Gitarre und Laute

Hallo,

ich würde gerne wissen, ob und inwiefern sich eine Laute ähnlich spielt wie eine Gitarre. Hat sie auch die Saiten E-A-D usw., das heißt, könnte ich mit „normalen“ Gitarrengriffen auch eine Laute spielen?

Danke für die Auskunft,
Nike

Hallo Nike,

es gibt verschiedenste Lauten und unterschiedlichste Stimmungen.
Von Gitarre auf Laute umzusteigen, ist nicht allzu problematisch.
Was Anfang des letzten Jahrhunderts mit dickem Bauch als „Zupfgeige“ oder „Wandervogellaute“ kursierte - da ist Gitarrenstimmung und entsprechende Spielweise auch angebracht. Dies sind auch die „Lauten“, die du heute noch beim Trödler findest. Aber bevor du anfängst, eine Barocklaute zum Akkordeschrummen zu gebrauchen - lerne sie lieber richtig spielen.
Als erster Einstieg für eine gebräuchliche Stimmung kannst du mal die „g-Saite“ auf fis herunterstimmen.

Bernhard

Hallo Nike,

soweit ich es noch im Hinterkopf habe gibt es da eine von vielen Stimmungen, die die Quarten und Terzen so zwischen den Saiten verteilt, wie auf der Gitarre, nur findet das drei Halbtöne höher statt. Ungefähr so, als hätte man einen Capotaster im dritten Bund.

Bei meiner Laute (so um die 19 Saiten) mach ich es manchmal so, dass ich die höchsten sechs (Doppel-)Saiten so Stimme, wie oben beschrieben. Den Rest der Saiten stimme ich auf die Basstöne (tiefer als E bzw G), die ich jeweils brauche. Diese Saiten spiele ich meistens leer, weil ich da ohnehin kaum mit den Fingern hinkomme so quer über das ganze Griffbrett. Bei den Theorben hatt man sich sogar noch das Griffbrett unter solchen Saiten gespart.

Viele Grüße
Stefan

Danke Euch beiden und Nachfrage
Hi Bernhard,

Was Anfang des letzten Jahrhunderts mit dickem Bauch als
„Zupfgeige“ oder „Wandervogellaute“ kursierte - da ist
Gitarrenstimmung und entsprechende Spielweise auch angebracht.

Sind das die, die auch manchmal als „Gitarrenlaute“ bezeichnet werden und, genau wie die Gitarre, sechs Saiten haben?
Und das sind dann E-A-D-usw. Saiten?

Dann könnte man zumindest diese Lauten ja wirklich „einfach so“ mit Gitarrengriffen spielen…

Danke nochmal & liebe Grüße,
Nike

Wandervogellaute
Hallo Nike,

zur „Gitarrenlaute“ fragst du:

Dann könnte man zumindest diese Lauten ja wirklich „einfach
so“ mit Gitarrengriffen spielen…

Klar, das habe ich auch gemacht. Nur: Ich wusste eben zum einen, dass es keine „Laute“ im eigentlichen Sinne war (im systematischen Sinne nach Hornbostel/Sachs schon, aber das ist ein anderes Thema). Es war nichts weiter als eine Gitarre, die auf altertümelnd getrimmt war.

Aber „Lautenmusik“ habe ich darauf nicht gespielt, ich habe sie eben als Lautenattrappe verwendet und darauf geklampft…

Wenn du eine richtige Laute hast - dann ist es etwas ganz anderes: So ein Teil sollte doch nicht als Klampfe eingesetzt werden.

Bernhard

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Hallo nochmal, Bernhard,

ach ja, die Wandervögel, die blaue Blume und all dieses. :wink:

Dann könnte man zumindest diese Lauten ja wirklich „einfach
so“ mit Gitarrengriffen spielen…

Klar, das habe ich auch gemacht. Nur: Ich wusste eben zum
einen, dass es keine „Laute“ im eigentlichen Sinne war (im
systematischen Sinne nach Hornbostel/Sachs schon, aber das ist
ein anderes Thema). Es war nichts weiter als eine Gitarre, die
auf altertümelnd getrimmt war.

Da stimme ich mit Dir überein! Und „klampfen“ würde ich sie eh nicht, sondern zupfen. Auch wenn es nur eine gefakete Laute ist, ist so ein Instrument nicht zum Schrammeln da. Dafür hab ich ja eine feine Gitarre.

