Guten Abend,
ich habe eine theoretische Frage zur generalisierten Angststörung (F41.1).
Im Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2, Auflage 7 (Margraf & Schneider, 2009) wird im Kapitel über die GAS die Theorie (als Autoren dieser sind Borkovec und Mennin gennnt) angeführt, dass das grübeln eine Form der Vermeidung von Emotionen ist. In anderen Werken, etwa Psychische Erkrankungen, Klinik und Therapie (Berger, 2004) oder dem Verhaltenstherapiemanual (Hautzinger, 2008), finde ich die Theorie mit dem Emotionsvermeiden durch (kognitives) Sorgen nicht.
Treten nun bei einem Patienten starke und ungerichtete Sorgen um die Zukunft auf (GAS-Typisch), zugleich jedoch starke Emotionen, etwa panikähnliche Zustände mit weinen und verzweifeln - ist dies dann noch im Rahmen einer GAS, sprich, mit der Theorie aus dem Lehrbuch VT II vereinbar?
Mir stehen zur Zeit leider nur oben genannte Werke zur Recherche zur Verfügung, vielleicht kennt jemand noch andere Quellen, oder hat selbst praktische Erfahrungen mit GAS-Patienten.
Die nächste Frage zur GAS ist, in wie fern sie mit - eigentlich depressionstypischen Schuldgedanken - vereinbar ist, sprich: „Wenn ich an einem Ort bin, dann passieren aufgrund meiner Anwesenheit Unglücke. Darum meide ich alles.“
Letztendlich ist die große Frage hinter all dem, wie man eine schwere Depression (eventuell ins wahnhafte übergehend) mit ihren Grübel- und Gedankenspiralen, von einer GAS unterscheiden kann (vor allem, wenn es starke Hinweise darauf gibt, dass die GAS vorher da war).
Vielen Dank im Voraus!
Hallo Satinav,
Grübeln ist nicht eine Form von Vermeiden im Sinne von Verdrängung von Emotionen. Grübeln erzeugt eine Phantasie von Kontrolle bei gleichzeitiger Reduktion des Erregungszustandes. Was zu einem sich verstärkenden Kreislauf entwickeln kann.
Tritt beides auf, so kann das Grübeln ein Fehlversuch der Reduktion darstellen, wenn in der Vergangenheit Grübeln (vermeintlich) geholfen hat. Mit stärker werdenden Ängsten kann auch das Grübeln zunehmen (Phantasie der Kontrolle), um die Emotionen/Ängste (Erregungszustand) zu reduzieren.
Nicht zu vergessen, dass es sich hierbei um eine chronische Störung handelt. Es kann also im Verlauf durchaus zu sekundären Erkrankungen, wie z.B. Depressionen, kommen.
Die Unterscheidung, bei Überschneidung, sehe ich in der Antriebslosigkeit, Verlust an Interesse und Freunde - bei Depression und die Nervosität, Ängstlichkeit auf der Seite der GAS.
Viele Grüße
hallo,
eine generalisierte angststörung ist ja laut icd 10 nicht objektbezogen, d.h. sie hat keinen gegenstand, der furcht auslöst.
aus eigener erfahrung kann ich sagen, dass dies störung auch körperlich starke symptome hervorrufen kann, die teilweise sogar grenzpsychotisch sein können.
das grübeln, auch verbunden mit zukunftsängsten, ist vor allem bei zwangsstörungen und depressionen vertreten in form von
„endlosschleifengedanken“.
was aber nicht heissen muss, dass diese art der gedanken nicht bei der g.a.s vorkommen. man muss hauptsächlich zwischen der qualität (inhalt der gedanken) und quantität (beschaffenheit) unterscheiden.
ich hoffe, ich konnte helfen.
grüße
amurtiger
ps: starke affekte sind natürlich ebenfalls möglich, die aufgrund des subjektiven leidensdrucks entstehen; daher als zu dieser störung gehörend einzustufen. es kommt daher natürlich wieder auf die genaue art der affekte an.