Geldvernichtung - Wo ist das Geld jetzt?

Hi, Experten,

stehe grad ein wenig auf dem Schlauch und sitze wohl einem Denkfehler auf:

Die Finanzkrise ist ja gerade in aller Munde. Vor allem die Banken haben mit Wertpapieren viel Geld verloren und machen fette Verluste.

Aber wie muss man sich das vorstellen? Nehmen wir an, ich habe vor 3 Jahren für 100.000 € Aktien gekauft, die heute noch 20.000 € Wert sind.
Klar, dann habe ich persönlich 80.000 € verloren. Das ist mir noch klar :smile:
Aber sind auch volkswirtschaftlich Werte i. H. v. 80.000 € vernichtet worden?

Derjenige, dem ich damals die 100.000 € für die Aktien gegeben habe, der hat sie ja noch. Es ist doch nur eine Umverteilung, oder?

Anderes Beispiel: Ich kaufe mir ein Haus für 1 Mio €. Der Verkäufer des Hauses hat jetzt 1 Mio in bar und ich ein Haus im Wert von 1 Mio.

Jetzt wird 3 Jahre später genau neben dem Haus eine Autobahn oder ein Flughafen gebaut und das Haus ist dann nur noch sagen wir 300.000 € wert. Wie ist das dann mit der Wertvernichtung? Der Verkäufer hat ja damals die Million von mir bekommen. Die ist ja nicht weg.

Ich krieg das nicht ganz auf die Reihe…

Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

LG Rolo

Hallo,

Aber wie muss man sich das vorstellen? Nehmen wir an, ich habe
vor 3 Jahren für 100.000 € Aktien gekauft, die heute noch
20.000 € Wert sind.
Klar, dann habe ich persönlich 80.000 € verloren. Das ist mir
noch klar :smile:
Aber sind auch volkswirtschaftlich Werte i. H. v. 80.000 €
vernichtet worden?

Vermutlich nicht.
Das Geld befindet sich nur in den Taschen anderer Leute:wink:

Gruß:
Manni

Hallo Rolo,

diese Fragen werden so häufig hier gestellt, dass man vielkleicht eine FAQ daraus machen sollte :smile:.

Man muss unterscheiden zwischen Wert und Geld. Das GELD, das derjenige für Aktien bezahlt hat, hat natürlich jemand anderes, und es ist nicht verschwunden. Die existierende Geldmenge kann auch mehr oder weniger werden, aber nicht direkt durch Wertverlust von Aktien oder Immobilien.

Der WERT der Aktien, der Firma, der Immobilie, der Ming-Vase, etc. hingegen liegt immer im Auge des Betrachters. Einer der objektivsten Wertmaßstäbe, den es bei einer nicht so leicht einzuschätzenden Wertsache noch gibt, ist der Börsenkurs (als kollektive Wertschätzung der Marktteilnehmer). Wenn der Börsenkurs fällt, heisst das, dass die Allgemeinheit der Aktie keinen so hohen Wert mehr zumisst.

Der Aktienbesitzer hat immer noch das gleiche wie vorher - einen Unternehmensanteil - aber die Allgemeinheit denkt jetzt, dass dieser Unternehmensteil doch nicht so viel Geld wert ist. Zum Beispiel, weil das Unternehmen einen Verlust gemacht hat, oder auch nur, weil sich die Gewinnaussichten verschlechtert haben.

Aber sind auch volkswirtschaftlich Werte i. H. v. 80.000 €
vernichtet worden?

Schwierige Frage.

Derjenige, dem ich damals die 100.000 € für die Aktien gegeben
habe, der hat sie ja noch. Es ist doch nur eine Umverteilung,
oder?

Vom monetären her ja. Aber es haben sich auch die Ansichten und Aussichten über die Unternehmenslage geändert. Diese sind immer nur Schätzungen, und der tatsächliche Verlust ist häufig ein vorweggenommener - schlechte Zukunftsaussichten senken heute schon den Börsenkurs. Aber sehr oft ist auch ein wirtschaftlicher Grund für den Aktienkursverlust gegeben.

