Geschichtsvergleiche

Hallo Historiker,

nachdem ich immer wieder über die Aussage stolpere, man dürfe Vergleiche in der Geschichte nicht ziehen (ihr wisst schon, bei welchen Themen), habe ich schlicht folgende Frage:

Ist das eine irgendwie:smile: offizielle, begründete Lehrmeinung in den (vielleicht auch deutschen) Geschichtswissenschaften (was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann) oder ist es ein Totschlagsargument, mit dem bestimmte Argumentationsketten a priori ausgehebelt werden sollen?

Ich möchte jetzt bitte keine Diskussion über bestimmte Vergleiche auslösen, mir ist auch klar, dass vereinfachende Vergleiche sicher deplaziert und für Betroffene beleidigend sind/sein können und häufig für bestimmte Ziele eingesetzt werden. Sollte sich also jemand aufgerufen fühlen, revisionistische Argumente zu bringen, werde ich die MODs bitten, das Posting zu killen…

Grüße
Jürgen

Hallo Jürgen

In diesem Forum sind fundierte Diskussionen möglich:

http://www.historiker.de

Gruss
Mäni

Hallo Mäni,

danke für den Link, aber als schüchterner Techniker käme ich mir da vermutlich ein bisschen wie ein schüchterner Historiker beim VDI-chat vor, wenn Du verstehst, was ich meine:smile:

Grüße
Jürgen

Hai, Jürgen,

OK - ich bin kein Historiker, aber vielleicht kann ich Dir trotzdem auf die Sprünge helfen…*schubs - hüpf - schubs - hüpf :wink:*

Ist das eine irgendwie:smile: offizielle, begründete Lehrmeinung
in den (vielleicht auch deutschen) Geschichtswissenschaften
(was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann) oder ist es ein
Totschlagsargument, mit dem bestimmte Argumentationsketten a
priori ausgehebelt werden sollen?

'ne begründete Lehrmeinung ist es nicht - historische Vergleiche sind so üblich, daß einige sogar in den alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen sind (siehe „Gang nach Canossa“)
Nur ist das dritte Reich eben ein besonders sensibles Thema - insbesondere begeben sich Deutsche mit Vergleichen zu der Zeit leicht auf’s Glatteis - schließlich sind ja alle Deutschen potentielle Nazis. Mir fällt in dem Zusammenhang immer Jenninger mit seinem „Faszinosum“ ein - der mußte seinen Hut nehmen, obwohl er doch recht hatte und er damit nicht behauptet hat, daß der Nationalsozialismus etwas „gutes“ gewesen wäre.
Und bei negativ-Vergleichen kann man das Argument so schön leicht aushebeln, indem man sich lauthals über den Vergleich mit Hitler aufregt und dabei ganz unauffällig das eigentlich gemeinte (z.B. innenpolitische Schwierigkeiten auf einen externen „Feind“ umleiten) unter dem Tisch verschwinden lassen kann.
Insofern sollte man in politischen Diskussionen Vergleiche mit dem dritten Reich vermeiden - nicht weil man falsch liegen könnte oder jemanden beleidigen, sondern weil man damit, rein dialektisch, eine offene Flanke präsentiert…

Gruß
Sibylle

Hai, Jürgen,

Wo?:smile:

'ne begründete Lehrmeinung ist es nicht - historische
Vergleiche sind so üblich, daß einige sogar in den
alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen sind (siehe „Gang nach
Canossa“)

Danke für die Antwort!

Mir ist das Deutsche Sonderproblem durchaus bewußt (deswegen ja auch meine „vorsichtige“ Fragestellung). Nichts desto trotz wird ja häufig der Satz verwendet, dass geschichtliche Vorgänge sich eines Vergleiches entziehen würden, da sie singulär seien (was ich nicht teile).

Für mich stellt sich hier die Frage, ob dies eine pseudowissenschaftliche Totschlagsaussage ist oder ggf. eine wissenschaftliche Selbstbeschränkung, die tatsächlich von den Geschichtswissenschaften (ggf. von einzelnen Strömungen darin) begründet(!) vertreten wird…

Grüße
Jürgen

Hallo Jürgen,

mitnichten darf in der Geschichtswissenschaft nicht „verglichen“ werden. Das wird eigentlich sogar ziemlich oft gemacht:smile:). Auch was den NS angeht. Wenn es sich um eine ergebnisoffene Fragestellung handelt wie z.B. Aufstieg Hitler/Mussolini o.ä. wirst du nicht nur hierzu ne Menge Aufsätze und Untersuchungen finden. Es werden unter bestimmten (zumindest für Historiker:smile:) interessante Fragestellungen Unterschiede und Gemeinsamkeiten untersucht und überlegt, wieso bestimmte Dinge sich unterscheiden. Leider wird außerhalb der Wissenschaft „Vergleich“ fast immer synonym gesetzt mit „Gleichsetzung“. Und das ist selten ergebnisoffen, noch differenziert (richtig „gleichsetzen“ kannst du Entwicklungen, die auf den ersten Blick sehr viel gemeinsames haben, eigentlich nie wirklich.)

beste Grüße,

Barbara

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