Genet 'Die Zofen'

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Genet, Jean (1910-1986), französischer Schriftsteller. Seine größtenteils autobiographischen Werke setzen sich mit den bizarren und grotesken Seiten der menschlichen Existenz auseinander und stellen das anerkannte Wertesystem radikal in Frage. In seiner „Ästhetik des Bösen" findet die Auflehnung des Autors gegen die Gesellschaft und ihre Gepflogenheiten ihren Ausdruck.
Genet wurde am 19.Dezember 1910 als uneheliches Kind einer Prostituierten in Paris geboren. Er wuchs zunächst bei Pflegeeltern auf, wurde aber nach mehreren Diebstählen 1926 in ein Erziehungsheim gebracht, aus dem er jedoch ausbrach. Nach seiner Flucht trat er in die Fremdenlegion ein, desertierte nach kurzer Zeit und führte mehrere Jahre lang das Leben eines Vagabunden. Bereits als Heranwachsender hatte er eine Reihe von Strafen für Diebstahl und homosexuelle Prostitution abgesessen. 1942 wurde er wegen Diebstahl, Schmuggel und Zuhälterei zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Genet schrieb und veröffentlichte während seiner Zeit im Gefängnis. Seine zunehmende literarische Anerkennung veranlasste eine Gruppe von führenden französischen Autoren (u.a. Jean Cocteau und Jean-Paul Sartre, der vom „Heiligen Genet" sprach), um seine Begnadigung zu ersuchen, die ihm 1948 durch den französischen Präsidenten gewährt wurde. Dennoch bekannte sich Genet Zeit seines Lebens zu seiner Rolle als Dieb und Bettler, die ihn zum sozialen Außenseiter stempelte, als „vouloir être" („So-Sein-Wollen"). Nach 1961 erlahmte seine dichterische Schaffenskraft fast völlig, so dass er nur noch wenig veröffentlichte. Genet starb am 15.April 1986 in Paris.
Werk
Genets Romandebüt, ein autobiographisches Werk über Homosexualität und das Leben in der Unterwelt, war Notre-Dame des Fleurs (1944). Zu seinen späteren Werken gehören die Autobiographie Le Journal du Voleur (1949; Tagebuch eines Diebes), die Romane Le miracle de la rose (1946; Wunder der Rose), Pompes funèbres (1947; Das Totenfest) und Querelle de Brest (1953; Querelle); letzteres wurde 1981 von Rainer Werner Fassbinder verfilmt. Charakteristisch für diese Prosa sind eine lyrische Bildersprache und der Gebrauch des argot (Slang) der Unterwelt.
1947 wandte sich Genet dem Drama zu, jenem Ausdrucksmittel, mit dem er seine größte Bedeutung erlangte. Sein erstes Stück, Les bonnes (1948; Die Zofen), gehört zu seinen erfolgreichsten Dramen und markiert die Hinwendung des Autors zum absurden Theater. In dem Stück schlüpfen zwei Zofen in die Rolle ihrer Herrin, indem sie ihre eigene Identität im ständigen Ineinanderübergreifen von Wirklichkeit und Illusion zu finden versuchen. In den Stücken Haute surveillance (1949; Unter Aufsicht), Le balcon (1957; Der Balkon), Les nègres (1959; Die Neger) und Les paravents (1961; Wände überall) benutzte Genet häufig das Rollenspiel und die Umkehrung von Gut und Böse als Methoden, um die Falschheit der gesellschaftlichen und politischen Werte zu kritisieren. Sehr aufschlussreich ist Genets Essay Un captif amoureux (1986; Ein verliebter Gefangener. Palästinensische Erinnnerungen), der auf zwei Aufenthalte in Jordanien (1970-1972 sowie 1982 auf Einladung der PLO) zurückgeht.
Sämtliche Werke Genets offenbaren sein tiefes Mitgefühl für die Außenseiter und die Verstoßenen der Gesellschaft, die sich allgegenwärtigem Verbrechen, ausschweifender Sexualität und dem Tod ausgesetzt sehen. Seine Stücke sind voll von rituellen Spielen und grausamen Szenen und drücken seine Überzeugung von der Absurdität moralischer Begriffe aus. Obgleich man seine Schriften zunächst für pornographisch und gewalttätig hielt, wurde Genet bald als existentialistischer Schriftsteller anerkannt, der sich mit den Problemen der Identität und der Entfremdung auseinander setzt (siehe Existentialismus). Genet gehört zu den einflussreichsten Schriftstellern der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts. 1983 wurde ihm der Grand Prix National des Lettres verliehen.

