Gibt es einen Fachbegriff für

Oft formuliert man aus sprachlicher Zweckmäßigkeit totalen Unsinn und setzt dabei voraus, daß der eigentliche Sinn schon richtig verstanden wird.
z.B. 1. Als die Sonne unterging, pakten wir unsere Sachen.
2. Die Schwebfliege tarnt sich als Wespe, um nicht gefressen zu werden.
3. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er seine Brille geputzt hatte.
usw.
Gibt es für solche rein sprachlichen Vereinfachungen einen Fachbegriff?
Oder hätte vielleicht jemand dafür eine treffende Bezeichnung?

ganz herzlich
Friedhelm

Hi,

was ist denn daran unsinnig, verkürzt oder sonstwie falsch? Ich find nichts außer einem Rechtschreibfehler (packten)

Die Franzi

Hi,

was ist denn daran unsinnig, verkürzt oder sonstwie falsch?
Ich find nichts außer einem Rechtschreibfehler (packten)

ja eben, solche unsinnigen Formulierungen gehören zum ganz normalen Sprachverhalten. Der Ausdruck „Als die Sonne unterging . .“ - als drehe sich die Sonne um die Erde, wäre wesentlich komplizierter, würde ich dies korrekt ausdrücken.

Hallo Friedhelm,

Oft formuliert man aus sprachlicher Zweckmäßigkeit totalen
Unsinn und setzt dabei voraus, daß der eigentliche Sinn schon
richtig verstanden wird.
z.B. 1. Als die Sonne unterging, pakten wir unsere Sachen.

Wenn Du „Als die Sonne unterging“ als Synonym für das Wort „Abend“ gebrauchst, dann ist das eine Metapher (=dichterische Verwendung bildhafter Ausdrücke).

  1. Die Schwebfliege tarnt sich als Wespe, um nicht
    gefressen zu werden.

was Du hier als „totalen Unsinn“ ansiehst, kann ich nicht nachvollziehen. Bei Bsp. 3 allerdings

  1. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er seine Brille geputzt
    hatte.

findet sich eine Hyperbel (=Übertreibung).

Gruß, Shebop

Hi,

aso… nun, die weitaus wenigsten menschen auf der Welt beschreiben ihre Umwelt nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Wenn man damit anfinge, bekäme man einige Probleme: „In dem Paket ist eine Schachtel Pralinen.“ - bevor man das Paket öffnet, siehe Schrödinger. „Der Weihnachtsmann war da!“ Jeh nachdem, nach Newton gehts nicht, nach Heisenberg schon. Kennst du auch das hier? http://www.uwenowak.de/humor/loewe.xhtml Die geometrische Methode passt sehr gut auf unsere kleine Diskussion hier. :wink:

Und aus der Perspektive des Beobachters auf der Erde geht die Sonne sehr wohl unter.
Ansonsten schließe ich mich der anderen Antwort oben an.

Die Franzi

Ansonsten schließe ich mich der anderen Antwort oben an.

Die Franzi

Danke für den schönen Link! Super. Offensichtlich gibt es keine grammatische Bezeichnung für derart sprachliche Vereinfachung.

ganz herzlich
Friedhelm

Hi,

äh doch … Realität :smile: oder auch allgemeiner Sprachgebrauch. Oder „Nicht-Physiker“ für die Verwender und nicht-physikalisch als Adjektiv.

Die Franzi

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Ich hätte auch noch Ökonomie anzubieten. Evtl. auch die Grice’schen Maximen…

Gruß,

  • André

Ich hätte auch noch Ökonomie anzubieten. Evtl. auch die
Grice’schen Maximen…

Danke, André, für den Hinweis auf Grice:
„Genauso können Implikaturen aber Äußerungen mit „Sinn füllen“, die strenggenommen nicht wahr oder unsinnig sind, beispielsweise Metaphern oder Tautologien. So können beispielsweise Metaphern wie „Du bist die Sonne in meinen Augen“ oder Tautologien wie „Eine Frau ist halt eine Frau“ einen Sinn ergeben, den sie rein semantisch nicht haben - ihr Sprecher wird mit ihnen mehr kommunizieren, als er sagt.“(Wikipedia)
. . , wenn auch die Bezeichnung „Implikatur“ für den sinnvollen Gebrauch einer vereinfachenden (wenn auch im Grunde unsinnigen) Redensart als Metapher nicht gerade glücklich ist.

ganz herzlich
Friedhelm

Hallo Friedhelm,

Oft formuliert man aus sprachlicher Zweckmäßigkeit totalen
Unsinn und setzt dabei voraus, daß der eigentliche Sinn schon
richtig verstanden wird.
z.B. 1. Als die Sonne unterging, pakten wir unsere Sachen.

