Genanalyse geht wie?

Hallo,

gesetzt den Fall, ich möchte eine Genanalyse machen lassen, um anhand der Knochen aus einem Grab (Kriegsgräber aus dem 2. Weltkrieg) absichern zu können, daß in diesem Grab wirklich mein Vater liegt:

Was bedeutet das technisch?
Wie geht das in etwa vor sich?
Dauert wie lange?
Kostet etwa was?

Danke für alle Tips Antal

Hallo,

gesetzt den Fall, ich möchte eine Genanalyse machen lassen, um
anhand der Knochen aus einem Grab (Kriegsgräber aus dem 2.
Weltkrieg) absichern zu können, daß in diesem Grab wirklich
mein Vater liegt:

Was bedeutet das technisch?

ausgraben und aus den Knochen die DNA gewinnen

Wie geht das in etwa vor sich?

Man schabt Knochenmaterial ab und benötigt noch eine Vergleichsprobe von Dir.

Dauert wie lange?

wenige Tage bis das Ergebnis da ist

Kostet etwa was?

mmmh Vaterschaftstest aus normalen Material (von noch lebenden Personen) haben früher zwischen 300 und 500€ gekostet, jetzt gibt es die aber sicher billiger! Ich weiß nicht wie teuer die aufbereitung des alten Knochenmaterials ist.

Informationen http://www.vaterschaftstest.de/

Gruß
Juhe

Hallo,

gesetzt den Fall, ich möchte eine Genanalyse machen lassen, um
anhand der Knochen aus einem Grab (Kriegsgräber aus dem 2.
Weltkrieg) absichern zu können, daß in diesem Grab wirklich
mein Vater liegt:

Einzelgrab oder Massengrab?

Was bedeutet das technisch?

Sofern Du eine bestimmte Person ‚im Auge‘ hast wird aus ggf. noch geeigneten Körperresten (Zahnpulpa wäre eher geeignet) DNA isoliert und diese mit Deiner verglichen. Was da genau verglichen wird und wie entzieht sich meiner Kenntnis, das ist aber definitiv der leichtere Teil.

Wie geht das in etwa vor sich?

Technisch? Molekularbiologische Untersuchungen… Ich geb die Frage weiter, da die Beantwortung eher umfangreich wird.

Dauert wie lange?

mindestens einen Tag bis einige Tage. Wenn geeignetes Körpermaterial vorhanden ist lässt sich die DNA-Isolierung in wenigen Stunden, u.U. in weniger als einer Stunde erledigen. Danach erfolgt die eigentliche Analyse (wird wohl analog dem Vaterschaftstest laufen, denke ich, dürfte also schnell gehen).

Kostet etwa was?

Keinen blassen Schimmer

Das Problem wird sein, in welcher Verfassung die Gefallenen sind und ob Du (siehe oben) einen konkreten Verdacht hast, wer da näher in Frage kommt. Du kannst schlecht das ganze Kriegsgrab und alle Knochen untersuchen lassen, dass dürfte heikel und teuer werden…

Danke für alle Tips Antal

Wenn’s hilft.
VG Oliver

Hallo Antal,

Was bedeutet das technisch?

Absolute Voraussetzung ist, daß in den Knochen bzw. Zähnen noch typisierungsfähige DNA-Substanz (Knochenmark bzw. Pulpa) enthalten ist. Je nach Bodenart, Witterungsbedingungen, etc., kann es nach einer so langen Zeit manchmal schwierig bis unmöglich sein, ein solches Gutachten zu erstellen.

Wie geht das in etwa vor sich?

Heutzutage wird meistens eine HLA-A und HLA-B-Bestimmung bzw. die - wesentlich genauere - STR-Analyse (Kurze Direkte Sequenzwiederholung) gemacht. Dabei werden die Muster aus 13 per PCR angereicherten DNA-Abschnitten der Probanden verglichen.

Dauert wie lange?

Mit etwa zwei bis drei Wochen mußt Du schon rechnen.

Kostet etwa was?

Ein Standard-Abstammungsgutachten kann schon bis zu 1.500 Euro kosten. Wie es in diesem etwas kompliziert gelegenen Fall sein wird, weiß ich nicht.

Grüße
Renee

Nachtrag zu Genanalyse
Hallo, erst mal vielen Dank für die schon Erläuterungen, die mir das Bild schon viel klarer gemacht haben. Wie aber so oft, kommen einem erst bei der Diskussion die Gedanken und Hinweise, die man gleich zu Anfang hätte geben sollen.

