Hallo!
Ich versuche nun schon ziemlich lang im Internet etwas über die Berufsmöglichkeiten nach einem Geschichtestudium zu finden. Leider spuckt google aber nichts aus, weiß vielleicht wer einen Link oder könnte auf die Frage selbst antworten?
mfg
Hallo!
Ich versuche nun schon ziemlich lang im Internet etwas über die Berufsmöglichkeiten nach einem Geschichtestudium zu finden. Leider spuckt google aber nichts aus, weiß vielleicht wer einen Link oder könnte auf die Frage selbst antworten?
mfg
Hallo Martin,
gehe auf www.arbeitsamt.de : dort auf das Symbol „BERUFEnet“ (rotes Symbol, unten in der Symbolleiste.
Gibt dort mal „Historiker“ oder „Geschichtswissenschaftler“ oder ähnliches ein.
Du erhälst zahlreiche Hinweise und Informationen.
Grüsse aus Lüneburg
Heiner Gierling
Hallo Martin,
Berufsmöglichkeiten als echter Historiker sind eher rar gesäht: Arbeitsstellen gibt es z.B. in Archiven, Museen oder Dokumentationsstellen und an der Uni. Hier kannst du als Historiker arbeiten, musst aber (zumindest in Deutschland) meist eine Promotion und ein Referendariat (Staatsarchive) oder Volontariat(Museen) machen.
Dann kannst du natürlich noch Geschichtslehrer werden (ebenfalls mit Referendariat)oder in die Wissenschaft gehen (in erster Linie Universität, es gibt aber auch „freie“).
Schließlich - und das ist der Großteil derer, die Geschichte studiert haben - kannst du dich aufmachen und auf dem Arbeitsmarkt nach allen möglichen Aufgaben Ausschau halten, die dich interessieren: Medienarbeit, Journalismus, PR, Unternehmensberatung etcpp. Du hast bis dahin nämlich sehr viele „Sekundärfähigkeiten“ erlernt, die sehr nützlich sein können für berufe, die „Wissen“ verarbeiten müssen: Probleme analysieren, Recherchieren, Materialien und Informationen nach bestimmten Kriterien beurteilen, Schreiben, Informationen strukturieren und aufbereiten, im Team arbeiten uswusf…alles Dinge, die du täglich in deinem Studium tun musst, wenn du es ernsthaft betreibst.
Ich habe selbst Geschichte studiert - und meine Kommilitonen sind wirklich Lehrer, Wissenschaftler, Archivare, PR-Fuzzis, Journalisten und vieles mehr geworden. Arbeitslos ist tatsächlich keiner. Allerdings ist es wichtig, sehr früh mit Prakitka anzufangen. Um zu sehen, was dich interessiert und um Erfahrungen zu sammeln. Ich habe z.B. drei Jahre in sehr verschiedenen Archiven als Hiwi gearbeitet, später dann auch beim Fernsehen (historische Dokumentarfilme) und für ein Museum. Irgendwie ging das immer mehr in Richtung Medien - und heute arbeite ich als Selbstständige - und Geschichte als Thema ist „nur noch“ mein Hobby.
Das Studium würde ich jedesmal wieder wählen, denn es ist vielseitig, spannend, macht Spaß und ich habe wirklich auch viel fürs Leben gelernt:smile:
Viele Grüße,
barbara
Lieber Martin!
Einen grundsätzlichen Eindruck hast du ja von meinen Vorschreibern bekommen.
Zu den Berufschancen:
Kein Arbeitsamt vermittelt HistorikerInnen, Zeitungsinserate sind höchst höchst selten. Du wirst in der Regel als Freiberufler arbeiten, dich von Projekt zu Projekt hangeln, mit allen Nachteilen, dh. kein Anspruch auf Arbeitslosengeld, kein Krankenstand, kein bezahlter Urlaub. Zwischendurch längere Phasen der Arbeitslosigkeit.
Stellen an der Uni sind äußerste Mangelware, Archive, Museen, „der Bund“ sparen Personal ein statt welches einzustellen usw.
Ganz schön deprimierend, ich weiss. Das gilt übrigens nicht nur für HistorikerInnen, sondern für viele Studienzweige (ich sag nur: Soziologie! Theaterwissenschaft!! Germanistik!!!) und längst nicht nur für Geisteswissenschaften.
