Gemeinsames Sorgerecht: Sie schreibt Rückgabezeiten vor!

Hallo Community,

ich bin seit 2014 von meiner Exfrau getrennt und seit 2015 von ihr geschieden. Wir haben gemeinsames Sorgerecht für unseren Sohn, der mittlerweile 13 Jahre alt ist.

Vereinbart ist, dass ich ihn jeden Samstag um 09:30 abhole und punkt 18:00 zurück bringe. Wenn ich mal von diesen Zeiten abweichen will, ist das immer ein riesen Theater. Sie weigert sich auch, mal eine der Fahrten zu übernehmen. Ihre Begründung: Sie würde für unseren Sohn schon genug Fahrten erledigen…

Nun steht meine Geburtstagsparty an und mein Sohn darf über Nacht bei mir bleiben. Ich wollte Sonntag nach der Party natürlich ausschlafen und den junior irgendwann im Laufe des Nachmittags nach Hause bringen. So hatte ich es ihr auch vorgeschlagen.

Nun kommt von ihr die Forderung ich solle ihn schon um 14 Uhr bringen, wenn ich mit für ihn bis abends keine Zeit nehme. Abends bedeutet bei ihr 18 Uhr.

Wegen Zeiten gab es schon öfters Streitigkeiten. In den Pfingstferien hatten wir ausgemacht, dass ich ihn Pfingstmontagabend so gegen 18 Uhr abholen werden. Nun lag aber meine Exfrau zu dieser Zeit im Krankenhaus und unser Sohn wurde von seiner Tante und seiner Oma betreut. Diese hatten aber nun Montagabend was vor daher wurde mir Sonntag geschrieben, dass ich unseren Sohn bis spätestens 16 Uhr abholen solle. Ich war aber Montag noch mit meiner Lebensgefährtin im 350km entfernten Erzgebirge unterwegs, und wir hatten terminliche Vereinbarungen…

Kann meine Exfrau mich zeitlich so in die Pflicht nehmen? Um Konfrontationen zu vermeiden, gehe ich i.d.R. auf diese „Forderungen“ ein, aber mich würde mal interessieren, ob sie das Recht dazu hat. Immerhin ist unser Sohn 13 und kann m. E. auch mal 1 - 2 Stunden allein zu Hause bleiben, wenn seine Mutter mal nicht da sein sollte.

Wäre für Hinweise und Informationen ehr dankbar.
Viele Grüße

Stefan

Da hat sie natürlich Recht denn Du übernimmst das ja unter der Woche nicht.
Und zu den Zeiten, was sagt eigentlich der Sohn zu diesen Kindergartenquerelen? Seine Meinung dazu finde ich nämlich wichtiger als die von Euch beiden. ramses90

Gemeinsames Sorgerecht heißt gemeinsames Sorgerecht, weil man die Sorge für den Nachwuchs gemeinsam hat. D.h. es gibt da kein Rangverhältnis. Insoweit kann der eine Partner dem anderen keine Vorschriften machen.

Das heißt aber auf der anderen Seite nicht, dass jetzt jeder machen kann, was er will, sondern dass man sich eben sinnvoll einigen muss. Und dabei sollte man insbesondere dem Kind immer das Gefühl geben, dass es wertgeschätzt wird, und beide Elternteile gerne mit ihm zusammen Zeit verbringen. Wenn einem Kind ständig das Gefühl vermittelt wird, dass es eigentlich nur ein „lästiges Übel“ ist, das „nach Möglichkeit zu vermeidenden Organisationsaufwand“ bedeutet, und das man nur „irgendwie noch im Terminkalender unterbringen muss“, dann läuft gewaltig etwas schief! Und dies wird dann auch Folgen für die Entwicklung des Kindes und sein Verhältnis zu seinen Eltern haben.

Also rauft Euch zusammen, und klärt solche Fragen wie Erwachsene auf Augenhöhe, und vermeidet Aufrechnereien im Sinne von „wer treibt welchen Aufwand für das Kind“! So etwas bekommen Kinder ganz schnell mit, und dann s.o.!

Hast du es schon einmal mit einem Perspektivwechsel probiert?

Sprache ist für so etwas ein gutes Indiz. Du machst „Vorschläge“, sie „fordert“. Darf ich das einmal rumdrehen? Vielleicht fällt dir etwas auf, wenn du das liest.
Ich fasse das jetzt einmal so zusammen, wie das bei mir angekommen ist. Korrigieren darfst du mich gerne. Austauschen tue ich nur die o.g. Bezeichnungen.

Ihr habt normalerweise eine Vereinbarung, dass euer Sohn nur ein Mal in der Woche Samstags um 9.30 Uhr von dir abgeholt und um 18 Uhr zurückgebracht wird. Das heißt, euer Sohn ist Montags, Dienstags, Mittwochs, Donnerstags, Freitags und Sonntags ganztägig und Samstags bis 9:30 Uhr und ab 18 Uhr bei deiner Exfrau.

