ist. Wenn Du sie dann fallen läßt, sind 20.000 verloren, ohne daß davon irgendjemand etwas hätte.

C.

Die Vase hast Du für 20.000 gekauft, weil Du davon ausgingst,
daß sie in absehbarer Zeit 25.000 wert ist. Wenn Du sie dann
fallen läßt, sind 20.000 verloren, ohne daß davon irgendjemand
etwas hätte.

Sie sind natürlich für den Vasenverkäufer nicht verloren, der sich gedacht hat: „was, der will mir 20.000 für meine Vase geben? Für den Preis geb ich sie ihm gerne!“.

)

Grüße,
Sebastian

Die Vase hast Du für 20.000 gekauft, weil Du davon ausgingst,
daß sie in absehbarer Zeit 25.000 wert ist. Wenn Du sie dann
fallen läßt, sind 20.000 verloren, ohne daß davon irgendjemand
etwas hätte.

Sie sind natürlich für den Vasenverkäufer nicht verloren,

Ja, aber der hat nicht die 20.000, die weg sind, sondern die 20.000, die ursprünglich ausgegeben wurde. Oder anders: die 20.000 hat er jetzt nicht , weil der Käufer sie nicht mehr hat.

Gruß
Christian

Hallo,

ich finde deine Frage sehr interessant. Vor längerer Zeit hab ich mir hin und wieder auch diese Frage gestellt und bin zu diesem Ergebnis gekommen: Geld, dass man irgendwo anlegt (beispielsweise an Aktien kauft) und dann das Geld verliert dann ist das Geld für denjenigen weg sozusagen wie du es ausgedrückt hast verbrannt. Das Geld fleißt dann in andere Hände…Nicht um sonst haben die ganzen Top Manager trotz der hohen Verluste ihrer Unternehmen noch soviel Geld oder?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Die Vase hast Du für 20.000 gekauft, weil Du davon ausgingst,
daß sie in absehbarer Zeit 25.000 wert ist. Wenn Du sie dann
fallen läßt, sind 20.000 verloren, ohne daß davon irgendjemand
etwas hätte.

Sie sind natürlich für den Vasenverkäufer nicht verloren,

Ja, aber der hat nicht die 20.000, die weg sind, sondern die
20.000, die ursprünglich ausgegeben wurde. Oder anders: die
20.000 hat er jetzt nicht ,
weil der Käufer sie nicht mehr hat.

Naja, um semantisch spitzfindig zu sein… die 20000, die weg sind, sind natürlich genau die 20000, die ausgegeben wurden. Was man seitdem als Gegenwert für die bereits ausgegebenen 20000 hatte, war ja kein Geld, sondern ein Ding, dessen Geldwert man nur schätzen kann, bzw. der im Auge des Sammlers liegt.

Grüße,
Sebastian

Die Vase hast Du für 20.000 gekauft, weil Du davon ausgingst,
daß sie in absehbarer Zeit 25.000 wert ist. Wenn Du sie dann
fallen läßt, sind 20.000 verloren, ohne daß davon irgendjemand
etwas hätte.

Die 20.000€ sind beim Verkäufer der Vase, der sich ein schönes Leben macht und daher nicht „verbrannt“.
Verbrannt nach der Darstellung, wie sie derzeit in Funk&Fernsehen benutzt wird, sind die 5.000€ - die nie da waren, nur gefühlt existierten, aber die ich vielleicht in meiner Billanz aufgeführt habe.
Die 5.000€ hat kein anderer und kann sie ausgeben, die hatte auch ich nie wirklich - ich habe sie mir nur eingebildet.

Naja, um semantisch spitzfindig zu sein… die 20000, die weg
sind, sind natürlich genau die 20000, die ausgegeben wurden.
Was man seitdem als Gegenwert für die bereits ausgegebenen
20000 hatte, war ja kein Geld, sondern ein Ding, dessen
Geldwert man nur schätzen kann, bzw. der im Auge des Sammlers
liegt.

Schade, ich hatte versucht, klarzustellen, daß dem Verlust bei den Banken kein Gewinn bei irgendjemand sonst gegenübersteht. Das wird Dir im Zweifel klar sein, aber ob das ein Dritter nach Deinen Artikeln so verstanden hat, erscheint mir ungewiß.

