Gewalt - eine Krankheit?

Hallo!
Ich habe eine sehr interessante Dokumentation zum Thema „Mörder“ gesehen. Einmal wurde dort festgestellt, dass die untersuchten Mörder eins gemeinsam hatten: nämlich einen sehr hohen Testosteron-Spiegel und einen zu niedrigen Serotonin-Spiegel.
Außerdem wurde festgestellt, dass alle (untersuchten) eine schwere Kindheit mit körperlichem und/oder sexuellem Missbrauch erlebt haben, die eine Schädigung des vorderen Hirnlappens zur Folge hatte.
Untersucht wurden ausschliesslich männliche Täter.(Zumindest in diesen beiden Dokus, die ich gesehen habe)
Mir ist schon klar, dass das ein „weites Feld“ ist und evtl. nur zwei von *weissnichtwieviel* Erklärungen für Gewaltbereitschaft sind.
Trotzdem frag ich halt mal :wink:
Zu Zeiten der sogenannten schwarzen Pädagogik müsste es ja dann wesentlich mehr Gewalttaten gegeben haben??
Warum wurden nur Männer untersucht? Es gibt ja schliesslich auch mörderische Frauen.
Lassen diese Forschungen einen Ansatz zur Erklärung, warum es immer mehr gewaltbereite Jugendliche gibt, erkennen?? (kann ich nämlich nicht, weil ich eigentlich der Meinung bin, dass diese „ein paar hinter die Ohren hat noch keinem geschadet-Erziehung“ nicht mehr so verbreitet ist???)
Liebe Grüße
usch

Hallo,
die hormonellen Untersuchungen sind nicht uninteressant, allerdings schon länglich bekannt und zumindest was Serotonin anbelangt fragwürdig. Die Probanten stammen verständlicherweise überwiegend aus dem Strafvollzug. In keinen der Studien, die mir diesbzgl. bekannt sind, wird dieser „Serotonin-Level“ mit anderen Häftlingen verglichen, die z.B. wg. Diebstahl oder minderschwerer Delikte einsitzen. Die naheliegende Frage, die ich verneinen würde: Ist der Serotoninspiegel unabhängig vom „gelebten“ sozialen Umfeld und Kontakten ? Vielmehr erscheint es mir als wahrscheinlich das antisoziales Verhalten und wenig Serotonin korrelieren, also eine gegenseitige Abhängigkeit besteht und das menschenfeindliche Umfeld im Strafvollzug der wahre Grund für die niedrigen Werte ist. Das würde auch gut zu bestimmten Verhaltensmustern von Depressiven passen die Suizid begehen (selbstauferlegte soziale Isolation).

Gruss
Enno

Hallo Enno!
Ich bin überhaupt nicht vom Fach … deswegen auch bitte nicht böse sein, wenn ich „dumme Fragen“ stell.
Was Du sagst, würde bedeuten, dass die Ausschüttung des Serotonins irgenwie emotional bedingt ist??? Ich weiss nicht, wie ich es besser ausdrücken soll. Aus persönlichen Gründen habe ich mich ein wenig mit Drogen, insbesondere extasy beschäftigt. Da hiess es, das extasy die Ausschüttung von Serotonin verursacht,in so grossen Mengen, wie es nicht produziert werden kann.
Deswegen die depressiv/agressiven Stimmungen beim „runterkommen“??? Das hat aber eigentlich nichts mit dem Thema zu tun :wink:
Wenn Du einen Zusammenhang zwischen den menschlich unwürdigen Bedingungen im Strafvollzug und dem Serotonin-Spiegel siehst … hat die Serotonin-Produktion etwas mit emotional günstigen bzw. zufriedenstellenden Situationen zu tun??
Liebe Grüße
usch

Hallo,
ich bin auch nicht vom Fach, das Thema hat mich nur interessiert.

Was Du sagst, würde bedeuten, dass die Ausschüttung des
Serotonins irgenwie emotional bedingt ist???

Ja. Ich würde sagen, daß z.B. ein gutes soziales Umfeld (Freunde, gemeinsam Ausgehen) und geistige Agilität einen höheren Serotoninspiegel begünstigen.

Aus persönlichen Gründen habe ich mich ein wenig mit Drogen, insbesondere extasy
beschäftigt. Da hiess es, das extasy die Ausschüttung von Serotonin verursacht,
in so grossen Mengen, wie es nicht produziert werden kann.
Deswegen die depressiv/agressiven Stimmungen beim „runterkommen“???

Ja + plus eine Reihe anderer Botenstoffe im Hirn. Der Körper „verausgabt“ sich gewissermaßen in der Zeit des Konsums.

Wenn Du einen Zusammenhang zwischen den menschlich unwürdigen
Bedingungen im Strafvollzug und dem Serotonin-Spiegel siehst
… hat die Serotonin-Produktion etwas mit emotional günstigen
bzw. zufriedenstellenden Situationen zu tun??

Sicher. Z.B. hemmt Streß die Serotoninaufnahme.

Gruss
Enno

Hallo,

Gewalt ist keine Krankheit, sondern ein Teil eines jeden einzelnen, bei manchen unterdrückt, bei manchen offen gelebt, bei manchen als Reaktion auf die Aussenwelt.

Viele Grüsse,
BM

Ich denke die diversen Hormon- und Botenstoffspiegel sind einfach die Folge bzw. der Vorgang, nicht die Ursache. Es wird dem Gehirn beim arbeiten zugesehen und dies als Ursache hingestellt, das ist eigentlich nicht legitim. Es wird ein ‚tabula rasa‘ impliziert, das zumindest hier, nicht gegeben ist…
T.

Hallo,
so klar erscheint mir die Kausalität hier nicht gegeben. Ändert man diese Spiegel, geht ja auch eine Veränderung des Verhaltens der Person einher (z.B. sichtbar bei Drogenkonsum). Ich würde daher eher davon ausgehen, daß bestimmte „Pegelstände“ und bestimmtes Verhalten „synchron“ auftreten, wobei der Bezug individuell verschieden ist (die Wirkung dieser Stoffe hängt ja u.a. von der Rezeptordichte/-sensitivität ab, die individuell unterschiedlich ist). Es ist allerdings generell fraglich, ob man einfach anhand ausschnittsweiser Betrachtung solcher Spiegel folgern kann. Hier werden ja zig andere Hormone vernachlässigt. Das die keinen Einfluß haben, sozusagen der Folgerungsbegriff „monoton“ ist, ist eine ziemlich starke Annahme.

Gruss
Enno

Ich hab meinen Text nochmal gelesen und hab gemerkt das ich voll an der Sprachwand abgeprallt bin, ich meinte das was du geschrieben hast. Also das es einfach nur ein Blick in ein laufendes System ist, und kaum Rückschlüsse auf Ursachen zulässt, die müssen woanders gesucht werden. Natürlich kann durch Zuführung von außen (Drogen, Medikamente)ein Zustand erzeugt werden, nur ist dies kein Beweis dafür, dass die natürlichen Pegel eine Ursache sind. Sie sind eher (und richtiger) als Ausprägungen eines Zustandes interpretierbar und zeigen allerhöchsten Funktionswege auf, die keine Rückschlüsse auf Ursachen erlauben. Ein Phenomen ist keine Ursache.
T.