Wenn du eine richtige Laute hast - dann ist es etwas ganz
anderes: So ein Teil sollte doch nicht als Klampfe eingesetzt
werden.

Nein, auf gar keinen Fall. Das wäre, als wollte man auf einer Harfe E-Gitarre spielen. :wink:

Es geht nur darum, daß ich momentan eben nur Gitarre spielen kann, und nicht Laute, und daß ich überlegte, zu unseren mittelalterlichen Lagern eine „Laute“ mit zu nehmen, um meine Freundin auf der Flöte zu begleiten (die sie sehr gut spielt) und mich beim Gesang (was wiederum ich recht gut kann). Und vermutete, eine solche „Gitarrenlaute“ könne für die Übergangszeit nützlich sein.

Da in den Lagern abends, wenn die Besucher weg sind, sogar richtige Gitarren ausgepackt werden, kann eine Wandervogellaute auch nicht unauthentischer sein als eine Gitarre. *kopfschüttel* :wink:

Danke nochmals für die Tips!
Liebe Grüße,
Nike

Zupfgeige

Hallo nochmal, Bernhard,

Auch Hallo nochmal, Nike,

wenn du schreibst

Es geht nur darum, daß ich … überlegte, zu unseren
mittelalterlichen Lagern eine „Laute“ mit zu nehmen, um meine
Freundin auf der Flöte zu begleiten (die sie sehr gut spielt)
und mich beim Gesang (was wiederum ich recht gut kann). Und
vermutete, eine solche „Gitarrenlaute“ könne für die
Übergangszeit nützlich sein.

dann führst du dieses Gerät genau seiner eigentlichen Bestimmung zu. Denn für solche tümelnden Zwecke wurden sie AFAIK seinerzeit poduziert und verwendet, es gab auch gleich ein passendes Liederbuch daz, den Zupfgeigenhansl von Hans Breuer. Und in den Siebziger/Achtziger Jahren wurden sie beim Deutsch-Folk-Revival ähnlich eingesetzt.

als wollte man auf einer
Harfe E-Gitarre spielen. :wink:

Ach ja, das könnte interessant werden. Solchen Experimenten lausche ich immer ganz gespannt.

Viele Grüße, Bernhard

  • der wünscht, dass ihr bei euren Mittelalterlagern wenigstens eine neumodische Heizung habt.
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zupfen und ein winziges bißchen off-Topiges
Und auf ein Neues Hallo,

dann führst du dieses Gerät genau seiner eigentlichen
Bestimmung zu. Denn für solche tümelnden Zwecke wurden sie
AFAIK seinerzeit poduziert und verwendet, es gab auch gleich
ein passendes Liederbuch daz, den Zupfgeigenhansl von Hans
Breuer. Und in den Siebziger/Achtziger Jahren wurden sie beim
Deutsch-Folk-Revival ähnlich eingesetzt.

Der Zupfgeigenhansel ist eine tolle Idee, mal schauen, wo ich den noch bekomme. :smile:

Momentan recherchiere ich über die Verwendung der Laute im Hoch- und Spätmittelalter und habe schon einiges Interessantes gefunden. Wenn Du noch was weißt, nur heraus mit der Sprache! :wink:

als wollte man auf einer
Harfe E-Gitarre spielen. :wink:

Ach ja, das könnte interessant werden. Solchen Experimenten
lausche ich immer ganz gespannt.

Ich übrigens auch, wirklich gern. Kennst Du Sigur Ros? Diese skandinavische Band habe ich mal life gesehen, und die haben wiederum E-Gitarren mit Geigenbögen bespielt. Außergewöhnlich. Klang aber gut, wenn man Klangexperimente mag.

  • der wünscht, dass ihr bei euren Mittelalterlagern wenigstens
    eine neumodische Heizung habt.

Nein, haben wir natürlich nicht. Aber mit Wachs imprägnierte Zelte, in die können wir unsere kleinen Feueröfen hinein nehmen. Die wärmen auch. :smile:

Liebe Grüße,
Nike

Zupfgeigenhansel
Hi,

Der Zupfgeigenhansel ist eine tolle Idee, mal schauen, wo ich
den noch bekomme. :smile:

welchen Zupfgeigenhansel brauchst Du? Die Klavierausgabe, die für Gitarre oder doch nur mit Melodie?

