Gesetzliche Kasse?

Hallo Leute,

ich war mein Leben lang über meine Eltern privatversichert und werde demnächst sozialversicherungspflichte Tätigkeit aufnehmen, so daß ich mich selbst versichern muß. Hier kommt für mich nur die gesetzliche Kasse in Frage.

Was ich gern wüßte: Muß jede Kasse jeden Patienten aufnehmen? Und wonach kann man sich seine Kasse aussuchen, wenn man nicht nur auf ein paar wenige Einzelberichte vertrauen will? Hat jemand Erfahrung mit einer Direktkrankenkasse?

Danke für die Antworten von einem wirklich Unwissenden!

Chris

Hi Chris,

Was ich gern wüßte: Muß jede Kasse jeden Patienten aufnehmen?

Nein. Es gibt Krankenkassen mit beschränktem Kundenkreis (z.B. etliche Betriebskrankenkassen - BKK).

Und wonach kann man sich seine Kasse aussuchen, wenn man nicht
nur auf ein paar wenige Einzelberichte vertrauen will? Hat
jemand Erfahrung mit einer Direktkrankenkasse?

Eine „Direktkrankenkasse“ kenne ich nicht. Aber viele BKK sind auch für Kunden außerhalb des Betriebs offen. BKK haben oft die günstigeren Beiträge (die ohne den Risikostrukturausgleich noch viel niedriger wären). Diese treten dann oft als „Direktversicherung“ auf - schlicht, weil sie nur einen Standort am Firmensitz haben.
Meine Frau war lange Zeit bei diversen BKK (nicht am Wohnort) versichert und hat nun davon Abstand genommen. Grund war der wirklich miserable Service - es ist halt ein entscheidender Nachteil, wenn ich dem Sachbearbeiter im Notfall nicht persönlich auf die Pelle rücken kann. Sie ist mittlerweile bei der BKK meiner Firma versichert (ich mein gesamtes Berufsleben) und wir haben noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Zudem haben wir den Vorteil der kurzen Wege, da ich ja eh täglich in der Firma bin.
Ich persönlich würde ein paar zehntel Prozentpunkte (mehr Beitrag) in Kauf nehmen wenn ich in der Nähe eine Niederlassung habe.
Die Leistungsunterschiede sind in der GKV eher marginal - aber auch hier gilt: die BKK bieten (so weit zulässig) meist die besseren Leistungen an.
Wenn Dein zukünftiger AG eine BKK hat, wäre die die erste Wahl für mich.

Danke für die Antworten von einem wirklich Unwissenden!

Gern geschehen…persönliche Erfahrungen gebe ich gerne weiter.

Gruß Stefan

Hi,

ich war mein Leben lang über meine Eltern privatversichert und
werde demnächst sozialversicherungspflichte Tätigkeit
aufnehmen,

…das ist der entscheidende Satz. :smile:

Da man nicht ohne weiteres zwischen einer gesetzlichen und einer privaten Versicherung hin- und her springen kann ist die Aufnahme in die gesetzliche Krankenkasse bei Dir mit der Aufnahme einer Arbeit gekoppelt. Nur in dem Fall kommst Du aus der privaten in die gesetzliche Versicherung.

Nun hängt es aber auch ein wenig davon ab welche Arbeit Du hast bzw. wie das in dem jeweiligen Betrieb geregelt ist. Gibt es in dem Betrieb eine Betriebskrankenkasse oder sind alle Mitarbeiter bei demselben Unternehmen versichert wird man „es gerne sehen“ wenn Du ebenfalls bei dieser Versicherung einsteigst.

Andernfalls kannst Du im Grunde frei zwischen allen gesetzlichen Krankenkassen wählen, wobei der Beitrag immer einen gewissen Prozentsatz vom Einkommen beträgt, egal wie hoch der Verdienst ist. Dieser Prozentsatz kann je nach Versicherung variieren und da die Leistungen aber fast gleich sind kann man hier mehr oder weniger bedenkenlos die Versicherung mit den geringsten Kosten wählen.