Gruß
Christian

Hallo Konrad,
ich will mich auch mal einer Erklärung versuchen,
wobei ich zuerst mit einer Kritik an den vorherigen Darstellungen beginne:

  1. Ein Aktienkurs berechnet sich an dem tatsächlich(!) stattgefunden Handel der Eigentums-Papiere, egal ob nun 2 oder 2000 Wechsel stattgefunden haben. Ein gestiegener Aktienkurs bedeutet, dass an diesem Tag im Durchschnitt eine Aktie teurer verkauft und gekauft wurde als zuvor. Was nach der Ausgabe mit dem Aktienkurs passiert unterliegt maßgeblich psychologischen Gründen. Dass Aktien heute gehalten werden, um an den Gewinnen des Unternehmens beteiligt zu werden, ist sehr selten.
    Auch bei der T-Aktie sprach man von Geldverbrennung. Tatsache ist aber, dass diese Papiere auch sehr teuer verkauft und gekauft wurden. Das Geld hat also, wie Du richtig erkannt hast, den Besitzer gewechselt und war nicht einfach weg und es haben Menschen mit der T-Aktie große Gewinne gemacht; bei der Ausgabe natürlich auch die Telekom.

  2. Eine Vase, die gekauft und dann zerstört wurde, hat ihren Wert verloren. Das Geld hat jedoch auch hier den Besitzer gewechselt. Der Verkäufer hatte keinen Verlust, sondern der Käufer durch seine Tollpatschigkeit. Ich kann auch den Vergleich zur jetzigen Finanzkrise nicht ziehen, da niemand massenweise sein Eigentum zerstört hat. Die amerikanischen Häuser stehen noch alle da und wurden gebaut.

Was ist passiert?

  • Einleitung:
    Wirtschaft und Reichtum ist kein Status Quo, sondern Reichtum bedeutet Geldeinnahme pro Zeit. Die Zeitkomponente wird immer wieder bei den Erklärungen vergessen.
    Eine sich abkühlende Wirtschaft bedeutet, dass weniger Umsätze pro Zeiteinheit geschehen. Die Besitztümer und neuen Kaufentscheidungen werden ausgedehnt. Das bedeutet kurzfristig eine Finanzeinsparung für das Individuum. Dieser fühlt sich sicherer, denn sparst Du in der Zeit, dann hast Du in der Not. Für den Verkäufer bedeutet dies, dass seine Umsätze zurückgehen. Er folglich Einsparungen vornehmen muss. An dieser Stelle schließt sich der Kreislauf, denn an dieser Stelle werden die Umsätze anderer Verkäufer zurückgehen und letztlich jeden Beschäftigten in diesem Kreislauf treffen, denn wozu sollte dieser beschäftigt werden, wenn es nichts zu tun gibt?
    Das ist der Prozess der Abwärtsspirale oder einer sich abkühlenden Wirtschaft. Das Gegenteil ist die Aufwärtsspirale, bei der neue Produkte gekauft werden, Menschen eingestellt werden, mehr Menschen Gehalt erhalten und die Nachfrage stetig weiter anzieht. Auch hier muss der Staat eingreifen, um die kommende Inflation zu bremsen. Er muss die Inflation bremsen, damit die Inflation nicht höher ist, als der Zins, den sie verabredet haben.

Der weitaus größte Umsatz wird mit dem Verleihen und Leihen und dem Kauf von Geld gemacht. Ein geringer Anteil ist der tatsächliche Warenhandel.

Amerika:
Die amerikanischen Häuslebauer haben mit einem bestimmten Einkommen für die Zukunft gerechnet und gleichzeitig wurde ihnen der Traum vom Eigenheim schmackhaft verkauft. Man hat Verträge geschlossen, die risikoreich waren, weil die Einkommensicherheit einerseits und die Zinssicherheit andererseits nicht gegeben waren. Man spricht von „faulen Krediten“, weil man weiß oder ahnt, dass das verliehene Geld nicht so schnell zurückkommen kann, wie man vereinbart hat. Solche Kredite klappen, wenn man das Einkommen steigt und der Zins unten bleibt. Sie sind also sehr risikoreich abgeschlossen.

Ich weiß nicht warum, ob die Häuslebauer ihren Job verloren oder ob die Zinssätze stiegen oder beides, jedenfalls konnten die Kreditverträge nicht eingehalten werden und die Häuser mussten verkauft werden.

