Grüßt Euch,
kann mir jemand selbst erklären oder sagen, ob es im Netz eine Kurzfassung zur Erläuterung der Unterschiede zwischen gesprochener und geschriebener Sprache gibt? Neben den Unterschieden/Übereinstimmungen wäre ich auch über Auswertungen darüber interessiert, ob es Menschen gibt, bei denen sich einerseits mündliche und Schriftsprache stark unterscheiden und andererseits nahezu übereinstimmen. Liegt das u.U. in höherer Bildung begründet oder sind es soziologische oder psychologische Aspekte, die da hineinspielen?
Für Eure Antworten herzlichen Dank,
Anja
Hallo Anja,
laienhafte Anmerkungen meinerseits:
Es gibt für mich verschiedene Unterschiedsmöglichkeiten.
z.B.
- gesprochener Dialekt und geschriebene Hochsprache. Das dürfte weitverbreitet und normal sein. Auch ich verwende Dialektausdrücke im Gesprochenen, die ich nie oder nur als ironische Überspitzung in geschriebenen Texten verwenden würde.
- gesprochene einfache Sprache und geschriebene, komplexe Sprache. Auch das ist weitverbreitet. Wenn ich abends einen trinken gehe, werde ich (vor allem im alkoholisierten Zustand) keine promotionsreife Sätze von mir geben… Nebenbei: Ein schriftlicher Text führt bei manchen dazu, Schachtelsätze zu entwickeln, weil man ihn scheinbar beherrscht. Das gleiche mündlich und man wüßte nach spätestens 2 Nebensätzen nicht mehr, wo man steht und wo man hinwill.
Andere Kombinationsmöglichkeiten halte ich eher für unwahrscheinlich bzw. selten… Wobei es sicher Attituden gibt, z.B. grottenschlechten Slang wie „net“ etc. bewußt schriftlich (leider häufig im Internet) einzusetzen, die einen im Grunde im Gespräch nicht von den Lippen kämen. Warum auch immer:wink:
Zum auftreten. Sowohl der erste als auch der zweite Unterschied setzen Perönlichkeitsausprägungen voraus. Beim ersten hilft es nicht, Hannoveraner zu sein, denn der kann einfach keinen Dialekt. Und zum zweiten ist eine Befähigung zur komplexen Sprache Voraussetzung, die nicht jeder von seiner Sprachfähigkeit, Ausbildung etc. vorhält.
Wer eine Sprache nur primitiv beherrscht, wird sich weder mündlich noch schriftlich mit Goethe messen können:wink:
Grüße
Jürgen
Hallo Anja,
vielleicht so: Schriftsprache ist, wie Du Dich schriftlich offiziell ausdrücken würdest (das spricht also eigentlich niemand, weil oftmals schon die Konstruktionen zu komplex sind). Die gesprochene Sprache kann sich je nach Bildungsniveau natürlich sehr stark der Schriftsprache annähern. Das hängt vermutlich mit dem kindlichen Spracherwerb und der Fixierung der Parameter durch das sprachliche Umfeld eines Kindes zusammen (nennt sich dann elaborierter Sprachcode - schön, gell?!). Abgesehen davon verwendet jeder einzelne verschiedene Soziolekte. Du sprichst mit Deiner Oma anders als mit Deinem Freund oder als mit Deinem hund oder als mit Deinem Vorgesetzten oder als mit jemandem, von dem Du einen Gefallen erbittest. D. h. Du setzt andere Wörter ein und veränderst Deine Satzstrukturen, angepasst an Dein Gegenüber.
Grüßle,
Susanne
Ergänzung zum Verständnis
Liebe Susanne,
vielleicht so: Schriftsprache ist, wie Du Dich schriftlich
offiziell ausdrücken würdest
zur Erklärung: ich meinte nicht Amts(schrift)sprache oder Geschäftsbriefe… ich dachte eher an Literatur, Journalismus, persönliche Briefe, Tagebücher etc. …
Aber danke für Deine Ausführungen,
Anja
Guck Dir doch einfach das Schweizerdeutsch an.
