Genau, Satzbeginn!

Hallo!

Ist Euch auch schon aufgefallen, daß in vielen Diskussionen die Protagonisten (bevorzugt “Experten”) Sätze ständig mit “Genau,…” beginnen?

Ich finde das eine Unart.

Was sagt Ihr?

(Bitte nicht “Genau" sagen!)

Gruß Kudo

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Genau!

Nein, mir ist eher aufgefallen, dass es dann benutzt wird, wenn etwas aufgezählt wird. Irgendwann fällt der Person nichts weiter ein und sie sagt dann „genau“ als letzten Aufzählungspunkt.

Gruß
Christa

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genau! :grin:

.. oder es kommt ein völlig unnötiges „so“ :woman_shrugging:

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nö.

meinst du ein diplomatisches widersprechen der Art:

Genau, aber so oft kommt das nun auch nicht vor.

Edit… wobei das gar nicht so blöd wäre, immer ein genau einzufügen.

Was mir schon einige Male aufgefallen ist: wenn jemand einen ähnlichen Beitrag verfasst oder eine etwas andere Sichtweise oder Fakten einbringt,
wird das nicht selten erstmal als ‚Angriff‘ gewertet, selbst wenn es einem vorherigen Beitrag nicht widerspricht, sondern ergänzt.
Da wäre ein klarstellendes ‚genau‘ eventuell abmildernd einzusetzen.

grüße
lipi

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ich sage dann immer “undsoweiter”.

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“oder so"!

Ein Tic, den ich mir manchmal angewöhne. Aber ich käme nicht auf die Idee, mir selbst schon im voraus Recht zu geben.

Ja, sagen viele Menschen, die von mir besuchte Seminare leiten, standig zwischendurch. Stört mich ein wenig, aber ist halt so.

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Servus,

aber bitte vor dem genau nicht das uuund vergessen, sonst giltet es nicht!

Gruß
Ralf

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Das stimmt. :joy:

Das wäre in Ordnung. Aber das sagt außer dir keiner, glaube ich.

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Da kann sein. Irgendwie fühle ich mich mittlerweile wie “vom alten Schlag”.
Moderne junge Leute - wozu ich ganz früher auch mal gehört habe - sagen bestimmt was anderes.

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ja, genau! :joy:

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Meistens kommt davor ein äääh ….

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Servus,

ist Aaahm (mit ganz rundem A) denn schon wieder aus der Mode?

Gruß
Ralf

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Tatsächlich hat sich dieses „genau“ über die Jahre - besonders verstärkt bemerkbar durch die Audiobeiträge in den Social Media Plattformen - geradezu unheimlich verbreitet. Aber abgesehen davon, daß das beim Zuhören ziemlich auf den Keks geht, gibt es dabei wiederum auch Interessantes zu beobachten.

Am Anfang einer Rede, z.B. in einer Diskussion, bei einem Schlagabtausch in einer Talkshow, findet es sich, wenn der Sprecher das Wort übernimmt von seinem Vorgänger. Hier hat es allerdings noch weitgehend seine Funktion als Adverbial und damit auch eine semantische Valenz: Der Sprecher rekurriert - zustimmend oder adversativ - auf ein Argument seines Rede-Vorgängers und zieht es sich mit diesem Wort quasi als Sprungbrett zurecht für seine darauf aufbauenden Argumente.

