Hallo,
ja also gibt es z.B. in Gegenden, in denen das Christentum nicht vorherschende Religion ist (oder auch sonstwo) „ökumenische“ Kirchen? Damit meine ich Kirchen (und keine Gebetsräume oder ähnliches), die keiner festen Konfession zugeordnet sind.
Cu Rene
Ja, sowas gibt es.
gar nicht weit weg: in Biberach/Riss
die dortige Kirche (St Martin) wird sowohl evangelisch als auch katholisch genutzt.
In typisch schwäbischer Sparsamkeit entschied man sich, keine zweite Kirche für die jeweils andere Konfession zu bauen…
Gruss
Mike
die dortige Kirche (St Martin) wird sowohl evangelisch als
auch katholisch genutzt.
Hallo,
ähnliches kenne ich auch aus der Pfalz und Rheinhessen, einem Gebiet, in dem beide Konfessionen recht stark vertreten sind. Im pfälzischen Erbfolgekrieg führten zunächst die Franzosen den Simultangebrauch ein, eine Art Timesharing-Modell. Sinn der Maßnahme war natürlich eine Rekatholisierung der weitgehend reformierten Kurpfalz; es ging es hier nicht um ‚Ökumene‘ - das Neben- und Miteinander funktionierte ausgesprochen schlecht.
Ein Ausgleich wurde dann mit der kurpfälzischen Religionsdeklaration von 1705 versucht, die vor allem die Religionsfreiheit brachte und Zwangsbekehrungen untersagte. In Orten mit mehr als einer Kirche musste wenigstens eine davon den Katholiken überlassen werden; bei nur einer Kirche blieb der Simultangebrauch bestehen. In der Regel bekamen dabei die Katholiken den Chor und die Reformierten das Langhaus. Und weil sich die Brüder in Christo immer wieder in die Haare gerieten, wurde oft auch noch eine Mauer zwischen Chor und Langhaus eingezogen.
Die größte und schönste (samt Trennmauer) erhalten gebliebene Simultankirche der ehemaligen Kurpfalz ist die gotische Stiftskirche von Neustadt a.d. Weinstraße.
Neben den ‚Simultankirchen‘ wären dann natürlich auch noch die echten, aber sehr viel selteneren ‚Doppelkirchen‘ zu nennen. Hier handelt es sich allerdings zunächst um eine architektonische Besonderheit, nicht in jedem Falle lag oder liegt hier auch eine ‚ökumenische‘ Nutzung vor.
Freundliche Grüße,
Ralf
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Servus Mike,
Detail am Rande hierzu:
Die Biberacher Simultankirche St. Martin hat einen katholischen und einen evangelischen Stromzähler, die die gleiche Installation speisen, aber jeweils bloß von einem der beiden Mesner ans Netz geschaltet werden können…
Schöne Grüße
MM
Hallo,
ein interessantes Beispiel für eine Simultankirche ist wahrscheinlich auch noch Otterberg in der Pfalz. Die frühere Abteikirche wird von beiden großen Konfessionen genutzt, wobei früher die Kirche durch eine Trennmauer in zwei Räume geteilt wurde. Bei der letzten Renovierung 1979 wurde die Trennmauer entfernt. Seither nutzenb die Konfessionen die Kirche im Wechsel, aber es gibt noch zwei verschiedene Bestuhlungen: katholische Kirchenbänke mit Kniebänken im Chorraum, aber evangelische Einzelstühle im Langhaus.
http://www.otterberg.de/orte_und_gemeinden/otterberg…
http://www.evpfalz.de/gemeinden/otterberg/navigation…
Was René’s Ausgangsfrage aber vielleicht näher kommt, ist so etwas wie die „Offenen Kirchen“ in verschiedenen Städten in der Schweiz (Basel, Zürich, Bern, St. Gallen): Innenstadtkirchen, die konfessionsübergreifend getragen und finanziert werden, um ein niederschwelliges religiöses, aber auch soziales und kulturelles Angebot auch für Menschen zu bieten, die den traditionellen Kirchen nicht unbedingt nahe stehen.
http://www.offenekirche.ch/
Grüße
Wolfgang
Hallo Rene,
in vielen Krankenhäusern ist nicht genug Platz für einen evangelischen und einen katholischen Kirchenraum, also wird das ökumenisch organisiert.
Auf dem Berliner Messegelände gibt es einen ökumenischen Gebetsraum, der auch von Muslimen genutzt werden kann. Die Messeseelsorge wird von der Berliner Stadtmission verantwortet.
Auf einer Seite des Brandenburger Tors (die näher beim Liebermannhaus liegt) gibt es einen „Raum der Stille“, der für alle Religionen zugänglich ist.
Als es noch britische und amerikanische Besatzungssoldaten in Deutschland gab, gab es auf dem jeweiligen Militärgelände eine „Chapel“, die von den unterschiedlichen Religionen genutzt wurde.
Je nach dem, wer gerade dran war, wurde an einer bestimmten Kurbel gedreht und dann gab es wahlweise im Zentrum des G-ttesdienstraumes ein leeres Kreuz, ein Kreuz mit Corpus oder einen Torahschrein.
Viele Grüße
Iris
Danke
auch an alle Anderen.
Davon kenne ich selbst einige, daher hatte ich sie auch ausgeschlossen.
Frohes Fest,
Rene