Gerät mein Leben mit 20 nun aus der Bahn?

Guten Abend liebe Community,

dies ist mein erster Beitrag hier, da mir etwas auf dem Herzen liegt, dass ich unbedingt loswerden möchte. Zudem interessieren mich eure Ansichten zu dem Thema.

Ich bin 20 Jahre alt und habe das Gefühl das mein Leben aus der Bahn gerät. Es hat eigentlich alles gut begonnen. Letztes Jahr ein gutes Abitur abgeschlossen, leider kein Studienplatz gefunden und für 6 Monate ins Ausland gegangen, um ein wenig Abstand von der Schule zu bekommen und neue Erfahrungen zu sammeln. Doch nun scheint sich alles zu ändern.

Ich habe fast alle Freunde verloren (nach dem Abi sind manche in weit entfernte Städte gezogen wegen Studium oder auch Ausland), meine Einstellung zum Studium hat sich geändert. Ich habe zwar Lust, aber es ist irgendwie ein unwohles Gefühl in mir. Ich erkläre es mir so, dass man sich immer Unwohl fühlt, wenn man so einen Lebensabschnitt beginnt. Es ist schwer zu erklären, aber irgendwie fehlt die Motivation. Hat jemand vielleicht einen Tip, um die Motivation zu pushen?

Zu den Faktoren oben kommt noch eine große Sache.
Momentan überlege ich mir, ob ich professionelle Hilfe bei einem Psychologen holen soll, da ich ein Geldproblem habe. Ich habe mir lange und intensiv überlegt „was ich später einmal werden möchte“. Ich hatte bis kurz nach meinem Schulabschluß einen Plan. Das, wofür ich mich als Kind und Jugendlicher immer interessiert habe, wurde mir genommen. Ich wollte zur Bundeswehr, wurde ausgemustert. Wollte zur Polizei, konnte ich jedoch ebenfalls nicht machen (selber Grund wie bei Ausmusterung). Das heißt, dass mir meine größten Pläne und Interessen, auf die meine ganze Motivation gebaut war, einfach genommen wurden.

Ich stand nun also da, kein Plan von meinem Leben und was ich daraus machen soll. Alle Türen quasi geöffnet, aber keine Entscheidung welche Türe ich nehmen soll. Nach dem Abitur habe ich selbstständig gearbeitet (im Kauf und Verkauf) und bin auf ziemlich hohe Summen am Monatsende gekommen. Dann die Reise ins Ausland, um eine Auszeit zu nehmen und mich neu zu orientieren. Endlich wieder etwas gefunden, was mich interessiert und wo ich Spaß dran hatte. Für mich war klar: BWL studieren. Zudem noch das Geld von der Arbeit im Ausland und das Leben war perfekt, zumindestens für kurze Zeit. Welcher 20 Jährige kann sich in dem Alter ein neues Auto für 30.000 Euro ohne Kredit leisten? Dieses Gefühl soviel zu besitzen hat mich verändert und das macht mir Angst.
Mittlerweile ist es zur Sucht geworden Geld zu verdienen. Stellt euch folgendes Szenario vor: Ihr habt Freizeit und könnt entscheiden was ihr machen wollt. Gleichaltrige gehen auf Partys, treffen sich, haben Freundinnen und unternehmen viel zusammen. Ich sitze zuhause und mache Geld. Ich kann nicht mehr richtig abschalten, da mir immer wieder neue Ideen durch den Kopf sausen, um an möglichst viel Geld zu kommen. Ich kann mir nicht erklären warum das so ist. Wenn ich versuche etwas anderes zu machen, sind meine Gedanken immer bei diesem Thema und nur beim Sport kann ich alles für kurze Zeit hinter mich lassen. Das ist momentan mein Ausgleich. Ich habe versucht die Sache ruhen zu lassen, ging aber nur wenige Tage gut. Wenn ich nicht jeden Tag etwas verdient habe, fühlte ich mich schlecht und ausgelaugt. Mein Leben verlor für kurze Zeit seinen Sinn, keine Ziele, keine Zukunft. Ich bekam Depressionen und das war für mich der Punkt wo ich wusste, dass hier etwas falsch läuft.