Aber viel häufiger tritt es nicht als Einleitung, sondern innerhalb der Ausführungen eines Sprechers auf. Aber hier hat es keinerlei grammatisch bzw. semantisch identifizierbare Funktion mehr, etwa als Modalpartikel o.ä. Es kommt z.B. wenn in einer Redepassage, die im Schriftlichen etwa einem „Absatz“ entspräche, ganz isoliert (sozusagen wörtlich: nämlich wie eine verbale Insel) an dessen Ende, obwohl es mit dem Inhalt des Textes keinerlei Beziehung hat, bevor der nächste „Absatz“ mit einem weiteren Argument oder Erzählungsinhalt startet. Hier gehört das „genau“ zu den sog. → Diskursmarkern. In diesem Fall hat es meist eine erkennbare Funkion, die sich psycholinguistisch deuten lässt. z.B. als sog. „veredelte Denkpause“: Für einen Sekundenbruchteil orientiert man sich in der imaginären to-do-Liste, was man sonst noch ales sagen will, damit der Diskursgegner nicht die Gelegenheit beim Schopf ergreift, das Wort zu übernehmen. Zugleich hat der Ausdruck als Rest seiner Rolle als fokussierendes Adverb „Genau!“ noch einen appelativen Beigeschmack an den Zuhörer: „Pass auf! Hör weiter zu! Es kommt nämlich jetzt noch mehr!“ Für diese Funktion hat sich in der Psycholinguistik die Bezeichnung „Solidarisierungsmarker“ (engl. „involvement marker“) etabliert. Eine ähnliche Funktion, mit etwas anderer Redeflus-Dynamik, haben Audrücke wie „nicht wahr?“, „weißtduwasichmeine?“, „okay?“, „verstehst du?“ usw. Oder „n’est-ce pas?“, oder „isn’t it?“. Alle diese Varianten haben aber immer noch - rein formal zumindest - eine interaktive Nuance. Das „genau!“ dagegen ist ganz und gar solipsistisch.

Eine anderer, ebenso nerviger Diskursmarker wie dieses „genau“ ist dieses „ja?“, gesprochen mit der Intonation einer Frage, obwohle es gar keine Frage ist. Es gibt unter professionellen Rednern (Politiker, Hochschullhrer usw) zahlreiche Phänomene, die nach jedem dritten Satz ein „Ja?“ einfügen, natürlich bevor in flüssiger Fortsetzung der Rede der nächste Satz kommt. Dies kann man auch als unbewussten Versuch interpretieren, die Aufmerksamkeit des Zuhörer aktiviert zu erhalten. Manchmal, aber nicht grundsätzlich immer, ist das auch ein Signal für Unsicherheit (z.B. bezüglich der Überzeugungskraft seiner Argumente). Oft ist es jedoch einfach eine Redefluss-Verzögerung, nicht ganz unänhlich dem gehäuften „äh“ in der Rede.

Insbesondere in öffentlichen (Strassen-)Interviews hört man dieses „genau“ dann aber auch, wenn der Befragte mit dem, was er sagen wollte oder sollte, am Ende ist. Hier ist es ein ganz anderer Diskursmarker: Es enthält eine subliminale und keineswegs bewußt inszenierte Message an den Interviewer: „Ich bin mit dem, was mir grad so einfällt, am Ende. Bitte übernimm du wieder das Wort!“. Dafür gibt es die Bezeichnung „Abschlußmarker“, „Übergangssignal“ (engl. turn-taking signal) . Es ist also etwas ganz anderes als das zwischen je zwei Abschnitten bzw, zwischen zwei Gedankengängen usw, eingefügtes „genau“ innerhalb der Rede..

Ein fast völlig identisch gebrauchter Marker, sowohl als Brücke zwischen zwei Gedankengängen bzw, Redeabschnitten, als auch als Ende- bzw. Übergangs-Marker, ist dieses „enfach“. Einfach ans Ende einer Ausführung, einer Meinung, einer These o.ä. wird ein „einfach“ angehängt, Einfach so. Ist einfach unbegreiflich, wie das zustande kam, aber man hört es immer häufiger. Gruselig.

Trotzdem haben alle die Phänomene ihre - manchmal interpretierbare - Rolle in dialogischen Szenarien. Genau. Es gibt halt außer Grammatik, Semantik, Stilistik, und rhetorischen Stilmitteln noch viele andere Kategorien, die die das simple, ganz unambitionierte zwischenmenschliche Gespräch ausmachen.

Ganz interessant ist auch die Rolle einer ganz anderen Kategorie von Diskursmarkern:
„sag ich jetzt mal“
"wenn man so will“
„sozusagen“
„gewissermaßen“
Aber das ist jetzt sozusagen offtopic. Einfach.

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Jenau, hätt ick nicht besser ausdrücken können.

Noch schlimmer:
„weißtduwieichmein?“

Grüße
Dirk, genau.

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