… aber mich nie zu fragen traute…
Hallo Frank!
Extra für dich nachgezählt: Vor meiner Tür verläuft eine Allee aus beidersets der Straße längs des Grundstücks insgesamt 14 reichlich 100 Jahre alten Eichen, allesamt riesengroß. Auf der anderen Seite des Grundstücks befindet sich eine weitere alte Eiche sowie eine große Kastanie unbekannten Alters. Das meiste Laub haben die Eichen inzwischen verloren. Es sind richtige Mengen, viele Kubikmeter, fast nur Luft und deshalb zunächst voluminös. Darüber wird zwischen 2 Fraktionen Krieg geführt, ausgetragen mit Mimik.
Eine Kriegspartei rückt bei den ersten fallenden Blättern - es darf auch gerne ein einzelnes Exemplar sein - wahlweise mit Gebläse oder Aufsitzrasenmäher an. Wenn man nur oft genug über das eine Blatt fährt, wird es irgendwann tatsächlich in den eigentlich für Schnittgut vorgesehenen Behälter befördert. Die Prozedur wiederholt sich jeden Tag. Die andere Kriegspartei kontert solches Treiben mit müde herablassendem Grinsen. Und wartet. Nämlich darauf, daß nach wenigen Wochen endlich eine nennenswerte Menge Laub fortzuschaffen ist.
Ach ja, fortschaffen. Für die eine Kriegspartei (die mit der Aufsitzrasenmäherwaffe) ist Laub zu entsorgender Müll. Furchtbar lästiger Dreck, der womöglich Flecken auf dem kreditfinanzierten Auto hinterläßt und aus Regenrinnen entfernt werden muß. Das Laub wird auf den Anhänger eines natürlich nicht zugelassenen Traktors (in der Hauptsache genau dafür vorgehalten) geladen und am Rand der Gemeinde irgendwo hingekippt. Manchmal sind auch noch Plastiksäcke, zerdepperte Fliesen oder sonstiger Kram untergemischt. Für die andere Kriegspartei (die mit dem Grinsen) ist Laub ein wertvoller Stoff, aus dem noch wertvollerer Kompost wird. Aber nicht in irgendeinem Kompostwerk der Kommune, sondern im eigenen Garten.
Die Kriegsparteien unterscheiden sich in mancherlei Hinsicht. Die mit dem Aufsitzrasenmäher sind geborene Landeier, der mit dem Grinsen und dem Komposthaufen verbrachte Jahrzehnte seines Lebens in der Großstadt. Es gibt keine Schnittmengen, es liegen Welten zwischen den Kriegsparteien und so fand die grinsende Partei trotz aller Mühe nicht heraus, was Menschen dazu veranlaßt, Laub als Abfall zu betrachten und in Plastiktüten zu stopfen. Sind die Gebläse-Aufsitzrasenmäher-Plastetütenheinis hirnbefreit komplett bescheuert? Der Verdacht liegt nahe, daß solche Leute auch Wind, Regen und Schnee in Tüten verpackt heimlich wegschaffen.
Beinahe vergessen. Vor Jahren gab es doch einen kurzen Plausch am Bäckerauto zum Thema Laub zwischen den Kriegsparteien. Die eine Kriegspartei (von der Gebläse-Aufsitzrasenmäher-Plastetütenfraktion) meinte, das Laub sei giftig, weil es Blausäure enthalte. Die gegnerische Kriegspartei (Komposthaufen-Städter) erlaubte sich, Blausäure in Gerbsäure zu korrigieren, wollte noch was von Kalk und sonstigem Umgang mit dem Komposthaufen erzählen, ließ es aber in einem Anflug von Menschenkenntnis, gilt trotzdem seither als Besserwessi - wie gesagt: Schnittmenge Fehlanzeige.
Gruß
Wolfgang