Gibt es einen Fachbegriff für

Wunderbar, danke für das mühevolle Beispiel, Franzi, ich denke
auch, daß es bei solchen Wortbildern meist um Vereinfachungen
geht.

Nein, denn die Wortbilder sind deutlich älter als das Wissen, das Du dahinter siehst. Sonnenuntergang ist keine Vereinfavung, sondern die zutreffende Bezeichnbung für den Vorgäng, wenn Die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Welche kosmologischen Vorgänge dahinterstecken, ist für die Bedeutung von Sonnenuntergang irrelevant. Man hat das auch schon „Sonnenuntergang“ genannt, als man noch keine Ahnung von Kosmologie hatte. Deswegen ist die Verwendung des Wortes Sonnenuntergangs einfach nur korrekter Sparchgebrauch, kein Stilmittel, keine Vereinfachung - deswegen gibt es auch keinen Fachbegriff dafür, genausowenig wie es einen Fachbewgriff für den Vorgang gibt, einen Hund „Hund“ nenne. Webnn Du willst, lautet der Fachbegriff „Sprache“ oder „Sprachgebrauch“

Freu dich nicht zu früh über den Stern - das habe ich mich nur verklickt. *grummel*

Lg,
Max

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Hi,

jetzt ist die Sternchenverteilung wieder gleich :smile:

Übrigens sagen die Astronomen ja zu Merkur, Venus etc Planet (vom lat. Verb „wandern“), aber nicht zu den Sternen, und die wandern ja genauso. Und die Pfingstrose heißt PfingstROSE, obwohl sie mit dem Steinbrech wesentlich enger verwandt ist.

Die Franzi

Hallo Franzi,
Vielleicht kann ich mir ja einen Pluspunkt zurückerobern, wenn der Administrator mir erlaubt, eine kurze Passage von Jürgen Habermas zu zitieren, der damit genau Deinen Standpunkt vertritt:

Jürgen Habermas, Glauben und Wissen, Suhrkamp S. 16:
„Wenn wir mit Max Weber den Blick auf die Anfänge der „Entzauberung der Welt“ lenken, sehen wir, was auf dem Spiel steht. Die Natur wird in dem Maße, wie sie der objektivierenden Beobachtung und kausalen Erklärung zugänglich gemacht wird, entpersonalisiert. Die wissenschaftlich erforschte Natur fällt aus dem sozialen Bezugssystem von erlebenden, miteinander sprechenden und handelnden Personen, die sich gegenseitig Absichten und Motive zuschreiben, heraus. Was wird nun aus solchen Personen, wenn sie sich nach und nach selber unter naturwissenschaftliche Beschreibungen subsumieren? Wird sich der Commonsense am Ende vom kontraintuitiven Wissen der Wissenschaften nicht nur belehren, sondern mit Haut und Haaren konsumieren lassen? Der Philosoph Winfrid Seilars hat diese Frage 1960 (in einem berühmten Vortrag über „Philosophy and the Scientific Image of Man“) gestellt und mit dem Szenario einer Gesellschaft beantwortet, in der die altmodischen Sprachspiele unseres Alltages zugunsten der objektivierenden Beschreibung von Bewusstseinsvorgängen außer Kraft gesetzt worden sind.
Der Fluchtpunkt dieser Naturalisierung des Geistes ist ein wissenschaftliches Bild vom Menschen in der extensionalen Begrifflichkeit von Physik, Neurophysiologie oder Evolutionstheorie, das auch unser Selbstverständnis vollständig entsozialisiert. Das kann freilich nur gelingen, wenn die Intentionalität des menschlichen Bewusstseins und die Normativität unseres Handelns in einer solchen Selbstbeschreibung ohne Rest aufgehen. Die erforderlichen Theorien müssen beispielsweise erklären, wie Personen Regeln - grammatische, begriffliche oder moralische Regeln - befolgen oder verletzen können.
Sellars’ Schüler haben das aporetische Gedankenexperiment ihres Lehrers als Forschungsprogramm missverstanden. Das Vorhaben einer naturwissenschaftlichen Modernisierung unserer Alltagspsychologie hat sogar zu Versuchen einer Semantik geführt, die gedankliche Inhalte biologisch erklären will. Aber auch diese avanciertesten Ansätze scheinen daran zu scheitern, dass der Begriff von Zweckmäßigkeit, den wir in das darwinsche Sprachspiel von Mutation und Anpassung, Selektion und Überleben hineinstecken, zu arm ist, um an jene Differenz von Sein und Sollen heranzureichen, die wir meinen, wenn wir Regeln verletzen - wenn wir ein Prädikat falsch anwenden oder gegen ein moralisches Gebot verstoßen.“

Ich gebe ihm ja recht, und Dir damit ebenso, als daß nur der Aspekt der Vereinfachung solche Sprachbilder legitimiert.
Nun gibt es Tausende davon, die zu unserem Sprachschatz gehören, und zwar recht unterschiedliche. Und nicht alle dienen nur der reinen Vereinfachung einer Aussage. Einige aber doch! Das komplexeste darunter ist sicher das Wort „Mensch“, das irgendwo in meiner augenblicklichen Lektüre rein aus Gründen der Vereinfachung benutzt wurde, was überhaupt zu meiner Frage hier im Forum führte.
Jemand gebrauchte das Wort „Mensch“ also im Sinne einer Implikatur, um mit Grice zu sprechen, als Vereinfachung eines Gedankenganges. Ich hätte lieber eine passendere Bezeichnung für diese spezielle Anwendung eines Sprachbildes gehabt, wo es also hauptsächlich um eine Vereinfachung geht, womit dieses Wort sich legitimieren läßt.