Wie ist das dann mit der Wertvernichtung?
Der Verkäufer hat ja damals die Million von mir bekommen. Die
ist ja nicht weg.

Wie gesagt, das Geld ist noch da, aber der „Wechselkurs“ Geld – Haus hat sich verschlechtert. Insofern hat der Hausbesitzer jetzt weniger Vermögen, weil der Wert seines Nichtgeld-Vermögens anders in Geld „umgerechnet“ wird.

Viele Grüße,
Sebastian

Hallo Rolo,

dein Beispiel mit dem Haus zeigt meiner Meinung nach, dass Werte tatsächlich einfach „verschwinden“ können.

Ich wüsste da noch ein paar andere Möglichkeiten, Werte verschwinden zu lassen. Nimm einmal an, du gehst zum Kiosk und kaufst dir die Zeitung von heute für einen Euro. Wirst du morgen, übermorgen oder in fünf Monaten noch irgendjemanden finden, der dir diese Zeitung für EUR 1,- abkauft? Sehr unwahrscheinlich. Allerdings könntest du in 50 oder 100 Jahren jemanden finden, der die für die Zeitung sogar den Gegenwert von EUR 10,- zahlt. Man kann ja auch heute noch Zeitungen aus den 1920er Jahren kaufen - aber ganz bestimmt nicht für 10 Pfennig :wink:

In diesem Fall war der Wertverlust also nur vorübergehend.

Anderes Beispiel. Nun bist du auf dem Viktualienmarkt und kaufst dort ein. Eine Mango, eine Schale Erdbeeren, eine Drachenfrucht und noch ein paar Bananen. Kostenpunkt - na, sagen wir mal EUR 20,-. Dummerweise vergisst du, die Tüte vom Büro aus mit nach Hause zu nehmen und fährst am nächsten Tag in Urlaub. Nach drei Wochen kommst du wieder. Wo sind deine EUR 20,-? Ebenso erfolgreich vernichtet, als wenn du den Geldschein gleich angezündet und verbrannt hättest - und du kannst noch von Glück sagen, wenn der Schank/Teppich/Schreibtisch nicht gelitten hat.

Manche Dinge verlieren eben an Wert - traurig aber wahr. Wenn du eine neu gekaufte DVD auspackst, hat sie sofort erheblich an Wert verloren, obwohl du sie noch nicht einmal angefasst hast, denn du kannst sie nun nicht mehr umtauschen und auch auf eBay wirst du nicht mehr den Neupreis bekommen.

Dein Geld ist beim Verkäufer. Du hast dafür etwas bekommen, was nun eben mehr oder weniger schnell an Wert verliert. Mit anderen Worten: Hättest du mal lieber das Geld behalten :wink:

Schöne Grüße

Petra

getrennte Transaktionen
Hallo!

Ich versuche mich auch noch einmal:
Nicht das Geld wird vernichtet, sondern nur der Wert.
Beim Kauf gibst du dem Kaeufer einen Geldbetrag. Dieser wird dort natuerlich nicht vernichtet, sondern nur jemand anderem gegeben.
Wenn du deine zB Aktien spaeter wieder verkaufst, dann gibt dir jemand anderes Geld.
Die Differenz ist aber nicht vernichtet oder dazugekommen; man kann eigentlich nicht von Differenz sprechen.
Beide Transaktionen sind von einander getrennt: Das eine Geld kommt dahin und das andere dorthin. Zueinander haben sie keinen Bezug; Geld wird weder vernichtet noch neu erschaffen.

Gruss
Paul

Vielen Dank an Alle
:smile:

hab ich heute bekommen ansehenswert

http://www.webworking.de/videos/video_clauss.php

Hallo,

ich finde folgender Aspekt fehlt noch - oder ich habe ihn überlesen (dann: sorry):

Beim Aktienbeispiel wurde das Geld nicht vernichtet. Es war gar nicht wirklich da.

Dazu muss man sich klar machen, wie ein Aktienkurs entsteht.

