Geschlechteridentität

Aus einem Artikel in der Süddeutschen (http://www.sueddeutsche.de/leben/generation-porno-en…)

„Die Pop-Kultur als Einfallstor der Pornographie, also verdinglichter Sexualität und überwunden geglaubter Geschlechteridentität?“

Das hört sich für mich so an,als ob Geschlechteridentität etwas Schlimmes wäre. Wikipedia beschreibt es (allerdings unter"Geschlechtsidentität)als eine Art Geschlechtbewusstsein. Und das kann ja nichts Negatives ein, das man überwinden müsste, oder?

Nebenbei bemerkt, weil ich hier nicht zu viele Fragen auf einmal stellen möchte. So viele Schwierigkeiten wie bei diesem Artikel hatte ich schon lange nicht mehr: Unter anderem verstehe ich den Begriff " verflüssigt" (Lady Gaga, die in ihren Rollenauftritten bewusst Rollenzuschreibungen thematisiert,spielerisch verflüssigt und damit außer Kraft setzt, …" hier nicht

„Die Pop-Kultur als Einfallstor der Pornographie, also verdinglichter Sexualität und überwunden geglaubter Geschlechteridentität?“

Geschlechteridentität ist ERSTMAL nichts schlimmes, noch nicht einmal etwas besonderes. Jeder Mensch macht eine solche Phase in der Pupertät durch. Hierbei lernt er sich und seinen Körper kennen- und natürlich auch sein Geschlecht. In der Pupertät setzt sich jeder Jugendliche mit dem THema Sexualität auseinander und lernt mit diesem Thema umzugehen. Das Augenmerk sollte hier aber auf ,überwunden geglaubter" liegen, ich habe den Artikel nicht gelesen, aber es steht immer mal wieder zur debatte, wie jugendliche in ihrer Sexualität beeinflusst werden; und auch hier stehen die Medien groß im Kurs. Durch die starke Konfrontation mit der Sexualität und dem anderen Geschlecht als Sexualsymbol werden die irritierten Jugendlichen leicht beeinfluss und es wird ihnen ein falsches Bild suggeriert (z.B. das Stereotyp Frau als immer-williges „Objekt“ der Lust). Dadurch und durch viele andere Faktoren wird der oder die Jugendliche in eine Rolle gepresst mit einer klar definierten Geschlechtsidentität und sie selbst kommen nicht dazu, ihren individuellen Weg zu finden und sich wirklich mit dem Thema auseinander zu setzten

Hi,

Geschlechteridentität kann ja verschieden aussehen. Frauen als Sexobjekt / Hausfrau / Karrierefrau / Mutter / …, Männer als Macho / Metrosexuelle / Muttersöhnchen / Familienvater / …

Wenn eine davon unmodern geworden und durch eine andere ersetzt wird (Frauen sind nicht mehr Sexobjekt sondern selbstbestimmt, mit eigener Karriere), und dann taucht das alte Bild plötzlich wieder auf und wird als modern hingestellt (was bitte ist denn LAdy Gaga außer einem Sexobjekt?), dann spricht man vom Wiederauftauchen „verschwunden geglaubter Geschlechterindentität.“ Die Art von Identität, von der man glaubte, sie sei weg und durch eine neue ersetzt, erscheint wieder.

Wenn jemand vom „Wiederauftauchen verschwunden geglaubter Automodelle“ spricht, dann bedeutet das ja auch nicht, dass eigentlich kein Mensch mehr Auto fährt…

Lady Gaga, die in ihren Rollenauftritten bewusst :Rollenzuschreibungen thematisiert,spielerisch verflüssigt und damit :außer Kraft setzt,

Sie verflüssigt die Grenzen zwischen Rollen, dadurch verlaufen die Rollen (= gehen ineinander über, vermischen sich) und verschwinden. Statt mehreren nur noch eine (ganz neue Interpretation von e pluribus unum)… oder ganz viele, unbeschreibbare, unbeschreibbar ob ihrer Vielfalt.

die Franzi

oT: Lady Gaga
Hi Franzi

(was bitte ist denn LAdy Gaga außer einem Sexobjekt?)

Wenn ich an Sexobjekt und Sängerin denke, fällen mir Britney Spears, Christina Aguilera und die Pussycat Dolls ein (für die etwas Älteren noch Madonna), aber ganz bestimmt nicht Lady Gaga.

Diese Frau versucht (zumindest in ihren Videos, nicht unbedingt bei ihren Auftritten) mit seltsam unvorteilhaften Kostümierungen (http://www.jam.fm/wp-content/uploads/2009/10/Lady_Ga…, http://www.jam.fm/wp-content/uploads/2009/10/Lady_Ga…, http://www.contactmusic.com/pics/mb/the_dome_carpet_…, http://www.antenne.at/uploads/pics/ladygagapokerface…), das herkömmliche Schönheits- und Sexappeal-Bild, bestehend aus einem geschminkten Gesicht mit überzeichneten Wimpern, hautenger Kleidung und hochhackigen Schuhen, dermaßen zu pervertieren, dass man zumindest die gängigen Erwartungen an das äußere einer sexy Frau überdenken muss, um Lady Gaga als solche einzustufen. (War das jetzt irgendwie verständlich?)

Ob sie das absichtlich oder unabsichtlich (also mit der Intention, die überwunden geglaubten Geschlechterrollen auch tatsächlich infrage zu stellen, oder nur, weil sie ihren persönlich-durchgeknallten Stil sehr schätzt) tut, weiß ich nicht. Für letzteres spricht, dass sie sich den Künstlernamen „Lady Gaga“ gewählt hat, der schon hinreichend verrückt ist, und das dieser auf Queens „Radio Gaga“ zurückgeht (wenn man das weiterdenkt, könnte man auf die Idee kommen, sie versuche, Freddie Mercurys deo- und Bühnenkleidung an Ausgefallenheit noch zu übertreffen). Für ersteres spricht, dass sie lange Zeit das Gerücht, sie sei ein Hermaphrodit, nicht dementierte (ich weiß ja nicht, für welche Zielgruppe Hermaphroditen als Sexobjekte gelten; ich weiß lediglich, dass es auch immer mehr erotische Mangas und Animes gibt, in denen Zwitter die Hauptrolle spielen).

Liebe Grüße
Immo

hoffend, mich trotz der mir unvermeidlichen Satzgefüge einigermaßen verständlich ausgedrückt zu haben.