Gesundheitsreform

Hallo,

vielleicht sollte man unabhängige Gesundheitsambulanzen einrichten.
So etwas wie „Stiftung Warentest“ für die Gesundheit.
Die Ambulanzen der Krankenhäuser (und die Krankenhäuser allgemein) sind für So etwas doch nicht mehr finanzierbar (siehe Einführung von Fallpauschalen).
Der Bürger geht dort hin und wird je nach Krankheitsbild an verschiedene ambulante/stationäre Ärzte weiterverwiesen, kleinere Behandlungen werden in den Gesundheitsambulanzen vor Ort erledigt z.B. einfache Verletzungen mit Verbänden und Tetanusimpfung.
Wenn der unabhängige Arzt einer Gesundheitsambulanz keinen Behandlungsbedarf sieht, schickt er den Bürger wieder heim oder/und verweist ihn an bestimmte Heilpraktiker, deren Behandlung der Bürger aber selbst bezahlen muss.
Eine unabhängige Schiedsstelle ist für strittige Fälle zuständig.

Vorteil:
Patientenbindung bleibt aussen vor.
Pharmaindustrie bleibt aussen vor.
Gesundheitsversorgung bleibt gewährleistet.
Kaffeekränzchen mit dem Arzt sind nicht mehr möglich.

Nachteil/bleibende Fragen:
Irgendwie muss die Unabhängigkeit der Gesundheitsambulanz und der Schiedsstelle finanziert werden.
Wie läuft es bei der Stiftung Warentest?

Ist erstmal so ein Gedanke.

Gruß
karin

Null Input
Ihr stimmt mir also Alle zu.

Danke!

Gruß
karin

Hi!

Nö. :wink:
Ich stimme dir allein deshalb schon nicht zu, weil es sich um einen theoretischen und idealtypischen Lösungsansatz handelt, der in der praktischen Umsetzung vermutlich scheitern wird.

Soweit ich deine Vorschlag verstanden habe, soll es eine zentrale Anlaufstelle für Patienten geben, die dann über die mögliche Weiterbehandlung des Patienten entscheidet.

1.Frage:
Wie werden die Mediziner dieser Anlaufstelle bezahlt? Bekommen sie ein Fixum (dann besteht für die Ärzte kein Grund, sich irgendwelchen Stress zu machen)? Werden sie nach Anzahl der behandelten Patienten abgerechnet (dann haben wir ein seelenlosen Massengeschäft)? Wird nach diagnostizierter Schwere der Krankheit bezahlt (dann werden Leistungen verschrieben, die evtl. gar nicht notwendig sind)?

2.Frage:
Wie verhält sich ein behandelnder Arzt, wenn nach seiner Meinung vom Arzt der zentralen Anlaufstelle eine Fehldiagnose gestellt wurde (statt der diagnostizierten „Muskelzerrung im Rücken“, die mit etwas Salbe und Massagen behandelt werden soll, stellt der behandelnde Arzt eine „Entzündung eines Rückenwirbels“ fest - also zurück zur Zentralen Anlaufstelle, neue Diagnose und neue Überweisung an einen behandelnden Arzt)?

3.Frage:
Wie soll im vorgeschlagenen Modell verhindert werden, dass eine Anlaufstelle nicht mit einer Gruppe weiterbehandelnder Arztpraxen kungelt (Arzt X kennt Arzt Y vom Studium, aus dem Sportclub usw. und sorgt dafür, dass dessen neuer Tomograph entsprechenden Einsatz findet)? Wer will da kontrollieren und überwachen?

4.Frage:
Es soll keine Bindung zwischen Arzt und Patient mehr geben. Abgesehen von dem negativen psychologischen Effekt, dass kein echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann, stellt sich die Frage, wie der Patient sich bei längerwierigen Behandlungen verhalten muss. Nach jeder Behandlung wieder zur zentralen Anlaufstelle, um sich eine neue Arztadresse zu holen?

