Hallo,
Ich bin seit einigen Monaten in Therapie und jetzt soll bereits ein Urteil über meine „Psychose“ gefällt werden. Aber ich habe viele Dinge meiner Psychologin verschwiegen, die meiner Ansicht nach auch die schwerwiegensten sind.
Der Grund: Ich lebe für die Bühne und nur für die Bühne und ich habe Angst, dass man mich nicht mehr ans Theater lässt, falls es etwas schwerwiegendes ist und man mich einweisen müsste - was ich nicht auszuschließen wage.
Ich habe auch schon erwogen, mich selbst einzuweisen, aber meine Mutter ist strikt dagegen und ich habe Angst davor, dass ich ein Schuljahr danach wiederholen müsste oder das ich gar nicht mehr rauskomme.
Nun meine Frage: Unter welchen Umständen kommt man in die geschlossene Anstalt? Und welche geistigen Probleme muss man aufweisen, um dort hinzukommen?
Hallo!
Ich lebe für die Bühne und nur für die Bühne und ich habe Angst, dass man mich nicht mehr ans Theater lässt, falls es etwas schwerwiegendes ist und man mich einweisen müsste - was ich nicht auszuschließen wage.
Ich kann dich vielleicht in genau dieser Sache beruhigen. Das Theater - als Arbeitgeber - hat KEIN Recht zu erfahren wo und ob Du wegen was in Behandlung warst. Die Klinik darf keine Auskunft geben, dito für die Krankenkasse.
Unter welchen Umständen kommt man in die geschlossene Anstalt?
Freiwillige Selbsteinweisung ist wohl der häufigste Grund, dann kann es ein vom Gericht im Rahmen einer Bewährung als Auflage gemacht werden (die man aber auch bewusst nicht erfüllen kann).
Eine Einweisung gegen den Willen des Betroffenen ist grob dann möglich, wenn er sich selbst und/oder andere gefährdet, oder eine Gefährdung wahrscheinlich ist. In diesem Fall entscheidet ein Richter in Absprache mit dem behandelnden Personal über eine zeitweilige Unterbringung.
und ich habe Angst davor, dass ich ein Schuljahr danach wiederholen müsste oder das ich gar nicht mehr rauskomme.
Ich weis nicht, wie alt Du bist, weil Du von Schuljahr redest, an der Uni/FH kannst Du aber Urlaubssemester nehmen, in denen Du keine Leistungen erbringen musst.
Wenn Du noch Schüler im klassichen Sinne bist, spricht erstmal nichts dagegen den Lernstoff mit in die Klinik zu nehmen.
Sehe es so: Was ist deiner Mutter lieber? Wenn Du dich jetzt durch das Schuljahr quälst und dann später wegen Verschlimmerung der Psychose nahezu Arbeitsunfähig bist (Worst-Case, aber möglich), oder wenn Du jetzt ein Jahr wiederholst (was auch viele „gesunde“ tuen!), dann aber die Krankheit im Griff hast?
Und welche geistigen Probleme muss man aufweisen, um dort hinzukommen?
Solche, die der jeweiligen Klinik gravierend genug erscheinen, einen geschlossenen Aufenthalt zu empfehlen. Es gibt auch teilgeschlossene Abteilungen, in denen man zwar Anfangs keinen Ausgang hat, später heraus aber entweder in Begleitung oder Eigenverantwortlich für eine gewisse Zeit die Abteilung und/oder das Klinikgelände für einen bestimmten Zeitraum verlassen darf.
Das ist von Klinik zu Klinik verschieden. Insbesondere bei frewilligen Aufenthalten sind Ausgangsreglungen aber recht locker. Natürlich darfst Du nicht „raus“, wenn Du als gefährlich eingestuft wurdest.
Wichtig!
Es kann sein, dass Du garnicht in die Klinik musst. Wahrscheinlicher ist es, dass man dich in einem einwöchigen Aufenthalt auf ein Antipsychotisches Medikament einstellt, das Du dann eigenverantwortlich weiter nimmst. Oder dir eine ambulante Therapie anbietet, im Rahmen derer Du ein/zwei Mal pro Woche die Klinik für Gespräch und Beratung aufsuchst, ansonsten aber in gewohntem Umfeld bist.
Hi black swan,
Satinav hat Dir Deine Frage schon umfassend beantwortet. Ich möchte nur dazu:
ich habe viele Dinge meiner Psychologin verschwiegen, die
meiner Ansicht nach auch die schwerwiegensten sind.
etwas sagen.
Wozu gehst Du überhaupt zu einer Psychologin, wenn Du entscheidende „schwerwiegendste“ Dinge weglässt? Ist Dir der Zustand der Psychose so vertraut, so eigen, dass Du ihn gar nicht ablegen möchtest? Im „vertrauten Elend“ (wie ich es nenne) verharren, da Dir geistig/seelische Gesundheit evtl. bedrohlich erscheint?
In einer Therapie Dinge aus welchen Gründen auch immer verheimlichen macht die Therapie völlig sinnlos.
Gruß,
Anja
Hi Frau Vogel,
ich möchte gerne etwas zu Deiner Frage sagen:
Wozu gehst Du überhaupt zu einer Psychologin, wenn Du entscheidende „schwerwiegendste“ Dinge weglässt?
Ich weiß, dass sich das im Vorfeld ziemlich unsinnig anhört und das mag es womöglich auch sein, aber das ist eine ziemliche Zwickmühle für mich. Eigentlich möchte ich diese „schwerwiegenden“ Dinge ja erzählen, aber sobald ich es könnte, bin ich misstrauisch.
Auf der einen Seite möchte ich das alles los werden und brauche jemanden, der mir zuhört und ich weiß, dass ich Hilfe brauche, aber auf der anderen glaube ich nicht, dass sie mir helfen können. Und ich will ich nicht, dass sie mir jemanden nehmen, der mir alles bedeutet.
Zudem habe ich keine Wahl. Ich würde sofort damit aufhören zum Psychologen zu gehen, wenn ich könnte, aber wegen meiner Mutter kann ich das nicht. Und sosehr mir auch bewusst ist, dass es womöglich etwas ernstes ist, ich kann es nicht sagen. Als wäre da eine Stimme, ein tiefer Instinkt, der einem befiehlt, zu schweigen.
Entschuldige, dass ich eine so ausschweifende Antwort gebe, aber weiß nicht, wie ich das erklären soll.
Danke,
black swan