Bei einigen Häusern fällt es unter das einkalkulierte Kreditrisiko der Bank. Nimmt das Angebot an Häusern jedoch zu, fällt der Hauspreis und die Kredite können nicht beglichen werden. Aber auch die Banken haben Kredite bei Sparern und bei anderen Banken genommen. Ein Sparer, der ahnt, dass er sein der Bank geliehenes Geld nicht zurückerhalten könnte, wird versuchen Erster am Schalter zu sein und sein Geld abheben. Die Bank gerät in Auszahlungsschwierigkeiten und muss Kredite oder Staatsbürgschaften aufnehmen. Der Sparer kaufte Gold, wie man lesen konnte und entzieht dem Wirtschaftskreislauf sein Geld.
Der Häuslebauer hat enorme Schulden bei seiner Bank und muss diese abtragen. Er kann sich keine neuen Produkte kaufen. Handwerker erhalten ihr Geld nach Fertigstellung. Viele werden gute Zeiten gehabt haben. Jetzt sind diese Zeiten vorbei und ihre Umsätze gehen ebenso in den Keller. Ein Unternehmen, welches düstere Aussichten hat, wird Sparmaßnahmen ergreifen und versuchen mit seinen Ersparnissen über die Krise zu kommen.
Im Prinzip müsste man an dieser Stelle, die Konjunktur anheizen und nichts über eine Krise schreiben, damit andere Wirtschaftsbranchen die Krise abfangen.

Nach Deutschland:
Deutschland ist immer wieder Exportweltmeister. Seine Wirtschaftsumsätze hängen also zu einem Großteil an den Exporten. In den USA flaut sich die Konjunktur ab. Das steht in allen Zeitungen. Man wird in dieser Zeit folglich das Geld lieber sparen, denn man hat Angst davor seinen Job zu verlieren.
Unsere Autos werden nicht mehr importiert und stehen hier auf Halde, weil der Montagebänder noch zu schnell laufen und der Produktionsprozess erstmal an den langsameren Verkauf angepasst werden muss. Die Folge ist konkret, dass Zulieferungen erstmal nicht benötigt werden, dass Piloten für die Just-in-Time-Zulieferung von Wagenteilen Zwangsurlaub bekommen und in dieser Zeit nur ihr viel geringeres Grundgehalt verdienen (kein Scherz), dass Sparer, die ihr Geld im Ausland angelegt hatten, es u.U. nicht zurückerhalten.

Kurzgefasst:
Das Geld ist nicht weg. „Weg“ wäre es, wenn es eine hohe Inflation gäbe. Dann würde der Gegenwert des Geldes immer geringer werden. Diese haben wir nicht.
Was passiert ist, dass eine auf schnellen Touren (Umsätzen) laufende Weltwirtschaft sich verlangsamt und die Verkäufe pro Zeit sich verlangsamen; teils, weil Sparer ihr Geld nicht ausgeben, teils, weil Kredite nicht, wie berechnet, zurückgeflossen sind aber andere Verbindlichkeiten weiter liefen und diese Kosten/Zeit die Einnahmen/Zeit übersteigen.

Meine Frage:
Wer hat die ganzen Milliarden, die den Banken jetzt fehlen?

Handwerker, sofern bezahlt. Die Bank selbst in Form ihrer selbst gebauten Häuser, welche aufgrund des Überangebots an Häusern einen geringeren Marktwert haben, als ihr Entstehungspreis ist.

Haben die die Handwerker der auf Pump gebauten Häuser in den
USA?

Ja, aber sie geben es jetzt nicht sofort wieder aus.

Oder haben die die Ex-Aktienbesitzer, die ihre Aktien noch zu
hohen Kursen verkauft haben?

Ja, aber sie geben das Geld jetzt nicht sofort wieder aus.

Sprich, wer schwelgt gerade heimlich im Luxus der Milliarden,
die an anderer Stelle fehlen?

Die Milliarden einer Handvoll Banken teilen sich auf viele tausende kleine Handwerksbetriebe auf, die hoffen, bei erheblich nachlassenden Aufträgen heil durch die Krise zu kommen. Sie werden sich jetzt keinen neuen Firmenwagen kaufen. Bei Angestellten und Arbeitern von Firmen bei der Autoproduktion auf Halde. Das bereits verdiente Geld wird niemand jetzt in einen neuen Wagen anlegen, wenn er gerade Zwangsurlaub hat.

Nochmal zum Aktienhandel und Warenhandel: Eine 5tausend mal verkaufte Aktie für 1000 Euro ergibt einen Aktienkurs von 1.000 Euro, genauso wie eine einmal getauschte Aktie von 1.000 Euro. Ein Warenhandel von 5tausend Betten für 1.000 Euro ist ein Umsatz von 5.000 Euro für das Unternehmen. Dies einmal ist ein Umsatz von 1.000 Euro. Die entscheidende Größe ist der Umsatz, der Bettenkurs ist nur ein Indiz auf das Verhältnis von Angebot/ Nachfrage.

