Gesteigertes Agressionspotential durch 3D-Shooter

Hallo,

es wird ja immer wieder Argumentiert (auch gern mal von Politikern), dass solche Spiele zum Teil für gewaltätige Handlungen im realen Leben verantwortlich sind.

Hab grad mal wieder nen Artikel gelesen, in dem steht, dass sog. Killerspiele das Agressionspotential der Spieler erhöhen können und daher schädlich sind.

Das sich das Agressionspotential tatsächlich erhöht halte ich für durchaus zutreffend. Allerdings stellt sich mir die Frage wie das in relation zu anderen Situationen aussieht in denen auch die Agressivität gesteigert wird?

BSP:

  1. Ein älterer Herr mit Hut fährt auf einer unübersichtlichen Landstrasse (überholen unmöglich) mit 40km/h, obwohl 100 erlaubt sind. Wenn man dann selber noch unter Zeitdruck steht könnte das die Agression doch schon etwas erhöhen.

  2. Halbzeit eines Fußballspiels bei 2:0 Rückstand: da bekommt man dann bei einer agressiven Halbzeitansprache des Trainers so Sachen wie „der Gegner muss spüren das wir auch auf dem Platz sind“, „ihr müsst agressiever spielen“ oder „haltet mal Ordendlich dagegen“ zu hören. Am Schluss peitscht man sich gegenseit nochmal ein und geht hochagressiv aus der Kabine um das SPiel hoffentlich nochmal zu drehen.

Muss man jetzt Autofahren und Fußballspielen verbieten, weil es die Menschen womöglich genau so agressiv macht wie „Killerspiele“?

Bin gespannt auf eure Meinung.

Christian

Mhm, es ist tatsächlich bewiesen, dass das Aggressionspotential steigt?

Wäre mir jetzt nur von Einzelfällen bekannt… ich denke eher, das solche Spiele durchaus ein Ventil zum Aggressionen ablassen (!) sein können, liege ich da falsch?

Mhm, es ist tatsächlich bewiesen, dass das
Aggressionspotential steigt?

Das seh ich ja auch so. Mir gehts jetzt allerdings viel mehr darum, ob ein solches Spiel das Agressionspotential so sehr steigert, damit man hernach einen Mord damit begründen kann.

Oder sind solche Spiele in der Hinsucht auch nicht anders als hunderte andere Situationen im Leben in denen man auch schon mal agressiv werden kann.

Hi Christian,

es gibt so viele Artikel, in denen ein haufen Müll steht. Wenn alles stimmen würde, was irgendwelche dubiosen Wissenschaftler herausfinden oder (leider sogar) angesehene Magazine und Zeitungen veröffentlich, dann wären wir längst alle tot.

Ach, wären die Menschen doch einfach nur fromm und lebten abstinent. Memory und Der Plumssack geht um sind doch schon wild genug!

Viele Grüße,

Hilmar

Hi,

hier bin ich ja eigentlich in einem Brett wo ich gar nicht mitreden kann, aber…

Also erstmal geb ich dir völlig recht, gibt etliche Situationen im Alltag die Agressionen hervorrufen oder fördern.

Zum Thema Shooter denke ich das es dabei auf die jeweilige Person ankommt. Es mag bestimmt Menschen geben (vielleicht besonders Jugendliche) die durch solche Spiele in irgendeiner Form agressiv werden oder den Bezug zur Realität und „normalen Hemschwellen“ verlieren. Allerdings bin ich der Meinung das mit solchen Menschen eh irgendwas „nicht stimmt“ und vorwiegend andere Probleme der Grund für die Agressionen oder die Gewaltbereitschaft sind.

Ich bin auch der Meinung das man z.B. Amokläufe an Schulen nicht damit begründen kann das der Täter ja immer Quake gespielt hat, so wie es ja schon durch die Medien ging. Das Spiel konnte da nichts für, das kranke Hirn war schuld (sorry), und das ist bestimmt nicht vom Quake spielen so krank geworden.

Ich kann nur sagen das meiner Meinung nach solche Spiele auf „normale vernünftige“ Menschen keine Auswirkungen haben. Ich bin selbst bekennender Shooter-Fan und lauf ja auch nicht mordend durch die Welt oder schlag nach dem Spielen meinen Nachbarn zusammen. Ich denke solange man Game und Realität trennen kann (was ich mal als völlig normal vorraussetze) und gesunden Menschenverstand besizt kann ja nichts passieren, wie auch…

Gruß Timon

selektive Wahrnehmung
Hallo,

es gibt ja bekanntlich eine Menge Leute, die absolut kein
Verständnis für Computerspiele haben, umsoweniger wenn diese
Gewalt und/oder Sex beinhalten.

Nun gibt es ja auch immer wieder spektakuläre Beispiele dafür,
daß irgend welche Leute amok laufen. Wenn ein solcher Amokläufer
dann auch noch eine Vorliebe für Ballerspiele hatte, ist es
scheinbar ganz klar -> diese Spiele müsse Schuld sein.

