hat gestern ein Experte diesen Bericht über diesen Zwangskranken Alexander und
die Gehirnoperation gesehen?
Ich war ja schockiert, einerseits das in den 60 Jahren wirklich solche
Operationen vorgenommen worden sind die die Menschen ja mehr oder weniger zu
Krüppeln gemacht haben.
Dann fand ich einfach nur schrecklich, dieser arme Alexander, seit 11 Jahren an
sein Bett gefesselt, seit 11 Jahren eigentlich ein Pflegefall, der geistig aber
voll auf der höhe ist.
Natürlich versteh ich das er vor sich selbst geschütz werden muss, aber 11 Jahre
lang ans Bett fixiert? Das ist doch unmenschlich.
Was meint ihr, könnte so eine Hirnschrittmacheroperation erfolg haben?
Ich war ja schockiert, einerseits das in den 60 Jahren
wirklich solche
Operationen vorgenommen worden sind die die Menschen ja mehr
oder weniger zu
Krüppeln gemacht haben.
diese Operationen (Lobotomie) haben sich als unwirksam herausgestellt. Diese Verfahren stammen aus den dreißer Jahren des 20. Jahrhunderts, als man noch keine effektiven Therapiemöglichkeiten der Schizophrenie hatte. Man hatte damals die Beobachtung gemacht, daß bei vergleichbaren Hirnverletzungen eine symptomvermindernde Auswirkung bei Epileptikern auftrat und übertrug dann die Methode auf die Behandlung von Schizophrenien. Die ersten Neuroleptika kamen erst in den 50er Jahren auf den Markt! Davor konnte man lediglich Schlaf- und Beruhigungsmittel geben, um die Symptome zu dämpfen (so wie das in einigen psychiatriekritischen Spielfilmen gezeigt wurde, einer flog über das Kuckucksnest u.ä.), ab den 30er Jahren gab es auch die Elktrokrampftherapie, Insulinkoma und medikamentöse Krampfbehandlung (Cardiazol), alles nur eingeschränkt wirksam, und natürlich Arbeits- und Psychotherapie, die allerdings bei Schizophrenie nur eingeschränkt anwendbar ist.
Was meint ihr, könnte so eine Hirnschrittmacheroperation
erfolg haben?
Ich hab den BEricht auch gesehen (habe nämlich eine Vorliebe für die Simpsons und bin dann hängengeblieben…), es sieht für mich sehr nach einer neurologischen Ursache aus (Tourette mit multiplen Zwängen), also kann eventuell ein neurochirurgischer Eingriff etwas bewirken. Sicher ist die Behandlung unerprobt und als riskant anzusehen, aber vor dem Hintergrund der Leidensgeschichte des Patienten erscheint es mir vertretbar.
Gruß
Yoyi
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als Ergänzung zu dem, was Yoyi schrieb. Das Verfahren der Lobektomie wurde von dem portugiesischen Arzt und Politiker Antonio Egas Moniz entwickelt. Er hatte den Lehrstuhl für Neurologie an der Universität Lissabon in den Jahren 1911-1944 inne, war 1903-1917 Abgeordneter des portugiesischen Parlaments und 1918 Minister, als der er die Delegation auf der Friedenskonferenz von Paris leitete. Dr. Egas Moniz ist ein Pionier der Hirnchirurgie und entwickelte neben der Lobektomie, deren erste er 1936 durchführte, auch die Angiographie, ein sehr nützliches Verfahren, mit dem Blutgefäße im Gehirn sichtbar gemacht werden können. Aufgrund seiner Leistungen auf dem Gebiet der Hirnchirurgie erhielt Dr. Egas Moniz 1949 den Nobelpreis für Medizin. Heute wird die Lobektomie aufgrund ihrer drastischen Auswirkungen als Fehlentwicklung angesehen, zur damaligen Zeit jedoch nicht, weil es in vielen Fällen keine Alternativen gab.
Zu den Situationen in den psychiatrischen Krankenhäusern zur damaligen Zeit: Ja, es muß schrecklich gewesen sein. Gott sei Dank, sind diese Zeiten vorbei.
Hallo Julia ich denke das heute bei Galileo nochmal etwas von dem Bericht dran kommt…ob die Op hilfreich war oder nicht…
ciao,ciao und Gruss Zitronenfalter
P.S.Ich denke das auch so eine Krankheit schon in den Genen steckt…
Ich meine ein z.b. Raucher stirbt an Lungenkrebs irgendwann mal zumindest wenn er über einen längeren Zeitraum geraucht hat…da kann er auch selbst etwas dafür…aber bei so etwas kann man nichts dafür
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Falls es jemanden interessiert:
Die Autobiografie von Janet Frame (New Zealand) wäre da lesenswert.
Gab’s verfilmt vielleicht auch hier im Kino (auf engl: An Angel at my table). Die Biografie ist (zumindestens im Englischen) dreiteilig, drei nicht allzu grosse Taschenbücher, von denen ein Titel ‚An Angel at my table‘ ist. Der andere ist ‚To the Is-land‘, und den dritten weiss ich jetzt nicht auswendig.
Die Schriftstellerin Janet Frame war mindestens 8 Jahre in einer ‚Irrenanstalt‘, in a psychiatric hospital in 1960s New Zealand. Sie war wegen vermeintlicher Schizophrenie dort, die sie aber nie hatte.
ZUFÄLLIG wurde ihr erstes Buch mit einem Preis ausgezeichnet, kurz bevor an ihr eine lobotomy durchgeführt werden sollte.
Das Krankenhaus hatte kurz zuvor einen neuen Direktor bekommen, und als er Wind davon bekam, sagte er nicht nur die lobotomy ab, sondern entliess sie auch.
Sie beschreibt sehr gut, wie es ihr erging. Absolut lesenswert.