Gruß
Stefan

Zupfgeigenhansl
Hallo Nike,

Der Zupfgeigenhansel ist eine tolle Idee, mal schauen, wo ich
den noch bekomme. :smile:

bei Amazon gibts etliche spottbillige Exemplare. Ich würde versuchen, möglichst nahe am Original zu bleiben; Klavierausgabe ist ja nicht nötig. Und vorsicht: Es gibt eine Gruppe, die sich so ähnlich nennt und in den Siebziger oder Achtziger Jahren ein eigenes Liederbuch herausgebracht hat. Das ist nicht der originale, enthält aber sicher viel anderes für dich interessante Material.

Momentan recherchiere ich über die Verwendung der Laute im
Hoch- und Spätmittelalter und habe schon einiges Interessantes
gefunden. Wenn Du noch was weißt, nur heraus mit der Sprache!

Ach Nike, da gäbe es so viel zu sagen. Wenn du fertig recherchiert hast und konkrete Fragen hast, dann wende dich noch mal an mich.

Kennst Du Sigur Ros? Diese
skandinavische Band habe ich mal life gesehen, und die haben
wiederum E-Gitarren mit Geigenbögen bespielt. Außergewöhnlich.
Klang aber gut, wenn man Klangexperimente mag.

Kenne ich nicht, aber vielleicht registriere ich den Namen mal in meinem Hinterstübchen

mit Wachs imprägnierte
Zelte, in die können wir unsere kleinen Feueröfen hinein
nehmen. Die wärmen auch. :smile:

Brrrrrr!

Viele Grüße, Bernhard

Hiho,

welchen Zupfgeigenhansel brauchst Du? Die Klavierausgabe, die
für Gitarre oder doch nur mit Melodie?

Weil ich ja Laute spielen will, wäre die Gitarrenausgabe das sinnvollste, finde ich. :smile: Wiesooo?

Liebe Grüße, Nike

Hi Nike,

Weil ich ja Laute spielen will, wäre die Gitarrenausgabe das
sinnvollste, finde ich. :smile: Wiesooo?

manche Gitarristen schwören auf Klaviernoten, die sie nur als Gerüst einsetzen. Noten für Gitarre sind manchmal mit Vorsicht zu genießen, nicht jeder Notenstecher versteht was von der Gitarre. Ein Anfänger ist mit Gitarrennoten aber bestimmt gut bedient.

Gruß Ralf

zurück zur Sache
Ach, ihr Diskutanten,

es geht ja um den Zupfgeigenhansl, ein Liederbuch, welches 1908 das Licht der Welt erblickte. Sinn war, den Wandervögeln das Liedgut in gedruckter Form zur Verfügung zu stellen, was sie als „fahrende Gesellen“ auf ihrer „Reise“ brauchten - besser: Lieder, die sie nach Ansicht des Herausgebers singen sollten. Und das ist eben nicht für Klavier verfasst (so etwas ist ein wenig schwer für die Reise, programmierbare Handys gabs damals noch nicht). Vielmehr speziell für Gitarre: „Nur nicht zuviel in den Saiten herumgekratzt, hier ein weicher Mollakkord angeschlagen und dort eine fragende Septime …“

Das Liederbuch hat also Begleitakkorde für Zupfgeige bzw. für die Wandervogellaute. Ob sich später irgendjemand überlegt hat, wie man doch noch mehr in den Saiten herumkratzen kann und die Lieder - entgegen der Intention des Herausgebers - für Klavier zu bearbeiten, das ist für das eigentliche Buch irrelevant.

Etwas anderes als das Buch in möglichst originalnaher Ausgabe kommt für den für Nike beschriebenen Zweck nicht in Frage.

Und für die Klavierspieler unter uns: Da wäre es mir doch zehnmal lieber, jemand entwickelt eine eigene Version des vorggebene Liedes, als dass er/sie sich an einem vorgegebenen Arrangement seine Zähne ausbeisst und seine Kreativität abwürgt.

Bernhard

Lieber Bernhard,

mir musst Du das nicht erklären. Nike wollte wissen, warum jemand auf die Idee kommt, für die Gitarre Klaviernoten zu verwenden. Wenn Dir dazu was einfällt, antworte bitte dort.

Gruß Ralf