Liebe/-r Experte/-in,
wir sind Druckdienstleister und möchten Job-Bewerbern anbieten, gestaltete Bewerbungsunterlagen zu erstellen.
Diese sollen interessant wirken, indem sie eher wie eine Werbebroschüre aussehen und nicht wie die üblichen langweiligen oder unhandlichen Mappen.
Die Frage ist jedoch: Würden die Zuständigen in den Personalabteilungen diese Form akzeptieren oder sogar gut finden? Oder verstößt man gegen allgemeine Konventionen und Regeln und schadet sich gar?
Ich als Chef würde es zwar begrüßen, mal etwas Pfiffiges auf den Tisch zu bekommen (Voraussetzung ist natürlich ein seriöser und authentischer Eindruck) - aber vielleicht zählt diese Meinung nur im Ausnahmefall. Daher möchte ich mich ein wenig absichern, denn ich gehe ja auch eine Verantwortung ein.
Für eine Antwort bedanke ich mich im Voraus.
Gruß - Thomas Lampert -
Liebe/-r Experte/-in,
… gestaltete Bewerbungsunterlagen … wie eine
Werbebroschüre aussehen …Würden die Zuständigen in den
Personalabteilungen diese Form akzeptieren oder sogar gut
finden?
Hallo Herr Lampert,
in aller Regel sitzen in Personalbüros nicht sehr innovative Menschen. Einerseits ist es wichtig, dass man als Bewerber aus der großen Masse der Stellungsuchenden auffällt, andererseits nützt es aber nichts, wenn das auf als negativ empfundene Weise geschieht. Es ist ein Ballanceakt.
Ob Ihre Geschäftsidee Sinn hat und Erfolg verspricht - ich weiß es nicht. Versuch macht klug.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
Danke für die Antwort.
Hallo Herr Lampert,
es gibt nicht DIE richtige Bewerbung, aber ich kann dennoch ein paar Regeln aus meiner langen Praxis nennen:
- Auch wenn sich durch Neue Medien zahlreiche neue Möglichkeiten der Gestaltung bieten, sollte die Bewerbung inhaltlich wie optisch zum Bewerber und der beworbenen Stelle passen und damit glaubwürdig sein - wenn die 22-jährige Chantal aus Schwerin, die sich um eine Stelle als Metzgereifachverkäuferin bemüht eine Multimediapresentation einsendet, kann das zwar Amüsieren, aber nicht überzeugen.
- Natürlich sollte die individuelle Bewerbung aus der Flut herausragen, doch Auffallen um jeden Preis kann oft das Gegenteil bewirken.
Werbebroschüren bestechen durch Schlagwörter, bunte ins Konzept montierte Photos und das Anpreisen von Dingen zum Schnäppchenpreis … das kann nicht im Sinne des Bewerbers sein.
Wenn Sie sich Richtung „Produktkatalog“ orientieren (z. Bsp. BMW - Ausstattung, Optik, Leistungsvermögen usw), sehe ich ihr Vorhaben optimistischer, was die Erfolgsquote betrifft. - Als Personaler mit wenig Zeit und vielen Bewerbern stört mich alles, was Zeit kostet. Muss ich in „Werbebroschüren“ erst nach dem inhaltlich Wichtigen suchen, ich erst herausfinden, was der Absender möchte, mich durch bunte Randverzierungen, unterschiedliche Schriftarten und Größen lesen, dann ist das nervig.
- Tipp: Was ich immer sehr nett finde, das sind Bewerber, die ihrer Bewerbung einen Teebeutel, ein kleines Tütchen Gummibärchen oder aktuell einen Halsbonbon beifügen
Da kann die Bewerbung noch so konventionell ankommen … kleines Mittel, große Wirkung
- Wenn sich ein Kreativer jetzt bei einer Werbeagentur bewirbt, gelten wieder völlig andere Regeln … denn …
- … es gibt keine Regeln außer die in 1 - 5 benannten

Schicken Sie mir doch mal ein Beispiel, dann hab ich bessere Vorstellung zu Ihrem Vorhaben und kann individueller bewerten.
Schöne Grüße
Danke für die umfassende Antwort.
Ich kann leider noch keine Muster bereitstellen, weil wir uns u.a. mit dieser Anfrage vortasten.
Natürlich geht die Gestaltung in Richtung „Produktkatalog“ - farbig, aber dezent, keine Informationsflut. Es soll angenehm zu lesen sein.