Nachfragen und Meinungen sind sehr Willkommen, weil es wirklich -auch für mich- ein schwieriges und interessanten Thema ist. Wie man auf Wirtschaftsflauten zu reagieren habe, wird sehr kontrovers diskutiert und teilt sich in die Lager nachfrageorientiert und angebotsorientiert. Beides ist sicher richtig.

FG, Ingo

P.S.: Die wirtschaftliche Aufwärtsspirale nach der dt. Wiedervereingung (Nachholender Konsum im Osten) wurde übrigens rigide durch die Zinspolitik der dt. Bundesbank abgewürgt. Weil sie die Inflation in Grenzen halten musste, hat sie die Zinssätze tüchtig angehoben. Dafür wurde sie kräftig gescholten, aber sie ist darum auch gesetzlich von der Politik unabhängig und nur der Geldwertstabilität unterworfen.

Schade, ich hatte versucht, klarzustellen, daß dem Verlust bei
den Banken kein Gewinn bei irgendjemand sonst gegenübersteht.
Das wird Dir im Zweifel klar sein, aber ob das ein Dritter
nach Deinen Artikeln so verstanden hat, erscheint mir ungewiß.

Verstehe ich jetzt auch nicht so ganz. Sämtliche Verluste, die der Inhaber eines abschreibungsbehafteten Wertpapiers macht (abseits von eventuellen vergangenen Höherschreibungen), stammen doch daher, dass er dieses Wertpapier zu einem höheren Preis als dem aktuell angemessenen gekauft hat und es seitdem mit diesem Wert in der Bilanz stehen hatte. Und dieser höhere Kaufbetrag ist selbstverständlich an den Verkäufer geflossen, der sich seiner „hot potato“ damit entledigt hat.

Man kann natürlich nicht von einem „direkt gegenüberstehenden Gewinn“ sprechen, schließlich hat der Verkäufer wohl auch etwas investieren müssen. Aber irgendwo fängt doch die Kette mal an. Gewinn hat z.B. der Handwerker gemacht, der aus dem Hauskredit bezahlt worden ist, der jetzt nicht mehr zurückgezahlt werden kann, aber als RMBS-CDO-Triple-A-Security nach mehreren Zwischenhandelsschritten (bei denen auch ein wenig Gewinn hängenblieb) in Citibanks Bilanz steht.

Oder?

Grüße,
Sebastian

Hallöchen,

  1. Eine Vase, die gekauft und dann zerstört wurde, hat ihren
    Wert verloren. Das Geld hat jedoch auch hier den Besitzer
    gewechselt. Der Verkäufer hatte keinen Verlust, sondern der
    Käufer durch seine Tollpatschigkeit. Ich kann auch den
    Vergleich zur jetzigen Finanzkrise nicht ziehen, da niemand
    massenweise sein Eigentum zerstört hat. Die amerikanischen
    Häuser stehen noch alle da und wurden gebaut.

es geht nicht um Geld, sondern um Werte und genau die sind vernichtet worden. Du sprichst vor allem über die Immobilien, aber die sind nicht Thema der Veranstaltung sondern lediglich ein Auslöser. Immobilien in den USA verlieren seit 2006 im Schnitt kräftig an Wert, während die Preise in den zehn Jahren zuvor immer gestiegen sind, zuletzt mit Jahresraten > 10%. Das Platzen dieser Blase hat erhebliche Auswirkungen, die sich vor allem in den Kapitalmärkten abspielen.

Im Zuge der Immobilienthematik in den USA kam es zu erheblich rückläufigen Wertentwicklungen bei vielen Anlageklassen, vor allem bei den Kreditderivaten, die mit verbrieften Immobilien- und Konsumentenkrediten im Zusammenhang standen. Diese Papiere sind derzeit praktisch wertlos und dieser Werteverfall hat riesige Löcher in die Bankbilanzen gerissen. Diese Werte sind weg, ohne daß davon nun irgendjemand etwas hat.

Wirtschaft und Reichtum ist kein Status Quo, sondern Reichtum
bedeutet Geldeinnahme pro Zeit.

Reichtum ist Vermögen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Was Du meinst, ist Einkommen bzw. Umsatz.