5.Frage:
Kann die Pharmaindustrie wirklich aus den Praxen der behandelnden Ärzte herausgehalten werden? Wie soll verhindert werden, dass ein Arzt von einem Pharmavertreter Rabatte für teuer abzurechnende Medikamente in Aussicht gestellt werden, wenn nicht über eine Negativ- oder Positivliste? Oder dem Arzt kostenintensive Gerätschaften aufgeschwatzt werden, die sich nur durch hochfrequente Nutzung rentieren?

Anm.: Ich möchte keinem Arzt in diesem Zusammenhang irgendetwas unterstellen, aber den idealtypischen Fall gibt es im realen Leben m.E. einfach nicht. Die Masse der Ärzte verhält sich adäquat zur Gesamtmasse der Bevölkerung, und eine gewisses Potential zur „Unredlichkeit“ ist bei jedem gegeben.

Grüße
Heinrich

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Heinrich,

1.Frage:
Wie werden die Mediziner dieser Anlaufstelle bezahlt? Bekommen
sie ein Fixum (dann besteht für die Ärzte kein Grund, sich
irgendwelchen Stress zu machen)? Werden sie nach Anzahl der
behandelten Patienten abgerechnet (dann haben wir ein
seelenlosen Massengeschäft)? Wird nach diagnostizierter
Schwere der Krankheit bezahlt (dann werden Leistungen
verschrieben, die evtl. gar nicht notwendig sind)?

Das ist noch festzulegen/zu diskutieren, man sollte sich die DRGs (neues Abrechnungssystem über diagnosebezogene Fallpauschalen in Krankenhäusern) mal zu Gemüte führen, dann erklären sich manche Fragen von selbst.
Ansonsten besteht hier ein Regelungsbedarf - ganz klar.

2.Frage:
Wie verhält sich ein behandelnder Arzt, wenn nach seiner
Meinung vom Arzt der zentralen Anlaufstelle eine Fehldiagnose
gestellt wurde (statt der diagnostizierten „Muskelzerrung im
Rücken“, die mit etwas Salbe und Massagen behandelt werden
soll, stellt der behandelnde Arzt eine „Entzündung eines
Rückenwirbels“ fest - also zurück zur Zentralen Anlaufstelle,
neue Diagnose und neue Überweisung an einen behandelnden
Arzt)?

Der Arzt setzt sich mit der zentralen Anlaufstelle in Verbindung und wird mit anderen Ärzten, die dem entsprechenden Fachgebiet zugeordnet sind in einen konstruktiven Dialog treten.
Jeder Fall wird dokumentiert und von einer Expertengruppe überwacht, wenn also eine vermeintliche Erkrankung, nach Behandlung durch Arzt A, nach einer gewissen Zeit keine Besserung verspricht (oder der Patient sich an die Schiedstelle wendet), wird die Expertengruppe eingeschaltet und berät über den Fall und verweisst u.U. an Arzt B/C/D.
Wie ist es denn im Augenblick geregelt?
Der Patient hat Beschwerden, die sich nicht bessern und deshalb sucht er zahllose weitere Ärzte auf, er hat keinerlei Informationen über die Qualifikation eines Arztes und über die Zufriedenheits-/Erfolgsquote bei der Behandlung seines Krankheitsbildes, bei seinem oder anderen Ärzten.

3.Frage:
Wie soll im vorgeschlagenen Modell verhindert werden, dass
eine Anlaufstelle nicht mit einer Gruppe weiterbehandelnder
Arztpraxen kungelt (Arzt X kennt Arzt Y vom Studium, aus dem
Sportclub usw. und sorgt dafür, dass dessen neuer Tomograph
entsprechenden Einsatz findet)? Wer will da kontrollieren und
überwachen?

Das ist ein Problem und sollte strafrechtlich geahndet werden, gibt es doch m.W. schon für Insidergeschäfte an der Börse.
Spezialgerätschaften sollten im Prinzip nur in staatlichen Kliniken zur Verfügung stehen, man müsste den aktuellen statistischen Bedarf ermitteln.

4.Frage:
Es soll keine Bindung zwischen Arzt und Patient mehr geben.
Abgesehen von dem negativen psychologischen Effekt, dass kein
echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann, stellt sich
die Frage, wie der Patient sich bei längerwierigen
Behandlungen verhalten muss. Nach jeder Behandlung wieder zur
zentralen Anlaufstelle, um sich eine neue Arztadresse zu
holen?

