Hallo!
1.Sun Yang: spiegelt diese Figur ein traditionelles
chinesisches Maennerimage wider? resigniert und melanchonisch
vorm Unglueck…tueckisch und schlau,wenn aus ihm etwas
geworden ist.
Nein, im Gegenteil. Ich fand es (als ich es gelesen habe, war ich noch jünger) eher untypisch für Chinesen. Ich kenne wenige Chinesen - genau genommen bloß zwei - und die sind, zumindest nach außen hin, in jeder Situation durch und durch optimistisch. Ich würde es aber nicht wagen, dass zu pauschalisieren, wie gesagt, ich kenne nur die beiden und die sind halt so. Was ich damals eher chinesisch fand, war das Ehrgefühl, was Sun Yang an den Tag legt, auch wenn es Brecht nur an einigen wenigen Stellen aufgriff (z.B. als Shui Ta Sun frag, ob er nicht in dem Tabakladen arbeiten würde und er das energisch verneint).
2.Shen Te : Ist fuer euch eine chinesische bzw eine
morgenlaendische Frau wie ein Engel,der nicht von der
Modernitaet der Gesellschaft und dem originalen Sinn
beeinflusst ist.
Shen Te ist für mich keine typisch chinesische Frau. Meiner Meinung nach greift Brecht für die Darstellung des ‚guten Menschen‘ bewußt zu diesem Frauenbild. Frauen hatten früher lieb, nett, hilfsbereit und tugendhaft zu sein, so zumindest die Erwartung oder besser gesagt Forderung. Mit einer Frau, die diese Charakterzüge zeigt, assoziiert man schnell einen herzensguten Menschen. In besonders starkem Kontrast steht dagegen Shui Ta, der energisch und mit gebotener Härte vorgeht und auch mal unnachgiebig ist - Eigenschaften, die man eher von einem Mann erwartet hätte. Das war/ist in Europa sicherlich genauso, wie in China. Deswegen denke ich, dass Brecht nicht ein kulturelles Bild zeichnen wollte. Vielmehr ‚spielt‘ er mit erwarteten Verhaltensweisen und Charakterzügen (von Männern und Frauen), um seine Figuren klarer zu gestalten.
Den Aspekt mit der morgenländischen Frau, die noch nicht von der Modernität beeinflusst wurde, finde ich aber interessant. China empfinde ich als ein Land, das noch stark in Traditionen verwurzelt ist und diese noch lebt. Vielleicht liegt hier zusätzlich eine Interpretationsmöglichkeit. Aber ich wage mich nicht daran, da ich nicht weiß, wie das vorherrschende Frauenbild in China ist.
Wie findet ihr den Inhalt? Ist die Beschreibung fuer euch
exotisch? oder klingt euch die Milieu in dem Werk eher
vertraut,nur die Namen und die Ortsnamen sind darin
chinesisch?
Das einzige, was mir damals nicht vertraut klang, waren die chinesischen Orts- und Personennamen. Die thematisierten Problem erschienen da schon eher vertraut, z.B. die Arbeitslosigkeit, die Ausbeutung der Arbeiter, die zunehmende Verarmung einer ganzen Bevölkerungsschicht durch die Umverteilung von Kapital (von arm nach reich).
Ist Suzuan in diesem Werk nur ein Schauplatz, eine
„Projektionsflaeche“,auf die der Autor seine Ideen und
Gedanken projektiert,oder findet ihr, dass alles, was in
Sezuan passiert ist, spezifisch typisch chinesisch ist.
Ich habe Brecht immer gerne gelesen. In seinen anderen Werken bezieht er sich immer auf politische ung geschichtliche Ereignisse, die in Europa stattfanden. Ein Großteil davon ist anti-nationalsozialistisch geprägt. Der gute Mensch von Sezuan fällt aber deutlich aus der Rolle.
Meiner Meinung nach ist der Schauplatz von Brecht bewußt gewählt, um zu erreichen, dass der Leser sich von jedweder Identifikation mit einem vertrauten Ort (z.B. Europa)löst und stattdessen nur das eigentliche Problem betrachtet. Brecht behandelt in diesem Werk die fortschreitende Industrialisierung und die unmittelbaren Folgen auf die Gesellschaft und die Menschen im Einzelnen (z.B. am Schicksal von Lin To oder dem Teppichhändler). Und dieses Problem ist im 20. Jh. nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt gegeben.
再見
Dirk