etwas längere Betrachtung wissensch. Erkentnisse
es wird ja immer wieder Argumentiert (auch gern mal von
Politikern), dass solche Spiele zum Teil für gewaltätige
Handlungen im realen Leben verantwortlich sind.
Ja, sehr gerne. Gibt ja auch ein wenig der Verantwortung ab… von daher geradezu praktisch.
Insbesondere nach dem Amoklauf von Erfurt wurden diese Themen diskutiert: Musik (speziell in dem Fall die Gruppe Slipknot) Ego-Shooter, Bullying, Leaking etc.
Es gibt eine Reihe von Untersuchungen zum Thema, wovon ein Großteil einfach entsprechende „Gamer“ mit Persönlichkeitsinventaren hinsichtlich des Aggressionspotentials, der direkten/indirekten Aggression und interner und externer Aggression getestet haben.
So stellt sich, wie unten bereits erwähnt, die Frage was war eigentlich zuerst da, das Zocken oder die Aggression
(Sofern es signifikante Ergebnisse gibt)?
Die Aussage „Gamer“ sind „signifikant aggressiver“ (was immer das in der jeweiligen Untersuchung heißen mag) sagt also mehr oder weniger nichts aus, abgesehen davon, dass ein wie auch immer gearteter statischer Zusammenhang besteht.
Wegener-Spöhring hat sich ausführlich mit der Aggression im kindlichen Spiel auseinander gesetzt und festgestellt, dass es dringend zwischen spielimmanenter und externer Aggression zu unterscheiden gilt (und auch die Kinder dies balancieren können).
Ein Großteil ihrer Erkenntnisse lässt sich, meines Erachtens, auf das „jugendliche/ erwachsene“ Spiel übertragen.
u.a. das aggressive Spiele von allen (Kindern) gespielt werden können, ohne, dass es groß Erklärungen bedarf. Weglaufen oder Angreifen. Eine ziemlich kulturfreie Sache, die kaum sprachlichen Kompetenzen und intellektueller Fähigkeiten bedarf.
Im Vergleich zu einem Strategie-Rollenspiel brauch man bei einem Ego-Shooter vergleichsweise wenig „intellektuelles Potential“ (Was nicht gleich heißt, dass Ego-Gamer darüber nicht verfügen würden), um mitspielen zu können. (Gewinnen ist ja was anderes)
Bei Kindern findet der Umbruch von spielimmanenter in externe Aggression i.d.r. nur dann statt, wenn Spielstörungen vorliegen. Das Spiel bspw. durch Erzieher unangekündigt abgebrochen wird- z.b. weil ihnen das Spiel ZU heftig wird, oder die Spielstunde sich dem Ende neigt, dies mit den Kindern jedoch nicht kommuniziert wurde etc.
Man kann mutmaßen, dass es sich im erwachsenen Spiel ähnlich verhält. Dass Umbrüche von spielerischer in reale Aggression durch Störfaktoren stattfinden können (nicht müssen). Dann stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht schlau wäre, diese zu erfassen statt das komplette Spielverhalten in Frage zu stellen. Eine Frage der Bekämpfung von Ursachen oder Symptomen.
Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten wäre da zb. so ein Punkt der mir in dem Zusammenhang einfiele.
Wenn ich einen Sport betreibe und mich stets nur mit den besseren, erfahreneren Gegnern messe (sei es Schach, Tischtennis, Karate oder Kickboxen) ist es wahrscheinlich, dass ich ob des ausbleibenden Erfolges irgendwann ziemlich frustriert bin.
Bei Egoshootern auf offenen Servern klingt das dann etwa so:
„you damn fuckin noob“ „mother*piep*“ usw. usf. *grins*
Ums abzuschließen- anhand der durchgeführten Studien ist ersichtlich, dass es einen Zusammenhang gibt. Aber inwieweit dahinter nicht etwas ganz anderes steht, und ob nun die Henne oder das Ei zuerst da war ist ungeklärt. Entsprechend halte ich es für eine völlig depperte Maßnahme das Symptom (Musi, Shooter…) zu „verbannen“ in dem Glauben, damit würde sich das Problem schon beheben lassen.
Wir sind auch die Krebserkrankungen nicht los, wenn es keine Zigaretten mehr gäbe. Deswegen wird nur darauf verwiesen, dass Rauchen gewisse Risiken (und nicht etwa Zwangsfolgen) mit sich führen kann.
Entsprechend gibt es FSK’s für Spiele und Eltern-Ratgeber, wie viel ballern, zocken, spielen ihrer Kinder am Tag als unbedenklich gelten kann.
Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass Untersuchungen häufig „gesponsert“ werden- und Interpretationen so u.U. nicht ganz so objektiv sind, wie sie sein sollten.
Meine Lieblingsstudie in dem Zusammenhang ist die Studie von Hardy et al. aus 1996: Es ging um die Frage, ob Waffen im Haushalt der Eltern und der Zugang zu diesen seitens der Kinder (Amerika)im Zusammenhang mit häufigerem Spielen mit Waffen (Imitate und Originale) und aggressiven Verhaltensweisen steht.
Das Ergebnisse war, das Kinder, deren Eltern vor den Kindern mit Waffen hantierten (z.b. reinigten etc.) und ihnen das spielen mit diesen Waffen (Imitate und Originale) erlaubten, signifikant aggressiver waren. Aggressiver heißt in dem Zusammenhang: Während einer Beobachtungsphase von 2 mal 10 Minuten von einem riesigen Angebot an Spielmöglichkeiten häufiger aggressive Spiele auswählten. (Spielzeugwaffen, Plastik-Soldaten, ungeladene echte Waffen…)
Siehe Wegener-Spöhring oben und bedenke, dass Kinder in fremden Situationen sich an vertrauten Objekten und Personen orientieren.
Bis hierhin mag man noch sagen hmm naja,das kann nun so oder so sehen-
bis man darüber stolpert, dass wir von Vorschulkindern sprechen- also Kindern unter 6 Jahren. Und selbst wenn diese Kinder sich aggressiver verhalten, mag man sich doch fragen, was in einem Haushalt noch alles so schiefläuft, wenn ein Kind zwischen 4 und 6 Jahren mit Papas Kanone spielen darf- und ob die „erfasste“ höhere Aggression auch nur irgendetwas mit der Anwesenheit von (Spielzeug-)Waffen zu tun hat.