Die mangelnde Bindung soll hauptsächlich zur Verhinderung von Zweckmässigkeitskrankschreibungen und Langeweilebesuchen dienen.
Bei schwerwiegendem und/oder längerfristigem Behandlungsbedarf ist ein persönlicher Arzt-Patient-Kontakt gewünscht und wird auch finanziell berücksichtigt, z.B. durch erhöhte Hausbesuchspauschalen und erhöhte Vergütungen für Aufklärungsgespräche in den Praxen.

5.Frage:
Kann die Pharmaindustrie wirklich aus den Praxen der
behandelnden Ärzte herausgehalten werden? Wie soll verhindert
werden, dass ein Arzt von einem Pharmavertreter Rabatte für
teuer abzurechnende Medikamente in Aussicht gestellt werden,
wenn nicht über eine Negativ- oder Positivliste? Oder dem Arzt
kostenintensive Gerätschaften aufgeschwatzt werden, die sich
nur durch hochfrequente Nutzung rentieren?

Pharmavertreter werden weiterhin notwendig sein, da ein Arzt in der Regel keine Zeit oder/und Interesse hat, sich jeden Tag über neue Medikamente und deren Vor-/Nachteile im z.B. Internet zu informieren.
Meiner Meinung nach stellen Pharmavertreter auch eine geeignete Weiterbildungsmöglichkeit dar - die zur Zeit leider durch z.B. kostenlose Freizeitangebote für den Arzt, einen negativen Beigeschmack bekommen haben.
Allerdings sollten diese Kontakte reglementiert werden .

Anm.: Ich möchte keinem Arzt in diesem Zusammenhang
irgendetwas unterstellen, aber den idealtypischen Fall gibt es
im realen Leben m.E. einfach nicht. Die Masse der Ärzte
verhält sich adäquat zur Gesamtmasse der Bevölkerung, und eine
gewisses Potential zur „Unredlichkeit“ ist bei jedem gegeben.

Ein gewisses Vertrauen ist für die Inanspruchnahme einer Dienstleistung von Vorteil.
Ausgenutzt wird dieses Vertrauen doch dann, wenn keinerlei Vergleichs- und Kontrollmöglichkeit besteht und Das könnte man doch regeln.

Grüße
Heinrich

Gruß
karin

Nun Was jetzt?
Hallo Heinrich,

Input Ja aber eigentlich nur so … oder wie?

Gruß
karin

Ihr stimmt mir also Alle zu.

Danke!

Gruß
karin

Nö. :wink:
Ich stimme dir allein deshalb schon nicht zu, weil es sich um
einen theoretischen und idealtypischen Lösungsansatz handelt,
der in der praktischen Umsetzung vermutlich scheitern wird.

Soweit ich deine Vorschlag verstanden habe, soll es eine
zentrale Anlaufstelle für Patienten geben, die dann über die
mögliche Weiterbehandlung des Patienten entscheidet.

1.Frage:
Wie werden die Mediziner dieser Anlaufstelle bezahlt? Bekommen
sie ein Fixum (dann besteht für die Ärzte kein Grund, sich
irgendwelchen Stress zu machen)? Werden sie nach Anzahl der
behandelten Patienten abgerechnet (dann haben wir ein
seelenlosen Massengeschäft)? Wird nach diagnostizierter
Schwere der Krankheit bezahlt (dann werden Leistungen
verschrieben, die evtl. gar nicht notwendig sind)?

2.Frage:
Wie verhält sich ein behandelnder Arzt, wenn nach seiner
Meinung vom Arzt der zentralen Anlaufstelle eine Fehldiagnose
gestellt wurde (statt der diagnostizierten „Muskelzerrung im
Rücken“, die mit etwas Salbe und Massagen behandelt werden
soll, stellt der behandelnde Arzt eine „Entzündung eines
Rückenwirbels“ fest - also zurück zur Zentralen Anlaufstelle,
neue Diagnose und neue Überweisung an einen behandelnden
Arzt)?