Ich habe mir folgende Erklärung im Kopf zurecht gelegt:
Es ist bekannt, dass Geld Glückshormone produziert (Serotonin und Dopamin). Dadurch, dass ich seit dem Abi regelmäßig selbstständig Geld verdiene, hat sich sozusagen der Serotoninspiegel in meinem Körper konstant erhöht, sodass sich mehrere Rezeptoren gebildet haben, die nun „gefüttert“ werden müssen. Mit anderen Worten liegt meiner Meinung nach eine Sucht vor. Aber kann es sein, dass ich Serotoninabhängig bin, nur weil ich mich über den Verdienst freue? Das klingt irgendwie absurd.
Ich muss dazu sagen, dass ich in meiner Schulzeit nie Geld verdient habe, sondern meine Eltern mich immer unterstützt haben. Ich bin also quasi das erste Mal richtig mit Geld konfrontriert. Meine Eltern sind wohlhabend und Vorbilder für mich. Ich musste mir nie Sorgen machen, etwas nich zu bekommen.

Ich denke nicht, dass es ein Krankheitsproblem ist, eher, dass es eine Kopfsache ist, die ich aber nicht von alleine gelöst bekomme. Ich kann mit keinem Freund reden, da ich nur noch wenige habe, die ich zurzeit aber nicht persönlich treffen kann. Meinen Eltern will ich auch nichts davon sagen. Ich bin ein Mensch der keine Schwäche zeigen kann. Ich wurde in der Vergangenheit zu oft von Menschen betrogen und hintergangen. Das letzte und schlimmste Mal unter anderem gar nicht mal so lange her. Allein von diesem Ereignis muss ich mich irgendwie lösen. Ich kann es aber nicht, es will einfach nicht weg! Dazu kommt die Zerstörung meiner Ziele und Pläne. Wenn ich meine Situation in wenigen Worten beschreiben müsste: Einsam, nur halb gesteckte Ziele, traurig, nachdenklich.

Was würdet ihr mir raten zu tun? Ich möchte endlich wieder Spaß haben und nicht in einem tiefen Loch versinken.

Bitte nehmt es mir nicht übel, dass ich nicht meinen richtigen Namen nenne, aber das trau ich mich einfach nicht.

Schöne Grüße,
Mandrak

Hallo Mandrak!

Das mit der quasi körperlichen Abhängigkeit von Geld halte ich für Quatsch. Klar pusht es dich, viel Geld zu verdienen, dir teure Sachen leisten zu können. Geld gibt Sicherheit und Möglickeit zu Luxus. Die Abhängigkeit ist eher - wenn überhaupt da - psychischer Natur.

Du schreckst nach diesen positiven Job-Erfahrungen davor zurück, in das Leben des „armen BAfög-Studenten“ einzusteigen, deine Annehmlichkeiten zu verlieren und auf ein Ziel (gutbezahlter Job) hinzuarbeiten, was sich für dich ja scheinbar schon erfüllt hat.

Ich würde jedoch sagen, dies ist alles sehr trügerisch. Du magst gerade gut Geld verdienen, doch du besitzt keinerlei Berufsausbildung. Stell dir vor, du verlierst deinen Job. Dann stehst du da ohne Ausbildung und musst nochmal ganz von vorne anfangen. Wenn du dir über das Studium nicht mehr im Klaren bist, dann mach wenigstens eine Ausbildung. Oder warum arbeitest du nicht noch ein Jahr und schaffst dir genug Kohle auf die Seite, um entspannt und bequem studieren zu können (mit genügend Geld geht das auch schneller, man muss nicht so viel nebenbei arbeiten). Statt dir unnötigerweise ein protziges Auto bar zu kaufen. Für das Geld hättest du 3 Jahre studieren können, ohne das dir was weh tut. 4 Jahre, wenn du ein bisschen sparst.

Zum Thema Geld kann ich es mir einfach nicht verkneifen, ein Video zu verlinken. Vielleicht regt es dich zum Nachdenken an:

http://video.google.com/videoplay?docid=135255266858…

Gruß
Dine

Hallo Mandrak!

