Gibt es Namen mit 'von dem'?

Hallo allerseits,

im Rahmen der Diskussion über einen fiktionalen Deutschen, der von einer japanischen Autorin ersonnen wurde, ist die Frage aufgetaucht, ob der Name „von dem Eberbach“ ein realistischer Name für einen deutschen Adeligen sei.

Ich kenne mich nicht mit Namensforschung oder Adelstiteln aus, hätte aber den Namen unbesehen für glaubhaft befunden, da ich zahlreiche andere Varianten wie „von der“, „von und zu“, „vom“ und auch „von X zum Y“ kenne.

Nun wurde jedoch in den Raum gestellt, dass bei Adelstiteln niemals solche Formen wie „von der“ auftreten sondern nur bei Namen, die den Ort der Herkunft bezeichnen. Eberbach sei jedoch eine Stadt und kein Bach, daher sei „von dem“ hier nicht einmal als Herkunftsnamen akzeptabel (es müsse in dem Fall „von Eberbach“ heißen). Für einen Adeligen sei die Form „von dem“ ohnehin prinzipiell unglaubhaft, und auch in nicht-adeligen Namen trete sie nicht auf.

Kennt sich jemand mit dieser Thematik aus?

Vielen Dank!

Hallo,

da kenne ich mich nicht aus, aber frag doch mal Malte von dem Hagen. :smile:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/service.fpl?..

MOD im Brett Netzwerke.

Gruß, Rainer

Spontan fällt mir aus der deutschen Geschichte der berühmte
FREIHERR VON UND ZUM STEIN, einer der großen Reformer nach der Niederlage gegen den kleinen französischen Kaiser. Der Freiherr wird auch immer wieder FREIHERR VOM STEIN genannt.

Die Frage, ob es gewisse Regeln oder Einschränkungen dafür gibt, kann ich nicht sagen. Ebensowenig, wie es sich mit „echten“ Adligen verhält.

Im Zweifel kann sie ja ein „vom …“ daraus basteln oder ein "von soundso. :smile:

MfG

Hallo,

ohne wirklich eine Ahnung zu haben, aber dieses:

Für einen Adeligen sei die Form
„von dem“ ohnehin prinzipiell unglaubhaft, und auch in
nicht-adeligen Namen trete sie nicht auf.

lässt sich zum Glück recht einfach entkräften:

http://www.von-dem-knesebeck.org/
http://www.litlinks.it/b/busche_hvd.htm

Noch was allgemeines zum Thema:

http://home.foni.net/~adelsforschung/faq1.htm
http://wiki.genealogy.net/wiki/Adel_in_Westfalen

Grüße
Wolfgang

Gibt es, Sylphe,
mir persönlich bekannt z.B. eine Familie „von dem G… F…“ oder hier aus dem Forum ein „M… von dem H…“

Gruß
Eckard

Wusst ichs doch. :smile: Danke! Jetzt fallen mir auch mehrere "von dem Hagen"s ein - so selten ist der Name gar nicht mal.

Hallo Wolfgang!

Vielen Dank für den Link! Die von dem Knesebecks belegen eindeutig, dass „von dem“ auch für Adelige glaubhaft ist, denn scheinbar (laut Schnellsuche per Google) handelt es sich um ein preußisches Adelsgeschlecht, das bis in das 13te Jahrhundert zurückverfolgt wurde. Adeliger gehts wohl kaum. :smile:

Dank auch für die anderen Links! Da werd ich mich jetzt erst mal durchlesen. :smile:

Viele Grüße
Sylvia

Die ersten Geschichten mit „Klaus-Heinz von dem Eberbach“ wurden berits vor Jahrzehnten veröffentlicht, daher ist es jetzt zu spät für eine Namensänderung. :smile: Aber die ist auch gar nicht nötig, denn wie sich gezeigt hat ist der Nachname durchaus glaubhaft!

Eher weniger begeistert bin ich über die Kombination „Klaus-Heinz“, aber auch das liegt sicher im Bereich des Möglichen. :wink:

Vielen Dank!

Hallo Rainer -

ja, doch, ich denke die Aussage dieses Herrn dürfte überzeugend sein. :smile:

Danke!

Hallo,

Axel von dem Bussche (Mitverschwörer vom 20. Juli 1944) fällt mir aus dem Stegreif noch ein.

lg

Kim

Eher weniger begeistert bin ich über die Kombination
„Klaus-Heinz“, aber auch das liegt sicher im Bereich des
Möglichen. :wink:

Das ist mir als erstes auch eingefallen, als ich den Namen gelesen habe.

Servus Sylphe,

da Deine Frage im Kern nicht bloß auf Adlige mit solcherart strukturierten Namen zielt, noch die Ergänzung:

Insbesondere im nordwestdeutschen Raum gibt es „von dem“ als pure örtliche Herkunftsbezeichnung, die dem niederländischen „van de“ parallel ist: Sowas wie von dem Berge. Das geht in die gleiche Richtung wie Darboven, Tobaben und ähnliche, oder im süddeutschen „downunder“ Abegg usw.

