Hallo, Mercurius und ihr!
Man muss sich immer wieder klar machen, dass „mean“ „mean“
heißt und „gemein“ oder „geizig“ nur Übersetzungen ins
Deutsche sind, die versuchen, die Bedeutung von „mean“
ungefähr zu treffen.
Das klingt so, als wäre „gemein“ eine Lehnübersetzung aus dem Englischen, was es nun ganz und gar nicht ist.
„Gemein“ gehört zunächst zu „gemeinsam, allgemein, Gemeinde“ und ist damit durchaus positiv der „gemeine Mann (und natürlich auch die gemeine Frau)“, die Leute auf der Straße, denen man als Gleichberechtigten begegnet, mit denen man lebt, handelt und einen trinken geht und die man heiraten kann.
Erst im Neuhochdeutschen im Zuge der bis dahin vollzugenen Differenzierung und Distanzierung der Standesebenen wird der „gemeine Mann (und natürlich auch die gemeine Frau)“, zu Nichtebenbürtigen, mit denen man keinen Umgang pflegt, denen die Kultur und Bildung fehlt, die den Teller ganz ausessen, statt den Höflichkeitsrest drin zu lassen, die sich mit den Fingern schnäuzen (die Schnauze putzen), statt die Popel fein säuberlich im Schnäuztüchlein mit sich spazieren zu tragen.
Und dass solche natürlich auch moralisch minderwerdig und stets halb kriminell sind, versteht sich! Also gibt es gemeine Räuber, gemeingefährliche (hier noch fast im alten Sinn) Staatsfeinde, Gemeinheiten zwischen den Menschen, z. B. in Internetzforen, und das Lied: "Mai, bist du gemein! "Mai, bist du gemein! „Mai, bist du gemein! Didilittdidit!“
Es gibt in der Semantik jedenfalls die Phänomene der
Bedeutungserweiterung oder auch -verengung. Ein schönes
Beispiel ist „gift“, ein Wort germanischen Ursprungs, das
ursprünglich „Gabe“ heißt. So ist es auch heute noch im
Englischen. Im Deutschen fand eine Bedeutungsverengung auf
eine ganz bestimmte „Gabe“ statt - nämlich „Gift“.
Dennoch gab und gibt es noch die Redewendung: jemanden den Trank vergeben.
Dazu Grimm:
_vergeben, geben mit schlimmer absicht, etwas hingeben um einen zu verderben, schaden thun.
a) das object (etwa etwas verderbliches) fehlt und ist zu ergänzen, der schaden leidende im dativ, dasjenige wodurch der schaden entsteht, durch präposition beigefügt; noch im mhd. in umfänglichem gebrauche:
ouwê wie uns mit süeჳen dingen ist vergeben!
ich sihe die [bittern] gallen mitten in dem honege sweben. WALTHER 124, 35 Lachmann;
VERGEBEN [Lfg. 25,3], n. substantivischer infinitiv zum vorigen.
- ablutio, vergeben der sunde DIEF. 3 (15. jahrh.).
- vergeben, vergiften:
was thut der götter treu: das weib hilfft durch vergeben,
und wann der himmel will, macht zweierlei gifft leben. OPITZ 2, 478._
Man könnte auch an „schlicht/schlecht“ denken. Wer schlicht ist, trägt schlechtere Kleider. Und „schlecht und recht“ meinen keine Gegensätze, sondern heißt: normal und richtig!
Bei „mean“ und „gemein“ dürfte das gleiche Phänomen vorliegen.
Ganz richtig, Auch noch Meinung, Meineid gehören hierher.
Das bedürfte allerdings einer eingehenderen etymologischen Überprüfung.
Ich hab mal den Anfang gemacht.
Gruß Fritz