Gerber

Hallo an alle!

hoffe, ich bin hier richtig:

Kann mir jemand zum Beruf des Gerbers (nicht mehr im Mittelalter sondern frühe Neuzeit, 18. Jahrhundert)
folgende Fragen beantworten:

In welchen Farben war Leder erhältlich? Gab es nur Rotgerber = Rot, Weißgerber = Weiß und Gerber = dunkel? Oder gab es noch weitere Farben? Hat ein Gerber sich immer nur auf eine Farbe spezialisiert?

Hat ein Gerber das Leder auch weiterverarbeitet? (Taschen etc.) oder war das nicht mehr seine Aufgabe?

Fragende Grüße von
Katrin

Hallo !

Bereits im Spätmittelter waren die Gerber spezialisiert.
Das Gerberhandwerk zerfiel in drei Gruppen :

Die Rot- oder Lohgerber. Sie stellten durch Gerbung der großen und schweren Häute mit Loh (Eichen- und Fichtenrinde) Leder für Sättel und Zaumzeug , Sohl- und Schuhleder her (vegetabilische Gerbung).

Die Weißgerber produzierten durch Salzgerbung mit Alaun (mineralische Gerbung) die edleren und dünneren Ledersorten, besonders aus Kalbs-, Schafs- und Ziegenfellen Bekleidungsleder.

Die Sämischgerber (Irher, Ircher) durch Walken mit Fett oder Tran wasserdichtes Leder (Schafe, Ziegen, Böcke).

Daneben waren verschiedene kleinere Handwerke mit der Herstellung spezieller Ledersorten befaßt :

Die Rotlöscher und Corduaner stellten Feinleder her, und die Pergamenter fertigten ohne eigentlichen Gerbprozeß aus Kalbsfellen Pergament.

Vielleicht hilft Dir das etwas weiter!

Gruß Max

Hallo Katrin,

Die drei Weisen zu Gerben: Weiß-, Rot-, Sämischgerberei unterscheiden sich von den verwendeten Wirkstoffen und nicht primär nach der Farbe des Produktes. Rotgegerbtes Leder ist etwas dunkler, weißgegerbtes insbesondere Schweinsleder heller. Sämischgegerbtes Leder entspricht grosso modo dem heutigen Nubukleder (Hirschlederne Reithosen aber bleiben bestehen).

Einen schönen kurzgefassten Abriss findest Du auf der HP des letzten Altsämischgerbers in Deutschland, http://www.gerberei-kolesch.de unter „Geschichte“.

Der Gerber durfte zur Zeit der Zünfte nur und ausschließlich gerben. Für die Weiterverarbeitung gab es ausser Schustern Täschner, Handschuhmacher, Sattler, Gürtler.

Schöne Grüße

MM

Lauge?
Hallo Martin, hallo Max,

vielen Dank für eure Antworten! Das ging ja fix und ihr habt mir beide sehr weitergeholfen.
Deshalb kommt hier die Masterfrage:
Ich habe gelesen, dass die Gerber Taubenkot in die Gerblauge mischten. Haben das alle getan oder nur einer der Gerberzweige?

Danke euch!
Katrin

Hallo Katrin,

zum Taubenmist allenfalls vage Fährten:

(1) Meyers Konversationslexikon von 1888 benennt Salpeter (und das liegt ganz in der Nähe von Vogeldreck) als Mittel zur provisorischen Konservierung von Häuten für den Transport
(2) Taubenmist dürfte ziemlich heftig basisch reagieren, eventuell geeignet zum Einstellen eines bestimmten gewünschten pH-Wertes. Würde ihn in diesem Fall am ehesten bei den Weißgerbern vermuten, aber wie gesagt, das ist Spekulation.

wer weiß was besseres?

MM

Hallo, Martin,
Da kam alles möglich rein in diese Gerberlohe, einschließlich Tierkot und -urin (wegen des Ammoniak). Nicht umsonst waren Lohgerber an den Rändern der Gemeinden angesiedelt, denn ihr Gewerbe stank zum Himmel.

Gerberlohe
Gerbstoffhaltige Substanz oder Materialmischung, in die die vorbehandelten Häute (Blößen) eingebettet werden. Im Verlauf der Gerbung werden die Gerbstoffe der Lohe in die Eiweißstruktur der Haut eingebunden und sorgen für deren Konservierung und Vernetzung. Für die Altgrubengerbung liefert die Natur alle notwendigen Lohebestandteile. Dazu zählen Eichen-, Fichten - und Mimosarinde sowie Valonea-Früchte. Ein wichtiges Merkmal der Altgrubengerbung ist, dass zur Herstellung der Gerberlohe ausschließlich geschrotete Pflanzenteile verwendet werden.

Entnommen der sehr informativen Seite: http://www.lederfabrik-rendenbach.de/dt/lexicon.html
Gruß
Eckard.

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