immer öfter begegnet mir in letzter Zeit dieses dazwischengefriemelte e vor dem Genitiv-s, also z.B. „des Fluges“ statt „des Flugs“ oder „des Tisches“ statt „des Tischs“. Nach meiner Kenntnis bildet man den Genitiv bei diesen Wörtern einfach nur durch Anhängen von s. Dieses e dazwischen scheint bei einigen Wörtern zwar irgendwie vornehm oder phonetisch besser verständlich zu sein, dennoch denke ich: das ist schlicht Unsinn. Mir fällt auch auf, dass solch ein e nur bei bestimmten S-Genitiven überhaupt tragbar ist. „des Eimeres“ oder „des Fußbodenes“ ist ja z.B. kaum denkbar.
Was gibt es hierzu evtl. für offizielle Regeln? Sind die oben genannten e durchaus erlaubte Varianten oder ist es so wie ich denke: schlicht falsch?
immer öfter begegnet mir in letzter Zeit dieses dazwischengefriemelte e vor dem Genitiv-s, also z.B. „des Fluges“ statt „des Flugs“ oder „des Tisches“ statt „des Tischs“.
Da ist nichts dazwischengepfrimelt!
Das „e“ gehörte und gehört noch immer samt dem „s“ zum Genitiv; so wie der Dativ einst stets ein „e“ hatte.
Es ist der Faulheit der Deutschen, vor allem der deutsche Setzer zu verdanken, dass diese „es“ verschwinden und fast schon verschwunden sind.
So sehr, dass du nicht einmal mehr die richtige Bildung kennst.
Nach meiner Kenntnis bildet man den Genitiv bei diesen Wörtern einfach nur durch Anhängen von s.
Da trügt dich deine Kenntnis. Im korrekten klassischen Deutsch wird „-es“ für den Genitiv angehängt. Im ebenfalls korrekten allgemeinen heutigen Sprachgebrauch genügt das „s“.
Und wenn dir das antiquiert und komisch erscheint, so ist das deine Sache.
Es ist aber nicht falsch!
für die genannten Beispiele „Eimer“ und „Boden“ führt der Duden in § 306 eine extra Regel an: Lange Endung ausgeschlossen bei Wörtern auf unbetonte Silbe mit Silbenreim (wie -el, -en, -end, -em, -er).
Du antwortest auf eine neutrale Frage ganz schön aggresiv, scheint es mir. Dennoch danke für Deine wissende Aufklärung.
Da ist nichts dazwischengepfrimelt!
Du hast Recht, das schreibt sich mit pf am Anfang, aber dennoch auch mit ie. So stimmt in dem Fall offensichtlich eine Mixtur aus unseren beiden flaschen Schreibweisen. Soweit mein Ausflug zu diesem Thema.
[…] Im korrekten klassischen Deutsch
wird „-es“ für den Genitiv angehängt. Im ebenfalls korrekten
allgemeinen heutigen Sprachgebrauch genügt das „s“.
Sowas! Nun weiß ich wieder mehr. Aber ohne die Ausnahmeergänzung von Martin hätte ich Deinen Ausführungen strikt folgend doch nun glatt gedacht, es müsse klassischer Weise doch tatsächlich auch „des Eimeres“ und „des Bodenes“ heißen!
Und wenn dir das antiquiert und komisch erscheint, so ist das
deine Sache.
Von „antiquiert“ und/oder „komisch“ schrieb ich eigentlich nichts. Ich meinte nur, es sei schlicht falsch – und zwar schon immer. Gut, das weiß ich dank Dir ja nun besser.
Gutens Abends,
ei, da fragen wir doch mal die Dudends-Redaktion:
"Genitiv auf -s oder -es
Eine Vielzahl der männlichen und sächlichen (ein- und zweisilbigen) Substantive hat im Genitiv Singular zwei mögliche Formen, eine auf -es und eine auf -s. Die Form auf -es muss immer bei Substantiven stehen, die auf Zischlaut, z. B. auf -s, -z oder tz, enden: des Glases, des Gewürzes, des Sitzes. Die kurze Form steht grundsätzlich bei Substantiven auf -em, -en, -el, -er: des Wagens, des Gürtels, des Lehrers. Bei einsilbigen und endbetonten Substantiven ist der Gebrauch der Genitivendung häufig schwankend: des Baum[e]s, des Stuhl[e]s, des Markt[e]s. Ob Sie nun also den Besuch des Weihnachtsmarktes oder des Weihnachtsmarkts planen bzw. sich mit der Auswahl eines Geschenkes oder eines Geschenks beschäftigen, hängt ein bisschen von Ihrem persönlichen Geschmack ab.
