Hallo Christian,
Ich kann mich erinnern, dass es früher in der Antike
sogar manchmal noch Gang und Gebe war, dass Geistlicher Frau
und Kinder hatten.
- Timotheus 3:2 & 1. Timotheus 4:1, 3
Wie ist es also zum Zölibat gekommen?
Mir sind zwei Argumente bekannt:
1.) Die Idee entstand im Mittelalter, um den Besitz der Kirche zu schützen und zu verhindern, daß eventuelle Nachkommen Land und andere Besitztümer erhielten.
2.) Im vierten Jahrhundert erließ die Kirche gemäß Rice ein Gesetz, „das es einem verheirateten Priester verbot, am Abend vor der Eucharistie-Feier Geschlechtsverkehr zu haben“. Als die Kirche die tägliche Feier der Eucharistie einführte, bedeutete das, daß diese Abstinenz für die Priester zum Dauerzustand wurde. Mit der Zeit wurde den Priestern die Ehe ganz und gar untersagt. Damit wurde die Ehelosigkeit für katholische Geistliche Zwang.
Weiterhin habe ich hier einen Auszug aus einem Erwachet vom 8.11.1985. Hier sind einige wichtige Stationen enthalten, die dir bei weiteren Recherchen helfen können.
Gruß Carlos
Erwachet vom 8.11.1985, Seite 6
Geschichte des Zölibats
Erstes Jahrhundert: „Im Neuen Testament ist keinerlei Hinweis darauf zu finden, daß der Zölibat eine Verpflichtung war, weder für die Apostel noch für diejenigen, die von ihnen eingesetzt wurden“ (The Catholic Encyclopedia).
Viertes Jahrhundert: „Das älteste Zeugnis eines Gesetzes über den priesterlichen Zölibat ist Kanon 33, der auf der Synode von Elvira [Spanien] um 300 n. Chr. angenommen wurde“ (Dictionnaire de Théologie Catholique).
„Auf dem Konzil von Nizäa [325 u. Z.] lehnte man es ab, dieses Gesetz [Elvira-Kanon 33] der ganzen Kirche aufzuerlegen“ (A Catholic Dictionary).
Bis zum zehnten Jahrhundert: „Jahrhundertelang war die Frage des Zölibats Gegenstand ständiger Kämpfe innerhalb der Kirche. Widernatürliche Freveltaten nahmen unter der Geistlichkeit überhand; im neunten und zehnten Jahrhundert scheint ihr Amt als Entschuldigung für Ausschweifungen gegolten zu haben. . . . Viele Priester lebten offen im Ehestand, obwohl die Konzile ständig neue Anordnungen gegen sie erließen“ (M’Clintock and Strong’s Cyclopaedia).
Elftes Jahrhundert: „Die Pariser Synode von 1074 nannte das Zölibatsgesetz geradezu unerträglich und unvernünftig. . . . In einigen Ländern blieb das Gesetz selbst längere Zeit ganz oder teilweise unausgeführt. In England glaubte die Synode von Winchester 1076 wenigstens den bereits verheirateten Dorf- und Schloßgeistlichen die Beibehaltung ihrer Frauen gestatten zu sollen“ (F. X. von Funk: Lehrbuch der Kirchengeschichte).
Zwölftes Jahrhundert: „Schließlich wurde auf dem 1. Laterankonzil (1123) eine Verordnung erlassen (sie wurde auf dem 2. Laterankonzil ausdrücklich bestätigt, can[on] vii), die aufgrund der komplizierten Ausdrucksweise so verstanden wurde, als seien die Ehen der Subdiakone und Kleriker höherer Weihen ungültig. . . . Man könnte dies als den Sieg des Zölibats bezeichnen“ (Kursivschrift von uns) (The Catholic Encyclopedia).
Bis zum sechzehnten Jahrhundert: „In der lateinischen Kirche konnte die Veröffentlichung des [Zölibats-]Gesetzes die Kontroverse nicht beenden. Im 13. und 14. Jahrhundert verlangten viele des Kirchenrechts Kundige und sogar Bischöfe die Übernahme der ostkirchlichen Gesetzgebung, die den Priestern die Ehe erlaubte. Das für das frühe Mittelalter kennzeichnende Absinken der priesterlichen Moral und sogar der religiösen Sittenmaßstäbe war für sie ein geeignetes Argument. Auf den großen Konzilen von Konstanz (1414-1418), Basel (1431-1439) und Trient (1545-1563) verlangten Bischöfe und Theologen die Abschaffung des Zölibatsgesetzes“ (Encyclopaedia Universalis).
„Auf dem Trienter Konzil (1545-1563) sprachen sich mehrere Bischöfe und auch Kaiser Karl V. für eine Lockerung der [Zölibats-]Vorschriften aus. Die Mehrheit aber war der Meinung, Gott werde jemandem, der auf die rechte Weise darum bete, die Gnadengabe der Keuschheit nicht vorenthalten, und so wurde den Geistlichen der römisch-katholischen Kirche der Zölibat endgültig und für immer auferlegt“ (Kursivschrift von uns) (M’Clintock and Strong’s Cyclopaedia).
Zwanzigstes Jahrhundert: „In Verbindung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) war der Zölibat erneut Ursache für Unruhe in der römisch-katholischen Kirche. . . . Seit diesem Konzil hat die Zahl der Priester, die das Priesteramt aufgeben und heiraten wollen, sehr zugenommen. . . . Papst Paul VI. hat indessen eine Enzyklika, Sacerdotalis caelibatus, herausgegeben (23. Juni 1967), in der das traditionelle Zölibatsgesetz erneut bestätigt wird“ (Encyclopaedia Britannica).