Hier geht niederer Adel und schlichtes Freibauerntum ineinander über und illustriert die Entwicklung niederen Adels, des Freiherrenstandes sozusagen unterhalb der Ritterschaft, erst mit reiferem Feudalwesen.

Zurück zum konkreten Anlass Deiner Frage: „von dem Eberbach“ ist ein Name, der wohl zu einem Schäferhundrüden passt, aber nicht gut zu einer Familie: Weil Eberbach ein Ortsname ist und kein Name für eine bestimmte Flur oder Lage. Und Ortsnamen keinen Artikel tragen, unabhängig von Adel oder einfachem Herkunfts-von.

Schöne Grüße

MM

Ansicht eines Betroffenen
Hi Sylphe,

Nun wurde jedoch in den Raum gestellt, dass bei Adelstiteln
niemals solche Formen wie „von der“ auftreten sondern nur bei
Namen, die den Ort der Herkunft bezeichnen. Eberbach sei
jedoch eine Stadt und kein Bach, daher sei „von dem“ hier
nicht einmal als Herkunftsnamen akzeptabel (es müsse in dem
Fall „von Eberbach“ heißen). Für einen Adeligen sei die Form
„von dem“ ohnehin prinzipiell unglaubhaft, und auch in
nicht-adeligen Namen trete sie nicht auf.

Kennt sich jemand mit dieser Thematik aus?

ich kenne mich ein wenig damit aus. Es gibt im Falle meiner Familie sowohl „von der Hagen“, „vom Hagen“ und „von dem Hagen“ als uradlige Familien. Entsprungen sind sie alle einem „Ritter von Hagen“ um 1100 n. Chr., die Zusätze kamen dann später dazu und wechselten durchaus auch (die „von dem Hagen“ hießen zwischendurch auch mal „von Hagen“).

„Hagen“ ist in diesem Fall eine Umfriedung oder auch Burg, also weder Orts- noch Flußname, bei Deinem Beispiel oben ist aber zu bedenken, daß „Eberbach“ ja ohne weiteres ein Städtename sein kann, der sich vom gleichnamigen Bach herleitet, dann passt’s wieder, außerdem müssen diese Namenszusätze nicht unbedingt logisch sein.

Außerdem sind „Adelstitel“ und „Herkunftsname“ zwei Dinge, die einander nicht ausschließen, sondern oft miteinander einhergehen.

Fragen? Fragen!

Gruß,

Malte

Servus!

Vielen Dank für die zusätzlichen Infos - ich habe die Herkunft und Entwicklung von Namen immer schon ausgesprochen interessant gefunden, auch wenn mein eigener in der Hinsicht leider wenig hergibt. :wink:

Zurück zum konkreten Anlass Deiner Frage: „von dem Eberbach“
ist ein Name, der wohl zu einem Schäferhundrüden passt, aber
nicht gut zu einer Familie

Nicht gut, das sicher nicht - aber der Ort Eberbach kann ja seinen Namen auch einem Bach namens Eberbach verdanken… und wurden Namenskonventionen tatsächlich immer so stringent und konsequent durchgehalten, dass ein Artikel auf jeden Fall ausgeschlossen ist, sollte ein Name auf einen Ort zurückgehen?

Hi Malte,

vielen Dank für die Infos aus Sicht eines Betroffenen! :smile: Und entschuldige bitte die etwas späte Reaktion…

Entsprungen sind sie alle einem
„Ritter von Hagen“ um 1100 n. Chr., die Zusätze kamen dann
später dazu und wechselten durchaus auch

Das scheint meine bisherige (allerdings nicht von wirklichem Wissen gestützte *g*) Annahme zu stützen, dass Namen im Laufe der Zeit zuweilen auch unerwartete und schwer nachzuvollziehende Änderungen durchmachen können… und die entsprechenden Konventionen auch nicht immer konsequent angewandt werden.

bei Deinem Beispiel oben ist
aber zu bedenken, daß „Eberbach“ ja ohne weiteres ein
Städtename sein kann, der sich vom gleichnamigen Bach
herleitet, dann passt’s wieder, außerdem müssen diese
Namenszusätze nicht unbedingt logisch sein.

Ja, genau das war auch mein Gedankengang! Freut mich, dass ich offenbar keine unsinnige Meinung vertreten habe. :smile:

Viele Grüße
Sylvia

Stimmt, den gabs auch noch! Danke!

Hallo Sylphe,

der Ort Eberbach kann ja
seinen Namen auch einem Bach namens Eberbach verdanken… und
wurden Namenskonventionen tatsächlich immer so stringent und
konsequent durchgehalten, dass ein Artikel auf jeden Fall
ausgeschlossen ist, sollte ein Name auf einen Ort zurückgehen?

Inhaltlich ist das ohne weiteres richtig, aber formal wird der Unterschied tatsächlich stringent gehandhabt:

Jemand wohnt in Hopferbach, stammt aus Reichenbach, zieht nach Eberbach.

Überquert aber den Schwarzbach, trinkt aus dem Rotbach, wandert entlang des Stillen Bachs.

Es gibt aus dem Zisterzienserkloster Eberbach (Rheingau) übrigens zumindest einen namentlich so genannten Konrad von Eberbach.

Schöne Grüße

MM