Generisches Femininum in anderen Sprachen?

Hallo liebe Wissende,

in einer gestern stattgefundenen Diskussion zwischen mir und meiner Pfarrerin (die ihre Diplomarbeit in Feministischer Theologie geschrieben hat), kam die Frage auf, ob es in Sprachen solcher Völker, die traditionell im Matriarchat leben, ein generisches Femininum gebe – ob dort also der Plural der weiblichen Form als Plural für gemischte Gruppen herhalten müsse.
Meine Vermutung dazu war, dass wahrscheinlich die (wenigen?) matriarchalischen Völker Sprachen sprechen, in denen das Genus als grammatische Kategorie nicht vorkommt. Aber wer weiß, vielleicht wisst Ihr ja mehr darüber.

Weiters ergab sich dann die Frage, ob es eine Sprache gebe, die eine Extraform für den gemischten Plural kennt (dies kann ja schon bei Personalpronomen eine Rolle spielen, falls dort genus- oder sexusspezifische Pluralformen existieren). Ein konstruiertes Beispiel in Anlehnung ans Französische: ils (m), elles (f.), illes (gemischt); oder für Hauptwörter n‐ dort gibt es ein (Pseudo-)Beispiel: Brüder - Schwestern - Geschwister. (Mir ist bewusst, dass es auch ein einzelnes Geschwister gibt, deshalb schrieb ich, es sei ein Pseudo-Beispiel.) Weiß jemand unter Euch darüber mehr?

Liebe Grüße
Immo

Hi Immo,

Ich weiß nicht genau, ob ich Deine Frage richtig erfasst habe.

Aber auf Spanisch, im Gegensatz zu z.B. Deutsch, wenn eine Mehrzahl, weibliche und männliche „Komponenten“ hat, ist nur das männliche plural zu verwenden. z.B.
Auf Deutsch sagt man:
„Sehr geehrte Damen und Herren“

Richtig auf Spanisch wäre nur:
„Distinguidos señores“

Und darunter versteht man natürlich nicht nur die Männern sondern auch Frauen.

In der letzten Zeit gab es eine politische Diskussion in Spanien, ob das eine Ungerechttigkeit gggbr. Frauen wäre und deshalb sieht man mancherorts eben „Distinguidos señores y señoras“. Was ich aber persönlich etwas Unfug finde, denn so fehlt es m.E. dann das wort „distinguidas“…

Aber wohl bemerkt, das war eine Sache der Politiker, nicht der Fachmenschen der spanischen Grammatik.

Schöne Grüße,
Helena

Hallo!
Eine sehr sehr interessante Frage! Und ich glaube, ich habe sie auch irgendwann einmal in diesem Brett gestellt… dürfte aber lange her sein, wenn.

Ich glaube mich auch zu erinnern, dass irgendwer einmal erzählt hat, dass es auf Papua Neuguinea eine Kultur mit einer Sprache gibt, in der das feminine Genus für den generischen Plural benutzt wird (sozusagen), aber ich weiß nicht mehr, welche Sprache das war, wer mir das erzählt hat und ob das überhaupt glaubwürdig war.

Beim Nachdenken fällt mir ein, dass wir im Deutschen für den Plural (scheinbar) den weiblichen Artikel benutzen, die. Das geht zumindest in die Richtung, aber der Artikel wird ja nicht als weiblich empfunden. Auch die Deklination der Adjektive und Nomen ähnelt dann etwas einigen femininen Singularnomen.

Mal sehen, ob ich noch was dazu rausfinde. Die Frage ist allemal interessant.

o.t.: Anrede auf Deutsch
Hallo Helena,

Auf Deutsch sagt man:
„Sehr geehrte Damen und Herren“

Auch wenn die Masse der Menschen so spricht, gediegen und höflich heißt es:

„Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren“ oder kurz: „Meine Damen, meine Herren“. Veraltet hieß es sogar „verehrte Damen, geehrte Herren“.

In der letzten Zeit gab es eine politische Diskussion in
Spanien, ob das eine Ungerechttigkeit gggbr. Frauen wäre und
deshalb sieht man mancherorts eben „Distinguidos señores y
señoras“. Was ich aber persönlich etwas Unfug finde, denn so
fehlt es m.E. dann das wort „distinguidas“…

Das ist ähnlich wie in Deutschland, wo inzwischen alles doppel aufgezäht wird, weil der Unterschied zwischen genus und sexus nicht bewusst ist. Höhepunkt (Achtung, mitdenken!): „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder“.

Das nur zur Ergänzung von
Andreas

Hallo auch,

Aber auf Spanisch, im Gegensatz zu z.B. Deutsch, wenn eine
Mehrzahl, weibliche und männliche „Komponenten“ hat, ist nur
das männliche plural zu verwenden. z.B.

Das war auch im Deutschen noch so, bevor der Genderwahnsinn um sich griff. Da war noch klar, daß „Liebe Kunden“ sich nicht nur auf Männer bezieht. Heute muß man Kundinnen und Kunden bzw. KundInnen schreiben, was ich nach aller Kraft vermeide, wo es nur geht, weil es derartig schlimm aussieht.

In Österreich wirst du sogar verklagt, wenn du es nicht tust.

Grammatisch ist das totaler Blödsinn. Den Ausdruck „generisches Maskulin“ kannst du aber umsonst 100x erklären.

Es gibt auch ein generisches Feminin im Deutschen. „Die Person“ kann auch ein Mann sein. „Die Bürokraft“ ebenso. Und „Katzen“ sind Katzen und Kater. Sonst würde man Katzenweibchen, weibliche Person und weibliche Angestellte sagen.

Grüße Bellawa.

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Hallo!

Isländisch verwendet das Neutrum Plural bei gemischten Gruppen, so auch früher norwegische Dialekte.

Beste Grüsse,
TR

Isländisch verwendet das Neutrum Plural bei gemischten Gruppen

Hallo Tormod,

kannst Du dafür evtl. noch ein Beispiel zur Illustration angeben? Ich hab grad in meiner Isländischen Grammatik geschaut, aber die sagt mir nicht einmal, wie ich aus dem Isländer eine Isländerin mache. Und auf den ersten Blick sehen (zumindest meistens) die Endungen für Maskulina, Feminina und Neutra im Plural gleich aus, deshalb bitte ich um ein Beispiel.

Liebe Grüße
Immo

Hallo Helena, hallo Andreas,

Höhepunkt (Achtung, mitdenken!): „Liebe
Mitgliederinnen und Mitglieder“.

Dazu gab’s auch mal eine Kolumne von Bastian Sick mit dem Titel „Liebe Gläubiginnen und Gläubige!“. Nachzulesen in Bastian Sick, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod - Folge 1, Seite 168.

Gruß Alex