Amerika:
Die amerikanischen Häuslebauer haben mit einem bestimmten
Einkommen für die Zukunft gerechnet und gleichzeitig wurde
ihnen der Traum vom Eigenheim schmackhaft verkauft. Man hat
Verträge geschlossen, die risikoreich waren, weil die
Einkommensicherheit einerseits und die Zinssicherheit
andererseits nicht gegeben waren.

Was uninteressant war, weil die Häuserpreise kräftig stiegen und so absehbar erschien, daß die Immobilie immer wertvoll genug war, um den Kredit mehr als vollständig abzusichern. Das war ein Trugschluß.

Ich weiß nicht warum, ob die Häuslebauer ihren Job verloren
oder ob die Zinssätze stiegen oder beides, jedenfalls konnten
die Kreditverträge nicht eingehalten werden und die Häuser
mussten verkauft werden.

Die Häuser wurden teilweise zu 130% beliehen. Am Ende der Zinsbindung war der Wert nun auf einmal nicht nur auf den erwarteten Wert gestiegen sondern sogar gefallen. Erst dadurch wurde der Kredit ein problematischer: Die Kunden konnten die gestiegenen Zinsen nicht zahlen und die Sicherheiten waren nicht das wert, was man erwartet und einkalkuliert hatte. Bei der Verwertung der Häuser konnten die erwarteten Preise also nicht erzielt werden, dies führte zu weiter fallenden Preisen und – logischerweise – zu weniger Neubauten. Spätestens an der Stelle ist die Krise von den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergesprungen.

Aber auch innerhalb des Finanzsektors war es damit noch nicht getan. Aufgrund der reihenweise zusammenbrechenden Kreditinstituten in den USA und der undurchsichtigen Wertpapierkonstruktionen kam es im Finanzsektor zu einer Vertrauenskrise, die bis heute besteht. D.h. Kreditinstitute leihen sich derzeit untereinander kein Geld, was aber Voraussetzung für eine reibungslose Liquiditätsversorgung der ganzen Brache ist.

Bei einigen Häusern fällt es unter das einkalkulierte
Kreditrisiko der Bank. Nimmt das Angebot an Häusern jedoch zu,
fällt der Hauspreis und die Kredite können nicht beglichen
werden. Aber auch die Banken haben Kredite bei Sparern und bei
anderen Banken genommen. Ein Sparer, der ahnt, dass er sein
der Bank geliehenes Geld nicht zurückerhalten könnte, wird
versuchen Erster am Schalter zu sein und sein Geld abheben.
Die Bank gerät in Auszahlungsschwierigkeiten

Zahlungsschwierigkeiten aufgrund übereifriger Sparer hat es in zwei Fällen gegeben: Northern Rock und Washington Mutual. Dieses Szenario kann man also kaum verallgemeinern.

Unsere Autos werden nicht mehr importiert und stehen hier auf
Halde, weil der Montagebänder noch zu schnell laufen und der
Produktionsprozess erstmal an den langsameren Verkauf
angepasst werden muss. Die Folge ist konkret, dass
Zulieferungen erstmal nicht benötigt werden, dass Piloten für
die Just-in-Time-Zulieferung von Wagenteilen Zwangsurlaub
bekommen und in dieser Zeit nur ihr viel geringeres
Grundgehalt verdienen (kein Scherz), dass Sparer, die ihr Geld
im Ausland angelegt hatten, es u.U. nicht zurückerhalten.

Das erscheint mir etwas wirr: was haben Piloten mit Automobilzulieferern zu tun und welche Sparer haben Geld aus dem Ausland nicht zurückbekommen?

Das Geld ist nicht weg.

Nicht Geld ist weg, sondern Werte.

Wer hat die ganzen Milliarden, die den Banken jetzt fehlen?

Handwerker, sofern bezahlt. Die Bank selbst in Form ihrer
selbst gebauten Häuser, welche aufgrund des Überangebots an
Häusern einen geringeren Marktwert haben, als ihr
Entstehungspreis ist.

Die Werte, die vernichtet wurden, steckten nur teilweise direkt in Immobilien. Ein viel größerer Teil verschwand in stukturierten Anleiheprodukten, die mal mehr und mal weniger Bezug zu US-Immobilienkrediten hatten. D.h. Kredite wurden gekauft und mit Anleihen refinanziert. Dann gab es Gesellschaften, die diese Anleihen gekauft und wieder über Anleihen refinanziert haben. Diese Konstrukte haben massiv an Wert verloren.

Ich wäre es schon recht wagemutig zu behaupten, das Geld, das die Banken verloren haben, steckte nun in den US-Immobilen. Dafür waren die Transaktionen doch ein bißchen zu weit vom Immobilienmarkt entfernt.