Wenn Du „Als die Sonne unterging“ als Synonym für das Wort
„Abend“ gebrauchst, dann ist das eine Metapher
(=dichterische Verwendung bildhafter Ausdrücke).

Danke, Shebop, „Metapher“ ist schon richtig, aber zu allgemein und träfe z.B. auch zu, wenn sie im Wortlaut durchaus Richtiges aussagt.

  1. Die Schwebfliege tarnt sich als Wespe, um nicht
    gefressen zu werden.

was Du hier als „totalen Unsinn“ ansiehst, kann ich nicht
nachvollziehen.

Nun ja, die Tarnung ist ja wohl kaum die Absicht der einzelnen Schwebfliege. Sie müßte dazu das unterschiedliche Verhalten der Vögel Wespen und ungetarten Insekten gegenüber beobachtet und analysiert haben, um sich dann selbst eine neue Genstruktur zu verpassen, durch die sie mittels Tarnfarbe wie eine Wespe aussieht, um die Vögel zu täuschen. :smile:
Man geht allgemein ja davon aus, daß derlei „Tarnung“ als Evolution durch zufällige Mutation plus Auslese geschah.

Bei Bsp. 3 allerdings

  1. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er seine Brille geputzt
    hatte.

findet sich eine Hyperbel (=Übertreibung).

ich weiß nicht. Die Ewigkeit hat keinen Anfang und kein Ende und bedeutet in dieser Redensart wörtlich genau das Gegenteil: „Es dauerte eine Weile.“
Ich hätte vielleicht noch einige weitere Beispiele dafür bringen sollen, in denen im Sprachgebrauch zur Vereinfachung offensichtlicher Unsinn als Metapher für das Gemeinte benutzt wird.
Dafür gibt es aber offensichtlich keinen gängigen Fachbegriff.

Danke jedenfalls für Deine Mühe!

Friedhelm

Hallo Friedhelm,

  1. Die Schwebfliege tarnt sich als Wespe, um nicht
    gefressen zu werden.

Nun ja, die Tarnung ist ja wohl kaum die Absicht der einzelnen
Schwebfliege.

Aha, dann meinst du die Sinnhaftigkeit der Darstellung an sich. Das ließe sich dann im Bsp. als Euphemismus lesen, was auch nur eines der Stilmittel deutscher Sprache ist.

Bei Bsp. 3 allerdings

  1. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er seine Brille geputzt
    hatte.

findet sich eine Hyperbel (=Übertreibung).

ich weiß nicht.
Die Ewigkeit hat keinen Anfang und kein Ende
und bedeutet in dieser Redensart wörtlich genau das Gegenteil:
„Es dauerte eine Weile.“

Ja, und das Stilmittel, welches eben dies ausdrückt nennt, ist in der Fachsprache eben eine Hyperbel.

Ich hätte vielleicht noch einige weitere Beispiele dafür
bringen sollen, in denen im Sprachgebrauch zur Vereinfachung
offensichtlicher Unsinn als Metapher für das Gemeinte benutzt
wird.

So sich bspw. diese Beispiele:

  • "Im AK-sowieso gab es einen ‚Störfall‘ "
  • „1000 Tote bei politischen ‚Unruhen‘“
  • "Morgen kommt ein ‚Unwetter‘ "
    etc. in Deine Riege der Beispiele einreihen ließen,

Dafür gibt es aber offensichtlich keinen gängigen Fachbegriff.

dann sind das in der Fachsprache sog. Euphemismen

Gruß, Shebop

Hallo!

Oft formuliert man aus sprachlicher Zweckmäßigkeit totalen
Unsinn und setzt dabei voraus, daß der eigentliche Sinn schon
richtig verstanden wird.

Ich glaube, deine Vorstellung von Sinn und Unsinn sind zu eng, um sich auf Sprache anwenden zu lassen.

Gruß,
Max

Hi,

wenn ich mich mit dir heute Abend zum Dinner bei Kerzenschein treffen wollen würde, dann wäre das kein Abendessen bei Kerzenschein, sondern der Verzehr für den menschlichen Genuss geeigneter kohlehydrat-, eiweiß- und fetthaltiger organischer Stoffgemische, zwecks vereinfachung des Verzehrs nach Eintreten der Dunkelheit unter Ausnutzung der illuminierenden Wirkung der exothermischen Reaktion, die beim Verbrennen von Wachs und Docht entsteht. Das Ganze dann zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Ort auf der Erdoberfläche, an dem das Treffen stattfinden soll, durch die Erdrotation so weit von der Sonne wegbewegt hat, dass es den Sonnenstrahlen nicht mehr oder, auch durch Streuung, kaum noch gelingt, selbigen zu erreichen und hinreichend zu beleuchten. Alternativ ließe sich der Zeitpunkt für Deutschland hinreichend genau mit +1 GMT angeben.
Uffz, geschafft. Ich entschuldige mich bei den mitlesenden Astronomen und Physikern.

