Hallo!
Ich benutze in einem Text das Wort „Ahndung“ für eine mysteriöse strafende Macht. Nun heißt es ja eigentlich „die Ahndung“ und dazu möchte ich wissen, wenn der Begriff immer ohne Artikel gebraucht wird, ist es dann korrekt zu sagen: „Ahndung muss seine Aktionen rechtfertigen“? Das Wort ist ja mutiert zum Begriff für eine geschlechtslose Institution oder Gewalt.
Sorry, wenn das etwas verworren klingt - ich grüble schon den ganzen Tag über Neologismen und jetzt ist ein bissl die Luft raus …
Hallo Eva
Wenn in Deinem Text „Ahndung“ als Eigennahme einer Höheren Macht oder einer Gesichtslosen Institution verwendet wird, kann er selbstverständlich auch männlich sein.
Wenn ein Wort seine Bedeutung wechselt kann sich natürlich auch das Geschlecht ändern.
Hallo Eva, eine Tat ahnden heißt mit Sühne belegen. Ahndung ohne Artikel meint diese allgemein. zB „Ahndung muss verhältnismäßig sein“. Ob sie personifiziert gesehen wird, weiß ich nicht, eher nicht. Ist aber immer fem. Gruß, eck.
Beispiel: hoffnungslose Liebe muss seine
ihre Aktionen rechtfertigen! Das gilt auch für Gewalt,
Zuneigung undundund…
Hallo, Jenny!
In dem Zusammenhang ja. Aber „Liebe“ im übertragenen Sinn, als Bezeichnung einer Institution oder Firma - ist das nicht etwas anderes? „Ahndung“ in meinem Fall ist eine Art Geheimdienst.
Ahndung ohne Artikel meint diese allgemein. zB „Ahndung muss
verhältnismäßig sein“.
Hallo!
Eben nicht. „Ahndung“ ist in meinem Fall eine Art Geheimdienst, aber so mysteriös, dass die uneingeweihte Bevölkerung diese nur schemenhaft erkennbar, sich scheinbar aus dem Nichts manifestierenden Akteure als mysteriöse Macht empfinden, auch wenn sie wissen, es ist eine Art Institution.
Gruß,
Eva
Hallo, Eckart!
Der Sprachgebrauch im Roman wäre etwa: „Wir übergeben Ahndung den Fall.“ „Ahndung wird das übernehmen.“ Es ist nicht wirklich „die“ Ahndung. Aber vielleicht habt ihr alle recht - nur Chrischi scheint sich meinem Gefühl anschließen zu wollen - und ich bin einfach betriebsblind …
ich hab krampfhaft nach Beispielen gesucht. „Mossad“, „Securitate“, „CIA“ sind alles Wörter, die nicht deutsch sind, und nur der Mossad ist „der“ wie „der Geheimdienst“ - die anderen „die“ wie „die Sicherheit“ oder „die Agentur“. Wiederum hieß der Geheimdienst der DDR „die Staatssicherheit“ obwohl es eigentlich „das Ministerium für Staatssicherheit“ war und als solches „der Geheimdienst“ der DDR.
Das Schnellrestaurant bei mir um die Ecke heißt auch kurz „der Wienerwald“, obwohl es (sic!!) ja ein Restaurant ist.
Hallo, das ganze ist doch Deine Schöpfung, darum trägst Du auch Verantwortung für das Geschlecht. Wirf eine Münze und verteidige Deine Entscheidung entschlossen. Gruß, eck.
wenn der Begriff immer ohne Artikel gebraucht wird, ist es dann
korrekt zu sagen: „Ahndung muss seine Aktionen rechtfertigen“?
Yep. Es ist möglich, einen Begriff als artikellosen Eigen-, genauer: Firmennamen zu gebrauchen. Ein solcher wird dann als Neutrum verstanden, wie auch artikellose geografische Bezeichnungen. Man betrachte folgende Beispiele:
Spanien macht seine Küsten noch attraktiver für Touristen.
Hamburg feiert jedes Jahr den ›Geburtstag‹ seines Hafens.
Microsoft veröffentlicht ein Update für eines seiner Betriebssysteme.
Dass es sich hier wirklich um Neutra (und nicht etwa um Maskulina) handelt, kann man erkennen, wenn man ein attributives Adjektiv hinzufügt und dadurch einen sogenannten sekundären Artikelgebrauch erforderlich macht: ›Das schöne Hamburg …‹, was bei Firmennamen (›das erfolgreiche Microsoft‹) unüblich ist. Dabei ist das Genus des Wortes, das dem Firmennamen zugrunde liegt, irrelevant. Dass die meisten, die dir hier geantwortet haben, davon nicht abstrahieren können oder wollen, zeigt allerdings: Über Sprachgrenzen hinweg werden solche Inkongruenzen meist akzeptiert (vgl. ›Zusammen mit seinen Partnern führt terre des hommes Aufklärungskampagnen durch […].‹ – trotz dt. ›die Hilfsorganisation‹ und frz. ›la terre‹), auch noch weitgehend bei umfunktionierten Personennamen (›BRITA hat für seine innovativen Produkte mehrere internationale Designpreise gewonnen.‹ – obwohl ›Brit(t)a‹ ein Mädchenvorname ist), bei Substantiven aus der eigenen Muttersprache fällt das hingegen offensichtlich schwer.
Wenn du dich also dafür entscheidest, ›Ahndung‹ als Namen der Organisation und als Neutrum zu verwenden, solltest du dir bewusst sein, zwar keinen Fehler zu machen, aber das Empfinden vieler Muttersprachler zu irritieren. Das dürfte Literatur dürfen.
Der Sprachgebrauch im Roman wäre etwa: „Wir übergeben Ahndung
den Fall.“ „Ahndung wird das übernehmen.“ Es ist nicht
wirklich „die“ Ahndung.
Ach so, Eva,
dann natürlich ist im Lichte dieser Beispiele eine Institution angesprochen, deren Titel „Ahndung“ heißt. Insofern schließe ich mich durchaus Chrischi und Christopher an, dass in diesem Falle „Ahndung“ als Neutrum zu behandeln ist.
grübel grübel
Hallo!
Eure Beitrage waren riesig interessant - ich danke euch allen herzlich! Ach, wie ich mir wünsche, ich hätte früher im Deutschunterricht besser aufgepasst, dann müsste ich heute nicht so oft Fragen stellen und schon bei der Formulierung meine bodenlose Unwissenheit offenbaren
Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich’s mache. Wie meistens, ergibt sich die Lösung beim Schreiben. Je öfter man mit dem Wort umgeht, desto natürlicher wird es und offenbart einem, wie es behandelt sein will. Und vielleicht muss ich mir noch einen ganz anderen Begriff aus dem Hirn melken, denn die ideale Umsetzung des englischen Originals ist es nicht, seufz!
Nochmals Danke (besonders weil ich erkennen durfte, dass ich nicht völligen Schwachsinn gefragt habe, was andernorts angedeutet wurde und einen schönen Sonntag!
Gruß,
Eva