Haben die die Handwerker der auf Pump gebauten Häuser in den
USA?

Ja, aber sie geben es jetzt nicht sofort wieder aus.

Oder haben die die Ex-Aktienbesitzer, die ihre Aktien noch zu
hohen Kursen verkauft haben?

Ja, aber sie geben das Geld jetzt nicht sofort wieder aus.

Oder sie haben das Geld wieder investiert, weil sie dachten, daß die Aktien schon tief genug gefallen wren und sich wieder erholen würden.

Nochmal zum Aktienhandel und Warenhandel: Eine 5tausend mal
verkaufte Aktie für 1000 Euro ergibt einen Aktienkurs von
1.000 Euro, genauso wie eine einmal getauschte Aktie von 1.000
Euro. Ein Warenhandel von 5tausend Betten für 1.000 Euro ist
ein Umsatz von 5.000 Euro für das Unternehmen. Dies einmal ist
ein Umsatz von 1.000 Euro. Die entscheidende Größe ist der
Umsatz, der Bettenkurs ist nur ein Indiz auf das Verhältnis
von Angebot/ Nachfrage.

Einen Kurs (wenn man von Tax-Kursen absieht) gibt es immer nur, wenn es einen Verkäufer und einen Käufer gibt. Der Kurs ist also nicht zwangsläufig ein Indiz für Angebot und Nachfrage sondern vielmehr für die Erwartungen bzgl. der zukünftigen Kurs- und Unternehmensentwicklung.

Nachfragen und Meinungen sind sehr Willkommen, weil es
wirklich -auch für mich- ein schwieriges und interessanten
Thema ist. Wie man auf Wirtschaftsflauten zu reagieren habe,
wird sehr kontrovers diskutiert und teilt sich in die Lager
nachfrageorientiert und angebotsorientiert. Beides ist sicher
richtig.

Ein Wirtschaftswachstum wird es nicht ohne ein stabilies Finanzsystem und wieder steigende Aktienkurse geben. Letztere sind insbesondere für die US-Volkswirtschaft enorm wichtig, weil daran der private Konsum hängt, und damit auf für die Weltwirtschaft. Solange die Kreditinsitute nicht über hinreichend Liquidität und Eigenkapital verfügen, wirds knifflig mit dem Aufschwung.

P.S.: Die wirtschaftliche Aufwärtsspirale nach der dt.
Wiedervereingung (Nachholender Konsum im Osten) wurde übrigens
rigide durch die Zinspolitik der dt. Bundesbank abgewürgt.
Weil sie die Inflation in Grenzen halten musste, hat sie die
Zinssätze tüchtig angehoben. Dafür wurde sie kräftig
gescholten, aber sie ist darum auch gesetzlich von der Politik
unabhängig und nur der Geldwertstabilität unterworfen.

Wenn dem Wachstum der Geldmenge auch ein entsprechendes Wachstum der Wirtschaft gegenüber gestanden hätte. Tatsächlich war es aber so, daß zwar die Löhne und Renten im Osten stiegen, während die Produktivität nicht in gleichem Maße stieg. Weil die Bundesregierung gleichzeitig ohne Ende Geld im Osten investierte (teilweise auch indirekt über Subventionen), kam es in der Folge zu einem erheblichen Anstieg des Preisniveaus in Deutschland, den die Bundesbank mit Zinserhöhungen bekämpfen mußte.

Gruß
Christian

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stammen doch daher, dass er dieses Wertpapier zu einem höheren
Preis als dem aktuell angemessenen gekauft hat und es seitdem
mit diesem Wert in der Bilanz stehen hatte. Und dieser höhere
Kaufbetrag ist selbstverständlich an den Verkäufer geflossen,
der sich seiner „hot potato“ damit entledigt hat.

Das kannst Du dann über den Verkäufer des Grundstücks über den Ausbilder des Dachdeckers bis hin zu George Washington und dessen Eltern fortspinnen. Geld kommt immer irgendwo her.

Die Frage, die immer wieder gestellt wird, hat einen anderen Hintergrund: das Gerücht, daß jemand profitiert, wenn ein anderer verliert. Es scheint nicht auszumerzen zu sein, wobei ich nicht müde werde, das zu versuchen.

Nur, weil ein KI eine Anleihe abschreibt, hat niemand auf dem Planeten einen Cent verdient. Diesen kausalen Zusammenhang gibt es nicht. Wenn es dann klarer wird: Du bastelst Dir die Vase einfach selbst und läßt diese dann schätzen. Wenn Du sie dann zerhaust, gabs keinen Verkäufer.