Soooooo völlig anders als das 'Hoch’deutsche, eben nicht nur mit anderer Aussprache, sondern völlig anderen Worten!
Und dennoch gibt es Schweizerdeutsch ‚offiziell‘ nicht in Schrift.
Die Schweizer lernen in der Schule hochdeutsch schreiben, lesen Bücher und Zeitungen auf Hochdeutsch, etc etc.
Aber meine damaligen Kolleginnen (multilingual call centre) fanden Abhilfe - jedes Sprach- bzw Länderteam hatte sein eigenes ‚message board‘ im Computer… wow, wenn du deren Einträge versuchtest zu verstehen, musstest Du Dir das im Kopf ‚laut‘ vorlesen.
Ich bin mir recht sicher, dass mittlerweile das ein oder andere Buch oder ähnliches auf Schweizerdeutsch geschrieben wurde - aber was den Schweizern fehlt, ist eine Schreibweise für ihre Sprache, denn die existiert offiziell nicht (die Schreibweise, meine ich, nicht die Sprache).
Gruss, Isabel
Hi Anja,
Du beantwortest Dir Deine Frage selbst: Das ist alles keine Schriftsprache i.e.S. Journalismus richtet sich an bestimmte Zielgruppen, d. h. Du hast es je nach Zielgruppe mitunter mit recht derben Soziolekten zu tun. Auch die Literatur bedient sich nicht immer sogenannter Schriftsprache, da sie oftmals provoziert.Und Tagebücher? Naja, da spricht man ja eher vor sich hin und sicher nicht immer vorlesegeeignet, z. B. im Stenostil. Aus linguistischer Sicht hast Du es in all diesen Fällen mit zielgruppen- oder situationsbedingten Soziolekten zu tun. (Amtssprache ist auch einer…) Nur die grammatikalisch elaborierte Satzkonstruktion mit national verständlichem, nicht Spezialsprachen (Rotwelsch, Dialekte, Jargons)entlehntem Vokabular ist Schriftsprache.
Liebe Grüße,
Susanne
Du beantwortest Dir Deine Frage selbst: Das ist alles keine
Schriftsprache
Schriftsprache heißt für mich schlicht: geschriebene Sprache, nicht mehr und nicht weniger
i.e.S. Journalismus richtet sich an bestimmte Zielgruppen,
Jede Kommunikation richtet sich nach Zielgruppen, wenn Dir diese Begrifflichkeit so wichtig ist, dennoch ist das nicht meine Intention.
d. h. Du hast es je nach Zielgruppe mitunter mit
recht derben Soziolekten zu tun.
Nunja, selbst wenn dem so ist, gerade schriftlich ist es doch möglich, eben diese derben „Soziolekte“ (das klingt für mich nach Amtsdeutsch) überlegt und geschliffen anzugehen…
Auch die Literatur bedient sich nicht immer sogenannter Schriftsprache, da sie oftmals provoziert.
Da bin ich jetzt fassungslos, das ist erklärungsbedürftig (auch wenn es mir durchaus geläufig ist, dass es polemische und damit evtl. provozierende Texte gibt *g). Wer Literatur verfasst schreibt. Und wer schreibt, bedient sich einer anderen Sprache als der der gesprochenen. Und darauf zielte meine Frage, die offensichtlich niemand beantworten kann oder will…
Und Tagebücher? Naja, da spricht man ja eher vor sich hin und sicher nicht immer vorlesegeeignet, z. B. im Stenostil.
Vielleicht ist das Deine Form, Tagebuch zu schreiben, diese Blümchenvariante. Ich empfinde es als Hochgenuss, Tagebücher und Briefe von verschiedensten berühmten oder weniger berühmten Persönlichkeiten (u.a. auch meiner Freunde *lächel) zu lesen, die sich in ihrer Reflexion und Beschreibung alltäglicher Begegnungen und Geschehnisse um eine Autentizität bemühen, die die gesprochene Sprache in ihrer Flüchtigkeit bei weitem in den Schatten stellt.
Aus linguistischer Sicht hast Du es in all diesen Fällen mit zielgruppen- oder situationsbedingten Soziolekten zu tun.