Ich werde versuchen Dir mal ein Feedback zu geben. Allerdings betrifft Dein Problem ja ziemlich viele Bereiche unn ich kann Dir daher nicht sagen, ob ich Dir zu allem zufriedenstellend antworten kann!

Ich bin 20 Jahre alt und habe das Gefühl das mein Leben aus
der Bahn gerät. Es hat eigentlich alles gut begonnen.

Ich denke die Situation, in der Du Dich befindest werden viele kennen (ich persönlich kann mich auch noch an diese Phase erinnern!). Für ein Kind, später einen Jugendlichen und schließlich eine jungen Erwachsenen ist das Leben bis zu einem bestimmten Punkt geplant und „vorherbestimmt“: Kindergarten, Grundschule, Oberschule/Abi und (für junge Männer) Zivildienst oder Bund. Nach dem Ende dieses Lebensabschnitts herrscht dann oftmals ein Gefühl der Leere und der Angst, die Weichen falsch zu stellen. Man ist in der Situation, erstmals ins einem Leben wirklich alleine auf sich gestellt zu sein und eine extrem wichtige Entscheidung selbst treffen zu müssen. Ich habe damals diejenigen beneidet, die schon immer wusten, was sie studieren wollten und eine klare Vorstellung hatten von ihrem weiteren (beruflichen) Leben.
Ich muss Dir aber sagen, dass es sehr, sehr vielen Menschen so geht, dass sie nicht genau wissen, wie´s weiter geht.
Was das angeht möchte ich Dir raten nicht zu „perfektionistisch“ zu denken. Überlege Dir was Du (und ob Du wirklich) studieren willst. Überlege Dir nochmals Alternativen (was ist z.B mit Kriminalistik?) und dann fange an!!! Vielleicht merkst Du nach einem Semster, dass Dein Studiengang nicht der richtige ist und dann entscheide Dich eben um! Während dieser Zeit wirst Du genug Leute kennen lernen und auch genug Eindrücke von anderen Stiedienbereichen erhalten, um gegebenenfalls Deine Entscheidung zu korrigieren!
Und mach Dir mal keine Gedanken, dass sich das eventuell negativ auf Deinen Lebendlauf auswirkt: Viele Personalchefs sind nicht unbedingt auf die super gradlinigsten Lebensläufe aus. Auch dort hat sich herumgesprochen, dass eine Person mit Lebenserfahrung oft wertvoller ist, als ein Fachidiot!

Hat jemand vielleicht einen Tip, um die Motivation zu pushen?

Wie gesagt: Fang an, etwas zu machen! Die Motivation kommt dann von selbst! Ich denke auch nicht, dass es eine Frage der Motivation ist, sonder eine Entscheidungsache: Du musst entscheiden, was Du machen willst und es dann tun!

Zu den Faktoren oben kommt noch eine große Sache.
Momentan überlege ich mir, ob ich professionelle Hilfe bei
einem Psychologen holen soll, da ich ein Geldproblem habe.

Den Punkt hatte ich zunächst etwas falsch eingeschätzt: ich dachte, Du hast Geldmangel =)

Mittlerweile ist es zur Sucht geworden Geld zu verdienen.
Stellt euch folgendes Szenario vor: Ihr habt Freizeit und
könnt entscheiden was ihr machen wollt. Gleichaltrige gehen
auf Partys, treffen sich, haben Freundinnen und unternehmen
viel zusammen. Ich sitze zuhause und mache Geld. Ich kann
nicht mehr richtig abschalten, da mir immer wieder neue Ideen
durch den Kopf sausen, um an möglichst viel Geld zu kommen.
Ich kann mir nicht erklären warum das so ist. Wenn ich
versuche etwas anderes zu machen, sind meine Gedanken immer
bei diesem Thema und nur beim Sport kann ich alles für kurze
Zeit hinter mich lassen. Das ist momentan mein Ausgleich. Ich
habe versucht die Sache ruhen zu lassen, ging aber nur wenige
Tage gut. Wenn ich nicht jeden Tag etwas verdient habe, fühlte
ich mich schlecht und ausgelaugt. Mein Leben verlor für kurze
Zeit seinen Sinn, keine Ziele, keine Zukunft. Ich bekam
Depressionen und das war für mich der Punkt wo ich wusste,
dass hier etwas falsch läuft.

