Germanistik - Probleme und Möglichkeiten

Hallo,

mein Sohn will Germanistik studieren, für mich überraschend.

Was kann man über das Fach sagen? Gilt es als schwer, oder eher nicht? Ich weiß natürlich, dass solche Aussagen subjektiv sind, aber es gibt doch Fächer, die haben sicher nicht ohne Grund den einen oder anderen Ruf.

Gibt es sonstwas Interessantes darüber zu sagen, wonach zu fragen ich jetzt nicht komme?

Und was kann man damit beruflich machen? Lehramt ist nicht sein Ding. Lektoren gibt’s da noch, aber davon braucht man sicher nicht viele. Was gibt es denn sonst noch für Möglichkeiten?

Gruß
Peter

Hallo Peter,

mein Sohn will Germanistik studieren, für mich überraschend.

Naja, es gibt mit Sicherheit Schlimmeres :smile:

Was kann man über das Fach sagen? Gilt es als schwer, oder
eher nicht?

Das Studium der Germanistik ist auf drei Themengebiete unterteilt:

Ältere deutsche Philologie
Hier wird der Wandel der deutschen Sprache behandelt, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte zum heutigen Neuhochdeutsch entwickelt hat. Übersetzungen vor allem aus dem Mittelhochdeutschen sind hier (zum Leidwesen Vieler) ein Muss. Aber auch da kommt man durch!
2.
Linguistik
Grammatik und Semantik, wo gehört welche Wortart hin, wo kommt sie her und warum brauchen wir das. Detaillierte Aufschlüsselung der Sprache, die wir jeden Tag benutzen. Mit den Grundlagen der gymnasialen Schule kein Problem.
3.
Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Das ist der Teil der Germanistik, den sich die meisten unter diesem Begriff vorstellen. Behandelt werden literarische Werke aus allen Epochen; sie werden gelesen und interpretiert, die Techniken des Schreibens und die Eigenarten mancher Literaten besprechend. Das war der Grund, warum ich damals mit der Germanistik angefangen habe.

Gibt es sonstwas Interessantes darüber zu sagen, wonach zu
fragen ich jetzt nicht komme?

Nunja, man lernt den richtigen Umgang mit Wort und Schrift (z.B. Rhetorik), erweitert durch die geforderte Lektüre (nicht wenig!) und den Vergleich derselben schon in gewissem Masse seinen Horizont. Aber auch hier sei angemerkt, dass der formale Teil der Germanistik, d.h. WIE schreibe ich etwas, und nicht WAS, schon überwiegt.

Und was kann man damit beruflich machen? Lehramt ist nicht
sein Ding.

Nunja, ich mache es auf Lehramt :smile:
Aber eine klassische Alternative zum Lektorendasein ist immer die Journalistik. Volontariate, Praktika oder einfach mal
„Schnuppern“ bietet so gut wie jede Zeitschrift an und nicht wenige Absolventen versuchen sich daran. Es gibt zwar den Studiengang Journalistik an einigen Hochschulen, aber der beinhaltet ebenso das Studium der Germanistik. Und viele Gazettenschreiberlinge haben auch „nur“ Germanistik studiert.
Wenn deinem Sohn das auch nicht passt, gibt es noch viele andere Möglichkeiten, nicht zuletzt die, freischaffender Künstler zu werden (auch wenn du DAS wahrscheinlich nicht gerne sehen würdest *grins*).

Der mitunter schlechte Ruf der Germanistik beruht grösstenteils auf dem Abschluss Staatsexamen - da es vor Jahren eine riesige Welle von Lehramtskandidaten gab und die Stellen dünn verteilt sind.

Geh mit deinem Sohn einfach mal zur ZSB (Zentrale Studienberatung). Jede Uni hat diese Anlaufstelle. Die Leute dort verstehen normalerweise ihr Handwerk und wissen auch über Berufsaussichten bescheid.

Gruß
Peter

Gruss retour,

Johannes

Hallo,

mein Sohn will Germanistik studieren, für mich überraschend.

Aber ist doch prima, wenn er weiß DAS und WAS er studieren will! Da wären so manche Eltern dankbar…

Und was kann man damit beruflich machen? Lehramt ist nicht
sein Ding. Lektoren gibt’s da noch, aber davon braucht man
sicher nicht viele. Was gibt es denn sonst noch für
Möglichkeiten?

Ja frag deinen Sohn doch mal. Er wird doch sicher einen Grund haben, warum er Germanistik studieren will?! Vielleicht „überrascht“ er dich ja mit weiteren Plänen :smile:
Davon abgesehen läuft Germanistik ja idR als Magisterstudiengang, womit er dann noch mindestens 1 weiteres Fach bräuchte. Meines Erachtens nach entscheidet erst die jeweilige „Kombikompetenz“, wohin es später gehen soll und kann.

Gibt es sonstwas wonach zu fragen ich jetzt nicht komme?