Am Wochenende deines Geburtstags hast du gefordert, dass er über Nacht bei dir bleiben darf. Außerdem willst du ausschlafen, so dass du forderst, ihn irgendwann im Laufe des Nachmittags vorbeizubringen. Eine Uhrzeit hast du nicht genannt.

Sie hat vorgeschlagen, dass du ihn schon um 14 Uhr bringst oder erst um 18 Uhr. (Eine möglicher Erklärung könnte sein, dass sie irgendwie die Möglichkeit haben möchte, an dem Sonntag noch etwas zu machen und ihr Tagesprogramm nicht daraus besteht, darauf zu warten, dass ihr Sohn nach Hause kommt) Das möchtest du nicht. Weil dir 14 Uhr noch zu früh ist, weil du noch ausschlafen möchtest und 18 Uhr zu spät ist, weil du dann euren Sohn zu lange bei dir hast?

Es ist die Frage, ob man so etwas sinnvoll über die Schiene „Recht Haben“ klärt. Das kann man machen. Dann sollte man allerdings auch berücksichtigen, dass es nicht nur ein Sorgerecht, sondern auch eine Sorgepflicht gibt.

Ich finde den bereits angesprochenen Gedanken mit dem Perspektivwechsel allerdings sinnvoller, wenn er gelingt. Dazu fällt mit bei deiner Schilderung noch dein Beispiel mit Pfingsten auf. Deine Exfrau war im Krankenhaus. Das heißt, das Modell 159,5 Stunden pro Woche Verantwortung bei deiner Exfrau und 8,5 Stunden bei dir hat temporär nicht funktioniert. Selbst in dieser Situation hast du Flexibilität aus deiner Perspektive eher (oder eigentlich nur) als Bringschuld dir gegenüber gesehen und bist nicht auf die Idee gekommen, von deiner Seite aus Flexibilität anzubieten? Eine Flexibilität, die möglicherweise auch bedeutet, dass man eigene Planungen zurücksteckt und einmal nur für die Sorge dem eigenen Kind gegenüber da ist?

Den Hinweis, mal bei all dem darüber nachzudenken, was dein Sohn denken könnte, wenn er das liest, finde ich übrigens auch unbedingt lohnend, ernst zu nehmen!

Warum gibst du IHM diesen Rat? Er ist doch Willens, das vernünftig zu verhandelen.
Aber dazu gehören doch immer 2. Und seine Ex stellt sich doch quer.

Hast du auch eine toll Lösung, wie man die Frau dazu bekommt, sich vernünftig zu verhalten?

Gruß, Diva

Er fragt hier, also bekommt er hier auch eine Antwort. Ich sehe keinen Sinn darin, hier jetzt seiner Ex-Partnerin zu antworten.

Seine Frage zielte auf die Tatsache, dass ihm Vorschriften gemacht werden, und ob er sich dies gefallen lassen müsste. Dies habe ich ihm dahingehend beantwortet, dass dies nicht der Fall sei, weil ein gemeinsames Sorgerecht kein Rangverhältnis kennt. Damit hat er doch schon mal einen Ansatzpunkt für das weitere Vorgehen.

Viel wichtiger ist aber die Frage des Kindeswohles, die bei Fragen nach „Wer hat Recht?“ leider viel zu oft unter den Tisch fällt. D.h. es mag oft bis über die Schmerzgrenze unerträglich sein, was sich der „vernünftigere Ex-Partner“ so alles bieten lassen muss. In Hinblick auf das Kindeswohl kann dies trotzdem die bessere Lösung sein.

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Bist du dir so sicher, dass die Frau es ist, die sich unvernünftig verhält?

Nimm doch nur einmal diesen einen Tag, um den es geht. Statt 18.30 Uhr soll der Junge über Nacht bleiben. Scheint für die Frau kein Problem zu sein. Der Vater will ausschlafen. Auch das scheint kein Problem zu sein. Das Ausschlafen kann bis 14 Uhr gehen. Null Problemo. Wenn ihm das immer noch zu früh ist, bietet sie an um 18 Uhr. All das passt ihm nicht. Er will unbedingt das kleine Zeitfenster zwischen 14.30 Uhr und 17.30 Uhr und das ohne sich genau festlegen zu müssen. Ihre Tagesplanung am Sonntag soll sie jedenfalls völlig nach ihm ausrichten.

Dann hätte ich doch gerne einmal gewusst, was für dich „Querstellen“ ist und wo bei dir die Vernunft anfängt. Und wo siehst du ihn Willens, etwas zu verhandeln? Das setzt doch voraus, dass er mit ihr mit irgendetwas in der Angelegenheit entgegenkommt. Da sehe ich nichts, währen sie ihm gleich in mehreren Punkten entgegengekommen ist.

