Gewalt an Schulen

Hallo zusammen,

gesertn lief im ZDF ein Bericht über Gewalt an deutschen Schulen. Der Bericht war durchaus interessant, jedoch auch mit vielen Klischees durchsetzt. Daher interessiert mich subjektive Realität, die Ihr im Alltag erlebt. Gibt es da tatsächlich Probleme? Wenn ja, wie geht ihr damit um?
Wie schätzt ihr das Verhalten der Leher ein? Mein Bild vom „ruhige-Kugel-schiebenden-Lehrer“, der nicht mal genug mumm in den Knochen hat, um eine Mücke zu erledigen wurde jedenfalls mal wieder bestätigt.
Aber wie gesagt, so ganz traue ich dem Bericht nicht, war doch tatsächlich von einem 15-jährigen Jungen die Rede, der von zwei 12-jährigen Mädchen verprügelt wurde… das kann ich mir nicht mal vorstellen (geschweige denn glauben, dass das wirklich passiert ist).

Grüße,

Anwar

Hi Anwar,

leider…Gewalt an Schulen gibt es und sie nimmt stetig zu.2 Jahre nach dem mein Jahrgang die Schule (Gesamtschule) verließ, wurde ein Mädchen im Treppenhaus der Schule fast vergewaltigt…von einem Mitschüler.
Mein Bruder war in einem Schulzentrum in einer Realschule,jemand aus der Hauptschule hatte es immer wieder auf ihn abgesehen und ihn vor der Schule abgepasst und vermöbelt.
Der Rektor der eigenen Schule sah sich machtlos, da der Verursacher Schüler der Hauptschule war.
Der Rektor der Hauptschule verweigerte meinem Bruder die Hilfe, weil er sich schoneinmal bei derartigen Personen eingemischt hätte. Da diese Menschen sich aber zusammenrotten müßte er inzwischen Angst haben, heil an sein Auto zu kommen.
Tja…mein Bruder wechselte daraufhin die Schule.
Selbst an dem Gymnasium an dem mein Mann war, werden inzwischen Klamotten erpresst. Das wissen wir durch jüngere Brüder von ehemaligen Schulkameraden von ihm.

Kennst Du nicht den Werbespot in dem die Mutter beim Abendbrot Mann und Kind fragt:
„Wie war dein Tag heute?“

Das war der Gewinner eines Schülerwettbewerbs unter dem Motto „Gewalt ist keine Lösung“
Im Februar diesen Jahres lief er in einigen Privaten Sendern.Leider konnte ich ihn auf die Schnelle nicht im Netz finden. Er ist sehenswert denn er spiegelt erstaublich gut den tatsächlichen Istzustand wieder.

Gruß
Maja

gesertn lief im ZDF ein Bericht über Gewalt an deutschen
Schulen. Der Bericht war durchaus interessant, jedoch auch mit
vielen Klischees durchsetzt. Daher interessiert mich
subjektive Realität, die Ihr im Alltag erlebt. Gibt es da
tatsächlich Probleme? Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Hallo Anwar,

ich war vor 25 Jahren mal für 3 Wochen im Praktikum an der im Bericht beschriebenen Schule in Augsburg. Damals haben manche Neuntklässer ihre Freundinnen dort schon auf den Strich geschickt. Meine Praktikumslehrerin war nur ca. 1,65 groß und wurde auf dem Pausenhof regelmäßig mit „He Kleine, wo gehen wir heute Abend hin?“ begrüsst. Wie gesagt, das war 1979.

Wie schätzt ihr das Verhalten der Leher ein? Mein Bild vom
„ruhige-Kugel-schiebenden-Lehrer“, der nicht mal genug mumm in
den Knochen hat, um eine Mücke zu erledigen wurde jedenfalls
mal wieder bestätigt.

Das kann nur einer sagen, der keine Ahnung hat. Das ist dasselbe, als wenn eine eine Jungfrau recht siebengescheit über Sex redet.

Aber wie gesagt, so ganz traue ich dem Bericht nicht, war doch
tatsächlich von einem 15-jährigen Jungen die Rede, der von
zwei 12-jährigen Mädchen verprügelt wurde… das kann ich mir
nicht mal vorstellen (geschweige denn glauben, dass das
wirklich passiert ist).

Es gibt auch großgewachsene, aggressive Mädchen, und kleinere, schüchterne Jungs und Einzelgänger. Da kann sowas leicht vorkommen. Wenn das nicht in deinen Kopf reingeht, sagt das eher was über dich aus.