Das nenne ich selektive Wahrnehmung. Einen echten Zusammenhang
gibt es dann wohl kaum. Eher ist es so, daß gewaltbereite
Menschen sich natürlich nicht mit langweiligen Denkspielen
abgeben, sondern eben entsprechend ihrem Naturell eher die
Ballerspiele bevorzugen.

Die haben aber eher den Effekt, daß man sich beim Spielen
abzureagiert.

Gruß Uwi

es wird ja immer wieder Argumentiert (auch gern mal von
Politikern), dass solche Spiele zum Teil für gewaltätige
Handlungen im realen Leben verantwortlich sind.

Hab grad mal wieder nen Artikel gelesen, in dem steht, dass
sog. Killerspiele das Agressionspotential der Spieler erhöhen
können und daher schädlich sind.

Das sich das Agressionspotential tatsächlich erhöht halte ich
für durchaus zutreffend. Allerdings stellt sich mir die Frage
wie das in relation zu anderen Situationen aussieht in denen
auch die Agressivität gesteigert wird?

BSP:

  1. Ein älterer Herr mit Hut fährt auf einer unübersichtlichen
    Landstrasse (überholen unmöglich) mit 40km/h, obwohl 100
    erlaubt sind. Wenn man dann selber noch unter Zeitdruck steht
    könnte das die Agression doch schon etwas erhöhen.

  2. Halbzeit eines Fußballspiels bei 2:0 Rückstand: da bekommt
    man dann bei einer agressiven Halbzeitansprache des Trainers
    so Sachen wie „der Gegner muss spüren das wir auch auf dem
    Platz sind“, „ihr müsst agressiever spielen“ oder „haltet mal
    Ordendlich dagegen“ zu hören. Am Schluss peitscht man sich
    gegenseit nochmal ein und geht hochagressiv aus der Kabine um
    das SPiel hoffentlich nochmal zu drehen.

Muss man jetzt Autofahren und Fußballspielen verbieten, weil
es die Menschen womöglich genau so agressiv macht wie
„Killerspiele“?

Bin gespannt auf eure Meinung.

Christian

Hi,

ich bin zwar kein Psychloge, aber die Frege müsste man denke ich auch umgekehrt stellen.

Also nicht: Machen Ego-Shooter agressive Täter?, sonder: wählen agressive Menschen eher Ego-Shooter als ihre Spiele aus?

Genauso bei dem Lehrer-Depressionen-Syndrom: Nicht: Werden Lehrer durch die Schule depressiv?, sonder: Wählen depressiv veranlagte Menschen eher den Lehrerberuf.

MfG

Chris

Huhu!

Als Konsument von Egoshootern und anderen Gewaltspielen (von DOOM über Lands of Lore und Half Life bis Diablo I&II, und so Sachen wie StarCraft und so spiele ich auch gerne) kann ich mich der relativierung der restlichen Schreiber nicht so richtig anschliessen.

Das niemand direkt wegen dieser Spiele gewalttätig wird, würde ich auch sagen - allerdings ist in so einem Spiel die einzige mögliche Reaktion auf seine Umgebung Gewalt.

Außerdem gibt es bei vielen Gelegenheiten einfach keine Bestrafung, wenn man Wesen umbringt, die keine direkte Bedrohung darstellen - z.B. die Wissenschaftler bei HalfLife.

Das dabei eingeübte Reiz-Reaktionsschema ist „Reiz-Gewaltreaktion“, man trainiert sich eine automatische aggressive Reaktion ein.

Das entspricht auch meiner Erfahrung mit mir selber - nicht das ich mich schon mal geschlagen hätte, geschweige denn auf jemanden geschossen, aber aggressiv zu reagieren wird einfach immer natürlicher.

Ich habe da mal ne Studie drüber gelesen die genau das aussagte, natürlich fällt mir gerade nicht ein, wo.

Viele Grüße!
Scrabz aka Philipp aka Drache (aka Aka-Aka).

etwas längere Betrachtung wissensch. Erkentnisse

es wird ja immer wieder Argumentiert (auch gern mal von
Politikern), dass solche Spiele zum Teil für gewaltätige
Handlungen im realen Leben verantwortlich sind.

Ja, sehr gerne. Gibt ja auch ein wenig der Verantwortung ab… von daher geradezu praktisch.

Insbesondere nach dem Amoklauf von Erfurt wurden diese Themen diskutiert: Musik (speziell in dem Fall die Gruppe Slipknot) Ego-Shooter, Bullying, Leaking etc.

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen zum Thema, wovon ein Großteil einfach entsprechende „Gamer“ mit Persönlichkeitsinventaren hinsichtlich des Aggressionspotentials, der direkten/indirekten Aggression und interner und externer Aggression getestet haben.
So stellt sich, wie unten bereits erwähnt, die Frage was war eigentlich zuerst da, das Zocken oder die Aggression
(Sofern es signifikante Ergebnisse gibt)?
Die Aussage „Gamer“ sind „signifikant aggressiver“ (was immer das in der jeweiligen Untersuchung heißen mag) sagt also mehr oder weniger nichts aus, abgesehen davon, dass ein wie auch immer gearteter statischer Zusammenhang besteht.