Eine Tendenz zur kurzen Endung auf –s ist bei Substantiven mit unbetonter Endsilbe zu beobachten: des Vormittags, des Angebots. Das gilt ebenso für Substantive, die auf einen Vokal + h oder auf einen Doppelvokal enden: des Knies, des Schuhs. Prinzipiell haben Sie aber auch hier die freie Wahl."
diese hier ist die Siebente, 2005. Dort werden auch noch die Wörter auf -lein, ling, -ing, -ig aufgeführt, und Substantivierungen, die über Konversion aus nicht flektierten Wörtern abgeleitet sind. Ferner Fremd- und Kurzwörter, die auf einen Vollvokal ausgehen.
Unterm Strich kommt es mir vor, als würde es auf ein ähnliches hinausgehen, wenn man die von Dir eingangs genannte Regel als einzige gültige Regel formulierte, und dann eine Liste mit Ausnahmen anführte…
Unterm Strich kommt es mir vor, als würde es auf ein ähnliches hinausgehen, wenn man die von Dir eingangs genannte Regel als einzige gültige Regel formulierte, und dann eine Liste mit Ausnahmen anführte…
Wie schon Mark Twain schrieb:
Es gibt ganz gewiß keine andere Sprache, die so unordentlich und systemlos daherkommt und dermaßen jedem Zugriff entschlüpft. Aufs hilfloseste wird man in ihr hin und her geschwemmt, und wenn man glaubt, man habe endlich eine Regel zu fassen bekommen, die im tosenden Aufruhr der zehn Wortarten festen Boden zum Verschnaufen verspricht, blättert man um und liest: „Der Lernende merke sich die folgenden Ausnahmen.“ Man überfliegt die Liste und stellt fest, daß es mehr Ausnahmen als Beispiele für diese Regel gibt.
Der Schwanz eines Mannes ist seines Stolzes…
…Materialisierung.
Oder so ähnlich. Ist doch nicht nur schön, sondern auch völlig korrektes Deutsch, verehrter Ronald.
Dieses e
dazwischen scheint bei einigen Wörtern zwar irgendwie vornehm
oder phonetisch besser verständlich zu sein, dennoch denke
ich: das ist schlicht Unsinn.
Ist kein Unsinn, Ronald. Ist richtiges Deutsch.
Gruß,
Branden
ich wüsste keinen Setzer, der ein Manuskript absichtlich von den e’s befreit.
Lies z. B. bei Schopenhauer nach, der die Setzer verflucht, die „etwa“ setzen statt „etwan“, „Literatur“ statt „Litteratur“ uvm.
Oder Professor Haag, der in jeder Neuauflage darauf hinweisen muss, dass es „Israel-Stele“ und nicht etwan „Israel-Stelle“ heißen muss.
Oder Arno Schmidt, der „1 Blatt“ im Manuskript hatte, und im Druck war daraus „ein Blatt“ geworden. Damit, so Schmidt, sei eine stilistische Verfälschung angereichtet worden, da „1 Blatt“ vile einziger sei als „ein Blatt“.
Lies z. B. bei Schopenhauer nach, der die Setzer verflucht,
die „etwa“ setzen statt „etwan“, „Literatur“ statt
„Litteratur“ uvm.
Oder Professor Haag, der in jeder Neuauflage darauf hinweisen
muss, dass es „Israel-Stele“ und nicht etwan „Israel-Stelle“
heißen muss.
Oder Arno Schmidt, der „1 Blatt“ im Manuskript hatte, und im
Druck war daraus „ein Blatt“ geworden. Damit, so Schmidt, sei
eine stilistische Verfälschung angereichtet worden, da „1
Blatt“ vile einziger sei als „ein Blatt“.
