Gesucht: Intelligente Gegenrede zu Illig

Ich denke mal das es keinen Historiker gibt der behauptet er wüsste 100% genau wie sich die letzten 2000 Jahre abgespielt hätten, schon allein aus dem Grund da sie ja dann nichts mehr zu tun hätten.
Wenn ich allerdings 300 Jahre aus der Geschichtsschreibung streichen will muss ich schon verdammt gute Beweise bzw. Belege vorlegen um meine Behauptung zu stützen und da genügt es eben nicht ein paar Quellen „misszuverstehn“.
Persönlich habe ich nichts gegen Illig, allerdings ist seine Methodik so schlecht, das ich gezwungen wäre sämtliche Zitate aus der Literatur die Illig verwendet eigenhändig nachzuschlagen um zu prüfen ob er sie korrekt zitiert hat,
nun dafür fehlt mir allerdings die Literatur und auch die Zeit, vom Willen ganz zu schweigen.

Nochmal mein Senf dazu
Die Probleme an Illig’s Thesen sind:
Es fehlen keine 300 Jahre im Zeitablauf, die von Illig angestellten Berechnungen sind schlicht und ergreifend fehlerhaft.
Der Kardinalfehler liegt in der Tatsache begründet das sich die gregorianische Kalenderreform gar nicht auf Julius Cäsar bezog sondern auf das 325 stattgefundene Konzil von Nicäa (heute Iznik, Türkei).
Ein genauer Blick auf das Dokument der Gregorianischen Reform „inter gravissimas“ hätte genügt:
„… primum, certam verni aequinoctii sedem; deinde rectam positionem XIV lunae primi mensis, quae vel in ipsum aequinoctii diem incidit, vel ei proxime succedit; postremo primum quemque diem dominicum, qui eamdem XIV lunam sequitur; curavimus non solum aequinoctium vernum in pristinam sedem, a qua iam a concilio Nicaeno decem circiter diebus recessit, restituendum, et XIV paschalem suo in loco, a quo quatuor et eo amplius dies hoc tempore distat, reponendam,sed viam quoque tradendam et rationem, qua cavetur, ut in posterum aequinoctium et XIV luna a propriis sedibus nunquam dimoveantur. …“

Deutsch:
… zuerst setzen wir das exakte Datum des Frühlings- Äquinoktiums fest; dann das genaue Datum des vierzehnten Tages des Mondes (Vollmond), der dieses Alter am selben Tag wie das Äquinoktium oder sofort danach erreicht, schließlich den ersten Sonntag, der diesem vierzehnten Tag des Mondes (Vollmond) folgt. Folglich wendeten wir diese Sorgfalt nicht nur an, damit es das Frühlings- Äquinoktium auf sein ehemaliges Datum zurückbringt, von dem es bereits ungefähr 10 Tage seit dem Konzil von Nicäa abgewichen ist, sondern damit dem vierzehnten Tag des Oster- (Voll-) Mondes sein rechtmäßiger Platz gegeben wird, von dem er jetzt vier und mehr Tage entfernt ist, aber auch, damit dort ein methodisches und rationales System gegründet wird, das zukünftig sicherstellt, dass das Äquinoktium und der vierzehnte Tag des Mondes (Vollmond) sich nicht von ihren passenden Positionen bewegen.

