Hallo!
Etwas über die Zeitmessung:
Zitat: _"Zeitmeßgeräte (Uhren)
An der Länge der Schatten, die in den Boden gesteckte Pfähle warfen, lasen schon Ägypter um 5000 v. Chr. die Zeit ab. Das noch heute bekannte Verfahren hat allerdings zwei Nachteile : Es funktioniert zum einen nur bei Tage und unbewölktem Himmel, zum anderen zeigt eine Sonnenuhr je nach Jahreszeit unterschiedlich lange Stunden an.
Um 1400 v. Chr. konstruierten Ägypter hydraulische Systeme, bei denen Wasser durch kleine Öffnungen tropfte : Der mit einem Schwimmer angezeigte Wasserstand verriet die Zeit.
Allerdings war auch das keine unkomplizierte Technik. So mußte gewährleistet sein, dass das Volumen des fließenden Wassers mit dem abnehmenden Druck im Auslaufgefäß nicht gleichfalls abnahm. Dementsprechend waren solche Systeme teuer und erforderten Experten zur Einstellung und bedienung.
Als „Klepshydra“ kam diese Wasseruhr nach Griechenland, wo sie schwatzhaften Laienrichtern die Redezeit begrenzte.
Karl der Große erfreute sich 807 an einer original persischen Wasseruhr.
Um 800 kamen möglicherweise auch erste Sanduhren nach Europa. Zweifelsfrei gab es sie seit dem 14. Jahrhundert.
Seit dem 9. Jahrhundert gab es so genannte „Feueruhren“ - niederbrennende Kerzen gleicher Länge und Dicke oder Öllampen mit ablesbarem Ölstand.
Anfang des 9. Jahrhunderts entstanden erste mechanische Uhren. Diese Astrolabien bestanden aus drehbaren Flächenprojektionen der Gestirne. Maß der Benutzer die aktuelle Konstellation damit aus, vermochte er die Nachtstunde abzulesen - sofern das Instrument für seinen Breitengrad gemacht war.
Bis ins Spätmittelalter hießen alle geräte zur Zeitbestimmung „horologia“ nach dem lateinischen Wort „hora“ für Stunde.
Mechanische Zeitmesser im heutigen Sinne, so genannte Räderuhren, konstruierten europäische Handwerker erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Allerdings soll der chinesische Astronom Su Song bereits 1088 eine Räderuhr in Gang gesetzt haben : Ein Behälter an einer Radspeiche wurde in 24 Sekunden mit Wasser gefüllt und löste dann durch sein gewicht Hebel aus, die das Rad um eine Speiche weiterbewegten."_
(Spektrum der Wissenschaften Spezial 2/2002)
_"Uhrentechnik
Die Initialen oder Anfangsbuchstaben „R“ und „A“ auf den Pendellinsen alter Uhren beziehen sich auf die französischen Wörter „retarder“ = verlangsamen und „avancer“ = vorrücken.
Ging die Uhr nicht mehr gleichmäßig, sondern zu langsam oder zu schnell, konnte man sie korrigieren.
Will man Zeit überhaupt messen, so benötigt man neben der Antriebs- und Rädervorrichtung noch eine Vorrichtung, die in einer ganz bestimmten Zeit abläuft und regulierend auf den Gang des Antriebs- und Räderwerksystems wirkt. Eine solche Vorrichtung ist, wie bereits 1656 von Huygens erkannt, das physikalische Pendel.
Es besteht im einfachsten Fall aus einer Stange, die oben an einer elastischen Feder als Schwingungsmittelpunkt aufgehängt ist und unten einen schweren, linsenförmigen Körper, die so genannte Pendellinse trägt. Sie ist verstellbar, so dass man die Schwingungsdauer des Pendels regulieren kann. Und die Schwingungsdauer wiederum hängt von der Länge des Pendels ab.
Eine Stellschraube bzw Mutter unterhalb oder hinter der Pendellinse diente dazu, die Linse nach oben oder unten zu verschieben und damit die Pendellänge zu verkürzen oder zu verlängern - und damit indirekt den Gang des Räderwerks zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Der links stehende Buchstabe „R“ für „retarder“ zeigt an, dass eine Linksdrehung der Schraube den Gang der Uhr verlangsamt (die Pendellinse rückt nach unten), und dass eine Rechtsdrehung sie entsprechend beschleunigt. Deshalb „A“ für „avancer“ auf der rechten Seite (die Pendellinse rückt nach oben)."_
(Heinz Günther Vosgerau, Uhrmachermeister).
_Zifferblätter
Es gibt für die 4 auf den Zifferblättern zwei Schreibweisen. Einmal die IIII und einmal die IV.
Die IIII überwiegt zahlenmäßig.
In römischer Zeit war die Schreibweise IIII lange vorherrschend. Im Mittelalter setzte sich aber die Subtraktionsschreibweise (die teilweise schon zu Zeiten der Römer verwendet wurde) für römische Zahlen durch, die bestimmt, dass nur drei gleiche Zahlzeichen hintereinander stehen dürfen. Entsprechend wurde Vier zur IV.
Man vermutet allgemein, dass die für den römischen Göttervater Jupiter (lat. „lovis“) gebräuchliche Abkürzung IV sich offensichtlich nicht gleichzeitig zur Zahlenangabe durchgesetzt hatte.
Eine andere Erklärung ist, dass sich alle Einzelzeichen eines Zifferblattes mit IIII aus genau vier mal den Zeichen I, I, I, I, V, X zusammensetzen lassen und somit die Herstellung der Zahlen rationeller war.
Um die Schreibweise ranken sich auch Erzählungen, wie die über Charles V., der seinen Uhrmacher brüsk zurecht gewiesen haben soll, als der ihm 1364 eine Turmuhr mit IV präsentierte. Der König soll darauf bestanden haben, die Ziffer in die Form IIII zu ändern, da er immer Recht habe.
Ab den 1660er-Jahren verwandte Joseph Knibb bei seinen lang laufenden Uhren mit so genanntem „römischen Geläut“ bewusst die IV auf dem Zifferblatt. Diese Uhren hatten eine große Glocke, die V „bedeutete“, und eine kleine für I. Vier Uhr war also ein Schlag mit der kleinen und einer mit der großen Glocke. Damit waren im Tagesverlauf weniger Schläge für die Stundenanzeige nötig und die Uhren konnten länger laufen."_
MfgConrad
Mod: Zitate deutlicher gekennzeichnet