Ich denke dabei auch an eigene Erfahrungen, wenn bei uns Bewerbungen eingehen. Der Schreibtisch ist voller Stapel mit dicken, teils teuren Mappen, durch die man sich quälen muss. Beim Aussortieren kommt man aus Zeitgründen an subjektiven Entscheidungen nicht vorbei. Man weiß, dann man dabei manchen Bewerbern eigentlich unrecht tut, nur weil sie sich unglücklich beworben haben. Alternativen bei den Unterlagen könnten da vielleicht Abhilfe schaffen.
Hallo,
vielen Dank für die Anfrage. Aus meiner Sicht ist der Ansatz der Richtige. Der erste Eindruck zählt - wie immer im Leben. Das ist auch bei einer Bewerbungsmappe der Fall. Wenn sich ein Bewerber Gedanken zur Gestaltung seiner Unterlagen gemacht hat und man dies sieht, ist es sicher positiv zu bewerten und wird in dem ein oder anderen Fall auch bestimmt dazu führen, dass jemand eingeladen wird. Allerdings kommt es am Ende immer auf die Qualifikationen des Kandidaten an. Soll heißen - ein schlechter CV bleibt ein schlechter CV, auch wenn er nett verpackt ist. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele nicht wissen, wie eine Bewerbung aussehen muss. Da kann man sicher etwas tun und ich gehe davon aus, dass es auch die motivierten Kandidaten sind, die sich für die Dienstleistung interessieren. Jetzt der Haken - der Trend geht eindeutig zur online- bzw. Email-Bewerbung. Die sind mir persönlich auch am liebsten, da ich sie schnell bearbeiten kann. Außerdem entstehen auf keiner Seite Portokosten und es geht unheimlich schnell. Eine Mappe würde ich heute nur noch auf anspruchsvolle Positionen erwarten. Die bringen mir die Kandidaten zum persönlichen Gespräch mit. Aber vorher bekomme ich alles elektronisch. Bei vielen großen Konzernen haben sie ja teilweise nur noch die Möglichkeit sich elktronisch über firmeneigene Plattformen zu bewerben. Von daher würde ich das Projekt auch unter diesem Gesichtspunkt kritisch bewerten.
Hoffe, dass ich ein paar Denkanstöße liefern konnte & wünsche alles Gute!
Thomas
Sehr geehrter Herr Lampert,
Ihre Idee ist nicht schlecht - für die „passenden“ Berufe und Branchen. Frage: Wie „seriös“ wirkt die von Ihnen gestaltete ‚Werbebroschüre‘ auf die Personalverantwortlichen im Bankensektor oder in der Verwaltung oder für einen Ingenieur?
Grundvoraussetzung jeder Bewerbung ist, dass die zu transportierenden Informationen griffig sind. Im Personalbüro laufen täglich massenweise Bewerbungsunterlagen auf. Der Personalsachbearbeiter hat pro Mappe 1 oder 2 Minuten Zeit! Wer da nicht fix bei der Hand ist mit den zu liefernden Infos (Was spricht jetzt im Moment dafür, dass der Bewerber den angebotenen Job meistert), fällt hinten runter.
Personaler haben wirklich, wirklich schon ALLES gesehen. Wem es gelingt, einen positiven Eindruck zu hinterlassen, auch nachdem die Unterlagen eingescannt und per Suchwort aussortiert wurden, ist einen Schritt weiter.
Werbebroschüren sind schön und gut, haben aber u.U. ein „Geschmäckle“: Beliebtes Vorurteil ist, dass wenig qualifizierte Bewerber zu aufwendigen Verpackungen neigen. Wer will schon so „belastet“ auf des Personalers Schreibtisch aufschlagen?
Noch ein Punkt: Wie flexibel ist denn so eine Broschüre? Mein Argument: Es gibt nicht einen Lebenslauf für alle Lebenslagen und schon gar nicht für alle Jobs, um die man sich bewirbt.
Jeder Mensch, jeder Bewerber, jeder Personaler ist anders. Daher gilt: Es gibt nicht DIE alleinseligmachende Form der Bewerbung, die bei allen Personalern gleich gut ankommt.
Ich persönlich halte es so: KISS. Keep it smart and simple.
Herzliche Grüße
Heidi Assmann
Danke für die ausführliche Antwort und die kritischen Anmerkungen.
Vielen Dank für die ausführliche Antwort und die Hinweise.
Noch ist es nicht „normal“, z.B. einen Flyer als Bewerbung zu verschicken, und genau darin liegt die Chance. Mag der Personalchef diese Form auch nicht persönlich befürworten: die Aufmerksamkeit ist einem Flyer gewiss, und das ist m.E. das wichtigste: dafür zu sorgen, dass die Bewerbung nicht nur überflogen wird!
Gruß, Gudrun Rosenthal
Danke noch für die Antwort!
War ja auch (wegen eines Krankenhausaufenthalts) spät genug
. Herzliche Grüße!