Geschäftsführer in der Klapper, Haftungsfalle?

Guten Tag,
mein Chef (alleiniger Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter) ist in der Nervenheilanstalt gelandet (psychische Probleme mit sich selbst). Vorher hat er noch schnell alle Mitarbeiter (außer mich Prokuristen - Einzelprokura) aus fadenscheinigen Gründen telefonisch (!) gefeuert (welch ein Psycho!!!), ich soll bleiben und die Geschäfte fortführen. Die Mitarbeiter haben sich sofort krank gemeldet. Mein Einwand, dass Kündigungsfristen einzuhalten sind etc., ist dem Chef wurscht. Ich sitze jetzt hier allein in der Firma (HALLO, NIEMAND DA???). Das Geschäftskonto ist (war bereits) überzogen, Rechnungen sind offen und dringend zu zahlen. Ausreichender Geldeingang eher nicht zu erwarten. Von Insolvenzantrag wollte er nichts wissen.
Ich konnte heute die Bank überzeugen, wegen der Überziehung die Krankenkassenbeiträge zurückzubuchen, so dass vielleicht von dort Insolvenzantrag gestellt wird.
Meine Probleme:

  • ich weis nicht, wann der Chef zurückkommt
  • ich kann nicht kündigen, ich müsste mir die Kündigung selbst zustellen
  • die Prokura kann ich nicht selbst zurückziehen
  • ich kann auch keinen anderen Gesellschafter informieren
  • ich kann nicht unsere laufenden Geschäfte bedienen, ich bin „zu wenig Leute“
  • ich kann keine Leute einstellen (ist ausgeschlossen)

Hat jemand einen Tipp, wie ich aus einer möglichen Haftungsfalle rauskomme? Gibts da eine? Bis jetzt habe ich keinen Blödsinn angestellt oder krumme Sachen gedreht. Soll ich mich krankschreiben lassen? Muss ich jemanden informieren, wen besser nicht?

Ich war schon zum Anwalt, um Haftungsfragen zu klären. Der meinte:

  1. Kündigung durch den Gf erreichen - von dort abgelehnt
  2. Insolvenz erreichen - hoffentlich von außen durch die KK
  3. Eigenkündigung

Zum Verständnis, ich bin nicht arbeitsscheu, wäre aber gerne weg von dem Verein! Bin ja eh der letzte …

Also, hat wer einen Tipp?

Hallo und guten Abend,

da Du in dem Laden nichts mehr verbessern/ändern kannst, Dir alle Hände gebunden sind, was hält Dich dann davon ab einfach zu Hause zu bleiben?
Vielleicht erreichst Du damit die Kündigung, ist schließlich unentschuldiges Fehlen am Arbeitsplatz.

Zumal ich darin einen ganz klaren Vorteil sehe: Du treibst Dich nicht selbst in die Situation, Dir bald ein Zimmer neben Deinem GF reservieren zu dürfen :wink:
Ganz ernsthaft, das hält doch nervlich keiner lange aus was Du gerade erlebst.

Gruß
Gina

Hallo,
mich hält die 3-monatige Sperrfrist des Arbeitsamtes ab. Mein RA meinte jedoch, das ist ggf. das kleinere Übel. Ich habe auch noch so ein typisches Schuldgefühl ggü. unseren Kunden, bin ich blöd?

Im Voraus: Danke für die deutlichen Worte.

Wobei ich mir vorstellen könnte, daß das Arbeitsamt in dem Fall mit sich reden läßt und die Kündigung als „wichtigen Grund“ anerkennt. Daß der Chef der Firma hohldreht und das Ganze über dem Kopf des letzten Mohikaners zusammenbricht ist ja schließlich auch nicht so alltäglich.

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Nein, ich halte weder Dich noch Dein Verhalten für blöd, ganz im Gegenteil, vielmehr halte ich Dich für einen ausgesprochen verantwortungsbewußten Menschen, der sich Geschäftsethik selbst in dieser Lage bewahrt hat.

Kann Dein Empfinden gegenüber den Kunden nachvollziehen und würde mich sicher auch nicht so einfach davon schleichen. Hast Du die Möglichkeit die Kunden zu informieren und dann zu gehen?

Die Sperrfrist kann ich ebenfalls verstehen,schließe mich jedoch Deinem RA an u. sehe es als kleineres Übel, da ich davon ausgehe, dass Du Ersparnisse hast mit denen Du die Zeit überbrücken könntest. Frage ist jedoch ob es überhaupt zu einer Sperrfrist kommt, gegen diese kann man meines Wissens einen Einwand einreichen, wenn Du Deine Situation schilderst, halte ich es für denkbar, dass die Sperrfrist gar nicht angewandt wird.

Nie nicht sowas…
Abend!

Kann Dein Empfinden gegenüber den Kunden nachvollziehen und
würde mich sicher auch nicht so einfach davon schleichen. Hast
Du die Möglichkeit die Kunden zu informieren und dann zu
gehen?

Der Insolvenzverwalter wird ihn in der Luft zerreißen und haftbar
machen.

Gruß
Stefan

Hallo Thomas,

Reschbeggt - wie man hierzulande in solchen Situationen zu sagen pflegt (und zwar mit tiefster Inbrunst *fg*).

Nichtsdestotrotzdem würde ich in so einer haarigen Situation einzig und allein auf den Rat Deines Anwalts vertrauen, nicht dass Du wegen irgendeiner eigentlich gut gemeinten Aktion noch richtig Scherereien kriegst.

Und wegen der Sperre vom Arbeitsamt: warum lässt Du Dir nicht mal dort nen Termin geben und schilderst Deine Situation und fragst wie das mit Sperrzeit etc. wäre? Vielleicht können die Dir im Gegentum noch weiterhelfen mit (rechtlichem) Rat?

*wink*

Petzi

Moin,

Vorher hat er noch
schnell alle Mitarbeiter (außer mich Prokuristen -
Einzelprokura) aus fadenscheinigen Gründen telefonisch (!)
gefeuert

ähm, bedarf eine Kündigung nicht der schriftlichen Form?!

Gandalf

So wie es klingt sind die Kündigungen ja schonmal komplett nichtig (mündlich) und vermutlich auch nicht richtig begründet (ist dann eh egal).

IANAL aber ich würde mir an deiner Stelle schon etwas Sorgen wegen der Procura machen, die dir ja Rechte einräumt, mit denen du weiteren Schaden vom Unternehmen abwenden könntest. Eventuell könnte man (Insolvenzverwalter) dir später einen Strick drehen, wenn du es gerade nicht tust.

Ich denke, dass so ein Forum mit so einer Frage komplett überfordert sein muss (wegen der Details) und du dringenst deinen Anwalt wieder aufsuchen solltest und sofort einen Vorgehensplan entwickelt und entsprechend dokumentiert, um dich aus der eventuellen Haftung zu nehmen.

Allein das Schweigen gegenüber deinen bestehenden Kunden und Lieferanten, könnten diese (weiß ja nicht, was ihr so macht) als arglistige Täuschung interpretieren, wenn bestellte/bezahlte Lieferungen ausbleiben und Schäden entstehen. „Das hätten sie uns sagen MÜSSEN“. Dann wird’s ungemütlich, denn das hast Du dann ja selbst zu verantworten.

Morgen zusammen,
dann werde ich mal alles beherzigen und zuerst einen Beratungstermin beim Arbeitsamt machen!

schöne Restwoche noch, Thomas.