Daher jetzt zur Präzisierung: Ich habe vor wenigen Jahren in der heutigen Ukraine das Grab meines Vaters gefunden, der in Gefangenschaft gestorben ist und für über 5 Jahrzehnte als „verschollen“ gegolten hat. Sein Todestag jährt sich in Kürze zum 60. Mal. Dieses war der Friedhof eines nahen Gefangenenlagers, in dem, so zumindest die Aufzeichnungen, einzeln bestattet wurde in Gräbern mit einer Fläche von 2,50 x 2 Metern etwa (also kein Massengrab). Ich habe einen Plan mit den einzelnen Gräbern, und kann so, zumindest theoretisch, genau sagen, wo er liegt.

An sich ist gegen den Ort, an dem er liegt, nichts wesentliches einzuwenden, wenn es sich bei diesem Friedhof auch inzwischen um eine ungepflegte Wiese/Ödnis handelt, weil der Bürgermeister des nahen Dorfes um 1980 die Fläche hat planieren lassen (vorher sollen noch zumindest Grabhügel erkennbar gewesen sein), in der durchaus unrichtigen Annahme, daß sich an dieser ganzen „Geschichte“ nichts mehr rühren wird. Und dann kam Gorbatschow…

An sich also ist gegen den Ort, an dem er liegt, nichts einzuwenden. Er entspricht eher in seiner Ödnis und Kargheit dem Leben, das er in den letzten Jahren hat führen müssen. Nun haben aber die nahen Dörfler vor einiger Zeit oberhalb dieses etwas am Hang liegen Gefangenenfriedhofs begonnen, einen Dorffriedhof einzurichten, der sich immer mehr ausbreitet und inzwischen auch in diesen Gefangenenfriedhof hineinwächst (im Fachjargon, so hat man mir kürzlich gesagt, heißt das, der wird überbettet), damit dann die dort liegenden Gefangenen endgültig auslöscht.

Ich habe nun, da mir Karten und Zeichnungen vorliegen, mit Maßband und GPS und ähnlichen Meßhilfen das Grab meines Vaters auf 1 Meter, vielleicht auch 2 Meter genau bestimmen können. Bevor das nun aber auch überbettet wird (denn ob man den Bürgermeister überzeugen kann, von weiterer Überbettung abzusehen), lasse ich ihn lieber schnell vorher noch exhumieren und nach Deutschland überführen.

Bei der bisherigen „Meßunsicherheit“ ist es aber nicht sicher, daß ich nicht den Nachbarn „packe“. Man müßte halt vielleicht 3 oder vier Proben machen lassen.

Wenn ich in Euren Beiträgen lese, daß noch ein wenig Knochenmark oder Pulpa vorhanden sein sollte, so stellt sich schon die Frage, ist das denn nach 60 Jahren grundsätzlich überhaupt noch möglich?

Andererseits schreibt Juhe, man schabe lediglich „Knochenmaterial“ ab. Davon ist nun sicher noch genug da, wie man an einigen von Grabräubern geöffneten Gräbern leicht sehen kann.

Ich weiß gar nicht, wie ich fragen soll; vielleicht so: Wie würdet Ihr da rangehen?

Danke für Anregungen Antal

Wenn ich in Euren Beiträgen lese, daß noch ein wenig
Knochenmark oder Pulpa vorhanden sein sollte, so stellt sich
schon die Frage, ist das denn nach 60 Jahren grundsätzlich
überhaupt noch möglich?

Andererseits schreibt Juhe, man schabe lediglich
„Knochenmaterial“ ab. Davon ist nun sicher noch genug da, wie
man an einigen von Grabräubern geöffneten Gräbern leicht sehen
kann.

Hallo,
ich bin kein Spezialist für Forensik aber ich würde in Knochengeschabsel nicht ganz soviel DNA vermuten. In einschlägigen Arbeiten, in denen es aber um den Nachweis von Infektionserregern wie bsp. Fleckfiebererreger oder Pesterreger ging, wurde mit Zahnpulpa gearbeitet. Ich würde mich daher wenn möglich auf dieses Material konzentrieren, zumal Zähne sicher auch noch vorhanden sein sollten. Die Arbeiten, die letzte dazu erschien in der Januar-Ausgabe des Journal of Infectious Diseases, befassten sich mit sterblichen Überresten von Soldaten, die vor knapp 200 Jahren zu Tode gekommen waren. Es besteht daher wohl eine berechtigte Chance auf Erfolg, wenn Du Zähne zur Untersuchung bringst. In jedem Fall viel Erfolg!
VG Oliver