Die wirtschaftliche Betrachtung der Wertentwicklung beginnt sinnvollerweise nicht vor dem Zeitpunkt des Kaufes sondern danach. Oder anders: hinsichtlich der Wertenticklung und Wertzuweisung ist die Bank, die Anleihen oder andere Papiere hält, ein geschlossenes System.

Gruß
Christian

Das kannst Du dann über den Verkäufer des Grundstücks über den
Ausbilder des Dachdeckers bis hin zu George Washington und
dessen Eltern fortspinnen. Geld kommt immer irgendwo her.

Genau… bzw. geht es irgendwo hin, statt sich in Luft aufzulösen. Wobei: verschwinden muss es ja doch auch mal irgendwie, wenn Kreditvolumen reduziert werden (weniger Geldschöpfung). Das sind die Stellen, wo ich ins Grübeln komme.

Nur, weil ein KI eine Anleihe abschreibt, hat niemand auf dem
Planeten einen Cent verdient.

Es gibt allerdings jemanden, der, da er dem KI die Anleihe verkauft hat, einen Cent erhalten hat, den er nicht verliert.

Diesen kausalen Zusammenhang
gibt es nicht. Wenn es dann klarer wird: Du bastelst Dir die
Vase einfach selbst und läßt diese dann schätzen. Wenn Du sie
dann zerhaust, gabs keinen Verkäufer.

Das bessere Beispiel wäre eine Vase, die einen Schaden hat, den man nicht gleich bemerkt. Bei einem weiteren Gutachten stellt sich heraus, dass der Schätzwert jetzt nur noch ein Bruchteil ist. Die erste Schätzung hat den Makel übersehen. Ausserdem sind jetzt Vasen out und keiner bietet mehr auf Ebay dafür :smile:.

Die wirtschaftliche Betrachtung der Wertentwicklung beginnt
sinnvollerweise nicht vor dem Zeitpunkt des Kaufes sondern
danach.

Aber für die „Cashflowbetrachtung“, nach der der Urposter fragt („Geldverbrennung“, „Wer hat die ganzen Milliarden, die den Banken jetzt fehlen“), ist doch genau der Kauf der interessante Zeitpunkt. Was danach geschehen ist, ist ja nur die Entdeckung, dass die wertvolle Ming-Vase in Wirklichkeit aus dem Chinarestaurantbedarf stammt, oder die Feststellung, dass eine Tulpenzwiebel, sobald sie keiner mehr für viele Gulden kaufen will, nur zum Einpflanzen taugt.

Oder anders: hinsichtlich der Wertenticklung und
Wertzuweisung ist die Bank, die Anleihen oder andere Papiere
hält, ein geschlossenes System.

Abgesehen davon, dass eine über den Marktpreis definierte Wertentwicklung schon auch fremdbestimmt ist…

Grüße,
Sebastian

Hallo!
Das Geld ist nicht weg ist („Geldverbrennung“), weil es zu den Handwerkern gewechselt ist. Das beantwortet einen Teil der Ausgangsfrage.
Es fließt Geld aber es wird auch ein Wert dabei neu erschaffen (das Haus), welches als Sicherheit für den Kredit bürgt.

Der zweite Teil begründet die Finanzkrise:

es geht nicht um Geld, sondern um Werte und genau die sind
vernichtet worden.

Der Gegenwert der Bankkredite ist verloren gegangen. Die Häuser besitzen nicht den geplanten Wert. Das Angebot an leeren Häusern ist sehr groß geworden. Damit sinkt ihr Wert. Bisher waren Immobilien ein lohnendes Anlagekapital, weil der Wertzuwachs der Häuser stetig war. Es machte also nichts, wenn der eine oder andere Häuslebauer pleite ging, weil das Angebot an Häusern so knapp war, dass ihr Preis hoch war und dieser Preis auch bezahlt wurde.

Hier liegt des Pudels Kern:

[Es kam] … zu erheblich
rückläufigen Wertentwicklungen bei vielen Anlageklassen, vor
allem bei den Kreditderivaten, die mit verbrieften Immobilien-
und Konsumentenkrediten im Zusammenhang standen.

Der Kredit wird gehandelt, also weiterverkauft. Konkret: Die Bank verkauft den Kredit zu einem bestimmten Preis und der Käufer des Kredits, rechnet mit der laufenden Einnahme oder mit einem guten Verkaufspreis der Immobilie. Sei es mal dahingestellt, wer denn nun am Ende dieser Kette, sein Geld nicht erhält.