Wegener-Spöhring hat sich ausführlich mit der Aggression im kindlichen Spiel auseinander gesetzt und festgestellt, dass es dringend zwischen spielimmanenter und externer Aggression zu unterscheiden gilt (und auch die Kinder dies balancieren können).
Ein Großteil ihrer Erkenntnisse lässt sich, meines Erachtens, auf das „jugendliche/ erwachsene“ Spiel übertragen.
u.a. das aggressive Spiele von allen (Kindern) gespielt werden können, ohne, dass es groß Erklärungen bedarf. Weglaufen oder Angreifen. Eine ziemlich kulturfreie Sache, die kaum sprachlichen Kompetenzen und intellektueller Fähigkeiten bedarf.
Im Vergleich zu einem Strategie-Rollenspiel brauch man bei einem Ego-Shooter vergleichsweise wenig „intellektuelles Potential“ (Was nicht gleich heißt, dass Ego-Gamer darüber nicht verfügen würden), um mitspielen zu können. (Gewinnen ist ja was anderes)

Bei Kindern findet der Umbruch von spielimmanenter in externe Aggression i.d.r. nur dann statt, wenn Spielstörungen vorliegen. Das Spiel bspw. durch Erzieher unangekündigt abgebrochen wird- z.b. weil ihnen das Spiel ZU heftig wird, oder die Spielstunde sich dem Ende neigt, dies mit den Kindern jedoch nicht kommuniziert wurde etc.
Man kann mutmaßen, dass es sich im erwachsenen Spiel ähnlich verhält. Dass Umbrüche von spielerischer in reale Aggression durch Störfaktoren stattfinden können (nicht müssen). Dann stellt sich jedoch die Frage, ob es nicht schlau wäre, diese zu erfassen statt das komplette Spielverhalten in Frage zu stellen. Eine Frage der Bekämpfung von Ursachen oder Symptomen.
Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten wäre da zb. so ein Punkt der mir in dem Zusammenhang einfiele.
Wenn ich einen Sport betreibe und mich stets nur mit den besseren, erfahreneren Gegnern messe (sei es Schach, Tischtennis, Karate oder Kickboxen) ist es wahrscheinlich, dass ich ob des ausbleibenden Erfolges irgendwann ziemlich frustriert bin.
Bei Egoshootern auf offenen Servern klingt das dann etwa so:
„you damn fuckin noob“ „mother*piep*“ usw. usf. *grins*

Ums abzuschließen- anhand der durchgeführten Studien ist ersichtlich, dass es einen Zusammenhang gibt. Aber inwieweit dahinter nicht etwas ganz anderes steht, und ob nun die Henne oder das Ei zuerst da war ist ungeklärt. Entsprechend halte ich es für eine völlig depperte Maßnahme das Symptom (Musi, Shooter…) zu „verbannen“ in dem Glauben, damit würde sich das Problem schon beheben lassen.
Wir sind auch die Krebserkrankungen nicht los, wenn es keine Zigaretten mehr gäbe. Deswegen wird nur darauf verwiesen, dass Rauchen gewisse Risiken (und nicht etwa Zwangsfolgen) mit sich führen kann.
Entsprechend gibt es FSK’s für Spiele und Eltern-Ratgeber, wie viel ballern, zocken, spielen ihrer Kinder am Tag als unbedenklich gelten kann.

Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass Untersuchungen häufig „gesponsert“ werden- und Interpretationen so u.U. nicht ganz so objektiv sind, wie sie sein sollten.
Meine Lieblingsstudie in dem Zusammenhang ist die Studie von Hardy et al. aus 1996: Es ging um die Frage, ob Waffen im Haushalt der Eltern und der Zugang zu diesen seitens der Kinder (Amerika)im Zusammenhang mit häufigerem Spielen mit Waffen (Imitate und Originale) und aggressiven Verhaltensweisen steht.
Das Ergebnisse war, das Kinder, deren Eltern vor den Kindern mit Waffen hantierten (z.b. reinigten etc.) und ihnen das spielen mit diesen Waffen (Imitate und Originale) erlaubten, signifikant aggressiver waren. Aggressiver heißt in dem Zusammenhang: Während einer Beobachtungsphase von 2 mal 10 Minuten von einem riesigen Angebot an Spielmöglichkeiten häufiger aggressive Spiele auswählten. (Spielzeugwaffen, Plastik-Soldaten, ungeladene echte Waffen…)
Siehe Wegener-Spöhring oben und bedenke, dass Kinder in fremden Situationen sich an vertrauten Objekten und Personen orientieren.
Bis hierhin mag man noch sagen hmm naja,das kann nun so oder so sehen-
bis man darüber stolpert, dass wir von Vorschulkindern sprechen- also Kindern unter 6 Jahren. Und selbst wenn diese Kinder sich aggressiver verhalten, mag man sich doch fragen, was in einem Haushalt noch alles so schiefläuft, wenn ein Kind zwischen 4 und 6 Jahren mit Papas Kanone spielen darf- und ob die „erfasste“ höhere Aggression auch nur irgendetwas mit der Anwesenheit von (Spielzeug-)Waffen zu tun hat.