Beispiel:
Von der Beispiel AG sind 1 Million Aktien an der Börse im Umlauf. Nehmen wir an, dass sind alle Aktien, die es von diesem Unternehmen gibt.
Normalerweise werden nicht alle Aktien eines Unternehmens am Tag gehandelt, sondern nur ein Bruchteil.
Angenommen, Montags werden 10.000 Aktien gehandelt. Der Preis für diese 10.000 Aktien wird zwischen Verkäufer(n) und Käufer(n) über die Börse ausgehandelt. In unserem Beispiel werden die Aktien (im Durchschnitt) zu 100,- Euro gehandelt. Also wurden 1.000.000 Euro bewegt und der Kurs der Aktie erscheint bei n-tv im laufband mit 100,00 Euro.
Nun neigen die Börsianer und ihre Sympathisanten dazu, aus diesem Kurs den Wert des gesamten Unternehmens zu berechnen. Also 100 euro mal 1 Million Aktien = 100 Millionen Euro Wert (Marktkapitalisierung).
Das ist aber Quatsch. Denn kein Mensch weiß, ob wirklich jemand bereit wäre, für die ganze AG 100 Millionen zu bezahlen? Und ob wirklich alle Aktionäre für diesen Preis verkaufen würden.

Werden am Dienstag nur 1.000 Aktien für 120 euro gehandelt, tut die ganze Börsenwelt (und die „Fachpresse“) so, als wäre die ganze Firma auf einmal 20% mehr wert. Warum eigentlich?
Deutlich wird das an den Kapriolen der VW-Aktie im Herbst letzten Jahres. Ganz wenige Aktien, die zu irren Preisen gehandelt wurden.

Diese Wertveränderung finden also erstmal nur in der Buchhaltung statt. Weder wurden von 2003 bis 2007 real riesige Werte geschaffen, noch wurden welche ab Mitte 2007 bis heute vernichtet.
Was weg ist, ist der Wetteinsatz desjenigen, der zum falschen Zeitpunkt auf die falschen Richtung der Kursentwicklung gesetzt hat.

Wo das Geld jetzt ist? Bei dem, der richtig gewettet hat. Wie immer.

Gruß vom Money-Schorsch

Weil meine Zusammenfassung des Clauss’schen Vortrags (und seiner sonstigen Aktivitäten) länglich geraten ist, kopiere ich für die, die ihre Zeit nicht verschwenden wollen, mein Fazit vom Ende meines Beitrags hierher an den Anfang:

================================
Wer nun meint, er könne von Herrn Clauss Wissenswertes über Finanzthemen lernen, wird sich auch sehr für die auf der Website seiner Stiftung verlinkten Seiten interessieren, darunter eine, die sich für die überfällige Freigabe der UFO-Technologie einsetzt. Eine, die erklärt, dass wir seit Jahrhunderten gezielt betrogen und belogen (und die Wissenschaftler mit Milliarden für’s Stillhalten bezahlt) werden, weil der Wassermotor eben doch funktioniert. Eine, die erklärt, warum wir unsere Kinder nicht impfen lassen sollten. Eine, die erklärt, warum der Treibhauseffekt eine Lüge ist. Seiten mit Fotos von Geistern. Und von Kornkreisen. Seiten, die ganz viele große Verschwörungen aufdecken und sogar die Wahrheit über 9/11 kennen.

Man ist versucht zu behaupten, der Redner Andreas Clauss liefere in seinem Vortrag auf der „Anti Zensur Konferenz“ (er scheint denselben Vortrag auch auf anderen Versammlungen von, nun ja, Andersdenkenden zu halten) eine Mischung aus Weltverschwörungstheorien, Esoterik, paranoiden Begriffsdeutungen und versteckter Agenda, die mancher Zuhörer mit Realitätsverlust oder Gerissenheit, eher nicht aber mit seriöser Information in Verbindung bringen könnte.

(Clauss ist Autor eines Buchs, das bei einem Verlag erschienen ist, der sich dadurch auszeichnen soll, miserabel zu lektorieren, dafür aber die Ergüsse aller möglichen Inhaber alternativer Weltbilder bzw. bis dato unerkannter Wahrheiten abzudrucken.)