Frag ihn mal danach(s.o.)!

Gruß
Peter

Grüße zurück von: Flora
*die es toll findet, dass du dich so mit deinem Sohn und seinen Plänen beschäftigst!*

Germanistik - Probleme und Möglichkeiten

Grüße zurück von: Flora
*die es toll findet, dass du dich so mit deinem Sohn und seinen Plänen beschäftigst!*

Hallo Flora,

danke für die Anerkennung. Aber da du wenig Information gibst, mich stattdessen zweimal aufforderst, meinen Sohn zu fragen, kann ich das nur als Ironie verstehen.

Natürlich habe ich ihn gefragt. ER ist aber so verträumt, dass er sich um die beruflichen Chancen keine Gedanken macht. Er erwähnte zwar Journalist - das passt aber aufgrund der vorgenannten Eigenschaft mit Sicherheit nicht.

Gruß
Peter

Hallo Peter!

Aber eine klassische Alternative zum Lektorendasein ist immer
die Journalistik. Volontariate, Praktika oder einfach mal
„Schnuppern“ bietet so gut wie jede Zeitschrift an und nicht
wenige Absolventen versuchen sich daran. Es gibt zwar den
Studiengang Journalistik an einigen Hochschulen, aber der
beinhaltet ebenso das Studium der Germanistik. Und viele
Gazettenschreiberlinge haben auch „nur“ Germanistik studiert.

Falls sich Dein Sohn wirklich für den Journalismus interessiert, wird er auch dann dort einen Beruf finden. Gerade das Studium beendet vielleicht seine von Dir erwähnte „Verträumtheit“ - man bekommt ein ganz anderes Gefühl für die Menschen und seine eigenen Fähigkeiten.

Doch eigentlich wollte ich nur einmal auf den Dipl.-Studiengang Germanistik/ Schwerpunkt Journalistik hinweisen, den (mindestens) die Uni Bamberg anbietet. (Zwei Freunde sind dort sehr glücklich mit dem Studium.)
Aber nichts geht natürlich ohne Praktikum - vielleicht bietet sich ja zwischen Abitur und Uni noch die Zeit für einige Wochen in dem Metier…

Gruß sannah

Lieber Peter,

danke für die Anerkennung. Aber da du wenig Information gibst,
mich stattdessen zweimal aufforderst, meinen Sohn zu fragen,
kann ich das nur als Ironie verstehen.

Natürlich habe ich ihn gefragt. ER ist aber so verträumt, dass
er sich um die beruflichen Chancen keine Gedanken macht. Er
erwähnte zwar Journalist - das passt aber aufgrund der
vorgenannten Eigenschaft mit Sicherheit nicht.

aber nein! Das war gar nicht ironisch gemeint! Mir ist aber deine kleine Spitzhacke s.o. nicht entgangen. Hier die HintergrundINFO bzw. -motivation meiner Aw:

Ich hab nicht ganz verstanden, was du unter diesen Bedingungen mit den Berufsinfos willst. Wenn dein Sohn keinen Schimmer hat, dann wirst du ihm mit Infos auch nicht weiterhelfen können. Denn er ist ja nicht zu doof, sich die selbst zu suchen. Also fehlt ihm sehr wahrscheinlich die Motivation => dann sollte er tatsächlich zuallererst mal überlegen, WARUM er eigentlich studieren will und WAS genau er sich davon erwartet. Frage im Raum: Ist Studium ein Selbstzweck?

Und ich finde, DARÜBER solltest du mit deinem Sohn reden, bevor du weiter überlegst, auf welchen Berufszweig du ihn dann stoßen willst/kannst.
Rein interessehalber nochmal gefragt: Was ist denn nun sein Kombitraum?
DASS du mit deinem Sohn über seine Pläne redest und dich offensichtlich auch sehr für ihn und seine Belange einsetzt, finde ich höchst lobenswert!
Betont nochmal mit heftigem Kopfnicken: Flora

Liebe Flora,

aber nein! Das war gar nicht ironisch gemeint!

Na gut, hatte ich so verstanden, :smile:

Wenn dein Sohn keinen Schimmer hat, dann wirst du ihm mit Infos auch nicht weiterhelfen können. Denn er ist ja nicht zu doof, sich die selbst zu suchen.

Nein, aber das tut er nicht, das liegt mit an der Verträumtheit.

Was ist denn nun sein Kombitraum?

Darüber hat er mir noch nichts berichtet, das habe ich hier erst erfahren.

Ist Studium ein Selbstzweck?

Nein, der Selbstzweck ist, viele Bücher lesen zu können und sich tiefschürfende Gedanken darüber zu machen.

sehr für ihn und seine Belange einsetzt, finde ich höchst lobenswert!

Na, ich denke, das ist für Eltern doch normal, schließlich soll er ja auch mal auf eigenen Beinen stehen können.

Viele Grüße
Peter