Zur Information:
Beim Konzil von Nicäa wurde das Datum für das Osterfest auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Dabei wurde auf den julianischen Kalender zurückgegriffen der ein 365,25 Tage umfassendes Jahr vorsieht, und damit jährlich um 11 Minuten vom eigentlichen Sonnenjahr abweicht. Das ergibt in 128 Jahren einen Tag. Ebenfalls waren die Monddaten fehlerhaft. Der gefasste Konzilsbeschluss ging von einem 19jährigen Mondzyklus aus. Nach diesem Beschluss sollten die nach dem Ablauf von 19 Jahren die Mondphasen wieder auf den gleichen Tag fallen. Doch diese Berechnung mit 19 Jahren = 235 Mondmonaten ging nicht auf. 19 julianische Jahre enthalten 6939d 18h - dagegen 235 Monate nur 6939d 16h 31m 48s. Damit betrug die Differenz 1h 28m 12s und das führt in 310 Jahren zu einem vollen Tag Abweichung im Mondzyklus.
Ein Beispiel für die Auswirkungen die dieses Problem gibt Roger Bacon und zwar am Osterfest des Jahres 1267. Der astronomische Frühlingsvollmond fiel auf den 9. April und Ostern demzufolge auf den 10.April. Der julianische Kalender wies jedoch den 17. April als Ostersonntag aus. Die Folge: Während der ganzen Karwoche, in der jeder Christ zum Fasten verpflichtet war, wurde Fleisch gegessen, während man in der dem Jubel geweihten Osterwoche fastete. Hier wird deutlich, dass es bei der Osterrechnung nicht um die Datierung eines Festtages, sondern um das die Gläubigen tiefbewegende Gedenken an den Opfertod des Gottessohnes, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi ging. Und deshalb musste die Erkenntnis, das diese das Heilsgeschehen begründete Vorgänge falsch datiert waren, die Menschen beunruhigen.
(siehe Jürgen Hamel: Geschichte der Astronomie).

Apropo Astronomie:
Beda Venerabilis schildert in seiner Historia ecclesiastica eine Sonnenfinsternis:
„Im gleichen Jahr unseres Herrn 664 geschah eine Sonnenfinsternis gegen 10 Uhr am Morgen des dritten Tages des Mai …“
(zitiert nach Manfred Vasold: Pest, Not und schwere Plagen; Bechtermünz Verlag)

Also ein Astronomieprogramm (Redshift 4) gestartet:
Als Standort London angegeben und im Bereich von 600 - 1000 nach Sonnenfinsternissen suchen lassen.
Die dem 3.Mai am nächsten kommende Sonnenfinsternis war am 1.Mai 664 um 17.20 Uhr, betrachtet man nun die Tatsache das Beda seine Zeitangabe im julianischen Kalender, das Astronomieprogramm das Ergebnis im gregorianischen Kalender anzeigt, muss man die Abweichung von julianischen zum gregorianischen Kalender berücksichtigen also 664-325= 339/128= 2,64.
Man muss also zum 1.Mai noch 2 Tage hinzurechnen, da der julianische dem gregorianischen ja vorausläuft und man sieht für mitteralterliche Verhältnisse ein Volltreffer.

Nun es könnte ja sein das es 297 Jahre später ebenfalls eine Sonnenfinsterniss gab:
Keine einzige Sonnenfinsternis die zwischen 850-1000 stattfand kam dem oben genannten Ergebnis nahe (hier nur die mit ±15 Tagen): 26.4.903; 15.4.907; 17.4.915; 6.5.924; 16.4.934; 17.5.961; 8.5.970; 28.5.979; 18.5.988

weitere astronomische Widerlegungen der Thesen Illig’s findet man auf:
http://www.dbs.informatik.uni-muenchen.de/_krojer/in…

Desweiteren zeigen sich bei Illig erhebliche methodische Fehler (besonders im Umgang mit Zitaten), dem hat sich Dieter Lehmann ausführlich gewidmet:
http://home.snafu.de/tilmann.chladek/Seiten/Illig_Zi…
Würde man den gleichen Masstab die Illig an historische Quellen anlegt, bei ihm fordern, wär das Thema gleich erledigt. :wink:

Zusätzlich stellen sich dann noch die Fragen nach dem Täter und dem Motiv, auch hier bleibt Illig eine befriedigende Antwort schuldig. Ganz zu schweigen von den tausenden Quellen aus dieser Zeitperiode, die es angeblich nicht gibt, die aber trotzdem die Frechheit haben sich etwa im bayrischen Staatsarchiv zu befinden. (Man stellt sich irgendwie die Frage wieviele nicht vorhandene Quellen sich wohl in den Archiven des Vatikans gibt).