Ganz wichtig: Trittst Du komplett aus der privaten Versicherung aus, ist dieselbe für Dich erstmal nicht mehr erreichbar - es sei denn Du verdienst sehr viel Geld und kommst über die Bemessungsgrenze für die private Versicherung, was aber heutzutage ein ziemlich hohes Einkommen erfordert.
Außerdem steigen die Beiträge der privaten Versicherung um so höher, je älter Du dort wieder neu einsteigst.
Aus diesem Grund könnte es sehr sinnvoll sein - mußt Du eben mal überlegen - Deiner bisherigen Privatversicherung nicht völlig den Rücken zu kehren, denn noch biste drin. Es gibt entweder die Möglichkeit einer „Ruhemitgliedschaft“, wenn Du davon ausgehen kannst daß Du später aufgrund guten Verdienstes vielleicht wieder Mitglied der privaten Versicherung werden möchtest. Dann steigst Du nämlich nicht mit viel teurerem, weil älteren Eintrittsalter ein, sondern reaktivierst einfach Deine vorhandene Mitgliedschaft und hast den Status eines Mitglieds, welches schon jahrelang dazu gehört.
Oder, falls abzusehen ist daß Du vermutlich nie mehr genügend verdienen wirst um dich privat zu versichern, kannst Du immerhin noch gewissen Zusatzversicherungen aufrecht erhalten, z. B. ne Chefarztbehandlung oder 2-Bett-Zimmer-Beihilfe.

Bevor Du also einfach aus der privaten Versicherung herausgehst solltest Du diesen Schritt gut überlegen, denn noch biste drin, hast Du erstmal gekündigt gibt es kein einfaches Zurück mehr.

Was ich gern wüßte: Muß jede Kasse jeden Patienten aufnehmen?

Nein, nicht unbedingt. Vielleicht bittet man Dich zunächst zu einer ärztlichen Untersuchung. Man möchte natürlich möglichst gesunde Kunden haben, die Beiträge einzahlen anstatt aufgrund bereits bestehender kostenintensiver Erkrankungen zu einem „Verlustgeschäft“ avancieren und oft Leistungen in Anspruch nehmen.

Und wonach kann man sich seine Kasse aussuchen, wenn man nicht
nur auf ein paar wenige Einzelberichte vertrauen will?

Wie gesagt: ein Kriterium ist ob es eine verbreitete Kasse (vielleicht eine eigenen BKK) in Deinem neuen Betrieb gibt, ein weiteres wichtiges Kriterium ist schlichtweg der Preis, wie teuer die Kasse ist. Ansonsten zählen eben schon die persönlichen Vorlieben oder die Erfahrungen positiver oder negativer Art, die man hier und da lesen oder hören kann.

Hat jemand Erfahrung mit einer Direktkrankenkasse?

Ich nicht…

Danke für die Antworten von einem wirklich Unwissenden!

Kein Thema, dazu gibt es dieses Board ja :smile:

Gruß,

MecFleih

Hallo,

vielen Dank auch für die ausführliche Antwort, an die sich nun einige Fragen anschließen. Genauer gesagt einige Infos, verbunden mit der einen Frage, ob sich dadurch an Deinen Ausführungen noch irgendwas ändert.

Aaaaaaalso, ich kann nicht in der privaten Kasse bleiben, jedenfalls nicht mehr allzu lange, denn ich bin nicht wirklich selbst versichert, sondern über meinen Vater. Derzeit studiere ich noch (Jura), und ich denke, spätestens nach Beendigung dieses Studiums wird die Familienversicherung nicht mehr laufen. Dann muß ich so oder so in eine gesetzliche Kasse.

