Gewohnt und gefragt

Hallo zusammen,

was ist richtig?

Frage 1:
„Ich bin es gewohnt gewesen“ oder
„ich bin es gewöhnt gewesen“?

Fragen 2:
„er fragt nach Dir“ oder
„er frägt nach Dir“

Danke
Gruß
Pablo

Hallo, Pablo!

Da dies etwas kompliziert ist, hier die entsprechenden Artikel aus dem Duden Band 9:

gewohnt/gewöhnt :

Diese beiden Wörter werden heute im Allgemeinen folgendermaßen unterschieden:

gewohnt bedeutet „durch [zufällige] Gewohnheit mit etwas vertraut“ und wird nur noch in gehobener Sprache mit dem Genitiv, sonst mit dem Akkusativ verbunden (vor allem ist die Konstruktion mit zu + Infinitiv üblich):

Mister Lewin wurde geradezu amüsant, da er Wein nicht gewohnt war.

(Frisch). …schon die Frage. wie ich geschlafen habe, verdrießt mich, weil ich in Gedanken schon weiter bin, gewohnt, voraus zu denken (Frisch). …dem Ton seiner Stimme war nur anzumerken. dass sie …zu befehlen gewohnt war (Ott).

Demgegenüber bedeutet gewöhnt "durch [bewusste] Gewöhnung mit etwas vertraut« womit meist ausgedrückt wird. dass etwas auf jemanden einwirkt. dass etwas bewirkt wird.

Heute verbindet man gewöhnt mit der Präposition an:

… ich bin an solche Sprache nicht gewöhnt (Maass). Belisar der von Constantinopel her an manches gewöhnt war (Thieß).

Nicht korrekt ist es, gewöhnt - wie gewohnt - mit einem Infinitiv zu verbinden oder mit dem Genitiv oder Akkusativ. Ebenso ist es nicht richtig, gewohnt mit der Präposition an zu verbinden.

Man unterscheidet heute also: Die Kinder sind gewohnt ( = es ist ihre Gewohnheit. es ist Brauch bei ihnen) / daran gewöhnt ( = regelmäßige Wiederholung hat eine Vertrautheit damit bewirkt). sich regelmäßig die Zähne zu putzen. Ferner: Sie ist an schwere Arbeit gewöhnt (worden) / ist schwere Arbeit gewohnt ( = hat Übung, Erfahrung darin).

Aus: Richtiges und gutes Deutsch, SS. 389.

Du siehst, beide von dir genannten Formen können richtig sein; es kommt darauf an, was du meinst.

fragst / frägst; fragte / frug

Die Formen des regelmäßigen Verbs lauten fragen, fragte, gefragt.

Die aus dem Niederdeutschen stammende Form „frug“, die noch im 19. Jhdt. vorübergehend auch in der Literatur häufiger auftrat, wird heute nur noch selten – vor allem landschaftlich – gebraucht.

Dasselbe gilt für die Formen frägst und frägt.
Auch sie sind nicht standardsprachlich.

Aus: Richtiges und gutes Deutsch. S. 308

Gruß Fritz

Hallo Fritz!

fragst / frägst; fragte / frug

Die Formen des regelmäßigen Verbs lauten fragen, fragte,
gefragt
.

Die aus dem Niederdeutschen stammende Form „frug“, die noch im
19. Jhdt. vorübergehend auch in der Literatur häufiger
auftrat, wird heute nur noch selten – vor allem landschaftlich
– gebraucht.

Interessant ist in dem Zusammenhang ja auch die Variation bäckt/backt, buk/backte.

Dabei bevorzuge ich immer die regelmäßigen Formen und frage mich, ob sich irgendwann auch mal *gebackt gegen gebacken durchsetzt.

http://www.canoo.net/services/Controller?dispatch=in…

Beim Verb brauchen gibt es im Konjunktiv 2 neben brauchte auch bräuchte.
Letzteres bräuchte man, wenn es nach dem Duden ginge, nur umgangssprachlich.
Das halte ich für ein Gerücht.

Ich frage mich, wie man solche Verben mit wechselnder oder im Falle von

  • backen (backt) - backte - gebacken

  • fragen (frägt) - frug - gefragt

gemischter Konjugation nennen soll.