Nun wenn die Jahre 614 bis 911 gefälscht wurden:
0615-618 Papst Deusdedit.
0619-625 Papst Bonifatius V.
0625-638 Papst Honorius I.
0640 Papst Severinus
0640-642 Papst Johannes IV.
0642-649 Papst Theodor I.
0649-653 Papst Martin I…
0654-657 Papst Eugen I…
0657-672 Papst Vitalian.
0672-676 Papst Adeodatus II.
0674-678 Die arabischen Angriffe auf Konstantinopel (auch 717/18) werden abgewehrt.
0676-678 Papst Donus
0678-681 Papst Agatho.
0680-681 Konzil von Konstantinopel
0682-683 Papst Leo II…
0684-685 Papst Benedikt II…
0685-686 Papst Johannes V.
0686-687 Papst Konon (Theodor 687, Paschalis 687)
0687 Pippin II. der Mittlere (Majordomus 679-714). Sein unehelicher Sohn Karl Martell (Majordomus 714-741) führte das Reich wieder zusammen und unterwirft die Alemannen und Thüringer.
0687-701 Papst Sergius I.
0697 Karthago wird durch arabische Heere eingenommen.
0701-705 Papst Johannes VI.
0705-707 Papst Johannes VII.
0708 Papst Sisinnius
0708-715 Papst Konstantin I.
0711 Sarazeneneinfall in Spanien. Unter dem Feldherr Tarik setzen Araber bei Gibraltar über und dringen in das Westgotische Reich ein.
0715-731 Papst Gregor II…
0726-843 Bilderstreit (Ikonoklasmus) in der byzantinischen Kirche
0731-741 Papst Gregor III.
0732 Schlacht von Tours und Poitiers. Karl Martell besiegt die Araber. Kurz vor seinem Tode teilt er das Reich unter seinen Söhnen auf: Karlmann (Regierungszeit 741-747) erhält den Osten des Reiches mit Austrien, Schwaben und Thüringen, Pippin III. der Jüngere Neustrien, Burgund und die Provence.
0741-752 Papst Zacharias.
0751 Pippin III. von den Franken zum König gewählt.
0752-757 Papst Stephan II.
0752-767 Papst Paul I… (Konstantin II. 767-768, Philippus 768)
0754 Pippinische Schenkung
0768 Pippin teilt das Frankenreich unter seinen Söhnen Karl (der Große) und Karlmann, der 771 stirbt.
0768-772 Papst Stephan III.
0768-814 Karl der Große *747-04-02, +814-01-28, seit 800-12-25 römischer Kaiser
0772-795 Papst Hadrian I.
0772-804 Sachsenkriege von Karls des Großen.
0774 Eroberung des Langobardenreichs, Vereinigung mit dem fränkischen Reich.
0785 Friedensschluß zwischen Widukind und Karl, Taufe von Widukind.
0787 Konzil von Nicäa
0791 Avarenfeldzug scheitert an Pferdeseuche im fränkischen Lager
0795-816 Papst Leo III…
0800, 23./24.12. Kaiserkrönung Karls des Großen durch Papst Leo III.
0814-840 Ludwig der Fromme *778, +840-06-20, seit 814 römischer Kaiser
0816-817 Papst Stephan IV.
0817-824 Papst Paschalis I…
0824-827 Papst Eugen II.
0827 Papst Valentin
0827-844 Papst Gregor IV. (Johannes 844)
0843 Vertrag von Verdun zwischen Kaiser Lothar I. (840-855), Ludwig dem Deutschen (843-876) und Karl II., der Kahle (843-877).
0843-876 Ludwig der Deutsche *um 804, +876-08-28, ostfränkischer König
0844-847 Papst Sergius II.
0845 Normanneneinfälle in Hamburg und Paris.
0847-855 Papst Leo IV…
0850 (ca.) Kyrillos und Methodios, die „Slawenlehrer“.
0855-858 Papst Benedikt III. (Anastasius II. 855)
0858-867 Papst Nikolaus I…
0867-872 Papst Hadrian II.
0869-870 Konzil von Konstantinopel
0870 Vertrag von Mersen, Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle teilen das Mittelfränkische Reiches unter sich.
0872-882 Papst Johannes VIII.
0876-882 Ludwig III., der Jüngere +882-01-20, ostfränkischer König
0876-887 Karl III., der Dicke *839, +888-01-13, seit 881 römischer Kaiser
0882-884 Papst Marinus I.
0884-885 Papst Hadrian III…
0885 Alfred der Große befreit London von den dänischen Wikingern.
0885-891 Papst Stephan V.
0887-899 Arnulf von Kärnten *um 850, +899-12-08, seit 896 römischer Kaiser
0891-896 Papst Formosus
0896 Papst Bonifatius VI.
0896-897 Papst Stephan VI.
0897 Papst Romanus
0897 Papst Theodor II.
0898-900 Papst Johannes IX.
0900-903 Papst Benedikt IV.
0900-911 Ludwig das Kind *893, +911-09-24, ostfränkischer König
0903 Papst Leo V. (Christophorus 903-904)
0904-911 Papst Sergius III.
0906 Zerstörung des Großmährischen Reiches durch die Ungarn (Magyaren).
0910 Gründung des Klosters Cluny.
0911-913 Papst Anastasius III. (Ups ab hier stimmt es ja wieder)

