Geschwister

Hallo Wissende,

was kann es bedeuten (ich weiß - Glaskugel und so), wenn ein z.B. 9-jähriges Kind sein zwei Jahre jüngeres Geschwisterkind niemals beim Namen nennt, sondern in der dritten Person stets und grundsatzhaft von „mein Bruder“ bzw. „meine Schwester“ spricht, und in der direkten Ansprache auf den Namen ebenfalls verzichtet?

Lediglich wird dann und wann der verliehene Akademische Grad des jüngeren Kindes verwendet (in dem Fall: Ziege)

Hat dann das ältere Kind ein ambivalentes Verhältnis zu seinem Geschwisterchen?

Sind für eine einigermaßen umfassende Beantwortung nähere Erläuterungen zum Umfeld und der Entwicklung notwendig?

Danke und schöne Grüße

To.i

Geschwister in diesem Abstand bis 4 Jahre ist sehr oft die Hölle für das ältere Kind. DAs habe ich an mir gesehen (Abstand zu meinem Bruder ,5), an den Kindern meines Bruders (Abstand 2,5) Das sehe ich täglich überall. Aber auch das jüngere leidet oft, vor allem durch körperliche Gewaltt durch den Älteren.
Es ist also nichts dramatisches und ganz üblich!!
Denn:
der Verlust der Mutter, wenn das neue Kind auf die Welt kommt ist riesig. Ein riesiger Schmerz, der sehr oft mit dem Geschwisterkind verbunden bleibt, oft bis ins hohe Alter. Man/frau schaue sich nur all die Erbschaftsstreitigkeiten an!!
Was tun?
Hab verständis für beide, das ist das größte Geschenk was du für beide machen kannst. Das kommt an, auch wenn es mehrer Jahre benötigt.

Hallo,

ich könnte mir vorstellen, dass das Kind einfach das Sprachvorbild seiner Eltern übernommen hat, die möglicherweise häufiger von „deine Schwester“ sprechen als von „Inge“. Das müsstest du aber leicht überprüfen können, wenn du die Familie kennst.

Kinder nennen andere Menschen in aller Regel so, wir ihre Eltern ihnen das vormachen. Spricht die Mutter zu ihrem Kind von ihrer Schwester als „Tante Silvia“ oder einfach nur „die Tante“, wird das Kind diese Anrede ebenso übernehmen, wie im anderen Fall die Anrede „Silvia“.

Gegenüber Dritten ist es ohnehin einfacher, „meine Schwester“ zu sagen, weil damit weitere Erklärungen zu der Beziehungsebene überflüssig sind. Spricht das Kind hingegen von „Inge“ wird es öfter erklären müssen, wer diese Inge eigentlich ist.

Ein „Beziehungsproblem“ würde ich daraus nicht unbedingt ableiten. Das Verleihen weiterer Kosenamen halte ich in diesem Alter ebenfalls für völlig normal.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo,

also meine Glaskugel ist noch in Reparatur. Kam di ganze Zeit nur Werbung!:wink:

und in der direkten Ansprache auf den Namen ebenfalls
verzichtet?

Den Namen nicht zu benutzen schafft Distance. Diese wird benötigt, um die Nähe nicht zulassen zu müssen.
Das Geschwisterkind mit Namen anzusprechen würde eher in Verbundenheit geschehen.
Achte mal auf DEINE Wortwahl, wenn Du mit Deiner Frau redest. Da fallen Worte von Liebste bis Alte, jenachdem welche Situation es gibt.

Lediglich wird dann und wann der verliehene Akademische Grad
des jüngeren Kindes verwendet (in dem Fall: Ziege)

Sicher nur in Situationen, in der die „Ziege“ als Gewinner hervor geht.

Hat dann das ältere Kind ein ambivalentes Verhältnis zu seinem
Geschwisterchen?

Dies wäre nur beurteilbar, wenn die Situation im gemeinsamen Umgang ersichtlich wären.
Denn „Schwester, gibst du mir mal dein Spielzeug“ klingt auch doof und es wird sicher so nicht passieren!

Sind für eine einigermaßen umfassende Beantwortung nähere
Erläuterungen zum Umfeld und der Entwicklung notwendig?

Z.Z. sehe ich es eher als Mischung des Beitrages von tilo99 und Jule´s Beitrag.

Vielleicht könntet Ihr auch erstmal Jules Variante versuchen und sagen: „…hol mal little-Tokei-ihto*…“ und nicht „…hol mal deine Schwester…“.
Müsste relativ zeitnah ne Veränderung in der Ansprache des Sohnes, gegenüber seiner Schwester ergeben.
Wenn nicht, dann wäre ggf. mal zu überprüfen, welches Kind bevorzug wird und warum.
Allerdings wird dann andere Hilfe, als dieses Forum benötigt.
Denn das Kind ist ein Spiegelbild seiner Eltern und erst wenn die Eltern sich ändern, ändert sich was!!!

VG René
*)Namen wurden von der Redaktion geändert

Wenn das 9jährige Kind in der Schule nicht irgenwie auffällig ist, das alles einfach vergessen!!
Meine Kinder sind 4 1/2 Jahre auseinander. Das ältere Kind nannte das jüngere Geschwisterkind seeehr häufig und viele Jahre auch nicht beim Namen.
Sie nannte ihn ständig anders:
„Face“ „Poperlick“ „Huaaa“ „Pupuf“ „Sir-Fleisch“ lol!!
Übrigens, noch heute nennt sie ihren Bruder ab und zu „Face“

Antwort für alle!
Hallo, an alle!