So, als Student ist man ja nun eigentlich eh gesetzlich versichert, ich habe mich aber von der Versicherungspflicht befreien lassen und kann schon deswegen nicht zurück in die gesetzliche Kasse, die Befreiung ist an diese Bedingung gekoppelt. Derzeit arbeite ich auf 325-Euro-Basis nebenbei, demnächst werde ich dann mehr arbeiten. Ab diesem Moment kann ich in die gesetzliche Kasse. Oder muß ich sogar, keine Ahnung. Es wäre aber so oder so nicht schlecht, da die Kasse, in der ich jetzt bin, bestimmte Dinge nicht zahlt, von der ich weiß, daß die gesetzliche Kasse sie zahlen muß.

Mein Betrieb ist entsprechend auch nur ein Nebenjobarbeitgeber für mich, bei dem ich auch nicht mehr soooooo furchtbar lange arbeiten will. Mit Betriebskankenkasse oder so ist das also nix. Ich will ja bald Rechtsrefendariat machen. Wie es dann mit der Versicherung aussieht, weiß ich eh nicht.

Ich sehe es wohl richtig, daß eine Ruhemitgliedschaft für mich nicht möglich ist. Ich bin ja wie gesagt nicht selbst versichert. Andererseits werde ich später u.U. sowieso in eine private Kasse müssen, nämlich als Beamter oder Richter oder Selbständiger. Das ist völlig offen (wahrscheinlicher ist, daß ich angestellter Anwalt sein werde, zumindest vorerst)

Auch die Aufrechterhaltung von Zusatzversicherungen dürfte für mich wohl nicht so ohne weiteres möglich sein. Oder…?

Was ich nicht verstehe:

„Nein, nicht unbedingt. Vielleicht bittet man Dich zunächst zu einer ärztlichen Untersuchung. Man möchte natürlich möglichst gesunde Kunden haben, die Beiträge einzahlen anstatt aufgrund bereits bestehender kostenintensiver Erkrankungen zu einem „Verlustgeschäft“ avancieren und oft Leistungen in Anspruch nehmen.“

Das heißt, wenn man nur genügend krank ist, nimmt einen vielleicht KEINE Krankenkasse? Alle haben das Recht, den Patienten abzulehnen?

Viele Grüße,
Chris

Guten Morgen :smile:

vielen Dank auch für die ausführliche Antwort,

keine Ursache…

So, als Student ist man ja nun eigentlich eh gesetzlich
versichert, ich habe mich aber von der Versicherungspflicht
befreien lassen und kann schon deswegen nicht zurück in die
gesetzliche Kasse, die Befreiung ist an diese Bedingung
gekoppelt.

Richtig. Einmal freigestellt heißt daß Du nicht in die Gesetzliche kannst solange das Studium läuft und Du nicht nebenher verdienst, wobei Verdienst sich nicht auf die 325 EUR bezieht, sondern auf finanziell „höherwertige“ Jobs (also mehr Einkommen als die 325 EUR).

Derzeit arbeite ich auf 325-Euro-Basis nebenbei,
demnächst werde ich dann mehr arbeiten. Ab diesem Moment kann
ich in die gesetzliche Kasse. Oder muß ich sogar, keine
Ahnung.

Müßtest Du nicht. Theoretisch kannst Du dich auch gar nicht versichern und das finanzielle Risiko einer Erkrankung selber tragen.
So machen es z. B. manche Selbstständige, die über der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Versicherungspflicht verdienen, aber aufgrund horrender Kosten, die sie in der Gesetzlichen und auf Grund ihres Alters oder andere ungünstiger Faktoren in der privaten Versicherung zahlen müßten, lieber gleich gar nicht krankenversichert sind und das Risiko selber übernehmen.
Sie gehen dann davon aus daß monatliche Rücklagen, die sie selber bilden, ausreichen und sie so billiger davonkommen als bei einer Krankenkasse - in der Hoffnung daß sie nicht umfangreich erkranken.
Ob man dieses Risiko eingehen sollte sei dahingestellt, möglich ist es aber.

Es wäre aber so oder so nicht schlecht, da die Kasse,
in der ich jetzt bin, bestimmte Dinge nicht zahlt, von der ich
weiß, daß die gesetzliche Kasse sie zahlen muß.

