Hallo,
ich arbeite seit ca. 4 Jahren nebenberuflich als EDV-Berater.
Als ich damals mit meinem Steuerberater gesprochen habe meinte dieser, daß ein EDV-Berater nicht unbedingt einen Gewerbeschein benötigt. Hauptsache mit dem Finanzamt wird richtig abgerechnet.
Bisher hat dies auch alles gut funktioniert. Ich mache ordnungsgemäß meine Steuer und Umsatzsteuervoranmeldung und ziehe mir falls ich etwas für meine Tätigkeit kaufe z.B. einen PC die Vorstuer ab.
Da ein Gewerbeschein aber doch verschiedene Vorteile bringt überlege ich mir ob ich nicht doch einen beantrage. Welche Folgen/Kosten hätte dies für mich ?
Kosten auf der Gemeinde, bei der Müllabfuhr, bei der IHK,…
Wer kennt sich aus ?
Danke
Arni
Da ein Gewerbeschein aber doch verschiedene Vorteile bringt…
Hallo Arni,
wo kommt denn bloß die Parole her, daß ein Gewerbe Vorteile gegenüber einer freiberuflichen Tätigkeit hat? Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Gewerbeanmeldung verursacht Kosten. Na gut, das läßt sich verschmerzen. Die Gewerbeanmeldung bringt u. U. die Pflichtmitgliedschaft in einer Kammer mit sich - laufende Kosten für nichts. Als Gewerbetreibender kannst Du gewerbesteuerpflichtig werden - als Freiberufler nicht. Einem Gewerbetreibenden kann das FA bei Versäumnissen in den steuerlichen Obliegenheiten das Gewerbe untersagen - einem Freiberufler nicht.
Jetzt verrate mir bitte, welche Vorteile Du meinst. Hoffentlich beschränken sich die Vorteile nicht auf läppische Einkaufsausweise in Großmärkten. Solchen Zettel bekommst Du nämlich auch als Freiberufler.
Ganz nebenbei: ES gibt Leute, die kämpfen hartnäckig, um vom FA endlich als Freiberufler anerkannt zu werden. Und Du willst solchen Status freiwillig aufgeben?
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich tatsächlich diese Einkaufsausweise meinte und die Möglichkeit als Gewerbetreibender bei manchen PC-Lieferanten billiger einkaufen zu können.
Woher bekommt man denn als Freiberufler diese Einkaufsausweise.
Ich dachte, daß diese Zettel tatsächlich an ein Gewerbe gekoppelt sind.
Gruß
Arni
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Hallo!
Jeder Händler gibt -wenn überhaupt - eigene Einkaufsausweise aus. Es stimmt schon, dabei wird oft der Gewerbeschein verlangt. Richtig ist auch, daß die Angestellten des Händlers manchmal nicht wissen, daß es Selbständige auch ohne Gewerbeschein gibt, z. B. Steuerberater, Rechtsanwälte, Ärzte, Architekten, Ingenieure… Etliche Angehörige der freien Berufe haben z. B. einen Metro-Ausweis. Ich habe auch so eine Karte und bin Freiberufler. Sieht man sich das Angebot der betreffenden Großmärkte an, kommt man bald dahinter, daß der „Verkauf nur an Wiederverkäufer“ ein schlechter Witz ist. Der typische Kunde ist Kneipenbesitzer und kauft dort Billigsaucen in Eimern. Ein Wiederverkäufer im Non-Food-Bereich wird sich dort nicht bedienen, jedenfalls nicht für seinen gewerblichen Bedarf. Standard-Büroartikel gibts billig, aber auch nicht preisgünstiger als in Jedermann-Märkten. Qualitativ hochwertige Ware wird man zumeist vergeblich suchen. Dann steht man mit vollem Einkaufswagen in einer Endlosschlange und muß sich danach auch noch absolut affige Kontrollen gefallen lassen. Wer das Spielchen einige Male hinter sich hat, merkt bald, daß Metro und Consorten auch nur mit Wasser kochen und überläßt diese Einkaufsquellen den Kneipiers.
Etliche Händler von PCs und Zubehör haben das Schildchen „Nur für Gewerbetreibende“ auf dem Tresen stehen. Wirklich nennenswerte Einkaufsvorteile gegenüber z. B. den Ich-bin-doch-nicht-blöd-Preisen bekommst Du aber als gelegentlicher Abnehmer eines einzelnen PCs nicht. Kann auch kaum anders sein. Für Ware, an der ohnehin nicht viel zu verdienen ist, muß der Händler ein Kundenkonto anlegen, das vorhersehbar eine Karteileiche wird. Wer trotzdem meint, 10 Euro am PC sparen zu können (ist aber schon sehr optimistisch) und hat keinen Gewerbeschein, legt eine schriftliche Bestellung mit Firmenbriefkopf auf den Tisch des Hauses, klammert noch eine Visitenkarte dazu und schon läufts.
Wer ordentlichen Umsatz mit dem Händler macht, also immer wieder etliche PCs braucht, muß die Konditionen von den Zahlungsbedingungen, über Anlieferung und Lieferzeit bis zum Preis individuell aushandeln. Dann fragt kein Mensch nach solchem Spielkram wie einer Kundenkarte. Das macht man aber nicht mit dem abgebrochenen Studenten am Tresen, während die Schlange aus Bastlern und PC-Freaks hinter einem steht (die haben auch alle Kundenkarten, die sie als Händler ausweisen *gröhl*).
Wer nicht mehr Umsatz als der gewöhnliche Privatkunde bringt, bekommt unabhängig von irgend welchen Pappkarten auch keinen besseren Preis. Unter keinen Umständen solltest Du für die Augenwischerei mit den Kundenkarten Deinen Status als Freiberufler beim FA aufgeben.
Gruß
Wolfgang
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