Die Bezeichnung „gemischte Verben/Konjugation“ wird ja bereits für unregelmäßige Verben benutzt, die sowohl ein t in allen Vergangenheitsformen als auch in irgendeiner der Formen einen Stammsilbenwechsel aufweisen, wie bei

  • müssen(muss) - musste - gemusst

  • brennen - brannte(brennte) - gebrannt

  • denken - dachte - gedacht

etc. Das dünkt/deucht mir etwas anderes zu sein.

Gruß Gernot

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Mischverben und Binnenmajuskeln

Hallo Fritz!

Hallo, Gernot,

jetzt muss ich doch mal nachfragen.

Ist mir bei der Rechtschreibreform etwas entgangen und es ist kein Komma mehr vonnöten nach einer Anrede; also auch nach „Hallo“?

Aber nun zum Thema Mischverben.

Das ist das hinterhältigste Kapitel der deutschen Grammatik, neben all den anderen hinterhältigsten Kapiteln wie etwa Präpositionen und Artikel und … ach, du weißt es eh!

Diese Untergruppe der unregelmäßigen Verben lässt sich wenigstens in drei weitere Untergruppen einteilen.

Die mit Vokalwechsel - kennen, brennen, nennen -, die mit Vokal- und Konsonantenwechsel -denken, bringen -, und schließlich die Modalverben - mit der Ausnahme „wollen“ und Hinzufügung von „wissen“ -, die Präteritopräsentia.

Aber darüber kann man mit fast niemanden reden, ohne als Fachidiot zu erscheinen.

Zu den Binnenmajuskeln von Religionsbrett:

Mir ist das erstmals unangenehm aufgestoßen als der SWR2 eine Sendereihe JetztMusik und eine andere NOWJazz nannte.
Dass vorher schon Grafikdesigner und andere Werbefuzzys solche Schreibungen verwendeten, war mir eher egal.
Denen habe ich noch nie wirlkichen Verstand zugetraut.

Aber der von mir hochgeschätzte SWR2? Das war zuviel.
Mein protestierendes Schreiben wurde übrigens nie beantwortet.

Man sagt zwar: Man gewöhnt (sic!) sich an alles, selbst am Dativ.
Bei mir ist das nicht der Fall.

Gruß Fritz

Gemischtwaren, Mischverben, Binnenmajuskeln
Hallo Fritz,

(diesmal mit Komma stat Ausrufezeichen hinter Fritz, aber immer noch nicht nach „hallo“)

Ist mir bei der Rechtschreibreform etwas entgangen und es ist
kein Komma mehr vonnöten nach einer Anrede; also auch nach
„Hallo“?

ich hätte da nach „Hallo“ noch nie ein Komma gesetzt, genauso wenig wie nach „Lieber“. Bei einer Interjektion, als die „Hallo“ ja gilt, kann man es aber wohl in Kommas kleiden. Da ich aber dann sowieso oft noch eins nach dem Angesprochenen setze, halte ich es für zuviel. Hast du eine Regel dafür? In meinem Grammatik-Duden (von vor der Rechtschreibreform) konnte ich dazu nichts finden.

Aber nun zum Thema Mischverben.

Diese Untergruppe der unregelmäßigen Verben lässt sich
wenigstens in drei weitere Untergruppen einteilen.

Und dann käme eben die mit „fragen“, „backen“ und „brauchen“ noch dazu.

Aber darüber kann man mit fast niemanden reden, ohne als
Fachidiot zu erscheinen.

Unter uns …: Dazu habe ich einen schönen Artikel gefunden, ausnahmsweise mal in einer Online-Enzyklopädie, die nicht identisch mit Wikipedia ist.

http://www.weblexikon.de/Unregelm%C3%A4%C3%9Figes_Ve…

Zu den Binnenmajuskeln von Religionsbrett:

Mir ist das erstmals unangenehm aufgestoßen als der SWR2 eine
Sendereihe JetztMusik und eine andere
NOWJazz nannte.
Dass vorher schon Grafikdesigner und andere Werbefuzzys solche
Schreibungen verwendeten, war mir eher egal.
Denen habe ich noch nie wirlkichen Verstand zugetraut.