Von der Komplexität des ganzen Themas „Sprachbilder“, hatte ich echt keine Ahnung, das sogar ein regelrechtes Forschungsprojekt in den USA begründet.
Jedenfalls zeigt Habermas auf, was auch Dein Anliegen zu sein scheint, daß reine und totale Wissenschaftlichkeit bereits ein Gefälle darstellt, das am Ende den Menschen verfehlt.

in diesem Sinne D’ accord !!!

ganz herzlich
Friedhelm

Hi,

Ich gebe ihm ja recht, und Dir damit ebenso, als daß nur der Aspekt der Vereinfachung solche Sprachbilder legitimiert.

Ich habe nie behaptet, dass es sich bei den von Dir am Anfang zitierten Wendungen um Sprachbilder handelt. Auch Habermas, Weber und Seilars tun das in dem von dir zitierten TExt nicht.
Was Du betreibst und hinterfragst, ist das, was Max Weber in dem von dir zitierten Text als „Entzauberung der Welt“ bezeichnet. Was du tust, wenn du die Bezeichnung von „Abend“ als „Sonnenuntergang“ als unkorrekt bezeichnest, ist das, was Habermas als Entpersonalisierung der Welt und ihr Herausfallen aus dem sozialen Bezugssystem bezeichnet: für Dich tut die Sonne nichts, also sie bewegt sich für dich nicht relativ zur ERde - für den Rest der Welt geht sie unter, wenn es abend ist. Für dich sind bereits, wie es Seilars befürchtet, „die altmodischen Sprachspiele unseres Alltages zugunsten der objektivierenden Beschreibung von Bewusstseinsvorgängen außer Kraft gesetzt worden.“ Was Du überlesen hast, ist, das alle drei Philosophen diese Entwicklung a) bedauern oder befürchten und b) für nicht möglich halten.
Und noch einmal: Sonnenuntergang für Abend ist kein Bild. Ein sprachliches Bild bedeutet das Bewusstsein, dass es eben nur eine Ähnlichkeitsbeziehung zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem gibt, aber keine Identität.

Die Franzi

Versteh ich nicht.
Ich wüßte nicht, daß ich an irgend einer Stelle den Gebrauch irgendwelcher Sprachbilder als unsinnig bezeichnet oder auch nur kritisiert hätte, geschweige denn die grammatische, ethische oder stilistische Legitimität, was ja nicht ausschließt, daß manche Formulierungen zu manchen Gelegenheiten gelegentlich unpassend sein können.
Dies ist aber nicht mein Thema.
Ist wohl ein Mißverständnis.
In meiner Frage geht es ausschließlich um einen Fachbegriff für gebräuchliche Sprachbilder, deren wortwörtliche Bedeutungen in sich widersprüchlich sind.
Ok?
Ich hätte vielleicht einfachere Beispiele nennen sollen: „Er hat ein Herz aus Stein.“ „Er hat ein Kreuz wie ein Kleiderschrank.“

ganz herzlich
Friedhelm

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Hi,

jupp, weiß ich.

  1. Als die Sonne unterging, pakten wir unsere Sachen.

Das ist nichts, außer der Beobachtung, dass sich vom Standpunkt des Betrachters aus die Sonne gen untrhalb des Horizonts bewegt.

  1. Die Schwebfliege tarnt sich als Wespe, um nicht gefressen zu werden.
    Das ist ebenfalls keine Vereinfachung, sondern ein Vergleich (ja, das ist ein Stilmittel. Hier wird es aber nciht als solches eingesetzt, denn man möchte ja keinen künstlerischen EWffekt erzeugen, sondern eine präzise wissenschaftliche Beschreibung abliefern. Vereinfachung trifft es nicht. Vereinfachung ist nicht immer dasselbe wie "weniger Worte gebrauchen. Hier aufzuzählen, was die Schwebfliege im DEitail tut, um nicht gefressen zu werden, beschreibt den entstehenden Effekt nicht genau genug. Präzise ist, dasssie eine Wespe imitiert. Das ist praktisch, weil eine Wespe gefährich ist. Das ist auch der Grund, warum gelbschwarz so gefährlich wirkt)

  2. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er seine Brille geputzt hatte.

Das ist eine Hyperbel und wird tatsächlich absichtlich eingesetzt. Natürlich weiß der Sprecher, dass es sich um eine Minute handelt und nciht um eine Ewigkeit, aber er verwendet „Ewigkeit“ um seinen persönlichen Eindruck wiederzugeben: dass es viel zu lange dauert, länger als nötig, und wahrscheilich auch länger als der Sprecher gewillt ist zu warten.

Insofern ist aus meiner Perspektive an dem von dir zitierten Sprachgebrauch nichts widersprüchlich. Auch nicht an dem Herz aus Stein (Metapher) und das Kreuz wie ein Kleiderschrank (Vergleich). Im Gegenteil, das ist eine nahezu unerschöpfliche Quelle für neue Wörter. Viele Alltagsbegriffe sind tote Metaphern (Stuhlbein, Nasenrücken, Buchrücken, Schiffsrumpf, Schraubenkopf, Farbnase,… und ganz neu: rate mal, warum zu - fas - jedem Computer eine Maus gehört)

Die Franzi