und das ist bei weitem nicht alles.

Alles gefälscht?

Gruss
Armin

Hallo Arnmin,

ohne im einzelnen darauf eingehen zu wollen, möchte ich die interessierten Leser darauf hinweisen, daß Deine Argumente zu Nicäa und Astronomie in der Illig-Schule als veraltet und als seit Jahren stichhaltig widerlegt angesehen werden. Auch zur Frage nach „Täter und Motiv“ gibt es reichlich Aufsätze, wenn einem der bei antizipatorischen Urkundenfälschungen sich aufdrängende Verdacht nicht ohnehin genügt.

Mit freundlichen Grüßen,

Taro

Wenn ich allerdings 300 Jahre aus der Geschichtsschreibung
streichen will muss ich schon verdammt gute Beweise bzw.
Belege vorlegen um meine Behauptung zu stützen und da genügt
es eben nicht ein paar Quellen „misszuverstehn“.

Hier juckt es mich in den Fingern, anstelle von Illig zu antworten: Wenn ich allerdings 300 Jahre in die Geschichtsschreibung zusätzlich einfügen will, muß ich schon verdammt gute, zwingend zu datierende archäologische Fundstücke vorlegen. Diese aber fehlen.

Mit freundlichen Grüßen,

Taro

Illig zweifelt alles an was seiner Theorie widersprechen könnte, das ist wirklich nichts neues.
C-14 widerspricht der These - also weg damit.
Dendrochronologie widerspricht der These - also weg damit.
Alte Quellen widersprechen der These - also weg damit.
Astronomie widerspricht der These - also weg damit.

Warum eigentlich nicht Illigs These weg damit. Scheint ja mittlerweile die reinste Pseudowissenschaft zu sein - durch nichts zu widerlegen.

Ich möchte ich einen Beweis warum 300 Jahre gefälscht wurden und von wem,
es muss ja tausende von Fälschungsanweisungen gegeben haben, schliesslich müssten alle Chronisten und des Lesens mächtige Personen informiert werden (Könnt ja irgendwer auf die Idee kommen ein Datum zu erwähnen) dann müssten auch alle historischen Ereignisse vor der Fälschung und nach der Fälschung angepasst werden (auch seltene astronomische Ereignisse würden wenn man sie zurückrechnet um 300 Jahre abweichen, da würden manche Astronomen wohl an Newton und Einstein zweifeln. Tun sie aber nicht.)
Fälschungen hat es gegeben, entweder absichtlich oder durch das abschreiben, unbestritten, aber alles? Da haben Illig und seine Getreuen viel zu tun

Man kann sich auch fragen ob überhaupt je irgendein Ereignis in der Geschichte stattgefunden hat.

Gruss
Armin

Natürlich kann man es sich auch so einfach machen. Ich gehe dann aus der Diskussion hier heraus, denn ich will weder einen Debattensieg erfechten, noch mit Engelszungen redend jemanden zu einem Glauben bekehren.

Mit freundlichen Grüßen,

Taro

Denk auch das es am besten ist - scheint eh niemanden mehr zu intressieren.

Nix für Ungut
Armin