Gevatter und Gesellen

Ich dachte immer das wären beides „partizipiale Bildungen“ wie „Getümmel“ und „Gespräch“, „Gedöns“.
Da ist aber zu lesen, daß „Gevatter“ von „gifatare“ o.ä. „Taufpate“ kommt. Scheint sich aber doch auch „irgendwie um den/die Väter herum“ zu bewegen, oder?
Auf der Stufe/als Vertretung des Vaters.
Ist es geschichtlich zu sehen, daß es wohl Geschwister und Gebrüder, aber keine Gemütter gibt?
Aber auch viel „Gesocks“ anne Füße?
Letzteres bitte nich ernstnehmen, soll nur (wengstens meiner) Erheiterung dienen.
Eingedenk etwaiger Empfindlichkeit.

Sind solche „Ge-“, „Be-“, „Zer-“ und „Ver-“ Formen nicht auch eine Art „gerund“ (im Englischen), also eine Art typisch deutscher Substantivierung von Verben u n d Substantiven?

Manchmal ist die Vorsilbe „ge-“ aber bestimmt auch nur Kontraktion von einem eigenständigen früheren Wort, und ist dann, häufiger, noch weiter zu neinem bloßen „g“ verkümmert. („Griffel“).
Und was ist mit poln. „Gdansk“, „Gdynia“, Gdingen"?
Und dem poln.:
„gdzie“ (dt. Aussprache etwa: `gdschä´)= dt.: „wo“ ???

Gtschä - moin, manni

Zum Geriffel:
Hi manni,

dass der Geriffel zum Griffel zusammengeschnurrt ist, glaube ich nicht so ganz, deshalb sah ich mich veranlasst, zum Griffel zu gereifen.

Das Substantiv zu „geriffelt“ könnte wohl „Geriffel“ heißen, aber dieser Griffel wäre eher sächlich. Auch interessant: Wie aus den Riefen wohl das „geriffelt“ wurde.

Gruß Ralf

Ich schätze der Griffel kommt von greifen.

LG
Stuffi

drum gereifen wir zum Griffel! Gruß (owT)

Ich schätze der Griffel kommt von greifen.

LG
Stuffi

Ergriffelnd!
Datt schenurrt sich schaman aallns so torecht, Ralf, wa?!
Nun schreite ich auchnochma zum Geritzel mitnem kleinen Gerätsel: (salziges Gerät)

„Wie aus den Riefen wohl das „geriffelt“ wurde.“ ??
Männliches Geriffel und sächliche Riefen?

Und wie auf Kreta Kreide zum kritischen Kritzeln geschrieben wird.

Ernsthaft und zurück:

Haltet ihr es für möglich, daß das „Ge-“ in Gevatter u.ä. eine Beziehung hat zur g e n ealogischen Bedeutung? Auch Knie = genou/ginocchio(ital) ~ "Verteilerstelle"Generationssprungstelle o.ä., aber auch v.v. „Zu g e teiltes“?
Kamman ja ganz gescheuert bei werden…

Gruß, Manni

moin, manni,

Wer vieles bringt, wird jedem …

Und unter vielem Abraum findet sich vielleicht doch noch ein Halbedelsteinchen.

Geselle, Gefährte, Genosse, sind Ableitungen für Personen, mit denen man den Wohn- und Arbeitsraum im Haus des Meisters teilt; Leute, mit denen man auf Fahrt geht, und mit denen man das Essen genießt.
Dazu gehört noch der Kamerad, mit dem man die Kammer teilt und der Kollege, mit dem zusammen man das Collegium (die Vorlesung) besucht, der Kommilitone, der mit uns die Widrigkeiten des Alltags bekämpft.

Und eben der Gevatter, der uns die Mühen der Vaterschaft tragen hilft. War einst ein Rechtstitel. Im Todesfall ist der Gevatter der Vormund.

Diese Nomen sind alle Maskulina, haben also den Artikel „der“!

Die anderen Bildungen mit Ge- + Verb
wie Getanze, Gesinge, Geschrei, Geplärr, Geschwätz, Gelaber, Geblödel meinen die Tätigkeiten in übertriebenem Maße ausgeübt.

Diese sind übrigens durchweg Neutra, haben also den Artikel „das“!

Die selbe negative Bedeutung haben auch eine Menge von Wortbildungen auf -ei:
Tanzerei, Singerei, Plärrerei, Laberei, Rederei, Vereinsmeierei, diese sind nun durchweg Feminina mit dem Artikel „die“!

Fritz

Zu: ‚Ge-‘, ‚Be-‘, ‚Zer-‘ und ‚Ver-‘
Jetzt noch zu diesem Teil der Frage:

Sind solche „Ge-“, „Be-“, „Zer-“ und „Ver-“ Formen nicht auch
eine Art „gerund“ (im Englischen), also eine Art typisch
deutscher Substantivierung von Verben u n d Substantiven?

Genau so ist es. Wenn du nämlich Wörter wie:

„die Geliebte, der Bekannte, der Zerrissene, die Erniedrigten und Verdammten“ meinst.

Das sind die Partizip II-Formen (Partizip/Mittelwort der Vergangenheit), mit denen wir das Perfekt (a) oder das Passiv (b) bilden.
=> a) Er hat sie geliebt. b) Sie wurde von ihm geliebt.

Sie können wie Verbformen (siehe Perfekt und Passiv) oder wie Adjektive verwendet werden.
=> Dies ist mein geliebter Sohn. Du bist ein verdammter Hurensohn. Er ist ein begnadeter Sänger.