Die Franzi

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Hallo!

der Verzehr für den menschlichen Genuss
geeigneter kohlehydrat-, eiweiß- und fetthaltiger organischer
Stoffgemische …

Hört sich an wie Mr. Data. :smile:))
http://memory-alpha.org/de/wiki/Ode_an_Spot

Gruß,
Max

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Hi,

wie hast du meinen Herzallerliebsten erkannt *erröt* … aber ich kann ihm nur nacheifern.

Die Franzi

. . , wenn auch die Bezeichnung „Implikatur“ für den
sinnvollen Gebrauch einer vereinfachenden (wenn auch im Grunde
unsinnigen) Redensart als Metapher nicht gerade glücklich ist.

Hallo,
Implikatur ist hier als linguistischer Fachbegriff gemeint, daher passt es auch auf scheinbar unsinnnige Aussagen. Ein schönes Beispiel, das ich kenne, ist auch „Geld ist Geld!“ — logisch eine Tautologie, aber die Semantik ist eben nicht unsinnig, da sich eine Bedeutung hinter der wörtlichen versteckt.
Die wörtliche Bedeutung einer Aussage stimmt oftmals nicht überein mit der intendierten, die man auch Sprechakt nennt.

Grüße,

  • André

Wunderbar, danke für das mühevolle Beispiel, Franzi, ich denke auch, daß es bei solchen Wortbildern meist um Vereinfachungen geht.

ganz herzlich
Friedhelm

1 „Gefällt mir“

Hallo,
Implikatur ist hier als linguistischer Fachbegriff gemeint,
daher passt es auch auf scheinbar unsinnnige Aussagen. Ein
schönes Beispiel, das ich kenne, ist auch „Geld ist Geld!“ —
logisch eine Tautologie, aber die Semantik ist eben nicht
unsinnig, da sich eine Bedeutung hinter der wörtlichen
versteckt.
Die wörtliche Bedeutung einer Aussage stimmt oftmals nicht
überein mit der intendierten, die man auch Sprechakt nennt.

Grüße,

  • André

Hallo André,

Danke! Ist ein schönes Beispiel!
Grice, der Engländer, scheint auch bei uns inzwischen angekommen:
Die Theorie der Konversations-Implikaturen nach H. Paul Grice - Vom Sagen und Meinen. GRIN Verlag. ISBN 3638818497 Buch anschauen. 11,99

ist schon lange her, schon vor dem Internet, hatte ich eine Sammlung solcher Sprachbilder von Mackensen in der Hand, sorgfältig sortiert. Aber Mackensen vermeidet Fachbegriffe, die nicht bereits allgemein gebräuchlich sind.
Den Begriff „Implikatur“ gibt’s bei ihm überhaupt noch nicht. Auch im Duden nicht.
Friedhelm

http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Spr…

So sich bspw. diese Beispiele:

  • "Im AK-sowieso gab es einen ‚Störfall‘ "
  • „1000 Tote bei politischen ‚Unruhen‘“
  • "Morgen kommt ein ‚Unwetter‘ "
    etc. in Deine Riege der Beispiele einreihen ließen,

Dafür gibt es aber offensichtlich keinen gängigen Fachbegriff.

dann sind das in der Fachsprache sog. Euphemismen

Gruß, Shebop

Hallo Shebop,
Danke für die Beispiele, - nun ja
Sicher gibt es eine Menge „Euphemismen“, mit denen man genau das Gegenteil sagen will, was man durch Übertreibung also nur abwertet bzw. aufwertet, z.B. „ätzend“, „klasse“, „großartig“, wenn Du z.B. einem anderen Dein Bier über die Kleidung verschüttest.

ganz herzlich
Friedhelm

Hi,

du verstehst mich immer noch nicht, gell?
Vereinfachen kann ich nur, wenn ich überhaupt die (naturwissenschaftlich) richtige Erklärung kenne (die diskussion, was in diesem falle „richtig“ ist bzw. was der Begriff impliziert, erspare ich mir. Vereinfachung bedeutet für mich mmer „Ich weiß, wie es eigentlich ist, aber bevor ich hier lange diskutiere…“ Damit sind all deine Beispiele keine Vereinfachungen. Selbst für einen Physiker geht aus der Perspektive des Strandes in Tahiti / des Arbeitszimmers im Pott / … abends die Sonne unter. Denn sie bewegt sich ja aus der Perspektive des Beobachters, und sie verschwindet unter dem Horizont.

Die Franzi

1 „Gefällt mir“