Wenn das 9jährige Kind in der Schule nicht irgenwie auffällig
ist, das alles einfach vergessen!!

Ja, das würde ich auch. Weder mein Seelenfrieden noch die freiheitlich-demokratische Grundordnung dieses Landes ist gestört.

Meine Kinder sind 4 1/2 Jahre auseinander. Das ältere Kind
nannte das jüngere Geschwisterkind seeehr häufig und viele
Jahre auch nicht beim Namen.

Das ist ja interessant.

Es ist, ohne dass ich an dieser Stelle und in diesem Umfang auf Details eingehen kann oder möchte, hingegen richtig, dass das ältere Kind eine besondere Pamperung erfahren hat und nicht etwa das Jüngere.

Sie nannte ihn ständig anders:
„Face“ „Poperlick“ „Huaaa“ „Pupuf“ „Sir-Fleisch“ lol!!
Übrigens, noch heute nennt sie ihren Bruder ab und zu „Face“

Das sind mal schöne und ausgefallene Kosenamen. Meine Schwester nannte mich nur Arsch oder Blödmann :smile:

Grüße,

To.i

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Hallo Jule,

ich könnte mir vorstellen, dass das Kind einfach das
Sprachvorbild seiner Eltern übernommen hat, die möglicherweise
häufiger von „deine Schwester“ sprechen als von „Inge“. Das
müsstest du aber leicht überprüfen können, wenn du die Familie
kennst.

Eher trifft das nicht zu. Der Kindsvater spielt in der Welt der Kinder keine einflussreiche Rolle, und mütterlicherseits werden stets die Rufnamen verwendet.

Gegenüber Dritten ist es ohnehin einfacher, „meine Schwester“
zu sagen, weil damit weitere Erklärungen zu der
Beziehungsebene überflüssig sind. Spricht das Kind hingegen
von „Inge“ wird es öfter erklären müssen, wer diese Inge
eigentlich ist.

Ja, aber in der Konstellation, wo Dritte (Nachbarn, Verwandte, ich) wissen, dass es sich um Bruder und Schwester handelt, erscheint es mir grotesk.

Ein „Beziehungsproblem“ würde ich daraus nicht unbedingt
ableiten. Das Verleihen weiterer Kosenamen halte ich in diesem
Alter ebenfalls für völlig normal.

Ja, das ist richtig. Ich sehe darin auch keine höchstpsychologisch behandlungswürdige Verhaltensstörung. Es hat mich nur einmal interessiert. :smile:

Schöne Grüße,
Jule

Auch für dich

To.i

hallo Tokei,

tilos Antwort kommt m.E. dem Problem am nächsten.
Das älteste Kind ist nun mal der „Erbprinz“ (oder -prinzessin). Alles ist entzückt: ein richtiges Kind, und unsers! Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf es - was an Zuwendung in der jeweiligen Familie möglich und verfügbar ist, kommt der Hoheit zugute! Schon sowieso die der Mutter, und ungeteilt.
Bleibt es Einzelkind, wird es irgendwann neugierig auf die anderen Kinder im Umfeld. Kommen Geschwister, stören sie nur: Geschwister greifen auf die ureigensten Lustquellen zu! Maßen sich ureigen geglaubte Rechte an! Sie stören eine Welt, die in den Augen der Prinzen bisher in Ordnung war und auch so bleiben sollte. Vorschläge zur Entsorgung des überflüssigen 2. Kindes auf Mülldeponien usw. gehören in dieses Konzept. Eine gewisse Hoffnung verspricht auch die Strategie, „das Neue“ mehr oder weniger zu ignorieren - auch wenn sie sich als fruchtlos erweist. Schließlich beansprucht es aufgrund größerer Hilflosigkeit jetzt einen größeren Teil der Zeit der Mutter, als dem Älteren oft verfügbar bleibt. Das ist schlechterdings wenig verständlich fürs erste Kind.
Und nicht nur, daß „das Neue“ ein Eindringling und Störer ist, es ist auch zu nichts imstande! (das ältere Kind kann schon laufen! sprechen! vielleicht gar sich anziehen! und ist sehr dafür gelobt worden!).

Eine der möglichen Strategien im Umgang mit diesem Problem der Geschwister-Rivaliät (die später vom Zweiten beantwortet werden wird, wenn auch gezügelt durch die meist lange anhaltende heimliche oder offene Bewunderung des Älteren durch den Zweiten) wäre, das Ältere für das zu loben, was es schon kann (im Gegensatz zum Zweiten) und ihm (in Maßen) Verantwortung zu übertragen, „weil schon so vernünftig“. So erkennt das ältere Kind, daß trotz Verlusten doch einige Vorteile bei ihm verbleiben.

Es ist erstauinlich, wie lange ignoriert wurde, welche wesentliche Rolle Geschwister in unserer Ich-Werdung einnehmen. Lange Zeit gab es das Thema eher in der Literatur als in der Psychologie. Eine kurze, aber recht prägnante und gut verständliche Skizze der Entwicklung von Beziehungen und Charakteren in der Geschwister-Reihe findet sich bei dem (amerikanischen) Psychologen Karl König, mir fällt der Titel nicht ein, aber etwas mit „Geschwister“. Heutzutage gibt es allerdings inzwischen Din-a-4-Seiten lange Literaturlisten zum Thema. Der SPIEGEL veröffentlichte mal eine sehr erhellende Studie zur Rolle der jeweils Ältesten (S. Freud … Robespierre …) und der nachfolgenden Geschwister (C.Darwin …)in der Geschichte.

Friede den Hütten wie den Palästen … S.I.