Aber ich erzähl dir mal am besten was über meine eigene Situation.
Vorab: Ich hab lange darüber nachgedacht, ob ich Geschichte studieren soll, wegen der schlechten Jobchancen. Habs dann gemacht, weil ich mich eben so für Geschichte interessiert habe, aber immer im Hinterkopf, dass es vielleicht nur beim Studium bleibt und ich dann was ganz anderes mache (wie übrigens viele Geisteswissenschaftsstudenten). Das Geschichte Studium hat sich allein des Studiums willen sehr gelohnt!!! Es gab sehr viele Wahlmöglichkeiten und tw. ausgezeichnete Lehrende, ein Studium mit großen Freiheiten, die du nutzen solltest.
Mein „Werdegang“:
Durch Interesse und Zufall bin ich während meines Studiums (ziemlich am Ende erst) auf ein Thema gestossen, das ich unbedingt für ein Seminar bearbeiten wollte. Der Prof. war erst dagegen, weils keine Literatur dazugab. Ich hab gemeint, ich wills trotzdem machen, hab mich in Archive gesetzt und geforscht. Ein Kollege hat mitgemacht, der hat die politische Seite bearbeitet. Die Seminararbeit wurde sehr positiv aufgenommen, unser Engagement führte weiter, über Parteien bis in den Nationalrat, wo schließlich, nach langem Kampf beschlossen wurde, diese Thematik wissenschaftlich zu erforschen. Das Projekt wurde dann ausgeschrieben und zu guter Letzt erhielt unser damaliger Professor den Zuschlag. Ich hatte mittlerweile schon meine Diplomarbeit dazu geschrieben und wurde als Fachfrau an erster Stelle ins Projekt geholt. Das hat mir 2 1/2 Jahre intensive spannende Arbeit beschert (nicht gut bezahlt). In einem Workshop habe ich einen ausländischen Wissenschafter kennengelernt, der mich engagiert hat, für ihn Recherchetätigkeiten in Österreich und Deutschland durchzuführen, weil ich mich gut auskenne. Durch eine amerikanische Wissenschafterin, die ich beim Abendessen mit einem Bekannten kennenlernte, kam ich zu meinem nächsten Job, Recherchetätigkeiten für New York. Also, durch Können und Glück, geht es immer irgendwie. Dazwischen mache ich auch immer wieder MacJobs: Dateneingaben, Festivals, was kurzfristiges halt, weil ich mich für größere Projekte freihalten muss.
Nebenbei arbeite ich an meiner Doktorarbeit, die sehr unter dieser phasenweisen Berufstätigkeit leidet. Ich habe jetzt ein Forschungsprojekt minutiös ausgearbeitet und eingereicht: wenn ich Glück habe, wird es in 6 Monaten positiv entschieden und damit wären meine nächsten zwei Jahre finanziell abgesichert.
Wenn nicht, mache ich so weiter wie bisher.
Ich bin relativ zufrieden damit. Natürlich würde ich mir einen fixen Job mit mehr Sicherheit und kontinuierlicher Bezahlung wünschen, wo ich auch mal krank werden kann. Oder arbeitslosenversichert bin. Das geht halt nicht. Dafür kann ich relativ unabhängig arbeiten und die Arbeit, die ich mache, gefällt mir sehr und ich finde es total spannend. Alle Jobs, die ich bisher gemacht habe, kann ich damit nicht vergleichen. Wie lange ich so noch arbeiten kann, hängt immer ein bisschen von der wirtschaftlichen, für Historiker aber auch sehr stark von der gesellschaftlichen Situation ab.
Mein Rat:
Wenn du Geschichte studieren willst, dann nicht, weil du dir einen tollen (i.S. von gutbezahlten, angesehen) Beruf erwartest. Du solltest es wirklich nur machen, wenn dich das Fach interessiert. Das andere ergibt sich. Ich rate dir:
Wenn du irgendwelche Infos zum Studium möchtest, kannst du mich jederzeit per mail kontaktieren. Falls du in Wien studieren möchtest, kann ich dir natürlich mehr Infos geben.
Marie