Hallo,
Du fragtest wo die Politikverdrossenheit herkommt? Wie wäre es mal mit einem Griff an die eigene Nase? Es geht ja nicht nur den Parteien und öffentlichen Gremien so, dass sich niemand mehr findet, der bereit ist Arbeit und Verantwortung ohne großartige Bezahlung zu übernehmen, sondern auch den Sportvereinen, Wohlfahrtsverbänden, … Wir haben uns einfach eine Versorgungsmentalität angewöhnt, in der wir alle gerne jede Menge Ansprüche stellen, aber eben nicht bereit sind, selbst hierfür auch mal etwas zu tun. Es ist ja so bequem einfach nur zu meckern, und dabei faul im heimischen Sofa zu sitzen.
Schönes Beispiel ist ein z.B. bei uns im Ort vehement von den Jugendlichen über eine längere Zeit immer wieder geforderter „Jugendtreff“, besser gesagt ein Unterstand, damit man beim Rumhängen wenigstens ein Dach über dem Kopf hat (komm mir jetzt nicht damit, dass da bessere Angebote fehlen würden, es stimmt einfach nicht, die gibt es massenhaft). Trotz extrem angespannter Haushaltslage wurden hierfür Mittel bereitgestellt. Allerdings sollte als pädagogischen Gründen, der Unterstand von den Jugendlichen selbst unter Anleitung errichtet werden, damit die Benutzer die Sache auch zu schätzen wissen und um dadurch Vandalismus vorzubeugen. Das Ding steht jetzt seit Monaten halbfertig in der Gegend, weil von Beginn an kaum jemand mithelfen wollte und inzwischen mehrere Einladungen zur Weiterarbeit vollkommen erfolglos blieben. An Zeit kann es den Betroffenen wohl kaum mangeln, sie treffen sich weiterhin jeden Tag einige Meter weiter an der Straße zum stundenlangen rumhängen.
Die beiden größten Sportverein in der Stadt wollten ebenfalls mehr Angebote für Jugendliche schaffen und abseits klassischer Vereinsmitgliedschaft moderne Angebote schaffen. Mit viel Geld wurde eine Streetsportanlage, ein Beachvolleyballfeld, … in Angriff genommen. Mithilfe beim Bau Fehlanzeige, Nutzung der modernen Anlagen eher gering. Jemand für Aufsicht und Pflege zu begeistern aussichtslos. Natürlich mussten mal wieder die ewig engagierten und eigentlich schon hoffnungslos überlasteten „üblichen Verdächtigen“ ran.
Angesichts zunehmender Armut wurde eine Kleider- und Wärmestube gefordert und großzügig von einem DRK-Mitglied im eigenen Privathaus eingerichtet. Selbstverständlich sollte die Arbeit nicht an ihr alleine hängen bleiben. Stimmt, es fand sich eine weitere Kraft. Als die Initiatorin wegzog musste das Projekt eingestellt werden, weil sich kein Nachfolger fand.
Und in der Politik sieht es genau so aus. In den ersten drei Jahren der Legislaturperiode haben sich schon 10% des Rates wieder vollkommen verabschiedet, die Hälfte ist nur körperlich anwesend und kassiert Sitzungsgelder, die wenigen verbleibenden Aktiven machen die ganze Arbeit und sind dadurch oft rund um die Uhr im Einsatz. Da hätte niemand etwas dagegen, wenn sich mal neue engagierte Leute finden würden. Aber wehe, wenn man vorschlägt den Rat zu verkleinern, Strukturen zu schaffen, damit die Arbeit von den wenigen Engagierten überhaupt noch zu schaffen ist. Dann sind wir ja schnell alle dabei vom Untergang der Demokratie zu sprechen und korrupte Seitschaften zu beschwören. Dummerweise macht Demokratie nun mal Arbeit, und wenn man will, dass sie gut gemacht wird, dann muss man sie eben auch mal selber machen, wie so viele andere Dinge auch. Und dann versteht man auch mal, was der Begriff Mehrheit eigentlich bedeutet, wie knapp die Kassen tatsächlich sind, und bekommt auch mal ein Gespür für Strukturen, … Und dann kann man mitreden über falsche Dankbarkeiten und Fehlfunktionen. Wer sich selbst aber zu fein ist, auch mal selbst Hand anzulegen und Verantwortung zu übernehmen, sollte vorsichtig sein, andere zu kritisieren.
Gruß vom Wiz