Hallo Marco!
Da es in der IT
Branche momentan sehr schlecht aussieht…
Das glaube ich nicht. In meiner vielleicht etwas überspitzenden Art behaupte ich, daß es nur den Firmen schlecht geht, die von Marketing und zielgruppenorientiertem Angebot noch nie etwas gehört haben und alljährlich die gebratenen Tauben in Form 2stelligen Zuwachses erwarten. Aber erst einmal etwas genauer: Was verstehst Du unter „IT-Branche“? Mobiltelefone und falls ja, welche Ebene (Sendernetz, Software, neue Dienste, Telefonhandel)? Oder meinst Du das weite Feld rund um den PC? Oder Internet?
Ich stelle die Fragen nicht, um zu diskutieren. Vielmehr möchte ich Dich veranlassen, möglichst konkret zu werden. Also nicht einfach nur „Schulung“, sondern ganz genau die Zielgruppe. Wem willst Du welche Dienstleistung anbieten? Die Antwort ist für mich unwichtig. Du mußt Dir selbst die Frage beantworten, die Zielgruppe genau umreißen und Dein Angebot passend schneidern. Sobald man sich im Diffusen bewegt und angeblich fast alles macht, kann man die Menschen der Zielgruppe nicht ansprechen, weil man nicht weiß, wen man ansprechen soll und was man miteinander anstellen kann.
- Unterschiedlichste Schulungen aus dem Computerbereich
So geht das nicht! Du mußt Dir genauer Gedanken über Zielgruppe und Inhalte machen.
- Dienstleistung an Computern wie Repartatur, Update usw.
- Verkauf von Komponenten und Software
- Installatin und Betreuung von Netzwerken
- Erstellen von WEbsites und deren Hosting
- Allg. Betreuung von EDV Anlagen
Wieder die Frage nach der Zielgruppe, die Du Dir unbedingt beantworten mußt. Etwas weiter unten wirst Du merken, weshalb ich auf diesem Punkt herum hacke.
Würde zuerst mit Schulungen beginnen da da kein großes Kapital
im Hintergrund stünde und ich nicht von Anfang an viel Kohle
bräuchte und erstmal ein bischen Geld verdienen würde.
Wieder die Frage nach der Zielgruppe. Wenn Du z. B. Autocad- oder Labview-Schulungen für Industriekunden mit einer Mehrplatz-Lizenz abhalten willst, ist ein satt 5stelliger Betrag für Software fällig.
Was macht ein Steuerberater was eine Software nicht auch kann:?
Was macht ein Automechaniker, was ein Reparaturhelferbuch nicht auch kann? Was macht ein Arzt, was ein medizinisches Lexikon nicht auch kann? Ein Steuerberater berät unter den Gegebenheiten des Einzelfalles in Steuersachen. Was Du vermutlich meinst, ist eine Software für die Buchführung. Buchführung heißt Aufschreiben der Geschäftsvorfälle. Mit Steuerberatung hat das nichts zu tun. Unabhängig davon bieten Steuerberater i.d.R. Buchführung als Dienstleistung an.
Zurück zur Zielgruppe: Es gibt noch nicht einmal ansatzweise eine Marktsättigung bei PCs und Internet-Zugang in privaten Haushalten. Über einen Internet-Zugang verfügen ungefähr 40% aller Haushalungen. Das heißt aber auch, daß 60% noch keinen Internet-Zugang haben. Daß dieses für buchstäblich jeden Menschen wertvolle Medium noch nicht überall zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ist nach meiner Beobachtung die Folge stümperhaften Marketings. Das Marketing ist stümperhaft, weil viele Menschen die Mixtur aus Denglisch, Abkürzungen und Trivialbezeichnungen nicht verstehen. Darin sehe ich gleichzeitig die Chance für alle, die in diesem Markt etwas auf die Füße stellen wollen.
Viele Gewerbetreibende, vermutlich sogar die Mehrheit, haben keinen Internet-Zugang, ja nicht einmal einen PC. Nun möchte ich bitte nicht hören, daß die Aussage nicht stimmt, weil in den Werken von Siemens PCs stehen. Vom Absatzdienst über den Gastronomen bis zum selbständigen Zimmermann wurde bei vielen gestandenen Fachleuten ihres Gebietes eine Schwellenangst vor dem PC und dem Kauderwelsch blasierter Ich-bin-doch-nicht-blöd-Verkäufer aufgebaut. Ein besonders schlimmes Beispiel ist T-Online. Die haben nicht eine einzige übersichtliche Seite ohne Werbung, ohne Popups. Man findet nur hoffnungslos überfrachtete Seiten, aber nirgends die schiere, klare Information, wie man z. B. ein Update von Netscape erhält. Erklärungen IN DEUTSCHER SPRACHE (!!) wären dann auch noch eine anscheinend unerfüllbare Forderung. Wenn man etwas will, wenn man die Menschen seiner Zielgruppe erreichen will, muß man sie mit Klartext in ihrer Sprache anreden. Für den milliardenschweren Markt von 60% aller Haushaltungen bekommen aber viele Leute der Branche Klartext einfach nicht auf die Reihe. Gerade gestern ging es um eine Benutzerkennung. Der Anbieter meinte stets Benutzerkennung, sprach aber abwechselnd von PIN-Nr, Code-Nummer, Ident-Nr, User-ID, Kennwort und Teilnehmercode. Wer die weitere Rede noch mit ein paar Schlagworten rund um Bits und Bytes spikt, hat beim Fliesenleger, der doch bloß seine Rechnungen nicht mehr auf der alten Olympia tippen will, endgültig ausgespielt. Wer sich solche Unarten strikt verkneift und dem Gerüstbauer oder Maurermeister flugs den Briefbogen entwirft, ihm die Buchhaltung einrichtet, ihm zeigt, wie man Daten auf einem externen Datenträger sichert und noch ein paar elementare Sachen mehr, wird sich vor gerne zahlenden Kunden kaum retten können.
Die vielen Gewerbetreibenden, die bisher noch nicht den Dreh zum PC gefunden haben, trotzdem aber wissen, daß es so nicht mehr ewig weitergehen kann, sind die geeignete Zielgruppe für PC-Dienstleistungen. Du darfst Deinen Kunden nur niemals fragen, welche Festplatte er haben möchte oder ähnlichen Detailkram. Das weiß Dein Kunde nämlich nicht und sieht sich schon wieder in der Situation, daß er sich überfordert fühlt. Der Dienstleister muß wissen, was für den Kunden richtig ist, nicht lange darüber diskutieren, sondern liefern und bezahlen lassen.
Privatkunden sind rund um den PC keine Zielgruppe, von der sich leben läßt. Du müßtest Aldi Konkurrenz machen - muß man nicht weiter vertiefen, denke ich. Zielgruppe sind also Gewerbetreibende.
Gruß
Wolfgang