Dann nenne mir doch bitte mal die Zielgruppe eine J.W.v.Goethe, eines Franz Kafka, eines Lion Feuchtwanger oder Paul Celan beispielsweise…
(Amtssprache ist auch einer…)
Die meine ich nun wirklich nicht - wie schon gesagt. Amtssprache ist für mich ein Kunstprodukt, wobei ich hier mit „Kunst“ eher „künstlich“ meine, verkürzte Determinierung.
Nur die grammatikalisch elaborierte Satzkonstruktion mit national
verständlichem, nicht Spezialsprachen (Rotwelsch, Dialekte,
Jargons)entlehntem Vokabular ist Schriftsprache.
Sorry, ich weiß nicht, wovon Du hier redest.
Es ist spät,
gute Nacht,
Anja
Du beantwortest Dir Deine Frage selbst: Das ist alles keine
SchriftspracheSchriftsprache heißt für mich schlicht: geschriebene Sprache,
nicht mehr und nicht weniger
Das ist dann Deine Interpretation, und dann darfst Du Dich nicht wundern, wenn keiner Deine Frage so beantwortet, wie Du es willst. Ich interpretiere das Wort „Schriftsprache“ auch eher in Richtung „Hochsprache“, d.h. die Sprache für Geschäftsbriefe und Sachbücher, Erörterungen in der Schule, etc.
i.e.S. Journalismus richtet sich an bestimmte Zielgruppen,
Jede Kommunikation richtet sich nach Zielgruppen, wenn Dir
diese Begrifflichkeit so wichtig ist, dennoch ist das nicht
meine Intention.d. h. Du hast es je nach Zielgruppe mitunter mit
recht derben Soziolekten zu tun.Nunja, selbst wenn dem so ist, gerade schriftlich ist es doch
möglich, eben diese derben „Soziolekte“ (das klingt für mich
nach Amtsdeutsch) überlegt und geschliffen anzugehen…
Für mich klingt „Soziolekt“ eher nach einer Bezeichnung von Sozialwissenschaftlern …
Auch die Literatur bedient sich nicht immer sogenannter Schriftsprache, da sie oftmals provoziert.
Da bin ich jetzt fassungslos, das ist erklärungsbedürftig
(auch wenn es mir durchaus geläufig ist, dass es polemische
und damit evtl. provozierende Texte gibt *g). Wer Literatur
verfasst schreibt. Und wer schreibt, bedient sich einer
anderen Sprache als der der gesprochenen. Und darauf zielte
meine Frage, die offensichtlich niemand beantworten kann oder
will…
Wer schreibt, bedient sich nicht immer einer anderen Sprache als der gesprochenen. Oftmals wird sogar versucht, gesprochene Sprache im Schriftlichen 100%ig nachzuahmen. Es werden nur halbe Sätze geschrieben, Dialekte versucht in unser Alphabet zu pressen, immer mal die Grammatik gebeugt, um eine gewissen Autentizität zu erzeugen, gerade in der Literatur. Deine Interpretation des Wortes „Schriftsprache“ wird daher kaum einer so definieren. Ich möchte sagen, hier wollten schon einige Deine Frage beantworten, haben es auch versucht, aber sie können es nicht in Deinem Sinne.
Und Tagebücher? Naja, da spricht man ja eher vor sich hin und sicher nicht immer vorlesegeeignet, z. B. im Stenostil.
Vielleicht ist das Deine Form, Tagebuch zu schreiben, diese
Blümchenvariante. Ich empfinde es als Hochgenuss, Tagebücher
und Briefe von verschiedensten berühmten oder weniger
berühmten Persönlichkeiten (u.a. auch meiner Freunde *lächel)
zu lesen, die sich in ihrer Reflexion und Beschreibung
alltäglicher Begegnungen und Geschehnisse um eine Autentizität
bemühen, die die gesprochene Sprache in ihrer Flüchtigkeit bei
weitem in den Schatten stellt.Aus linguistischer Sicht hast Du es in all diesen Fällen mit zielgruppen- oder situationsbedingten Soziolekten zu tun.