Nun, ich denke Deine Fixierung aufs Geldverdienen erfüllt die Funktion, dass Du Dich nicht mit der/den wichtigen Entscheidungen beschäftigen musst! Ich kann Dir aus Erfahrung sagen, dass Du, solltest Du studieren, erstens keine große Zeit haben wirst, viel Geld zu verdienen und zweitens auch mit ganz anderen Dinge beschäftigt sein wirst!

Ich habe mir folgende Erklärung im Kopf zurecht gelegt:
Es ist bekannt, dass Geld Glückshormone produziert (Serotonin
und Dopamin). Dadurch, dass ich seit dem Abi regelmäßig
selbstständig Geld verdiene, hat sich sozusagen der
Serotoninspiegel in meinem Körper konstant erhöht, sodass sich
mehrere Rezeptoren gebildet haben, die nun „gefüttert“ werden
müssen. Mit anderen Worten liegt meiner Meinung nach eine
Sucht vor. Aber kann es sein, dass ich Serotoninabhängig bin,
nur weil ich mich über den Verdienst freue? Das klingt
irgendwie absurd.

Absurd. Ich glaube das ist es! =) Ich persönlich halte nicht so viel von Deiner Arbeits-Serotonin-Theorie

Ich denke nicht, dass es ein Krankheitsproblem ist, eher, dass
es eine Kopfsache ist…

Das glaube ich auch. Wie gesagt: Du machst gerade ein „kritisches Lebensereignis“ durch: Du bist am Ende des für Dich vorgegebenen, ausgetrampelten Weges und musst jetzt erstmals eine wichtige Weichenstellung alleine durchführen. Keine Angst! Es geht nicht nur Dir so und es gibt nicht nur einen Weg, wies weiter geht. Du kannst nichts wirklich FALSCH machen… Ein Fehler wäre es nur, wie ein Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und nichts zu tun!

Ich kann mit keinem Freund reden, da ich nur noch
wenige habe, die ich zurzeit aber nicht persönlich treffen
kann. Meinen Eltern will ich auch nichts davon sagen. Ich bin
ein Mensch der keine Schwäche zeigen kann. Ich wurde in der
Vergangenheit zu oft von Menschen betrogen und hintergangen.
Das letzte und schlimmste Mal unter anderem gar nicht mal so
lange her. Allein von diesem Ereignis muss ich mich irgendwie
lösen. Ich kann es aber nicht, es will einfach nicht weg! Dazu
kommt die Zerstörung meiner Ziele und Pläne. Wenn ich meine
Situation in wenigen Worten beschreiben müsste: Einsam, nur
halb gesteckte Ziele, traurig, nachdenklich.

Wenn Du allerdings wirklich nicht weiterkommst, dann solltest Du Dir überlegen, Deine Probleme mal mit einem Therapeuten zu besprechen. Neben der Furcht vor der Entscheidung wie es weiter gehen soll und Deiner „Geldverdien-Sucht“ belasten Dich ja einige Dinge noch mehr bzw. tiefer: Das Gefühl immer stark zu sein zu müssen und gleichzeitig keinen zu haben, bei dem man sich selber mal anlehnen kann und der einen auffängt.

Du musst aber schließlich selber wissen, wie sehr Dich das belastet. Und man muss auch mal sagen, dass auch bei der möglichen Professionalität der im Board Aktiven hier keiner eine Therapie anbieten kann! Dafür sind dann halt wirklich die Praxen da!

Bitte nehmt es mir nicht übel, dass ich nicht meinen richtigen
Namen nenne, aber das trau ich mich einfach nicht.

Kein Problem! =)

Grüße und viel Erfolg!

TAndrija (der hier ja auch nicht seinen wirklichen Namen angiebt!)