Als Adjektive können sie auch substantiviert, also zu Nomen/Hauptwörtern gemacht werden.
=> die geliebte Frau => die Geliebte,
der vertriebene Flüchtling => der Vertriebene,
der von einem Kreis abgeordnete Vertreter im Parlament => der Abgeordnete.
das, was er gestern gesagt hat => das gestern Gesagte

Diese Nomen sind je nach der Person maskulin, feminin oder neutrum.
=> das Geliebte (Kind), die Geliebte (Frau), der Geliebte (Mercedes).

Fritz

Geil(t)
lieber Fritz.

Hast du vielleicht auchne Idee zu den Namen Gdansk, etc? (Gehört nicht unbedingt in „Fremdsprachen“, finde ich, genauso wenig wie „Pommern“ (>

Geziehe und Geleuchte
Eine Korrektur, verehrter Fritz.

Die anderen Bildungen mit Ge- + Verb
wie Getanze, Gesinge, Geschrei, Geplärr, Geschwätz, Gelaber,
Geblödel meinen die Tätigkeiten in übertriebenem Maße
ausgeübt.

Muß nicht in übertriebenem Maße sein:

Gebäude, Gebet, Gebinde, Gebläse, Gebrauch, Gedenken, Gedicht, Gefälle, Gefäß, Gefecht, Geflecht, Gefolge, Gehänge, Vorgelege, Getriebe, Geschlecht, Gehäuse, Gehege, Gelege, Gemach, Gesuch, Angebot, sogar: Glas

Gruß,

Wolfgang Berger

Gebäude, Gebet, Gebinde, Gebläse, Gebrauch, Gedenken, Gedicht,
Gefälle, Gefäß, Gefecht, Geflecht, Gefolge, Gehänge,
Vorgelege, Getriebe, Geschlecht, Gehäuse, Gehege, Gelege,
Gemach, Gesuch, Angebot, sogar: Glas

Hallo, Wolfgang,
nicht immer im Übermaß, aber stets in einer Mehrzahl von Dingen/Taten.

Gebäude - eine Anzahl von Baulichkeiten (Mauern)
Gebet - eine Anzahl von Bitten
Gebinde - eine Anzahl von gebundenen Dingen
usw.

Dass wir in manchen dieser Wörter die Mehrzahl nicht mehr empfinden, liegt wohl an unserer mittlerweile etwas veränderten Sicht auf die Dinge.
z.B. ist für uns ein Gemach ein Zimmer. Für den mittelalterlichen Menschen war aber ein Raum, zusammen mit den darin entahaltenen Einrichtungsgegenständen gemeint.

Wir können also davon ausgehen, das ursprünglich die Vorsilbe Ge- eine Gruppe von Dingen (oder Vorgängen) einleitete.

Grüße
Eckard.

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Danke, Eckard, dem ist nichts hinzuzufügen! (owT)
FR

Das, bester manni,

Gdansk, etc? „Gdynia“

liegt außerhalb meines Wissens- und Interessenshorizont.

Aber wer/was ist eigentlich wie „Subjekt“ der (zB deutschen)
Sprache?

Den indoeuropäischen Sprachen ist es gemein, dass sie zu einer Tätigkeit einen Täter hinzudenken und sogar hinzudenken müssen.
In asiatischen, indianischen und afrikanischen Sprachen soll das nicht immer der Fall sein.

Die können also eine Form von „regnen“ bilden, die nur besagt, dass da was Nasses von oben kommt.
Im Deutschen wusste man zwar auch nicht, wer das macht, aber wenn man daüber spricht, muss wenigstens ein unpersönliches „ES“ im Satz erscheinen.

Der Großvater der Psychologie hat dieses ES sogar noch substantiviert und zum Herrscher im Menschen eingesetzt.

Ähnlich das „Man“. Wenn ich ausdrücken will, dass am Sonntag in der Firma gearbeitet wird und es irrelevant ist, wer die Leute sind, die arbeiten, heißt es eben: Man arbeitet am Sonntag.

Von Nietzsche stammt die Bemerkung: Zuletzt werden wir Gott nicht los, weil wir diese Grammatik nicht loswerden. (nicht wörtlich)

Fritz

Hallo Eckard,

wie recht Du hast!
Man könnte eigentlich sagen, daß es sich um eine Flexionsform des Verbs handelt, vielleicht die „rubrizierende Nominalisierung“.

Gruß,

Wolfgang Berger

Genöle umme (Ge)Dinger?
„prego, si accomodi“ und „si parla tedesco“ -
heißt es nicht auch so an manchen Orten in Italien?
Und „ich kämme sich“ in Polen?
Denke ich sich so…
Ist irgendwie „wunderbar“, wie man/es sich ein sub/objektives Verhältnis zu sich selbst und der Welt kricht. Und was ist das „man“ in uns?
Vielleicht das „Über-Es“?
Nach Julian Jaynes können wir uns ja auch vorstellen, das Bewußtsein (von uns selbst) stecke im Fuß oder in der Nase. Und warum nur im Gehirn?

Die Frage: „Glaubst du an Gott?“ ist ja eine sehr gerissene: Wenn (solange) Gott da ist, hat man natürlich die Wahl, an ihn/sie zu glauben oder nicht. Das würde ihn aber wenig interessieren. Ich antworte lieber (und sicherheitshalber): „An wen?“

Noli mi piangere - Nicht sich reg(n)en, bitte

P.S.: Wär schön, wenn sich hier mal ein „Muttersprachler“ aus Gdingen melden würde…„danske pigge elske dei“, oder doch nicht?