Die erste Frage ist, warum konnten so viele Häuslebauer die Kredite nicht mehr tilgen? Das kann doch nur durch einen massiven Zinsschub begründet sein, oder? Und wenn, wodurch kam dieser?

Die zweite Frage ist, warum können die gezahlten Gelder aus den Krediten an die Handwerker, die Wirtschaft nicht auffangen? In diesem Falle wurde kein Mehrwert geschaffen (das Haus).

Gruß, Ingo

P.S.:

Das erscheint mir etwas wirr: was haben Piloten mit
Automobilzulieferern zu tun und welche Sparer haben Geld aus
dem Ausland nicht zurückbekommen?

1)Die Piloten fliegen just-in-time Ersatzteile für Montagebänder und Karosserieteile, für die Produktion. Der Pilot erhält einen Anruf, ist 15min später am Flughafen und fliegt die benötigten Teile von Zulieferer zum Produktionsbetrieb. Keine Produktion > Kein Flug. Beispiele von vielen: http://www.heliplus.de http://www.arcus-air.com
2) Banken und Privatanleger bei in Konkurs gegangenen Banken.

Hallo,

Das Geld ist nicht weg ist („Geldverbrennung“), weil es zu den
Handwerkern gewechselt ist. Das beantwortet einen Teil der
Ausgangsfrage.

die aber m.E. falsch gestellt ist. Die Antwort auf die Frage, wo das Geld ist, ist trivial. Die richtige Frage ist, wo die Werte geblieben sind, die bei den Finanzdienstleistern vernichtet wurden.

Der zweite Teil begründet die Finanzkrise:

es geht nicht um Geld, sondern um Werte und genau die sind
vernichtet worden.

Der Gegenwert der Bankkredite ist verloren gegangen. Die
Häuser besitzen nicht den geplanten Wert. Das Angebot an
leeren Häusern ist sehr groß geworden. Damit sinkt ihr Wert.

Das ist nicht falsch, aber eben nur die Hälfte der Wahrheit. Schließlich haben die Häuser in den USA erst einen durchschnittlichen Wertverlust von rd. 17% erlebt, während CDOs und Konsorten teilweise völlig wertlos sind.

Die erste Frage ist, warum konnten so viele Häuslebauer die
Kredite nicht mehr tilgen?

Die Ausfallquote liegt derzeit „erst“ bei 6%. Was das angeht, stehen wir also noch am Anfang.

Das kann doch nur durch einen
massiven Zinsschub begründet sein, oder? Und wenn, wodurch kam
dieser?

Die Zinsbindung war nur kurz, die anfänglichen Zinssätze vielfach unter Marktniveau, so daß nach wenigen Jahren die Zinsen kräftig angehoben wurden. Bei weiter gestiegenen Preisen hätte man die Bude verkauft und den Kredit zurückgeführt. Bei fallenden Hauspreisen funktionierte das nicht mehr.

Die zweite Frage ist, warum können die gezahlten Gelder aus
den Krediten an die Handwerker, die Wirtschaft nicht
auffangen? In diesem Falle wurde kein Mehrwert geschaffen (das
Haus).

Die Frage verstehe ich nicht.

Das erscheint mir etwas wirr: was haben Piloten mit
Automobilzulieferern zu tun und welche Sparer haben Geld aus
dem Ausland nicht zurückbekommen?

1)Die Piloten fliegen just-in-time Ersatzteile für
Montagebänder und Karosserieteile, für die Produktion. Der
Pilot erhält einen Anruf, ist 15min später am Flughafen und
fliegt die benötigten Teile von Zulieferer zum
Produktionsbetrieb. Keine Produktion > Kein Flug. Beispiele
von vielen: http://www.heliplus.de http://www.arcus-air.com

Wenn nur 1% der Teile eines KfZ mit dem Flugzeug (oder gar Hubschrauber – aberwitzige Idee) transportiert wird, wäre es schon viel.

  1. Banken und Privatanleger bei in Konkurs gegangenen Banken.

Bisher gab es eine Insolvenz und eine Hand voll Entschädigungsfälle. Außer bei Lehman ist von Ausfällen nichts zu sehen und dort betrifft es nicht die Einlagen von Privatpersonen sondern die Käufer von Zertifikaten. Und die Verbindung zur Autobilbranche sehe ich immer noch nicht.

Gruß
Christian