Dann nenne mir doch bitte mal die Zielgruppe eine
J.W.v.Goethe, eines Franz Kafka, eines Lion Feuchtwanger oder
Paul Celan beispielsweise…
Darauf möchtest Du doch nicht wirklich eine Antwort, oder?
(Amtssprache ist auch einer…)
Die meine ich nun wirklich nicht - wie schon gesagt.
Amtssprache ist für mich ein Kunstprodukt, wobei ich hier mit
„Kunst“ eher „künstlich“ meine, verkürzte Determinierung.
Amtssprache ist sicherlich ein künstliches Produkt, es ist eben der Versuch alles 100%ig genau, eindeutig ohne jedes Mißverständnis zu definieren. Die Sprache ist aber eher mehrdeutig, daher ist dieser Versuch weit weg von Belletristik und liest sich folgerichtig nicht schön.
Nur die grammatikalisch elaborierte Satzkonstruktion mit national
verständlichem, nicht Spezialsprachen (Rotwelsch, Dialekte,
Jargons)entlehntem Vokabular ist Schriftsprache.Sorry, ich weiß nicht, wovon Du hier redest.
Schriftsprache reduziert sich auf den Teil einer Sprache, den jeder wirklich versteht, beinhaltet also keine Dialekte, wenig Fachtermini und ist grammatikalisch korrekt. So schwer war das jetzt doch nicht?
Bis denne!
Schnoof
ob es Menschen gibt, bei
denen sich einerseits mündliche und Schriftsprache stark
unterscheiden und andererseits nahezu übereinstimmen. Liegt
das u.U. in höherer Bildung begründet oder sind es
soziologische oder psychologische Aspekte, die da
hineinspielen?
klor gibts de. da wichtigste grund is: wo ma herkommt. im ganzen süden wird am des norddeitsche gerede als die „sprach der gebildeten“ aufdruckt. des haaßt dann „man red nach da schrift“. des redn nach da schrift wird am scho im kindagoatn einbleit. wer des net konn, der is a landei und ungebildet. es gibt aba eignlich kan grund, daß ma norddeitsch und net süddeitsch schreibn muaß. es hätt auch anders kumman können! wenn i mit deitschen red, muaß i mi vastölln, weils me sunst net vastehn, aba die deitschen ausm raum hamburg redn wie sies gwohnt san und maanan dann, des wos i red, is ka richtiges deitsch…
griaß di
datafox
Ich gebe freiwillig auf… owT
…
hi,
Schriftsprache reduziert sich auf den Teil einer Sprache, den
jeder wirklich versteht, beinhaltet also keine Dialekte, wenig
Fachtermini und ist grammatikalisch korrekt.
nach meinem empfinden ist schriftsprache konvention. man richtet sich nach dem duden und anderen landesweiten vorschriften. diese schriftsprache wird auch als eine art „fremdsprache“ in der schule gelehrt, um eine gemeinsame basis für alle einwohner des landes zu haben. der eine könnte dann nämlich mit dem anderen nicht sprechen, weil er den dialekt nicht versteht! zumindest beim deutschen ist das wirklich so. ein schweizer, ein wiener und ein berliner müssen sich in schriftsprache unterhalten. ein anderes beispiel für dieses phänomen ist zb. arabisch.
„grammatikalisch korrekt“ sind nämlich auch noch ganz andere dinge neben dem duden. beispiel: „datafox’ posting“ ist korrekt, aber ebenso ist „der datafox ihr posting“ grammatikalisch korrekt, nur eben in einer anderen grammatik, meiner zum beispiel! daß ich so nicht schreiben „darf“ ist einfach konvention.
zusatz: imho kann man daher auch mehrere stufen von analphabetismus unterschieden. im schlimmsten fall sind buchstaben für einen nur kringel, im weniger schlimmen fall versagt man bei streß und „dichtet“ bekanntere wörte in weniger bekannte, und im letzten fall ist man der schriftsprache nicht mächtig, ist also ausgeschlossen vom bildungsleben usw.
gruß
datafox