„Genet, Jean“, Microsoft® Encarta® 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.Genet, Jean (1910-1986), französischer Schriftsteller. Seine größtenteils autobiographischen Werke setzen sich mit den bizarren und grotesken Seiten der menschlichen Existenz auseinander und stellen das anerkannte Wertesystem radikal in Frage. In seiner „Ästhetik des Bösen" findet die Auflehnung des Autors gegen die Gesellschaft und ihre Gepflogenheiten ihren Ausdruck.
Genet wurde am 19.Dezember 1910 als uneheliches Kind einer Prostituierten in Paris geboren. Er wuchs zunächst bei Pflegeeltern auf, wurde aber nach mehreren Diebstählen 1926 in ein Erziehungsheim gebracht, aus dem er jedoch ausbrach. Nach seiner Flucht trat er in die Fremdenlegion ein, desertierte nach kurzer Zeit und führte mehrere Jahre lang das Leben eines Vagabunden. Bereits als Heranwachsender hatte er eine Reihe von Strafen für Diebstahl und homosexuelle Prostitution abgesessen. 1942 wurde er wegen Diebstahl, Schmuggel und Zuhälterei zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Genet schrieb und veröffentlichte während seiner Zeit im Gefängnis. Seine zunehmende literarische Anerkennung veranlasste eine Gruppe von führenden französischen Autoren (u.a. Jean Cocteau und Jean-Paul Sartre, der vom „Heiligen Genet" sprach), um seine Begnadigung zu ersuchen, die ihm 1948 durch den französischen Präsidenten gewährt wurde. Dennoch bekannte sich Genet Zeit seines Lebens zu seiner Rolle als Dieb und Bettler, die ihn zum sozialen Außenseiter stempelte, als „vouloir être" („So-Sein-Wollen"). Nach 1961 erlahmte seine dichterische Schaffenskraft fast völlig, so dass er nur noch wenig veröffentlichte. Genet starb am 15.April 1986 in Paris.
Werk
Genets Romandebüt, ein autobiographisches Werk über Homosexualität und das Leben in der Unterwelt, war Notre-Dame des Fleurs (1944). Zu seinen späteren Werken gehören die Autobiographie Le Journal du Voleur (1949; Tagebuch eines Diebes), die Romane Le miracle de la rose (1946; Wunder der Rose), Pompes funèbres (1947; Das Totenfest) und Querelle de Brest (1953; Querelle); letzteres wurde 1981 von Rainer Werner Fassbinder verfilmt. Charakteristisch für diese Prosa sind eine lyrische Bildersprache und der Gebrauch des argot (Slang) der Unterwelt.
1947 wandte sich Genet dem Drama zu, jenem Ausdrucksmittel, mit dem er seine größte Bedeutung erlangte. Sein erstes Stück, Les bonnes (1948; Die Zofen), gehört zu seinen erfolgreichsten Dramen und markiert die Hinwendung des Autors zum absurden Theater. In dem Stück schlüpfen zwei Zofen in die Rolle ihrer Herrin, indem sie ihre eigene Identität im ständigen Ineinanderübergreifen von Wirklichkeit und Illusion zu finden versuchen. In den Stücken Haute surveillance (1949; Unter Aufsicht), Le balcon (1957; Der Balkon), Les nègres (1959; Die Neger) und Les paravents (1961; Wände überall) benutzte Genet häufig das Rollenspiel und die Umkehrung von Gut und Böse als Methoden, um die Falschheit der gesellschaftlichen und politischen Werte zu kritisieren. Sehr aufschlussreich ist Genets Essay Un captif amoureux (1986; Ein verliebter Gefangener. Palästinensische Erinnnerungen), der auf zwei Aufenthalte in Jordanien (1970-1972 sowie 1982 auf Einladung der PLO) zurückgeht.
Sämtliche Werke Genets offenbaren sein tiefes Mitgefühl für die Außenseiter und die Verstoßenen der Gesellschaft, die sich allgegenwärtigem Verbrechen, ausschweifender Sexualität und dem Tod ausgesetzt sehen. Seine Stücke sind voll von rituellen Spielen und grausamen Szenen und drücken seine Überzeugung von der Absurdität moralischer Begriffe aus. Obgleich man seine Schriften zunächst für pornographisch und gewalttätig hielt, wurde Genet bald als existentialistischer Schriftsteller anerkannt, der sich mit den Problemen der Identität und der Entfremdung auseinander setzt (siehe Existentialismus). Genet gehört zu den einflussreichsten Schriftstellern der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts. 1983 wurde ihm der Grand Prix National des Lettres verliehen.

„Genet, Jean“, Encarta® 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Alle Rechte vorbehalten.