Clauss erklärt, warum ein Zahlungsmittel, dessen Wert nicht goldgedeckt ist, nicht nur das Papier nicht wert ist, auf dem es gedruckt ist, sondern überhaupt Ergebnis eines perfiden Plans genialer, verborgener, böser Mächte sei.

(Clauss betreibt die „Handelsplattform Gold-Silber-Kontor“.)

Wer aus Geld Geld mache, spiele das Spiel der bösen Mächte. Geld müsse an Physischem verdient werden.

(Clauss, der von sich behauptet, 20 Jahre lang als Finanzdienstleister gearbeitet zu haben, hat daher im Ausland eine Stiftung gegründet, deren Ziel laut dazugehöriger Website die Propagierung zu sein scheint von u. a.: Goldbesitz sowie Öl- und Gasförderung. Und natürlich die „Schaffung eines Bewusstseins und einer Schwingung in uns, die die Persönlichkeit fördernde Prozesse und Zustände wie Liebe, Loslassen, universelle Weisheit, Ausgeglichenheit fördert und zulässt“.)

Zusehends steigert er sich dann ins Wahnhaft-Wirre Thema hinein und spricht ständig wiederkehrend von „denen“, deren Identität er zwar nicht erklärt, die aber nicht nur bereits in der Lage sind, Wirtschaftssysteme und Legislativen rund um den Globus zu manipulieren, sondern, lies und staune, die Weltherrschaft anstreben und, sic, auch noch unsere Seelen wollen. Wer „die“ sein sollen, kann man nur stellenweise erahnen, so richtig scheint sich Clauss da aber auch nicht festlegen zu wollen - dafür ist er vielleicht auch zu verwirrt von der Vielfalt der Verschwörer. Oder zu clever.

Mal sind es die Amerikaner, die die Welt gezielt in die Weltwirtschaftkrise gestürzt haben, um Europa ausbluten zu lassen, mal sind es die alliierten Gewinner des WW2, die ihre „Deutschland AG“ bis heute schröpfen (Deutschland sei kein Staat, sondern eine Firma; Deutsche keine Staatsbürger, sondern Angestellte - daher auch „Personalausweis“; Clauss scheint hier nicht zu spaßen); wie es sich gehört, spielen natürlich irgendwie auch die Juden eine zentrale Rolle, aber das darf man freilich nur andeuten (12 Sterne der Europaflagge = 12 Stämme Israels), man setzte sich ja sonst den unmöglichsten Verdächtigungen aus.

(Clauss steht dem „Selbsthilfeverein Autarkes Leben - Vereinigung der unter Selbstverwaltung stehenden Deutschen“ vor.)

Und überhaupt, die Deutschen. Nur die Deutschen selbst noch können ihre weitere Entrechtung aufhalten, indem sie dies, indem sie das. Die Deutschen. Dass Clauss das Deutsche in seinem in der Schweiz aufgezeichneten Vortrag so sehr betont, geht schon in Ordnung, denn die Schweizer und die Deutschen (und natürlich die Österreicher) seien „von einem Stamm“ und müssten zusammenstehen.

================================
Wer nun meint, er könne von Herrn Clauss Wissenswertes über Finanzthemen lernen, wird sich auch sehr für die auf der Website seiner Stiftung verlinkten Seiten interessieren, darunter eine, die sich für die überfällige Freigabe der UFO-Technologie einsetzt. Eine, die erklärt, dass wir seit Jahrhunderten gezielt betrogen und belogen (und die Wissenschaftler mit Milliarden für’s Stillhalten bezahlt) werden, weil der Wassermotor eben doch funktioniert. Eine, die erklärt, warum wir unsere Kinder nicht impfen lassen sollten. Eine, die erklärt, warum der Treibhauseffekt eine Lüge ist. Seiten mit Fotos von Geistern. Und von Kornkreisen. Seiten, die ganz viele große Verschwörungen aufdecken und sogar die Wahrheit über 9/11 kennen.