Richtig um sich gegriffen hat es ja erstmals in den Achtzigerjahren mit vermeintlich geschlechtsneutralen Personenbezeichnungen wie „Politiker I nnen“. Die TAZ hat es sich damals zu eigen gemacht. Jetzt ist zumindest das ein wenig auf dem Rückzug. Dafür gibt es jetzt die BahnCard, den InterCity, das BordRestaurant, McClean und den ganzen Käse.

Beim Patronymikon „Mac“ wie in McDonald’s ist die Binnenmajuskel ja sogar seit Langem grammatisch.

http://en.wikipedia.org/wiki/Scottish_Gaelic_persona…
http://de.wikipedia.org/wiki/Binnenmajuskel

Gruß Gernot

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Jetzt nur mal das Komma
Hallo, Gernot,

Bei einer Interjektion, als die „Hallo“ ja gilt, kann man es aber wohl in Kommas kleiden.

Hast du eine Regel dafür? In meinem Grammatik-Duden (von vor der Rechtschreibreform) konnte ich dazu nichts finden.

Nach der neuen Regelung sagt
_R65 Das Komma trennt die Anrede vom übrigen Satz á§ 79 (1) ñ.
Kinder, hört doch mal zu! Haben Sie meinen Brief bekommen, Herr Müller? Das, mein Lieber, kannst du nicht von mir verlangen. Hallo, Tina, wie geht es dir?

© Dudenverlag._

Auch in „Richiges und gutes Deutsch“ steht auf Seite 493 im Artikel Komma

3.2 Herausgehobene Satzteile

3.2.1 _ Karl, kommst du heute? : Die Anrede an eine oder mehrere Personen wird vom übrigen Satz durch Komma getrennt:

Junge, pass doch auf! Karl, kommst du heute zu uns? Was halten Sie davon, Frau Schmidt? Du, hör mal zu! Hallo, Karin! _

http://www.weblexikon.de/Unregelm%C3%A4%C3%9Figes_Ve…

Eine schöne Seite! Wie ist die Anschrift der Eröffnungsseite dieses Lexikons? Ich habe sie nicht gefunden.

Zum andern habe ich im Moment nichts mehr hinzuzufügen.

Beste Grüße
Fritz

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Hallo Fritz,

Nach der neuen Regelung sagt
_R65 Das Komma trennt die Anrede vom übrigen Satz á§ 79
(1) ñ.
Kinder, hört doch mal zu! Haben Sie meinen Brief bekommen,
Herr Müller? Das, mein Lieber, kannst du nicht von mir
verlangen. Hallo, Tina, wie geht es dir? _

Die Anrede besteht aber hier aus dem Vornamen, nicht aus dem Wort „Hallo“, welches nach http://www.canoo.net/services/Controller?input=hallo… als Interjektion zu sehen ist. Ob man die initiale „Inter“-Jektion auch nochmals mit Komma abtrennt, ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Als Ersatz für das englische „Hi“, das ich auch niemals mit Komma abtrennen würde, empfände ich eine Kunstpause zwischen Interjektion und Anrede bei der Einleitung von Postings, E-Mails oder Briefen sogar als deplatziert. Deshalb setze ich kein Komma und kenne das eigentlich auch nur so bei anderen Leuten, die mich in den genannten Medien so ansprechen, von dir jetzt mal abgesehen. Dass du es falsch machtest, möchte ich damit aber auch nicht behaupten.

Gruß Gernot

PS: (Da wir ja über das Religionsbrett bei diesem Thema hier gelandet sind) Ich empfinde auch „gottseidank“ als pure Interjektion, die ich durchaus auch als Atheist benutze, würde es aber nie so schreiben, wie es der Duden vorsieht.

Ojalá!, In šaʾ Allāh!
http://de.wikipedia.org/wiki/Inschallah
http://www.googlefight.com/index.php?lang=en_GB&word…

Gruß Gernot

„er frägt nach Dir“

Hallo Pablo,

man sägt ja auch nicht Guten Tag.

Gruss Reinhard

Hallo Reinhard,

„er frägt nach Dir“

man sägt ja auch nicht Guten Tag.

… aber man „flechtet", obwohl auch nach aktuellen Regeln „flicht" Pflicht ist und „schnapp’s" nicht „Schnaps".

Gruß Gernot