Gewerbegründung - Steuerfrage - MwSt - Gewinn

Hallo liebe wer-weiss-was-Gemeinde,

ich habe beschlossen mir nebenberuflich ein Taschengeldquelle zu erschließen. Ich möchte online mit Waren handeln, allerdings ist hier der Spielraum für Gewinne sehr gering. Bedingt durch viele Händler und viel bereits vorhandene Erfahrung.

Nun also meine Frage: ist es möglich durch die vom Endkunden zu bezahlende MwSt. dennoch etwas Gewinnpotential zu erzielen ?

Hier ein Beispiel:

Ich kaufe vom Großhändler ein Produkt ein:

Netto: 79,49 € Versandkosten: 4,99 € MwSt.: 15,14 € Endpreis: 94,63 €

selbst verkaufe ich wieder für:

Netto: 75,10 € Versandkosten: 4,00 € MwSt.: 17,62 € Endpreis: 96,72 €

Da der Endkunde die MwSt. bezahlt dürfte mir als Verkäufer die 17,62 € wieder nach Meldung beim Finanzamt erstattet werden, oder (vorausgesetzt ich habe keine Kleinstunternehmerregelung gewählt) ?

Sorry, aber das ist so falsch, da weiß ich garnicht wo ich anfangen soll :smiley:

Zuerst einmal ist deine Eingangsrechnung falsch. Hier mal ein richtiges Beispiel:

Nettopreis der Ware: 95 Euro
Versand: 5 Euro
steuerliches Netto: 100 Euro
plus 19 % USt 19 Euro
brutto (Endpreis) 119 Euro

Bitte niemals Rechnungen ausmachen, in denen die Versandkosten ohne Steuer sind. Da ist IMMER Steuer drin, es sei denn, du bist die Deutsche Post, die ist nämlich in weiten Teilen Steuerbefreit.

Weiter mit deine Verkaufsrechnung:
Wie kommst du bitte auf die Beträge ? :smiley:

netto 75,10 für die Ware plus 4 Euro Versand sind 79,10 Euro. plus 19 % Steuer wären das dann rund 94,13 Euro. Hab viel versucht, aber auf 96,72 Euro komme ich nie.

Die Steuer, die du als NICHT-Kleinunternehmer (also s.g. Regelbesteuerer) von deinen Kunden bekommst, hast du ans Finanzamt abzuführen. Was bitte willst du da wiederbekommen ? :smiley:

Um mein o.g. Beispiel mal zuende zu rechnen, hier die Verkaufsvariante:

Nettopreis der Ware: 110,00 Euro
Versand: 5,00 Euro
steuerliches Netto: 115,00 Euro
plus 19 % USt 21,85 Euro
brutto (Endpreis) 136,85 Euro

In deiner Umsatzsteuer-Voranmeldung stehen also (für den Fall dass du in dem Zeitraum nur einmal eingekauft und einmal verkauft hast) irgendwo folgende Werte:

Steuer: 21,85 Euro
VorSt: 19,00 Euro

heißt: Du musst 2,85 Euro USt ans FA zahlen.

Soweit verständlich ?

Gruß

James

Hallo ChriZtosteron,

also wenn Du Dein Geschäft so machst, wie Du es beschrieben hast, wirst du einen Mega-Umsatz machen,
aber in kurzer Zeit Pleite sein. - Das ist ja das
reine Draufzahlgeschäft. Du verkaufst billiger als
du einkaufst.

Zu deiner Umsatzsteuer-Frage:
Also machen wir ein einfaches sinnvolleres Beispiel:
Du kaufst Ware für 95 Euro zzgl. 5 Euro Versandkosten, also netto gesamt 100 Euro zzgl. USt 19 Euro, also Brutto 119 Euro. Du überweist also an Deinen Lieferanten 119 Euro.

Anschließend verkaufst du die Ware mit einem Gewinnaufschlag von 10 %, also für 95 Euro zzgl. 9,50 Gewinnaufschlag, also netto 104,50 Euro zzgl. Versandkosten von 5 Euro, macht netto gesamt 109,50 Euro. Darauf mußt du dann deinem Kunden noch USt berechnen, also 19 % von 109,50 Euro = 20,80 Euro.
Dein Kunde zahlt also an Dich: 109,50 Euro plus 20,80 Euro also gesamt: 130,30 Euro.

So und nun kommt deine Abrechnung mit dem Finanzamt:
Aus deinem Einkauf bekommst du USt (Vorsteuer) vom Finanzamt erstattet, also ein Plus in Höhe von 19 euro. Im Gegenzug mußt du aber die Umsatzsteuer, die Du vom Kunden einbehalten hast, an das Finanzamt abführen, also Minus 20,80 Euro.
Unterm Strich zahlst du dann ans Finanzamt 1,80 Euro (19 Euro minus 20,80 Euro = 1,80 euro).

Welch Wunder, das ist genau der Umsatzsteueranteil aus deiner Wertschöpfung = Gewinnanteil von 10 % (siehe oben: 9,50 Euro), also 19 % von 9,50 Euro = 1,80 Euro.

Ich hoffe, das Beispiel hat dir nun gezeigt, dass man als Unternehmer niemals einen Gewinn aus der Umsatzsteuer haben kann. Ganz im Gegenteil: Die Umsatzsteuer ist bei Unternehmern gewinneutral!

Wenn Du einen Gewinn haben willst, mußt Du einen höheren Verkaufspreis als den Einkaufspreis haben. Anders gehts nicht, grins.

Viel Erfolg bei deinen Unternehmungen!

Viele Grüße, Moni