Hallo,
wenn ich eine Investition beurteilen müsste, nach welcher
Berechnungsart soll dies entschieden werden. Die
Gewinnvergleichsrechnung bring ein negatives Ergebnis, bei der
Kapitalwertmethode bekomme ich ein positives Ergebnis heraus.
Willkommen in der Praxis. Das kommt immer darauf an, wem man solche Projekte „schmackhaft“ machen will und aus wessen Sicht es besser wäre, einen Vor- oder Nachteil zu zeigen.
Es gibt nicht das per se richtige oder falsche Verfahren.
Wenn ich mich recht erinnere, hat mein Lehrer immer gesagt,
dass bei einem positiven Kapitalwert die Investition auf jeden
Fall erfolgen sollte, da sie auf den heutigen Wert der zu
erwartenden Einnahmen und Ausgaben abstellt.
Gut erinnert. Du solltest an einem Gedächtniswettbewerb teilnehmen. Aber im Ernst:
Die AUssage ist -was die theoretische Seite anbelangt- korrekt. Die Vermögenssituation des Investors verbessert sich bei einem pos. KW schon heute - eben um den KW. Allerdings liegen diesen Verfahren eine ganze Reihe von mehr oder weniger realistischen Annahmen zugrunde.
Kann mir jemand erklären, welche Berechnungsart
(Gewinnvergleich oder Kapitalwert) nun die „richtigere“ ist?
Nein, das kann man eben nicht. Tendenziell werden in der Praxis gerne die GVR gewählt, weil diese -zumindest aus der Sicht der Berechnung- sehr einfach und weniger problematisch sind.
Man sucht sicht seine „Kosten“ und Gewinne zusammen und bringt dann alles miteinander zur Verrechnung. Stichwort(e): Statische Verfahren der Investitionsrechnung.
Bei den „dynamischen Verfahren“ (z.B. die Kapitalwertmethode) werden die künftigen Zahlungsströme auf den heutigen Tag diskontiert. Diese Verfahren sind laut Theorie den „statischen“ Verfahren in gewisser Hinsicht überlegen.
Zwar werden auch hier noch Annahmen mit einem recht geringen Realitätsbezug getroffen, dennoch erfassen sie die anfallenden Zahlungen in der Zukunft genauer, eben explizit.
Diese Vorgehensweise hat sich insb. in den letzten Jahren unter der Bezeichnung „Discounted-Cash-Flow“ immer stärker durchgesetzt. Bei größeren Unternehmensbewertungen kommt man ohne dieses Vorgehen kaum noch aus.
Allerdings gibt es auch hier zahlreiche „Fallen“. Insbesondere die Prognose der künftig anfallenden Zahlungen und die Bestimmung des Kapitalsisierungszinssatzes stellen den Bewerter oftmals vor recht weitreichende Probleme.
Als Aproximation des Kalkulationszinssatzes könnte man dazu übergehen und den sog. internen Zins in einem Unternehmen (über alle Investitionsprojekte) ermitteln.
Diese Vorgehensweise übersteigt aber oftmals die Fähigkeiten von verantwortlichen Personen in kleineren Unternehmen. In der Folge wird man sich hier dann mit den statischen Verfahren „begnügen“, wohingegen bei mittelständischen bis großen Unternehmen die dynamischen Verfahren eher zum Zuge kommen.
FAZIT: Frage nicht zu beantworten - abhängig vom Einzelfall
VG
TraderS