Hallo,
Ja aber wie kommen denn dann die Preise zustande? Warum
befassen sich denn so viele Berater heutzutage mit der
Ausgestaltung und Implementierung von Kostenrechnungssystemen?
Genau aus diesem Grund: ich kann eben nicht mehr heutzutage mal ein bischen rumrechnen. Vielleicht einige Handwerksbetriebe bei kleinen Projekten.
Es ist ja vielmehr so, dass früher die Preise mehr oder
weniger dem Gefühl nach gesetzt wurden. In der heutigen Zeit
muss man aber allein schon aus Gründen des Wettbewerbs darauf
achten, die Kosten und damit die Preise so optimal wie möglich
zu bestimmen.
Da stimme ich dir zu.
Ein gut funktionierendes und detailliertes KuL-System ist
dabei eine sehr wichtige Größe. Man erhält einen Einblick in
die Prozesse und deren kostentechnische Abbildung und (!)
gleichzeitig auch noch eine Kalkulationsgrundlage für die
Preisbildung. Schließlich leben davon auch nicht gerade wenige
Controller in Deutschland sehr gut.
KuL-Systeme sind ausschließlich auf aktuellen und historischen Daten aufbauend. Wenn ich den Ölpreis, den nächsten Tarifvertrag, evtl. Gesetzesänderungen etc. etc. miteinbeziehen muss, dann kann mir die KuL nur bedingt helfen. Vor allem, wenn ich Verträge für eine lange Periode schließe (Bsp. Reiseveranstalter).
Wenn eine Versicherung z.B. ökonometrische Modelle „bastelt“, um damit ihre Tarife zu definieren, dann würde ich das zumindest nicht als KuL sehen.
Die übergeordnete Betrachtung in Business Units ist natürlich
auch nicht falsch, allerdings werden hier andere Ziele
verfolgt.
Nö - die wollen alle Gewinn machen oder die Konkurrenz platt.
Stichworte die hier m.E. passen sind „Value Based
Management“ oder eben der allseits bekannte und für alles
herhaltende Shareholder Value. Aber selbst in den Business
Units muss ja etwas verdient werden und demzufolge müssen die
Gewinne ja irgendwo herkommen - nämlich von der Basis.
Meine Rede: Fokus ist, was eine „Unit“ an Plus macht, nicht ob mit jedem einzelnen Produkt ein Plus gemacht wurde.
Es gibt ganze Industrien, die ihre „physischen“ End-Produkte
so um den Selbstkostenpreis verhökern und die Marge allein mit
dem Service oder Ersatzteilen reinholen. Da sind
Koppelmodelle, Marketingstrategien etc. wesentlich
beherrschender.
Klar, stimme ich voll und ganz zu. Aber auch sie werden eine
Kostenrechnung vornehmen und vor allem auch genau auf die
Deckungsbeiträge achten. Gleichwohl werden sie aber andere
Produkte im Portfolio haben, die eben für die anderen
„mitverdienen“. Und dort greift dann das oben gesagte wieder -
m.E…
Die Kostenrechnung ist EINE Informationsquelle - das bestreite ich ja nicht. Ich sage nur, dass „Kosten + x% = Produktpreis“
stark rückgängig ist.
Schau dir nur mal die Süsswarenhersteller an, die ihr Markenprodukt teuer unter dem Markennamen und billig via Aldi & Co. verkaufen (die andere Tüte wird’s nicht rausreißen).
Henkel, Procter usw. müssen sich ganz schön strecken, um überhaupt bei den Discountern gelistet zu werden. Da kann ein kleiner Krauter nur von träumen.
Wenn ich z.B. mit meinem heutigen, realisierten Umsatz meinen
kompletten und hohen Fixkostenblock bereits hereingefahren
habe, dann kann ich super-billig produzieren, da ich nur noch
geringe Stückkosten habe.
Auch das stimmt. Geht aber wohl auch etwas mehr an der
Fragestellung des „Erstfragenden“ vorbei. Schließlich ging es
ja dort um die Produktion eines konkreten Produktes bzw. um
Vorgänge auf dieser Ebene.
Na ja - also bzgl. der Komplexität sind wir beide in der Diskussion schon längst von ihm weg 
Er hatte konkret nach PC/IT-HW-Markt gefragt - das ist Krieg pur.
Insbesondere hier halte ich das „Standardmodell“ nicht für Realität.
Na ja, ich vertrete eine andere Meinung (s.o.). Bestätigt
werde ich dabei durch eine vor einiger Zeit unternommene
„Besichtigung“ des Controllingbereichs der BASF.
Also Controlling ist nicht 100%ig perfekt definiert, ist i.d.R. aktuell bis historisch orientiert. Controlling setzt aber nicht die Preise, sondern liefert Basis-Daten (was schon schwierig genug ist), Soll-Ist-Analysen etc. Ich kenne es jedenfalls nicht so, dass Controlling die Preise festlegt.
BASF ist ja groß - kommt da auf den Markt mit Sicherheit auch an.
Ich glaube z.B. nicht, dass Energieversorger sich an den Kosten orientieren, sondern eher an dem, was durchsetzbar ist.
Es gibt immer Branchenunterschiede.
Grüße
Michael