3.Frage:
Wie soll im vorgeschlagenen Modell verhindert werden, dass
eine Anlaufstelle nicht mit einer Gruppe weiterbehandelnder
Arztpraxen kungelt (Arzt X kennt Arzt Y vom Studium, aus dem
Sportclub usw. und sorgt dafür, dass dessen neuer Tomograph
entsprechenden Einsatz findet)? Wer will da kontrollieren und
überwachen?

4.Frage:
Es soll keine Bindung zwischen Arzt und Patient mehr geben.
Abgesehen von dem negativen psychologischen Effekt, dass kein
echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann, stellt sich
die Frage, wie der Patient sich bei längerwierigen
Behandlungen verhalten muss. Nach jeder Behandlung wieder zur
zentralen Anlaufstelle, um sich eine neue Arztadresse zu
holen?

5.Frage:
Kann die Pharmaindustrie wirklich aus den Praxen der
behandelnden Ärzte herausgehalten werden? Wie soll verhindert
werden, dass ein Arzt von einem Pharmavertreter Rabatte für
teuer abzurechnende Medikamente in Aussicht gestellt werden,
wenn nicht über eine Negativ- oder Positivliste? Oder dem Arzt
kostenintensive Gerätschaften aufgeschwatzt werden, die sich
nur durch hochfrequente Nutzung rentieren?

Anm.: Ich möchte keinem Arzt in diesem Zusammenhang
irgendetwas unterstellen, aber den idealtypischen Fall gibt es
im realen Leben m.E. einfach nicht. Die Masse der Ärzte
verhält sich adäquat zur Gesamtmasse der Bevölkerung, und eine
gewisses Potential zur „Unredlichkeit“ ist bei jedem gegeben.

Grüße
Heinrich

Hi!

Input Ja aber eigentlich nur so … oder wie?

Sicher kann man das Gesundheitssystem auf die Schiene aufsetzen, wie du es beschrieben hast - nur glaube ich nicht, dass wir damit die ausufernden Kosten in den Griff bekommen.

Eine Frage, die sich mir in dem Zusammenhang aufdrängt, ist:

Wie sehen eigentlich die Gesundheitssysteme in anderen Ländern aus?
Gibt es Länder, wo die Gesundheitssysteme in Umfang und Qualität dem deutschen System entsprechen und gleichzeitig kostendeckend sind?

In Großbritannien wackelt die medizinischen Versorgung ganz bedenklich und steht unmittelbar vor dem Kollaps. In den USA ist Gesundheit ganz eindeutig eine Frage des Geldes - wer wenig Geld hat, stirbt früher. Selbst das ehemalige Sozialvorsorgeparadies Schweden verzeichnet mittlerweile eine erhöhte Sterblichkeitsrate bei Patienten, weil sich Behandlungen mangels Möglichkeiten (räumlich wie finanziell) immer wieder verschieben. Welches Land verfügt also noch über ein funktionierendes System?

Grüße
Heinrich

Ländervergleich
Hallo Heinrich,

Sicher kann man das Gesundheitssystem auf die Schiene
aufsetzen, wie du es beschrieben hast - nur glaube ich nicht,
dass wir damit die ausufernden Kosten in den Griff bekommen.

Nun, es war ein Versuch.

Eine Frage, die sich mir in dem Zusammenhang aufdrängt, ist:

Wie sehen eigentlich die Gesundheitssysteme in anderen Ländern
aus?
Gibt es Länder, wo die Gesundheitssysteme in Umfang und
Qualität dem deutschen System entsprechen und gleichzeitig
kostendeckend sind?

Auf Dieser Seite:
http://www.euro.who.int/observatory/Hits/TopPage
kannst Du Dich über die Gesundheitssysteme von 45 Ländern informieren.

Welches Land verfügt also noch über
ein funktionierendes System?

Das würde mich auch interessieren.
Ein Link zu dieser Problematik:
http://www.presse.uni-augsburg.de/unipress/up20023/a…

Grüße
Heinrich

Vielen Dank für Deine Antwort!

Gruß
karin