Hallo Mandrak,

wenn Du Deine Freunde - auch als Gesprächspartner und vielleicht Ratgeber so vermisst - dann wäre der Gang zu einer Psychotherapeutin / einem Psychotherapeuten zu erwägen. Am Geld wird es nicht scheitern, wenn ich das richtig sehe, leisten kannst Du Dir das. Sinnvoll könnte das auch sein, weil einiges von dem, was Du schreibst so ein wenig nach Zwanghaftigkeit und Fixierung klingt. Ich will nicht sagen, dass Du da nicht auch allein rauskämst, aber es ist unter Umständen wesentlich einfacher, wenn man dazu professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.

Zum Thema Freunde: Warum besuchst Du sie nicht einfach? Was hindert Dich daran? Zeit und Geld scheinst Du doch genug zu haben - setz Dich einfach in Deinen Flitzer und fahr sie besuchen!

Beste Grüße
Arbeyterson

Hallo Mandrak,

Als erstes kannst du froh sein, dass du die Motivation richtung Polizei und Bundeswehr los bist. Ich sag das mal, obwohl ich weiss dass Polizeibeamter ein gut bezahlter job ist. Ich frag mich aber, was du wohl meinst mit dem Satz, „ich bin ein Mensch, der keine Schwäche zeigen kann“? Bist du so geboren? Ist das also erblich, oder ist es eher zu einer Gewohnheit geworden? Wenn es erblich ist, kann man schwer etwas dagegen unternehmen, mann musste schon in deinen Genen ran. Wenn es aber eine Gewohnhheit ist, solltest du mal nachdenken welche deiner Gewohnheiten dich in Lage gebracht hat, unglücklich und allein zu sein, und dann auch keinen Spass haben. Nämlich dass Menschen die glücklich, gemeinsam und Spass haben, keine Angst haben ihre Gefühle bzw. Schwächen zu zeigen.
Gute Besserung.

Guten Abend zusammen,

vielen Dank für alle bisherigen Antworten. Fühlt sich schon etwas besser an, wenn ich weiß, dass es einige gibt, die sich im selben „Loch“ befanden und nicht so recht wussten, wie es weiter gehen soll nach der Schule. Es wurde ja auch niemanden beigebracht auf eigenen Beinen zu stehen. Seit der Geburt ist der Weg ja quasi vorgeschrieben. Bei mir war es Grundschule und Gymnasium bis zum Abitur. Danach gab es keine Vorschrift mehr. Manche kommen damit wohl besser, andere schlechter zu recht.

Ich hoffe, dass sich das wieder einigermaßen regelt, wenn ich das Studium beginne und wieder ein Ziel, nämlich den Abschluß, vor Augen habe.

Ich habe oft darüber nachgedacht, woher ich die Eigenschaft habe keine Schwäche zu zeigen und immer stark zu sein. Im Laufe der Zeit habe ich viele Menschen kennengelernt mit deren Einstellung ich absolut nicht zurecht kam. Das fängt an bei Gleichaltrigen, die locker in den Tag leben, sich keine Gedanken über Ausbildung und Beruf machen und hört bei älteren Bekannten auf, die mit 38 zwar einiges in Sachen Studium/Ausbildung erreicht haben, aber im Leben total nicht zurecht kommen und nun an unterbezahlten Jobs scheitern. Es ist klar, dass dies niemals zu verallgemeinern ist, aber ich sehe wie es laufen kann, wenn man nicht dahinter ist. Ich habe mir immer geschworen so nicht zu werden und das für mich Beste zu erreichen, damit meine Eltern auf mich stolz sein können und ich später auf mein Leben zurückblicken und sagen kann: „Ja, du hast alles richtig gemacht“. Man hat nur eine Chance sein Leben zu leben. Da greift natürlich die Einstellung zum Sinn des Lebens und Seins, worüber ich mich Stunden ausführlich unterhalten kann. Dieser Biss (so nenn ich das) hat mich das Abitur schaffen lassen, obwohl ich eine Phase hatte, bei der ich alles abbrechen wollte. Dieser Biss hat dafür gesorgt, dass ich mit 20 auf eigenen Beinen stehe, ein eigenes Einkommen habe, eine eigene Wohnung besitze, mich selber ernähren kann und auf Niemanden angewiesen zu sein. Hat natürlich auch seine negativen Seiten wie ständig unter Druck zu stehen und halt die Angst zu versagen.