OK… Andererseits bist Du als privat Versicherter doch der „bessere“ Patient, irgendwie. Manche Leistungen werden dem Privatpatienten geboten, der gesetzlich Versicherte bekommt sie nicht. Hat also Vor- und Nachteile.

Ich sehe es wohl richtig, daß eine Ruhemitgliedschaft für mich
nicht möglich ist. Ich bin ja wie gesagt nicht selbst
versichert. Andererseits werde ich später u.U. sowieso in eine
private Kasse müssen, nämlich als Beamter oder Richter oder
Selbständiger. Das ist völlig offen (wahrscheinlicher ist, daß
ich angestellter Anwalt sein werde, zumindest vorerst)

Doch, dann wäre es sogar sehr sinnvoll nicht völlig aus der privaten Kasse auszutreten. Als Richter oder Anwalt hast Du ja eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit später mal mehr zu verdienen als die Beitragsbemessungsgrenze (das ist die Summe, die Du verdienen mußt um Dich nicht gesetzlich versichern zu MÜSSEN sondern auch privat versichert sein zu dürfen).

Kommst Du also irgendwann auf den Trichter Dich privat versichern zu wollen/müssen/können würdest Du, wenn Du jetzt austrittst, als Neukunde bei der privaten Versicherung vorsprechen - und das ist ungünstig (weil teuer).
Besser ist es wenn Du dich jetzt zwar gesetzlich versicherst, aber die Private nicht komplett kündigst. Wenn Du da als „Schläfer“ drin bleibst kannst Du diese private Versicherung später ggf wieder aktivieren wenn Du der Gesetzlichen den Rücken kehrst. Die Private behandelt Dich dann später nicht wie einen Neukunden, sondern Du bist ja bereits länger zugehörig, auch wenn die Mitgliedschaft geruht hat. In der Ruhezeit fällt nur ein gewisser, aber relativ geringer Kostenbeitrag an.

Auch die Aufrechterhaltung von Zusatzversicherungen dürfte für
mich wohl nicht so ohne weiteres möglich sein. Oder…?

Doch, ist auch möglich. Du kannst damit Leistungen absichern, die Dir die gesetzliche Kasse nicht bietet, die Du aber gerne weiterhin haben möchtest (Beispiel: Chefarztbehandlung, …)

Was ich nicht verstehe:
Das heißt, wenn man nur genügend krank ist, nimmt einen
vielleicht KEINE Krankenkasse? Alle haben das Recht, den
Patienten abzulehnen?

Ja, genau, so sieht’s aus…

Es ist ausserdem auch nicht so daß „die Privaten teuer, die Gesetzlichen billig“ sind. Hat man ein relativ hohes Einkommen kann es sogar in der Tat besser sein sich privat zu versichern weil einem die Gesetzlichen dann mehr abknöpfen würden als eine Privatversicherung.

Letztlich mußt Du Dir jetzt überlegen ob Du der privaten Versicherung den Rücken kehren möchtest, was ich Dir aber nicht raten würde. Denn dann kommst Du später nur teurer wieder rein - und die Wahrscheinlichkeit, daß Du dich später wieder privat versicherst ist bei Dir ja relativ hoch.
Wenn Du also jetzt in die gesetzliche Kasse gehst läßt Du die private Versicherung ruhen und kannst sie später bei Bedarf wieder aktivieren.

Das „Spiel“ läuft also in gewisser Weise auch anders herum: als Student kommst Du aus der Privaten nicht zurück in die Gesetzliche, als Arbeitnehmenr ist es andersherum schwierig (wie gesagt, je nach Einkommen, Eintrittsalter, Gesundheitszustand) zu preiswerten Konditionen inne Private zu gehen. Deswegen: gut überlegen ob Du jetzt die private kündigst oder lieber nicht ganz rausgehst.

Schöne Grüße,

MecFleih

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