Hallo Peter,
Meine Schwiegermutter hat mir (als sie noch lebte) erzählt,
dass damals im Textilhandel (sie hatte ein Textilgeschäft) die
Handelsspannen vorgeschrieben waren.
es gab Zeiten der Lebensmittelknappheit und Knappheit an Textilien. Es konnte nicht jeder so viel kaufen, wie er wollte, es gab Bezugsmarken. Bei dieser Art der staatlichen Rationierung unterliegt der Warenfluß von der Herstellung bis zum Verkauf staatlicher Kontrolle, natürlich auch der Abgabepreis.
Warum also heute gegen eine Regulierung des Profites, wenn es
für das Kapital damals akzeptabel war ?
Solche Regulierungen waren noch nie akzeptabel, es waren reine Notmaßnahmen. Die freie Preisgestaltung ist das Kennzeichen schlechthin für einen Selbständigen. Auf diesem Gebiet muß man wissen, was man will. Ein bißchen schwanger geht nicht. Entweder staatliche Planwirtschaft oder Marktwirtschaft. Wer Planwirtschaft möchte, muß auch alle Begleiterscheinungen in Kauf nehmen, insbesondere Qualitätsmängel und Versorgungsengpässe. Diese Effekte liegen im System begründet und sind nicht zu beseitigen. Die gesamte Wirtschaft funktioniert dann mit der Effizienz und Beweglichkeit einer Amtsstube. Chef, ich will mehr Geld, kannst Du natürlich auch vergessen.
Schon die bestehenden Gesetze, die Dumpingpreise verbieten, sind nicht kontrollierbar, ergo nicht durchsetzbar. Es reicht doch schon, wenn jemand nicht unter Einstandspreis verkauft, sondern zum Einkaufspreis. Der weniger kapitalkräftige Wettbewerber wird das nicht angreifbare Spiel nicht überstehen. Nach meiner Einschätzung ist deshalb schon die bestehende Gesetzgebung überflüssig. Es gibt eben neben dem Preis viele andere Verkaufsargumente. Wozu wird überhaupt Marketing getrieben? Wozu gibt es Werbung, wenn es nur auf den Preis ankommt? Der Wunsch, hier regulierend einzugreifen, basiert auf recht naiven Vorstellungen vom Marktgeschehen und überschätzt die Möglichkeiten amtlicher Wächter. Schon das Nachvollziehen einer Preiskalkulation ist von außen nicht möglich.
Bei den bisherigen Fällen staatlicher Eingriffe ging es um Preisabsprachen (die meistens sehr schwer nachweisbar sind) oder um Fälle, wo Verkäufer ihre Ware vom Wettbewerb bezogen und sich über hohe Einkaufspreise beschweren (Mineralölbranche).
Wenn sich heute manche kleinen Händler beschweren, daß sie preislich mit den großen Ketten nicht mithalten können, muß man diesen Händlern ein verfehltes Unternehmenskonzept ins Stammbuch schreiben. Diese Leute haben weder die Arbeitsteiligkeit noch die unterschiedlichen Aufgaben der verschiedenen Unternehmensgrößen der Wirtschaft verstanden. Es ist eben grundsätzlich blödsinnig, als kleiner Krauter mit 100 qm Verkaufsfläche über Billigangebote sein Brot verdienen zu wollen. Selbst wenn er beim Preis mithalten könnte, gäbe es außer Mitleid für den Kunden keinen Grund, den Miniladen zu betreten, denn die nötige Sortimentsbreite ist dort nicht unterzubringen. Der kleine Händler soll also nicht jammern, weil Unmögliches für ihn nicht geht. Er soll sich Konzeptgedanken machen. Er kann sich z. B. spezialisieren und auf dem Spezialgebiet mehr bringen, als es der große Allrounder kann. Der kleine Händler könnte sich auch überlegen, sein Geschäft von 20 Uhr bis früh um 6 zu öffnen. Je nach Lage können das auch andere Dinge und Zeiten sein. Hier merkt man aber schnell, daß solchen Überlegungen z. B. das Ladenschlußgesetz entgegen steht. Wir brauchen demnach nicht weitere Regulierungen, vielmehr müssen bestehende Regulierungen und Beschränkungen entfallen.
Die Großen beschweren sich auch nicht, weil sie z. B. 50 Sorten Tee nicht wie das Fachgeschäft anbieten können. Das bekommt ein Großer nicht auf die Reihe. Er schafft nicht einmal den Einkauf, von der Lagerung solcher empfindlichen Ware ganz zu schweigen. Lidl beschwert sich nicht, weil der teure PC-Händler ihm den Gewerbekunden wegnimmt, weil der nämlich eine spezielle Rechnerkonfiguration braucht. Karstadt beschwert sich nicht, weil ich meine Hemden und Hosen beim Herrenausstatter kaufe und dort ein paar Cent mehr ausgebe. Ich habe einfach keine Lust auf Lärm, Gedränge und Kassenschlangen und ich habe keine Lust auf Diskussionen, wenn ich einen Änderungswunsch an der soeben gekauften Hose habe. Das soll sogleich erledigt werden und wenn man mir die Wartezeit mit einer Tasse Kaffee verkürzt, habe ich nichts dagegen. Der Herrenausstatter hat begriffen, wie er bestens lebt und nicht nur überlebt. Er darf sich auf den Preiskampf nicht einlassen. Er muß Dinge machen, die die große Kette nicht kann. Das gilt für die gesamte Wirtschaft, nicht nur für den Einzelhandel. Ich schrieb es schon mehrmals: Der nächste Wettbewerber meiner Minifirma hat über 100.000 Menschen unter Dampf. Ich muß ihn nicht fürchten. Ich kann zu deren Preisen nichts machen, aber der Große kann die Spezialitäten nicht bieten. Wo ist das Problem? Beide Firmen werden am Markt gebraucht. Wer da regulierend eingreifen will, schafft Probleme, die es ohne die Regulierung nicht gäbe.
Gruß
Wolfgang