Gruß
Michael

Hallo Anwar,

als ich Schulkind war, gab es Gewalt auch an meiner Schule. Das wurde allerdings nicht thematisiert und nannte sich Prügelei. Solche Prügeleien kamen sowohl unter Jungs als auch unter Mädchen vor. Aber es wurde auch erpreßt, und es gab Klassenkeile und Hänseleien, was sich heutzutage Mobbing nennt, und nicht weniger schlimm war wie heute.
Von einem Lehrer aus meinem Freundeskreis habe ich erfahren, dass Kinder heute skrupelloser sind. Sie können nicht aufhören zu treten, wenn einer auf dem Boden liegt. Und sie sind brutaler geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass Lehrer nicht mehr so respektiert werden, wie früher. Ihr Einschreiten muss mit viel Kalkül geschehen, wenn Waffenstillstand bewirkt werden soll. Da haben wir Eltern Schuld daran, weil der Anspruch an die Unversehrtheit des jeweiligen Kindes wesentlich wichtiger erachtet wird, als z.B. das Hausrecht der Schule und damit der Respekt vor der Institution.
Es gibt Gewaltpräventionsmaßnahmen, in dem Lehrer entsprechende Fortbildungen besuchen und diese Erkenntnisse in Sonderstunden umsetzen, Tutoren und Streitschlichter unter den älteren Schülern werden eingesetzt, schlimmstenfalls werden entsprechend ausgebildete Sozialpädagogen zur Hilfe geholt, wenn der Schulablauf spürbar darunter leidet.
Aggressionen werden unter Kindern und Jugendlichen unverhohlen ausgelebt. Das war immer schon so. Aber unsere Kultur hat sich so sehr verändert, dass Kinder Gewaltverherrlichung erfahren und ihnen oft jegliches Mitleid abhanden kommt,
von dem Mangel an Vorbildern mit diesen Emotionen umzugehen und ansatzweise der Sinn für Recht und Unrecht gar nicht zu sprechen.
In unseren Schulen spiegeln sich ungute Lebenseinstellungen von Kindern samt ihrer Familien wider. Kontrastreicher wie heute können Erziehungziele zwischen Schule und Elternhaus nicht mehr sein.

viele Grüße
claren

Hi Anwar,

gesertn lief im ZDF ein Bericht über Gewalt an deutschen
Schulen. Der Bericht war durchaus interessant, jedoch auch mit
vielen Klischees durchsetzt.

Was meinst du mit Klischees?

Daher interessiert mich
subjektive Realität, die Ihr im Alltag erlebt. Gibt es da
tatsächlich Probleme?

Nicht dein Ernst diese Frage - oder?
Du willst Realität? Na, dann begebe dich doch einfach auf einen Schulhof und warte ab, was geschieht. Sollte dir diese Realität dann nicht genügen, dann gehe an weitere Schulen.

Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Hinschauen - nicht wegschauen! Dazwischen gehen - nicht gewähren lassen!

Wie schätzt ihr das Verhalten der Leher ein?

Keine Einschätzung, sondern Erlebnisse:
Eine größere Gruppe älterer Schüler verprügeln einen Kleinen und versuchen, ihn anschließend in eine Mülltonne zu stecken. Der aufsichtführende Lehrer steht keine 10 Meter entfernt und greift nicht ein.
Ich spreche ihn auf sein Verhalten an (nachdem ich dem Kleinen geholfen habe), sein Kommentar: Ich habe das wohl falsch eingeschätzt.

Ein älterer Schüler zwingt (umringt von Freunden) einen Kleinen, sich auf dem Schulhof auszuziehen. Eine Lehrerin und ein Lehrer sehen keinen Grund einzuschreiten.
Ich gehe dazwischen (die Lehrer schauen interessiert zu) und werde von dem Schüler angegriffen. Pech für den Schüler, dass er der Schwächere war.
Auch hier spreche ich die beiden Lehrer an. Kommentar: Sie haben das doch bestens gelöst!

Beides Zufälle? Nein, ich hätte dir noch mehr Vorfälle zu erzählen!

Mein Bild vom
„ruhige-Kugel-schiebenden-Lehrer“, der nicht mal genug mumm in
den Knochen hat, um eine Mücke zu erledigen wurde jedenfalls
mal wieder bestätigt.

So würde ich das nicht ausdrücken.
Mit Sicherheit gibt es Lehrer, die feige sind und wegschauen. Es gibt aber auch Lehrer, die solche Vorfälle erst gar nicht aufkommen lassen.

Aber wie gesagt, so ganz traue ich dem Bericht nicht, war doch
tatsächlich von einem 15-jährigen Jungen die Rede, der von
zwei 12-jährigen Mädchen verprügelt wurde… das kann ich mir
nicht mal vorstellen (geschweige denn glauben, dass das
wirklich passiert ist).

Kannst du nicht? Solltest du aber!
Das ist mit Sicherheit kein Einzelfall, aber meist werden solche Vorfälle von den Kindern aus Scham verschwiegen.
Prügeln, Erpressen, drohen - längst Alltag an Schulen.

Mitschuld tragen hier alle! Lehrer und Eltern. Lehrer, weil es immer wieder welche gibt, die wegschauen und Eltern, die diese Gewalt als Kindereien abtun, oder ihre prügelnden Kinder verteidigen (meiner/meine tut das nicht).

Traurig, aber leider wahr!

mG
nyke