Einer der Vorposter fragte, warum ich mich nicht einfach ins Auto setze und meine Freunde besuchen fahre. Ich habe nur noch einen richtigen Freund in meiner alten Heimat. Alle anderen sind entweder ins Ausland oder an Univseritäten bei dem gerade mal so besuchen nicht drin ist. Die Frage ist eh, ob die, die nun weg sind richtige Freunde waren oder eher Zeitgenossen, so wie ich immer pflege zu sagen. Zu einer Freundschaft gehören immer zwei. Wenn ich mich um Kontakt bemühe, aber nichts zurück kommt, kann sowas schon gar nicht funktionieren. Ich habe ja einige Zeit im Ausland gearbeitet und dort neue Freunde kennengelernt. Mit denen habe ich auch weiterhin kontakt, aber es ist halt nicht das gleiche wie, wenn jetzt ein Kumpel nebenan wohnen würde. Ich denke im Studium werde ich neue Leute kennenlernen, aber ein verbreitetes Problem, was wohl viele Männer haben ist, dass sie bei Kumpels/Freunden keine Gefühle zeigen können. Zudem gehört dazu viel Vertrauen. Das Problem habe ich halt auch. Daher staut sich im Laufe der Zeit wohl alles zusammen, bis es irgendwann rausplatzt. Deshalb dachte ich mir, dass so eine Sprechstunde garnicht so schlecht sein kann, um meine Gedanken zu ordnen.

Ich habe seit meinem letzten Post schon etwas an meiner Einstellung geändert. Ich versuche nun wieder positive Stimmung in mein Leben zu bekommen. Fängt an mit positivem Denken und einfach mal die „Geschäfte“ links liegen lassen. =) Das klappt einigermaßen gut, obwohl natürlich immer mal wieder der Gedanke abschweift zum Zwang.

Was erhoffe ich mir für die Zukunft? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wenn ich das Problem mit dem Verdienen nicht selber in den Griff bekomme, muss ich mir Hilfe holen. Wenn ich das nicht tue, werde ich mich kaputt arbeiten und keinen anderen Gedanken mehr fassen können, wie ständig nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten, an Geld zu kommen. Mit diesem Denken ist natürlich kein Studium und auch kein Aufbau neuer Freundschaften möglich, da die gesamte Energie für den Zwang draufgehen würde. Es ist aber so verdammt schwer davon los zu kommen.

Weiterhin eine angenehme Nacht.

Grüße,
Mandrak

Lieber Mandrak,

noch etwas zu Deiner Serotonin-Dopamin Vermutung. Aus der neurowissenschaftlichen Befundlage würde ich eher herauslesen, dass Deine Geldfixierung inbesondere ein dopaminerges Problem ist. (Mesolimbische) Dopaminausschüttungen vermitteln zunächst neutralen Objekten (hier Geldwirtschaft) hohen Anreiz und erzeugen ein Verlangen (Wanting), diese „Belohnungen“ zu erhalten. V. a. wenn diese überraschend auftreten – Du also plötzlich unerwartet viel Geld für Deine Arbeit bekommen hast. Wenn Sport hierbei hilft, dann stützt dies die Vermutung. Sport ist wohl in dieses System ebenfalls eingebunden. Aus dieser Sichtweise wäre es nun wichtig, eine dopaminerge Konkurrenzsituation zu dem Geld zu schaffen. Sport ist ein (im normalen Rahmen gesundes) Mittel – evtl. hier ein größeres Projekt angehen (Alpenüberquerung, Ziel Marathon etc.). Musik& Malerei (Künstlerische Tätigkeit) ist wahrscheinlich auch dopaminerg Bombe.
Aber ich bin eher ein Theoretiker als ein erfahrener Praktiker…

Grüße

Beckflip