Ich glaube ihr beide solltet euch einmal zusammensetzen und überlegen, was euer Sohn will und was für ihn am besten ist. Momentan habe ich das Gefühl es ist einfach nur ein Machtkampf zwischen euch. Darunter leidet letztendlich nur das Kind. Mit 13 Jahren ist er genau in der Phase, wo er anfängt selber zu denken und selber Dinge zu wollen. Bezieht ihn doch mal in das Gespräch mit ein? Er wird sich sonst auch nur denken, dass ihr alles über seinen Kopf hinweg entscheidet und hat wahrscheinlich das Gefühl keiner will ihn so richtig oder behandelt ihn Wie Lieferware, die pünktlich bei DHL abgegeben werden muss…

Hallo

vielen dank für eure Kommentare.

Ich denke, jeder von sich ist der Meinung, vernünftig zu handeln, aber aus der Sicht des anderen ist es das halt nicht. Sicherlich denkt meine Exfrau die meiste Zeit, dass nur sie allein vernünftig handelt, denn die Familie, in die ich damals eingeheiratet hatte, macht keine Fehler, und verzeiht auch keine Fehler…

Ich habe mich wohl vermutlich falsch ausgedrückt:
Es ging gar nicht darum, bis 14 Uhr auszuschlafen, sondern es ging mir um die Aussage meiner Exfrau, die da lautet „entweder bringst ihn um 14 Uhr oder abends um 18 Uhr“. Dazwischen gab es nichts… Mein Sohn ist 13 Jahre alt, das sollte ihre Tagesplanung eigentlich nicht durcheinanderbringen. Aber mein Vorschlag, ihm einen Hausschlüssel mitzugeben für den Fall, dass bis 18 Uhr niemand daheim sein sollte, wurde mit den Worten „keine Diskussion“ kommentiert.

Das ist es eigentlich, was mich so beschäftigt. Mit 13 kann er meines Erachtens auch mal 2 Stunden allein daheim bleiben, aber das lässt meine Ex nicht zu.

Aber es geht auch nicht darum, meine Weste blütenrein zu waschen, und meine Ex durch den Dreck zu ziehen, ich mache auch meine Fehler, und manche Kommentare hier regen auch zum Nachdenken über die eigenen Fehler an.

Eine Erfahrung hier habe ich aber gemacht: Um sich wirklich ein Bild von meiner Situation machen zu können, müsste ich hier wesentlich mehr Details und Hintergrundinformationen geben…

Das Zusammenraufen dauert nun schon 5 Jahre, und funktioniert nur dann, wenn ich zu allen ihren Planungen „Ja und Amen“ sage und meine eigene Planungen über den Haufen werfe. Da interessiert es sie auch nicht, dass ich auch für meine Lebensgefährtin da sein muss, die gerade nach einer 18 monatigen Krebstherapie wieder in der „Regenerationsphase“, und bei weitem noch nicht wieder voll belastbar ist.

Mir ist auch bewusst, dass mein Sohn sich mit zunehmenden Alter selbst so seine Gedanken macht. Er steckt gerade auch mitten in der Pubertät und ist leider nicht einfach zu handhaben. Natürlich versuche ich ihm nicht das Gefühl eines Spielballes zu geben.

@asteiner
ich glaube, in deinem Kommentar für Wiz hattest du etwas durcheinander gebracht. Es geht auch nicht ums „sollen“ sondern um’s „dürfen“. Es war mein 50ster Geburtstag, und es wäre schon traurig, wenn sie unseren Sohn nicht daran teilhaben lassen würde. Und wie gesagt, da unser Sohn 13 Jahre alt ist, sollte ihre Tagesplanung nicht unbedingt davon abhängig sein, ob ich ihn am nächsten Tag um 14 Uhr, 16:30 Uhr oder 18:00 Uhr heim bringe.
Wo soll ich ihr dabei entgegenkommen? Und worin ist sie mir entgegengekommen, außer dass er bei mir übernachten durfte? Ich „durfte“ mich sogar auch noch darum kümmern, dass er abgeholt wird (hin und zurück ca, 30 km) obwohl sie mir eine Woche davor zugesichert hatte, dass sie ihn bringt…

Seit 5 Jahren nun geht das schon, dass sie bestimmt, wann er in den Ferien bei uns ist, dass sie bestimmt, wann ich ihn zu holen und wieder zurückzubringen habe…

Ich will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, meinen Sohn nur aus der Umgangspflicht heraus zu mir zu nehmen. Ich liebe ihn und mache gerne und viele Unternehmungen.

noch mal vielen Dank für eure Kommentare und verzeiht bitte meine späte Rückmeldung.

Stebo69