Ja, die Setzer waren schon arrogante Säcke damals :o)
Ausnahmen gibt es sicherlich immer noch, aber grundsätzlich gilt
heutzutage, dass der Kunde das bekommt, was er bezahlt. Und wenn er
»Litteratur« bezahlt, bekommt er sie auch.
Sowas wie »Stele« vs. »Stelle« passiert ja schnell jemandem, der
nicht im Thema ist - »Stelle« kommt dem Otto-Normalverbraucher doch
eher unter die Fittiche als »Stele«. Normalerweise stolpern und
holpern die meisten Leute ja auch bei Worten wie »Nottraumappe«
einige Zeit, bis sie den Sinn erschließen. Einem Standesbeamten
gelingt das in Nullzeit.
Und für orthografische Korrekturen gibt nun ja auch immer noch
diverse Korrekturrunden, bevor ein Werk fertig ist. Und spätestens da
kann der Autor seinen Senf abgeben.
Die meisten Satzfehler in der modernen Produktion sind eher dem
Texterfasser (Setzer sind heute zu teuer, um Texte selbst zu erfassen
was im Bleisatz ja nicht zu trennen war), dem Korrektor, dem
Lektor/Redakteur anzulasten als dem Setzer.
Es hat sich viel verändert in den letzten Jahren. Vor allem in Zeitungen gibt der Autor seinen Text in den PC ein und von da aus wird die Druckmaschine gesteuert. Und kein Lektor und Korrektor und Redakteur guckt danach. Und ein Setzer ist garnicht zu sehen!
Aber da es keine Setzer mehr gibt - oder nur noch verschwindend wenige in den Orchideen-Verlagen -, so ist auch die Lanze für sie überflüssig.
Wirklich? Was meint hier „eigentlich“? Und „ganz viele“`Und in welchem Mengen? Und wie waren die Zahlen vor dreißig Jahren?
Wie kommst du darauf, dass es keine mehr gäbe?
Nun, ich hatte das „keine“ schon eingeschränkt zu: Kaum noch welche im Vergleich zu früher!
Und vielleicht müssen wir noch klären, was wir unter „Setzer“ verstehen. Ich denke da an einen, der die Buchstaben in eine Schiene einfügt, sei es ganz händisch oder mit der Linotype.
Ich hörte das von vielen Seiten; im Arbeitsamt; in den Medien und jetzt habe ich das gefunden:
Vor zwanzig Jahren besuchte ich mit einer Klasse die „Pforzheimer Zeitung“. Da gab es noch alles.
Vor acht Jahren war ich in Konstanz beim Südkurier. Da wurden nur noch die Anzeigen gesetzt. Die Artikel gingen alle über Lichtsatz raus.
Und es kommt halt darauf an, was man unter „viele“ versteht.
Und vielleicht müssen wir noch klären, was wir unter „Setzer“
verstehen. Ich denke da an einen, der die Buchstaben in eine
Schiene einfügt, sei es ganz händisch oder mit der Linotype.
O.k. Das gibt es schon sehr lange nicht mehr (von kleineren
Handpressen abgesehen). Das Berufsbild des (industriellen) Setzers
ist mittlerweile völlig anders.
Vor zwanzig Jahren besuchte ich mit einer Klasse die
„Pforzheimer Zeitung“. Da gab es noch alles.
Vor acht Jahren war ich in Konstanz beim Südkurier. Da wurden
nur noch die Anzeigen gesetzt. Die Artikel gingen alle über
Lichtsatz raus.
8 Jahre sind eine lange Zeit für einem Beruf, der an die
Entwicklungszyklen der IT-Branche angelehnt ist.
Mit jeder neuen Programmversion/mit jedem neuen Programm gehen mehr
oder weniger gravierende Veränderungen der Arbeitsweise einher.
Und es kommt halt darauf an, was man unter „viele“ versteht.
Alles eine Frage von Bezugsgröße und Rahmenbedingungen.
Ich denke, wir sind schon weit genug off topic.
Lassen wir’s gut sein.